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Jugendsprache und Comicsprache

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1996, 19 Pages
Author: Ute Hauber
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Event: Hauptseminar: Sprachwandel in der Gegenwart
Institution/College: University of Mannheim (Lehrstuhl Germanistische Linguistik)
Tags: Jugendsprache, Comicsprache, Hauptseminar, Sprachwandel, Gegenwart
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1996
Pages: 19
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V1230
ISBN (E-book): 978-3-638-10777-8

File size: 88 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Mannheim
Germanistische Linguistik
Sommersemester 1996

Hauptseminar: Sprachwandel in der Gegenwart

HAUSARBEIT

Thema:  

Jugendsprache und Comicsprache

vorgelegt von:

 Ute Hauber

Romanistik/ Germanistik
6. Fachsemester

Inhalt: 

1. Zielsetzung 2

2. Bedingungen für die Entstehung jugendlicherSprechweisen 2

3. Theorie der `Jugendsprache′ 4
3.1. Strukturierung der `Jugendsprache′ (orientiert an der Theorie Hennes) 4
3.2. Weitere Merkmale von `Jugendsprache′ 10

4. Comicsprache und ihr Einfluß auf die Jugendsprache 13
4.1. Lautwörter (Onomatopöien) 13

5. Schlußbetrachtung 18

6. Bibliographie 19

 

1. Zielsetzung

Schon über Jahrhunderte hinweg folgen Jugendliche einem gewissen Drang, sich zu Gruppierungen zusammenzutun. Diese historische Tatsache gibt vor allem Jugendforschern die Gewißheit, daß Jugendliche dazu neigen, sich in altershomogene Gruppen zurückzuziehen, um das während der biologisch bedingten Pubertätsphase oder der eher neuzeitlich einzuordnenden gesellschaftlich und soziokulturell bestimmten Phase der Persönlichkeitsentwicklung gesteigerte Kommunikationsbedürfnis- und bemühen auszuleben. Das Streben Jugendlicher nach einer ,,eigenen Welt", in der Raum und Zeit für sowohl Selbsterkundung als auch für das Kennenlernen des Anderen gewünscht wird, wirkt sich auch auf das Sprechverhalten der Jugendlichen aus. Ziel dieser Hausarbeit ist es nun, die aus den Jugendgruppierungen resultierende(n) vielfältige(n) jugendliche(n) Sprechweise(n) und ihre Merkmale herauszuarbeiten, wobei aufgrund der sehr unterschiedlicher Meinungen in der Jugendforschung und speziell bezüglich der Jugendsprache eine Beschränkung hinsichtlich der Theorie der Jugend und jugendlicher Gruppensprachen notwendig ist. Anschließend werden dann die als einer der Träger und Verbreiter jugendsprachlicher Merkmale geltende Comicsprache sowie die aus ihr entsprungenen und in der Jugendsprache sehr beliebten Lautwörter näher betrachtet.

2. Bedingungen für die Entstehung jugendlicher Sprechweisen

Jugendliche werden durch Vereine oder Schulen mit Gleichaltrigen zusammengebracht, wodurch sie sich aus herkömmlichen Umkreisen, besonders dem der Familie, lösen und in neue Lebensbereiche und Institutionen vordringen. Es entstehen sogenannte Peer-Gruppen1, in denen sich die Jugendlichen gegenseitig zu erkunden versuchen und sich vor allem mitteilen, beziehungsweise darstellen wollen. Der Rückzug der Jugendlichen in diese altershomogenen Gruppen schafft ihnen einen affektiven, die ganze Person eines Jugendlichen betreffenden Bezugsrahmen, innerhalb welchem eine affektive Kommunikation, beziehungsweise Interaktion erfolgen kann (Griese 1975: 301). Schließlich sind im Prozeß einer Identitätsgewinnung Jugendlicher emotionale Kommunikationssituationen notwendig, die vor allem die biologisch-physiologische Ausstattung und Veränderung der Jugendlichen berücksichtigen. Durch sie können die zu erwartenden Spannungen und Konflikte im Interaktionsbereich der Heranwachsenden besser verarbeitet werden (ibd., 308). Denn Jugendliche finden in einer Lebensphase, die den Höhepunkt an Verhaltens- und Orientierungsschwierigkeiten erreicht, durch Kommunikation mit Ihresgleichen die notwendige affektive Absicherung (ibd., 314f.). Die meist milieukonform gewählten Peer-Gruppen bieten Jugendlichen vor allem eine wichtige Gruppenaktivität: die soziale Interaktion. Das Verlangen Heranwachsender ist da, öfter zusammen zu sein, zu blödeln oder zu ratschen (Griese 1975: 317; 325), und der geschaffene Freiraum, den altershomogene Gruppen bieten, fördert besonders das kreative Experimentieren Jugendlicher mit der Sprache (Schlobinski/ Kohl/ Ludewigt2 1993: 204-5). Für das Mitteilungs- oder Darstellungsbedürfnis Heranwachsender sind letztendlich spezifische kommunikative Zeichen notwendig, die gesetzt oder empfangen werden können. Diese entpuppen sich als bestimmte Verhaltensweisen, Kleidungsgegenstände, Gestik, Mimik und treten vor allem in der Sprache auf - in Form zahlreicher jugendlicher Sprechweisen.

Die größtenteils eigenständige Sprache und Symbolik jugendlicher Kommunikationen in altershomogenen Gruppen ermöglichen die Übernahme von Subsinnwelten. Subsinnwelten sind Ausschnitte der Gesamtwelt, in denen eine eigene Sprache gesprochen wird zum Beispiel beim Militär, in totalen Institutionen, in Jugendgruppen, in der Drogensubkultur, etc.. Diese eigenständigen Sprachen drücken zunächst primäre Erfahrungen im sozialen Nahbereich aus. Ein Neuling, der von außen in eine von ihnen eintritt, bekommt somit schnell und deutlich zu spüren, daß er in eine ganz andere Sinn- und Gesprächswelt mit ganz anderen Verkehrsregeln geraten ist; eine jede hat ihre eigene Sprache und baut daraus eine ganze Sinnwelt auf (Schlobinski 1993: 177; Griese 1975: 325-f.). Folglich impliziert die Sozialisation in einer Subwelt der Peer-Gruppen eine eigenständige Konstruktion und Interpretation der Wirklichkeit und eine eigene Subsprache (Griese 1975: 326), die häufig kritische und distanzierende Züge seitens der Jugendlichen aufweist.

[...]


1 Die Bezeichnung `Peer-Gruppe′ wurde aus der amerikanischen Soziologie (,,peer-group") übernommen, man spricht auch von der `Gruppe Gleichaltriger′ (Henne 1986: 205).

2 Die Autorinnen Gaby Kohl und Irmgard Ludewigt seien von nun an einfachkeitshalber in ,,Schlobinski 1993" mit inbegriffen.


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