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Termpaper, 2000, 41 Pages
Author: Carmen Trappenberg
Subject: Art - Photography / Film
Details
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Institut für Kunstgeschichte)
Tags: Heinrich, Zilles, Photographien, Bewegungen, Wilhelminischen, Deutschland
Year: 2000
Pages: 41
Grade: sehr gut (1,3)
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-18230-0
File size: 631 KB
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Excerpt (computer-generated)
Seminar des Hauptstudiums:
Die kultur - und lebensreformerischen Bewegungen im
Wilhelminischen Deutschland
Hausarbeit:
Heinrich Zilles Photographien
Wintersemester 1999/2000
Carmen Trappenberg
Inhalt
I. Einleitung 3
II. Biographie 4
II. 1. Heinrich Zille - ein "Sozialaufsteiger" 8
III. Künstlerische Entwicklung 11
III. 1. Der Einfluß des Naturalismus im Wilhelminischen Zeitalter 11
III. 1. a. Geschichtlicher Hintergrund 11
III. 1. b. Der Einfluß des Naturalismus auf Heinrich Zilles Kunst 13
IV. Zilles photographisches Werk 16
IV. 1. Photographische Tätigkeit und Entwicklung 18
IV. 1. a. Menschen als photographisches Motiv 20
IV. 1. b. Weitere photographische Motive 23
IV. 1. c. Statik und Bewegung in Zilles Photographien 25
IV. 2. Umfang des photographischen Werkes 27
V. Photographie und Zeichnung 28
VI. Der heutige Wert der Photographien 32
VII. Schluß 35
IIX. Abbildungen 36
IX. Bibliographie 40
I. Einleitung
Bei dem Namen Heinrich Zille denkt man zuerst an den bekannten Karikaturisten des Berliner Arbeitermilieus, an den oft so genannten ′Pinselheinrich′. 1
Er war jedoch auf verschiedenen künstlerischen Gebieten tätig, wie der Malerei, der Graphik und der Photographie, und wurde erst später zu dem Künstler, als der er heute allgemein bekannt ist. Käthe Kollwitz bemerkte dazu 1924 in einem Gespräch mit Adolf Heilborn:" ′Es gibt mehr als einen Zille." ′2
Zwischen 1882 und 1906 fertigte Heinrich Zille zahreiche Photographien an, die für den heutigen Betrachter Zeitzeugnisse der damaligen Gesellschaft sind. Ihre Entstehungsgeschichte sowie der Wert, den sie für uns heute ausmachen, soll in der folgenden Arbeit dargelegt werden.
Grundlegend für die vorliegende Arbeit waren die Werke von Winfried Ranke3 und Enno Kaufhold4 zu dem behandelten Thema, wobei Kaufhold 20 Jahre nach Ersterscheinen des Buches von Ranke einige neue Aspekte und Ansätze ausarbeitete.
Die Literaturlage zu Heinrich Zilles Photographie ist vor allem im Vergleich zu Arbeiten über seine Zeichnungen sehr dürftig. In den meisten Monographien über den Künstler wird die Photographie, wenn überhaupt, nur peripher angesprochen.5 II. Biographie
Aufgrund des Themas der vorliegenden Arbeit soll in der folgenden Biographie Heinrich Zilles nicht auf seinen kompletten Werdegang als Zeichner eingegangen werden. Einige wichtige Eckdaten in diesem Zusammenhang werden allerdings erwähnt, da sie für das Allgemeinverständnis der Arbeit und auch für das Verständnis der Photographien unentbehrlich sind. Wie später noch dargelegt werden soll, waren Zeichnung und Photographie bei Heinrich Zille eng miteinander verknüpft.
Auf seine photographische Tätigkeit soll in einem eigenen Kapitel gesondert eingegangen werden.
Im Jahre 1824 wurde Heinrich Zilles Vater Johann Traugott Zille als Sohn eines Zimmerers in Sachsen geboren. In seinem beruflichen Werdegang übte er verschiedene handwerkliche Tätigkeiten aus, so unter anderem Schmied und Uhrmacher. 1852 heiratete er Ernestine Luise Heinitz, Tochter eines Bergmanns, die aus der Nähe von Dresden stammte. Sie bezogen ein Haus in Radeburg, nördlich von Dresden gelegen und bekamen ihr erstes Kind, Fanny. Am 10. Januar 1858 wurde dann Rudolf Heinrich Zille geboren. Sieben Jahre später erfolgte ein Umzug in das nahe bei Dresden gelegene Potschappel zu Heinrich Zilles Großeltern mütterlicherseits. Sein Vater saß zu der Zeit wegen Schulden, die er nicht begleichen konnte, im Dresdener Schuldgefängnis. Nach seiner Entlassung zog die Familie 1867 nach Berlin. Aufgrund der damaligen hohen Zuwandererzahlen herrschte in Berlin Wohnungsnot und vor allem billige Wohnungen waren knapp, da die meisten Zuwanderer nur wenig Geld besaßen. Heinrich Zilles Vater war zu diesem Zeitpunkt arbeitslos und sollte auch in den nächsten Jahren zunächst keine feste Anstellung finden. So kam die Familie erst einmal in einer sehr einfach eingerichteten Wohnung6 im Osten Berlins unter, in deren Nähe Heinrich die Gemeindeschule besuchte. Zum Lebensunterhalt der Familie mußte auch er beitragen, indem er unter anderem der Mutter bei Heimarbeiten half, diese auch verkaufte und außerdem für die Bewohner des Hauses verschiedene Botengänge erledigte. 1869 wurde der Vater dann bei der Elektrofirma Siemens & Halske als Mechaniker fest angestellt und hatte somit ein sicheres Einkommen. So konnte es sich die Familie wohl leisten, daß Heinrich einen Teil seines selbstverdienten Geldes, nämlich einen Taler pro Monat, für privaten Zeichenunterricht bei einem alten Zeichenlehrer namens Spanner ausgeben konnte. In seinem Lebenslauf führt Heinrich Zille an, daß ihn schon als Kind die Stiche von William Hogarth sehr beeindruckt haben und er ihre Motivik mit dem Leben, das er kannte, verglich.7 Oschilewski meint, daß der junge Heinrich desweiteren durch Lithographien von Menzel, Daumier und Delacroix stark beeindruckt wurde.8 Nachdem der Vater eine feste Anstellung in einem großen Goldschmiedebetrieb als Werkzeugmacher gefunden hatte, kaufte er im September 1872 schließlich ein Grundstück am östlichen Stadtrand Berlins, dem Arbeiterort Boxhagen - Rummelsburg, auf welches im Folgejahr ein kleines Eigenheim gebaut wurde.
Heinrich beendete im Jahr 1872 seine Schulzeit und seine Eltern schickten ihn bei einem Fleischer in die Lehre, die er jedoch nach kurzer Zeit abbrach. Sein Zeichenlehrer Spanner riet ihm, eine Ausbildung zum Lithographen zu machen und überzeugte wohl auch Heinrichs Eltern, so daß dieser im April 1872 bei Fritz Hecht in der Alten Jacobstraße als Lehrling anfing.9
[....]
1 Ranke, Winfried, Vom Milljöh ins MiIlieu; Hannover 1979, S. 9
2 Kusenberg, Kurt (Hrsg.), Heinrich Zille in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von Lothar Fischer; Hamburg 1979, S. 147
3 Ranke, Winfried, Heinrich Zille. Photographien Berlin 1890- 1910; München 1985
4 Kaufhold, Enno, Heinrich Zille. Photograph der Moderne; München 1995
5 so z.B. in: Oschilewski, Walter G., Heinrich Zille Bibliographie; Hannover 1979, S.15f. und: Kusenberg, S. 98ff.
6 " ′ Ein Ofen, ein Schemel, eine Tasse ohne Henkel und als Tisch der Koffer, das war unser Speisezimmer- auf der Erde schliefen wir. Es war manchmal hartes Lager..." ′ Ranke 1979, S. 15
7 Zille, Heinrich, "Mein Lebenslauf. Aufgezeichnet für die Akademie der Künste in Berlin". Kunst und Künstler 23 (1925): 68 f.
8 Oschilewski, S. 12
9 Ranke 1985 führt an, daß Zille zu Ostern die Schule verließ und bereits am 1. April desselben Jahres die Lehre als Lithograph antrat (S. 9). Folglich kann die Lehrzeit Zilles beim Schlachter lediglich einige Tage gedauert haben.
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