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Bachelorarbeit, 2007, 54 Seiten
Autor: Bachelor of Science Marcel Debach
Fach: Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie
Details
Jahr: 2007
Seiten: 54
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-28010-0
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Zusammenfassung / Abstract
In den 60er Jahren bemerkte Burkitt, dass Darmkrebs in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedlich häufig auftritt. So zeigte sich in afrikanischen Ländern wie Uganda und Mosambik eine um circa zehn Mal geringere Darmkrebs- Inzidenz als in Teilen Europas oder den USA. Burkitt stellte bei Untersuchungen bedeutende Unterschiede in der Ballaststoffaufnahme, in der Dauer der Transitzeit und dem mittleren Stuhlgewicht zwischen Afrikanern und Europäern fest. Außerdem beobachtete er, dass Amerikaner afrikanischen Ursprungs dieselbe Häufigkeit im Auftreten von Darmkrebs wie Amerikaner mit europäischem Ursprung zeigten, was ihn zu der Hypothese führte, dass eine niedrige Ballaststoffaufnahme für die Entwicklung verschiedener Erkrankungen wie Divertikelkrankheiten und kolorektalen Krebs verantwortlich sein könnte und die hohe Aufnahme an Ballaststoffen aus unraffiniertem Getreide und/ oder Blattgemüse in Teilen Afrikas protektive Effekte bezüglich kolorektalem Krebs ausübt. Heute ist das kolorektale Karzinom eine der Haupterkrankungen, die in den USA und anderen entwickelten Ländern zum Krebstod führen. Ursache hierfür könnte die in den letzten 100 Jahren drastisch zurückgegangene Aufnahme an Ballaststoffen sein, die heute im Mittel nur noch 25 % der Aufnahme von damals beträgt. Bis heute zeigten zahlreiche epidemiologische Studien positive Effekte der Ballaststoffaufnahme auf kolorektalen Krebs und auch die aus Ballaststoffen durch mikrobielle Fermentation im Kolon gebildete kurzkettige Fettsäure Butyrat zeigte protektive Eigenschaften, indem sie in in vitro- Studien in Tumorzellen unter anderem die Apoptose induzierte und die Proliferation hemmte. In vivo Studien, die die Auswirkungen der Ballaststoffaufnahme auf das Risiko kolorektaler Karzinome untersuchten, zeigten jedoch widersprüchliche Ergebnisse, indem teilweise keine Beziehung festgestellt werden konnte. Ziel dieser Arbeit ist es die Herkunft von Ballaststoffen, deren Metabolismus und die Mechanismen der kolorektalen Krebsentstehung zu beschreiben und darauf aufbauend die molekularen Wirkungen von Ballaststoffen auf die kolorektale Karzinomentstehung darzustellen und zu interpretieren.
Textauszug (computergeneriert)
Institut für Ernährungswissenschaft
Fachbereich 09: Agrarwissenschaft, Ökotrophologie und
Umweltmanagement
Justus-Liebig-Universität Gießen
Bachelorarbeit
Molekulare Wirkungen von Ballaststoffen in der
kolorektalen Karzinogenese
eingereicht von: Marcel Debach
Gießen, September 2007
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis
IV
Abkürzungsverzeichnis
V
Kapitel
Seitenzahl
1
Einleitung
1
2
Ballaststoffe
2
2.1
Definition
2
2.2
Vorkommen
5
2.3
Effekte
8
3 Kurzkettige
Fettsäuren
(KKFS)
11
3.1
Definition
und
Entstehung
11
3.2
Einfluss
mikrobieller
Besiedlung
13
3.3
Absorption
und
Stoffwechsel
16
4
Darmkrebs
18
4.1
Beteiligte
Gene
und
Mechanismen
18
4.1.1
Onkogene
18
4.1.2
Tumor-
Suppressorgene
19
4.1.3
DNA-
Reparaturgene
21
4.2
Krebsentstehung
22
4.2.1
Genetische
Einflüsse
22
4.2.2
Epigenetische
Einflüsse
24
4.3
Apoptose
25
4.4
Caspasen
27
5
Molekulare Wirkungen von Ballaststoffen in der kolorektalen
Karzinogenese
28
5.1
In
vitro 28
5.2
In
vivo
36
6
Diskussion
40
II
7 Schlussfolgerungen
und
Ausblick
42
8
Zusammenfassung
43
9
Literaturverzeichnis
44
.
III
Abbildungsverzeichnis
Abb.
Seitenanzahl
2.1
Klassifizierung der Ballaststoffe
3
2.2
Einteilung der Ballaststoffe nach dem Grad ihrer Löslichkeit und
Fermentierbarkeit
6
3.1
Schematische Darstellung der Wege der Kohlenhydratverdauung
im Dickdarm
12
5.1
Modell
der
Butyrat-
induzierten
Apoptose
32
5.2
Die Regulation der HIF-1- Aktivität und die mögliche Beeinflussung
durch
HDAC-Inhibitoren
in
Caco-2
Zellen
34
5.3
Effekte kurzkettiger Fettsäuren auf Kolon- Epithelzellen in
verschiedenen Stadien der Adenom- Karzinom- Sequenz
35
Tabellenverzeichnis
Tab.
Seitenanzahl
2.1
Substanzen die gemäß der American Association of
Cereal Chemists zu Ballaststoffen gezählt werden
4
2.2
Ballaststoffgehalt
pflanzlicher
Lebensmittel
7
2.3
Quellungszahl verschiedener isolierter
Ballaststoffe 8
IV
Abkürzungsverzeichnis
AKT
Serin/Threonin
Kinase, Proteinkinase B
APC
Adenomatous Polyposis Coli Gene
CIN
Chromosomal
Instability
Pathway
DISC
Todesverursachender
Signalkomplex
DNA
Desoxyribonukleinsäure
FAP
Familiäre
Adenomatöse
Polyposis
HAT
Histon-
Acetyltransferase
HDAC
Histondeacetylase
HIF -1
Hypoxia- Inducible Factor- 1
HNPCC
Hereditary Nonpolyposis Colon Cancer Syndrome
IAP
Inhibitoren
apoptotischer
Proteine
KKFS
Kurzkettige
Fettsäuren
MAPK
Mitogen-
aktivierte
Proteinkinase
MSI
Mikro
Satelliten
Instabilität
NSP
Nicht-
Stärke-
Polysaccharide
PI3K
PI3-Kinase,
Phosphatidylinositol 3-Kinase
TGF
Transforming
growth
factor
TNF
Tumornekrosefaktor
VEGF
Vascular
Endothelial Growth Factor
Wnt
Wingless-
type
V
1 Einleitung
In den 60er Jahren bemerkte Burkitt, dass Darmkrebs in verschiedenen Teilen der Welt
unterschiedlich häufig auftritt. So zeigte sich in afrikanischen Ländern wie Uganda und
Mosambik eine um circa zehn Mal geringere Darmkrebs- Inzidenz als in Teilen Europas
oder den USA. Burkitt stellte bei Untersuchungen bedeutende Unterschiede in der
Ballaststoffaufnahme, in der Dauer der Transitzeit und dem mittleren Stuhlgewicht
zwischen Afrikanern und Europäern fest. Außerdem beobachtete er, dass Amerikaner
afrikanischen Ursprungs dieselbe Häufigkeit im Auftreten von Darmkrebs wie
Amerikaner mit europäischem Ursprung zeigten, was ihn zu der Hypothese führte, dass
eine niedrige Ballaststoffaufnahme für die Entwicklung verschiedener Erkrankungen
wie Divertikelkrankheiten und kolorektalen Krebs verantwortlich sein könnte55 und die
hohe Aufnahme an Ballaststoffen aus unraffiniertem Getreide und/ oder Blattgemüse in
Teilen Afrikas protektive Effekte bezüglich kolorektalem Krebs ausübt.57 Heute ist das
kolorektale Karzinom eine der Haupterkrankungen, die in den USA und anderen
entwickelten Ländern zum Krebstod führen.56 Ursache hierfür könnte die in den letzten
100 Jahren drastisch zurückgegangene Aufnahme an Ballaststoffen sein, die heute im
Mittel nur noch 25 % der Aufnahme von damals beträgt.4 Bis heute zeigten zahlreiche
epidemiologische Studien positive Effekte der Ballaststoffaufnahme auf kolorektalen
Krebs und auch die aus Ballaststoffen durch mikrobielle Fermentation im Kolon
gebildete kurzkettige Fettsäure Butyrat zeigte protektive Eigenschaften, indem sie in in
vitro- Studien in Tumorzellen unter anderem die Apoptose induzierte und die
Proliferation hemmte. In vivo Studien, die die Auswirkungen der Ballaststoffaufnahme
auf das Risiko kolorektaler Karzinome untersuchten, zeigten jedoch widersprüchliche
Ergebnisse, indem teilweise keine Beziehung festgestellt werden konnte.12
Ziel dieser Arbeit ist es die Herkunft von Ballaststoffen, deren Metabolismus und die
Mechanismen der kolorektalen Krebsentstehung zu beschreiben und darauf aufbauend
die molekularen Wirkungen von Ballaststoffen auf die kolorektale Karzinomentstehung
darzustellen und zu interpretieren.
1
2 Ballaststoffe
2.1 Definition
Es gibt bisher keine allgemein akzeptierte Definition für Ballaststoffe. Hugh Trowell
sieht als Ballaststoff nur den Teil der Nahrung an, der aus pflanzlichen Zellwänden
entstammt und dabei nur schlecht durch den Menschen hydrolysiert werden kann.
Englyst beschränkt Ballaststoffe in seiner Definition ausschließlich auf Nicht- Stärke-
Polysaccharide (NSP) der pflanzlichen Zellwand. Beide Definitionen beschränken sich
auf die pflanzliche Zellwand als einzige Ballaststoffquelle, wobei es bewiesen ist, dass
andere Verbindungen als Zellwand- Polysaccharide gleichartige physiologische Effekte
aufweisen.
Die Problematik einer Definition für Ballaststoffe liegt darin, dass zwei Anforderungen
an eine Definition gestellt werden, welche sich als unvereinbar erweisen. Zum einen soll
jede Definition auf den physiologischen Effekten beim Menschen basieren, zum
anderen aber auch die chemische Herkunft beschreiben. Darüber hinaus soll der
Ballaststoffgehalt für die Aufnahme in Nährwerttabellen und zur Lebensmittel-
kennzeichnung analytisch bestimmt werden können.
Um nun Ballaststoffe nicht nur auf die pflanzliche Zellwand zu beschränken und die
gleichartigen physiologischen Effekte anderer Verbindungen mit einzubeziehen,
bezeichnet eine weitere Definition jeden Nahrungsbestandteil, der das Kolon erreicht
ohne durch einen gesunden Darm absorbiert worden zu sein, als Ballaststoff.
Diese Definition ist rein physiologisch begründet und geht nicht auf die Auswirkungen
auf die Gesundheit ein, da diese innerhalb der Ballaststoffklassen variieren können.
Eine Erweiterung der Definition ist die Klassifizierung der Ballaststoffe.
Vorraussetzung ist gemäß der Definition, dass ein Stoff den unteren Darmabschnitt
erreicht. Eine weitere Aufschlüsselung und Einteilung der Stoffe erfolgt nach der
mikrobiellen Fermentierbarkeit, dem eigentlichen Ursprung des Stoffes und der
chemischen Stoffklasse (siehe Abb. 2.1).1
Eine andere gebräuchliche Definition für Ballaststoffe ist deren Einteilung in
Ballaststoffe im engeren Sinn und Ballaststoffe im weiteren Sinn.
Im engeren Sinn sind alle makromolekularen Bestandteile der Pflanzenzellwand, die
durch die menschliche Enzymatik nicht hydrolysiert werden können, als Ballaststoffe
2
Abb. 2.1: Klassifizierung der Ballaststoffe1
zu bezeichnen. Hierzu zählen Kohlenhydrate wie Zellulose, Hemizellulose A und B,
Guaran, Lignin und das nicht- Kohlenhydrat Pektin.
Im weiteren Sinn sind alle Substanzen, die mit der Nahrung aufgenommen werden und
unverdaut den Magen und Dünndarm passieren, Ballaststoffe. Hierzu zählen zusätzlich
unverdauliche Stoffe wie Knorpel, Wachse, Bindegewebe und Chitine.4
Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Definitionen hat die American Association of
Cereal Chemists (AACC) einen Ausschuss beauftragt, eine aktualisierte Definition für
Ballaststoffe zu erstellen. Diese Definition wurde im Jahr 2000 veröffentlicht und
lautet: ,,Ballaststoffe sind der essbare Teil von Pflanzen oder analoge Kohlenhydrate,
die der Verdauung und Absorption des menschlichen Dünndarms widerstehen und im
Dickdarm vollständig oder teilweise fermentiert werden. Zu den Ballaststoffen gehören
Polysaccharide, Oligosaccharide, Lignin und damit verbundene Pflanzenstoffe.
Ballaststoffe unterstützen vorteilhafte physiologische Effekte wie die Förderung der
Stuhlausscheidung und/ oder die Verminderung des Blutcholesterinspiegels und/ oder
des Blutzuckerspiegels" (DeVries JW, 2003).
3
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