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Metaphorische und symbolische Prozesse und ihre Funktion in Germinal

Scholary Paper (Seminar), 1996, 25 Pages
Author: Ute Hauber
Subject: Romance Languages - French Literature

Details

Event: Proseminar - Der französische Naturalismus
Institution/College: University of Mannheim (Lehrstuhl Romanistik III)
Tags: Metaphorische, Prozesse, Funktion, Germinal, Proseminar, Naturalismus
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 1996
Pages: 25
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V1233
ISBN (E-book): 978-3-638-10780-8

File size: 104 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Mannheim
Lehrstuhl Romanistik III
Wintersemester 1995/96

Proseminar: Der französische Naturalismus

HAUSARBEIT

Thema: 

Metaphorische und symbolische Prozesse 
und ihre Funktion in Germinal

vorgelegt von: 

Ute Hauber

Semester: 5

 


Inhalt:

I. Zielsetzung

II. Theorie: Metapher
1. Die Metapher in der antiken Rhetorik
2. Die Metapher als kultur- und textspezifisches Phänomen
3. Definition und Klassifikation der Metapher
3.1. unbewußte, habituelle Metapher
3.2. bewußte, akzidentielle Metapher
4. Leistung und Wirkung der Metapher
5. Abgrenzung zu anderen bildhaften poetischen Verfahren

III. Erzählanalyse: Wort- und Bildfelder im Roman Germinal
1. Das Bildfeld der Farbe schwarz
1.1. Aus der Perspektive des Helden (Etienne Lantier)
1.2. Außerhalb der Perspektive des Helden
2. Die Bedeutung der Farbe weiß
3. Die Tiermetaphorik
3.1. In Bezug auf die Maschine
3.2. In Bezug auf den Menschen
4. Das Bildfeld der Atmung (Respiration)

IV. Gernimal - ein kontrastiv angelegter Roman

V. Schlußbetrachtung

VI. Bibliographie

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I. Zielsetzung

Émile Zola hat mit Germinal, dem dreizehnten Roman des Zyklus: Les Rougon-Macquart, nach Le ventre de Paris den zweiten Roman mit einem metaphorischen Titel geschrieben. Schon allein diese Tatsache gibt uns als Leser den Anstoß, den neben L′Assommoir zweiten Arbeiterroman Zolas bezüglich weiterer metaphorischer Prozesse unter die Lupe zu nehmen. Germinal thematisiert den Aufstand der Grubenarbeiter in einem nordfranzösischen Kohlerevier, angeführt von Etienne Lantier, dem ersten Sohn Gervaises aus L′Assommoir. Dem ausgebeuteten vierten Stand (den Arbeitern) stellt Zola die reichen Bergwerksbesitzer gegenüber. Seine meist aus großbürgerlichen Kreisen stammenden Leser stößt Zola zunächst bewußt vor den Kopf, denn diese erhalten im Gegensatz zu der erwarteten Bejahung ihrer sozialen ,,Wirklichkeit" Kritik in ihrem ausbeuterischen Verhalten. Die soziale Problematik des rechtlosen Arbeiters wird somit von Zola in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Bei der Verarbeitung dieser umfangreichen Thematik verwendet Zola ein geradezu eindringliches Geflecht von Metaphern, dessen Symbolik erst die zahlreichen Anspielungen auf soziohistorischer Ebene, Zolas politischen Anschauungen sowie seine Kritik an den unwürdigen Arbeitsverhältnissen im Bergbau des 19. Jahrhunderts verständlich macht. Diese leitmotivischen Verflechtungen zwischen Mensch-Maschine-Natur mit all ihren Vorausdeutungen und intrapersonalen Spiegelungen erzeugen in dem Roman eine gewisse Spannung. Ziel dieser Hausarbeit ist es nun, zu veranschaulichen, wie vor allem das Stilmittel der Metapher im Roman genutzt ist. Im ersten Teil wird deshalb zunächst dieses Stilmittel der bildhaften Übertragung definitorisch erläutert, wobei aufgrund der sehr vielfältigen Metaphernforschung, beziehungsweise -theorie eine Beschränkung auf eine allgemeine Definition der Metapher notwendig ist. Im anschließenden Teil der Erzählanalyse werden dann nicht nur reine Metaphern (Bilder), sondern vor allem auch Bild- und Wortfelder herausgearbeitet, die im Roman bedeutende Leitmotive sind.

II. THEORIE: METAPHER

1. Die Metapher in der antiken Rhetorik

Zum Bestand der antiken Rhetorik gehört vor allem die Lehre von Figuren und Tropen. Diesbezüglich erfolgte eine grundlegende Unterscheidung zwischen den „rhetorischen Figuren“ und den Tropen: Bei den rhetorischen Figuren (lat.: rhetoricus = die Rede betreffend, figura = Gestalt, Wendung) werden einfache sprachliche Äußerungen durch kunstvollere Ausdrücke mittels Veränderungen auf syntaktischer und teilweise semantischer Ebene ersetzt. Dabei wird jedoch der Sinn des eigentlichen Wortlautes nicht wesentlich verändert. Dies dient zur Ausschmückung und Intensivierung, beziehungsweise Ästhetisierung des Ausdruckes oder etwa zur Steuerung der Beteiligung des Lesers durch Verwendung gezielter Worte und Sätze. Bestimmte Satzfiguren sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel mit Paratexten vergleichbar. Man unterscheidet noch zwischen Wortfiguren (z.B.: Anapher1, Epipher2) und Gedankenfiguren (z.B.: Vergleich, rhetorische Frage). Tropen (gr.: trópos von trépesthai = wenden) dagegen sind Ausdrucksmittel der uneigentlichen Rede. Sie werden bildlich und im übertragenen Sinn gebraucht (Beispiel: Baccus statt Wein), wobei oft semantische Veränderungen stattfinden. Es wird hier unterschieden zwischen dem Ersatz eines Wortes durch ein anderes (Worttropus, z.B. Metapher, Synekdoche, Metonymie) oder eines Gedanken durch einen anderen (Gedankentropus, z.B. Ironie3, Allegorie).

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