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Aufgaben und Position des Co-Therapeuten/Fachpflegers für Psychiatrie an einem Fallbeispiel

Termpaper, 2009, 29 Pages
Author: Matthias Bielesch
Subject: Nursing Science

Details

Event: Weiterbildung „Fachpfleger für Psychiatrie“ und „Co-Therapeut/ Verhaltenstherapie“
Institute: BIGS Stralsund
Tags: Aufgaben, Position, Co-Therapeuten/Fachpflegers, Psychiatrie, Fallbeispiel, Weiterbildung, Psychiatrie“, Verhaltenstherapie“
Category: Termpaper
Year: 2009
Pages: 29
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V122769
ISBN (E-book): 978-3-640-27384-3
ISBN (Book): 978-3-640-43872-3
Notes :
Hausarbeit in der Weiterbildung „Fachpfleger für Psychiatrie“ und „Co-Therapeut/ Verhaltenstherapie“ Benotung: sehr gut Inhalt: 1. Einleitung 2. Vorstellung der Station und ihrer Mitarbeiter 3. Vorstellung der Patientin 3.1. Lebensgeschichtliche Entwicklung und Anamnese 3.2. Symptomatik zu Behandlungsbeginn 4. Befundaufnahme 4.1. Psychischer Befund 4.2. Somatischer Befund 4.3. Verhaltensanalyse 5. Diagnose 5.1. Medizinische Diagnose 5.2. Differentialdiagnosen 5.2.1. Anorexia nervosa (F50.0) 5.2.2. Leichte depressive Episode (F32.0) 5.3. Pflegediagnose 6. Therapeutischer Weg 6.1. Therapieziele 6.2. Prognose 6.3. Behandlungsplan 6.3.1. Therapieangebote im stationären Setting 6.3.2. Soziales Kompetenztraining 6.3.3. Gemeinsame Gespräche mit Eltern 6.3.4. Esstagebuch, Ernährungsberatung 6.3.5. Exposition 6.4. Therapieverlauf 6.5. Therapieergebnisse 6.6. Vorschläge für weiteres therapeutisches Vorgehen und flankierende Maßnahmen 7. Zusammenfassende Auswertung 7.1. Kritische Reflexion der Arbeit mit der Berichtspatientin 7.2. Kritische Selbstreflexion der Arbeit als angehender Co-Therapeut und Fachpfleger für Psychiatrie 8. Literaturverzeichnis


Abstract

1. Einleitung Die Arbeit mit psychisch Kranken ist nach wie vor eine kontrovers diskutierte. Durch den stetigen Anstieg der Zahl der Behandlungsbedürftigen, Zentralisierung der Klinikstandorte und enormer Forschungstätigkeit auf diesem Gebiet wird die Psychiatrie jedoch präsenter und allgegenwärtiger denn je. Meine folgende Abschlussarbeit zur dualen Ausbildung „Co-Therapeut/ Verhaltenstherapie“ und „Fachpfleger für Psychiatrie“ soll nicht nur meinen Arbeitsalltag darstellen, sie soll vielmehr am Beispiel der Patientin N.N. aufzeigen, wie vielfältig Psychiatrie sein kann, wie umfangreich die Palette der Handwerkszeuge von Pflegenden und Therapeuten auf diesem Gebiet ist. So komplex der ‚rote Faden’ auch die Zusammenarbeit zwischen N.N. und mir durchzieht, so wichtig ist es ebenso, zu wissen, welch eine Vielzahl von verschiedenen Berufsgruppen mit dieser Patientin arbeitet, als auch, dass trotz der Individualität eines jeden Patienten die Gruppendynamik im stationären Bereich von großer Wichtigkeit ist. Während zu Beginn die Beschreibung, also Diagnostik der Patientin, im Vordergrund steht, soll darin der Verhaltensanalyse mittels SORKC-Schema eine tragende Rolle zuteil werden. Anschließend gehe ich auf den umfangreichen Prozess der Therapie ein und beschreibe stets beispielorientiert meinen co-therapeutischen Einbezug in diesen. Die fachpflegerischen Interventionen runden flankierend die Arbeit und erfahren ihren Schwerpunkt in der Diskussion der Pflegediagnose. Im Schlussteil, der Reflektion meiner Tätigkeit, finden sie eine Zusammenfassung. ...


Excerpt (computer-generated)

Aufgaben und Position des Co-Therapeuten/ des Fachpflegers für Psychiatrie an

einem Fallbeispiel

Hausarbeit

in der Weiterbildung ,,Fachpfleger für Psychiatrie" und ,,Co-Therapeut/

Verhaltenstherapie"

Fachgebiet: Psychiatrie

vorgelegt von: Matthias Bielesch

Monat/ Jahr: Dezember 2008


1. Einleitung

3

2. Vorstellung der Station und ihrer

Mitarbeiter

3

3.

Vorstellung

der

Patientin

4

3.1. Lebensgeschichtliche Entwicklung und Anamnese

4

3.2.

Symptomatik

zu

Behandlungsbeginn

4

4.

Befundaufnahme

6

4.1.

Psychischer

Befund

6

4.2.

Somatischer

Befund

6

4.3.

Verhaltensanalyse 6

5.

Diagnose

9

5.1.

Medizinische

Diagnose

9

5.2.

Differentialdiagnosen

10

5.2.1.

Anorexia

nervosa

(F50.0)

10

5.2.2.

Leichte

depressive

Episode

(F32.0)

11

5.3.

Pflegediagnose

11

6.

Therapeutischer

Weg

14

6.1.

Therapieziele

14

6.2.

Prognose

15

6.3.

Behandlungsplan

15

6.3.1.

Therapieangebote

im

stationären

Setting

15

6.3.2.

Soziales

Kompetenztraining

16

6.3.3.

Gemeinsame

Gespräche

mit

Eltern

17

6.3.4.

Esstagebuch,

Ernährungsberatung

18

6.3.5.

Exposition

18

6.4.

Therapieverlauf

21

6.5.

Therapieergebnisse

22

6.6. Vorschläge für weiteres therapeutisches Vorgehen und flankierende

Maßnahmen

22

7.

Zusammenfassende

Auswertung

23

7.1. Kritische Reflexion der Arbeit mit der Berichtspatientin

23

7.2. Kritische Selbstreflexion der Arbeit als angehender Co-Therapeut und

Fachpfleger für Psychiatrie

24

8.

Literaturverzeichnis 27

2


,,Ein psychisch Kranker ist ein Mensch, der bei der Lösung einer altersgemäßen

Lebensaufgabe in eine Krise und Sackgasse geraten ist, weil seine Verletzbarkeit und

damit sein Schutzbedürfnis und sein Bedürfnis, Nicht-Erklärbares zu erklären, für

ihn zu groß und zu schmerzhaft geworden sind." (Dörner & Plog, 1994, S.12)

1. Einleitung

Die Arbeit mit psychisch Kranken ist nach wie vor eine kontrovers diskutierte. Durch

den stetigen Anstieg der Zahl der Behandlungsbedürftigen, Zentralisierung der

Klinikstandorte und enormer Forschungstätigkeit auf diesem Gebiet wird die

Psychiatrie jedoch präsenter und allgegenwärtiger denn je.

Meine folgende Abschlussarbeit zur dualen Ausbildung ,,Co-Therapeut/ Verhaltens-

therapie" und ,,Fachpfleger für Psychiatrie" soll nicht nur meinen Arbeitsalltag

darstellen, sie soll vielmehr am Beispiel der Patientin N.N. aufzeigen, wie vielfältig

Psychiatrie sein kann, wie umfangreich die Palette der Handwerkszeuge von Pfle-

genden und Therapeuten auf diesem Gebiet ist. So komplex der ,rote Faden′ auch die

Zusammenarbeit zwischen N.N. und mir durchzieht, so wichtig ist es ebenso, zu

wissen, welch eine Vielzahl von verschiedenen Berufsgruppen mit dieser Patientin

arbeitet, als auch, dass trotz der Individualität eines jeden Patienten die

Gruppendynamik im stationären Bereich von großer Wichtigkeit ist.

Während zu Beginn die Beschreibung, also Diagnostik der Patientin, im

Vordergrund steht, soll darin der Verhaltensanalyse mittels SORKC-Schema eine

tragende Rolle zuteil werden. Anschließend gehe ich auf den umfangreichen Prozess

der Therapie ein und beschreibe stets beispielorientiert meinen co-therapeutischen

Einbezug in diesen.

Die fachpflegerischen Interventionen runden flankierend die Arbeit und erfahren

ihren Schwerpunkt in der Diskussion der Pflegediagnose. Im Schlussteil, der

Reflektion meiner Tätigkeit, finden sie eine Zusammenfassung.

2. Vorstellung der Station und ihrer Mitarbeiter

Mein Tätigkeitsbereich ist seit fünf Jahren die Jugendstation in der Klinik für

Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und

Jugendalter an der Universität Rostock. Unser Team besteht aus 16 examinierten

Pflegekräften, davon fünf Fachschwestern für Psychiatrie, einer Ärztin und einer

Psychologin. Weiterhin arbeiten Musik-, Aqua-, Ergo- und Physiotherapeuten sowie

3


Sonderpädagogen und Sozialarbeiter mit den Kindern und Jugendlichen. Die Station

umfasst zehn Betten für Jungen und Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren mit den

Behandlungsschwerpunkten Angsterkrankungen, depressive Störungen, post-

traumatische Belastungsstörungen, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Psychosen,

selbstverletzendes Verhalten/ Suizidalität und Zwangserkrankungen. Es besteht die

Möglichkeit, bis zu fünf der Patienten geschlossen unterzubringen.

3. Vorstellung der Patientin

3.1. Lebensgeschichtliche Entwicklung und Anamnese

Die zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme 17-jährige N.N. wurde am 09.05.1991

nach einjähriger Ehe des Fotolaboranten V.N. und der Verkäuferin M.N. in Rostock

geboren. Sie sei Einzelkind; Schwangerschaft der Kindsmutter, Geburt und

frühkindliche Entwicklung wären unauffällig verlaufen. Bis zum Behandlungsbeginn

am 04.08.2008 in unserer Klinik gäbe es keine Krankenhausaufenthalte und

erwähnenswerte Erkrankungen. Auch die Kinderkrippen- und Kindergartenzeit sei

unauffällig verlaufen. N.N. wäre seit der Einschulung im siebten Lebensjahr in der

Grundschule und der ab der fünften Klasse folgenden Gymnasialzeit gut integriert

bei guten schulischen Leistungen.

Ihre Hobbys benennt sie mit Gesangsunterricht und dem Singen in einer Schülerband.

Weder bei den Kindseltern noch bei den Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits

seien neurologische oder psychische Erkrankungen bekannt. Alle Familienmitglieder

seien stark in die Apostelgemeinde eingebunden. Dies drücke sich nicht nur im

regelmäßigen Besuch des Gottesdienstes an mehreren Tagen in der Woche aus,

sondern facettiert sich weiterführend in hilfsgeistlichen Tätigkeiten, im Chorsingen

und dem Mitwirken in verschiedenen Gruppen.

N.N. beschreibt ihre Mutter als sehr fürsorglich ihr gegenüber, jedoch mit deutlich

forderndem Charakter, was die Aktivitäten in der Kirchengemeinde betrifft. Bedingt

durch das eher dominante Auftreten des Vaters N.N. gegenüber, benennt diese ihre

Gefühle für ihn als ,,ehrfürchtig" und gibt dies auch als Hauptgrund der meisten

Auseinandersetzungen an.

3.2. Symptomatik zu Behandlungsbeginn

Im stationären Aufnahmegespräch ­ es hat sich bewährt, dieses in Anwesenheit der

Stationsärztin und einer examinierten Pflegekraft durchzuführen ­ gibt N.N.

4


,,verstärkte Angstgefühle seit einem Jahr" und ein damit einhergehendes Vermei-

dungsverhalten an. Näher bezeichnet sie ihre Ängste vor Menschenmengen und

Fahren mit Bussen, Bahnen und Autos, was sie seit geraumer Zeit in den Möglich-

keiten ihrer Fortbewegung auf Fahrradfahren und zu Fuß gehen einschränkt. Sympto-

matisch beschreibt sie Schwindel, Benommenheit, Schwitzen, Unsicherheit, Angst

zu Erbrechen oder ohnmächtig zu werden.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle die Tatsache, dass N.N. selbst zum Behandlungs-

beginn in die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Aufnahmetag mit dem

Fahrrad eintraf, während die Eltern mit dem PKW fuhren.

Als einschneidende Folgen dieser zunehmenden Ängste und Vermeidungen nennt

N.N. eine Verschlechterung ihrer schulischen Leistungen und viele Fehltage. Seit

dem 15.05. dieses Jahres gehe sie gar nicht mehr zur Schule.

Im Vorfeld dieser angegebenen Ängste leide sie seit etwa Ende 2006 unter Übelkeit,

was laut N.N. eine Essproblematik bedingt oder diese zur Folge hat. Sie habe

seitdem 25 kg abgenommen, ihr aktueller BMI (Body-Mass-Index) beträgt 17,1.

Der Body-Mass-Index ist eine Maßzahl zu Bewertung des Körpergewichts eines

Menschen und wurde im 19. Jahrhundert von Adolphe Quételet entwickelt. Er lässt

sich mit der Formel Gewicht (kg)/ Größe (m²) ermitteln Das Ergebnis vergleicht man

mit den Gewichtsklassifikationen vorgegebener Tabellen, in unserem Fall von der

Weltgesundheitsorganisation (WHO, 1998):

Kategorie

BMI (kg/ m²)

Starkes Untergewicht

< 16,00

Mäßiges Untergewicht

16,00 ­ 16,99

< 18,50 = Untergewicht

Leichtes Untergewicht

17,00 ­ 18,49

Normalgewicht

18,50 ­ 24,99

Präadipositas

25,00 ­ 29,99

25,00 = Übergewicht

Adipositas Grad I

30,00 ­ 34,99

Adipositas Grad II

35,00 ­ 39,99

30,00 = Adipositas

Adipositas Grad III

40,00

Auch bei Kindern und Jugendlichen wird der BMI zur Diagnosestellung bezüglich

Über- oder Untergewicht herangezogen, wobei die Kategorisierung allerdings unter

Zuhilfenahme geschlechts- und altersabhängiger Bewertungskurven, so genannter

5


Altersperzentilen, modifiziert wird. Die Einnahme von Laxantia verneint N.N.

ebenso wie Erbrechen, allerdings habe sie ihre Nahrungsaufnahme reduziert.

Eine ambulante Psychotherapie wurde im letzten Jahr durch den Vater von N.N.

abgebrochen, da er sie ,,für wenig bis gar nicht Erfolg versprechend" hielt.

4. Befundaufnahme

4.1. Psychischer Befund

Zum Zeitpunkt der Aufnahme ist N.N. voll orientiert, bewusstseinsklar, differenziert,

kontakt- und ansprachebereit, im Affekt modulierbar. Psychomotorisch wirkt sie

leicht angespannt, im Antrieb ungestört bei leicht gedrückter Stimmung.

Wahrnehmungsstörungen, Ich- und Denkstörungen können ausgeschlossen werden,

ebenso eine akute oder latente Suizidalität oder Fremdgefährdung.

In der testpsychologischen Diagnostik wird ein Intelligenzquotient von 121 ermittelt,

der sich in einen Verbal-IQ von 116 und einen Handlungs-IQ von 122 aufteilt. Damit

ist N.N. als überdurchschnittlich intelligent einzuordnen. Die Testung erfolgte mit

dem Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene.

4.2. Somatischer Befund

Bei der allgemeinen körperlich-internistischen Befunderfassung gibt es kaum

nennenswerte Ergebnisse: N.N. ist ein schlankes, 172,5 cm großes Mädchen mit

einem Gewicht von 51 kg. Wie bereits erwähnt entspricht dies einem BMI von 17,1.

In der Laborroutine zeigen sich Blutbild und Urinstatus unauffällig. Im EKG ist eine

leichte Bradykardie zu erkennen. Der Puls ist auf 50 Schläge in der Minute

verlangsamt. Ein daraufhin veranlasstes kardiologisches Konsil erbrachte jedoch eine

unauffällige Echokardiographie, ebenso wie auch ein Langzeit-EKG keine

Bestätigung für den Verdacht einer Herz-/ Kreislauferkrankung ergab.

Der neurologische Status ist ähnlich unauffällig: diagnostisch wurden mittels EEG

und CCT in der Standarduntersuchungen neurologische Fehlfunktionen oder

Einschränkungen ausgeschlossen.

4.3.

Verhaltensanalyse

Im Rahmen der stationären Aufnahme wurde im Verlauf der ersten Woche eine

Verhaltensanalyse erarbeitet. Sie stellt die Basis für die Ableitung der

therapeutischen Ziele und der Interventionen zur Verhaltensmodifikation dar. Dies

6



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