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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 19 Pages
Author: Viktor Witte
Subject: Theater Studies
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Theaterwissenschaft)
Tags: Olympische Spiele, Ben Johnson, Seoul 1988
Year: 2008
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-29330-8
ISBN (Book): 978-3-640-29356-8
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Abstract
Die vorliegende Arbeit widmet sich der Untersuchung der Dopingproblematik im Hochleistungssport. Allerdings soll es nicht Aufgabe sein, kommerzielle Interessen, die Athleten dazu verleiten, ihre Leistung künstlich zu steigern, oder gar das Dopingsystem, das von nationalen und internationalen Sportverbänden, Ärzten, der Pharmaindustrie und schlussendlich den Spitzensportlern getragen wird, in seiner ganzen Struktur zu durchleuchten. Vielmehr soll hier von Interesse sein, welche gesellschaftlichen Mechanismen Doping überhaupt zu einer so fundamentalen Bedeutung haben anwachsen lassen. Die Olympischen Spiele im südkoreanischen Seoul im Jahr 1988 gelten allgemein hin als Zeitenwende in der Geschichte der Olympischen Spiele. Warum aber hat sich der Dopingskandal um den kanadischen Sprinter Ben Johnson, der in Seoul sowohl seine Goldmedaille als auch seinen gerade errungenen Weltrekord nach kurzer Phase des Triumphes verlor, mit einer solchen Nachträglichkeit in das kollektive Geschichtsgedächtnis der Welt eingebrannt, zumal Johnson beileibe nicht der erste und erst recht nicht der letzte Dopingfall in der langen Geschichte der Olympischen Spiele ist? Um dieser Frage nachzugehen, soll eingangs ein Rückblick auf die Ereignisse während der Spiele in Seoul gegeben werden. Im weiteren Verlauf widmet sich die vorliegende Arbeit der These, dass die Symbiose zwischen Hochleistungsathleten und dem sportinteressierten Publikum in nicht unbeträchtlicher Weise ursächlich für das Phänomen Doping im Leistungssport ist. Abschließend soll das Verhältnis der modernen westlichen Zivilisation zum menschlichen Körper hinterfragt werden, um zu belegen, dass sich auch hier ganz entscheidende Ansätze finden lassen, warum Doping in einem solchen Ausmaß überhaupt Einzug in den Hochleistungssport und im weiteren Verlauf in die Alltagswelt halten konnte.
Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
Institut für Theaterwissenschaft
HS Vertiefungsmodul Theatralität des Sports II: Olympische Spiele
SS 2008/09
4. Semester
Doping als logische Konsequenz einer wachstumsgläubigen
Gesellschaft
von
Viktor Witte
Abgabedatum: 06.10.2008
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung 3
2
Die symbolische Entweihung der Olympischen Spiele 3
2.1
Der 100 Meter Lauf Olympische Königsdisziplin und Menschheitsrennen 4
2.2
Die wunderschöne Illusion der unbegrenzten menschlichen Leistungssteigerung 4
2.3
Olympische Spiele Seoul 1988 Eine ,,olympische Zäsur" 6
3
Das Publikum als Wegbereiter des Dopings 8
3.1
Sportlicher Wettkampf als dramatisches Theater Das Spannungserlebnis beim
Zuschauer 8
3.2
Der Athlet als Held 10
3.3
Der Moment der Desillusionierung 12
4
Doping als Symptom einer sich verändernden Körperlichkeit 13
4.1
Der säkularisierte Körper 13
4.2
Gedopte Athleten als die Avantgarde der Verwirklichung einer Körperutopie 14
5
Fazit 16
6
Quellen- und Literaturverzeichnis 17
2
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit widmet sich der Untersuchung der Dopingproblematik im
Hochleistungssport. Allerdings soll es nicht Aufgabe sein, kommerzielle Interessen, die
Athleten dazu verleiten, ihre Leistung künstlich zu steigern, oder gar das Dopingsystem, das
von nationalen und internationalen Sportverbänden, Ärzten, der Pharmaindustrie und
schlussendlich den Spitzensportlern getragen wird, in seiner ganzen Struktur zu
durchleuchten. Vielmehr soll hier von Interesse sein, welche gesellschaftlichen Mechanismen
Doping überhaupt zu einer so fundamentalen Bedeutung haben anwachsen lassen.
Die Olympischen Spiele im südkoreanischen Seoul im Jahr 1988 gelten allgemein hin als
Zeitenwende in der Geschichte der Olympischen Spiele. Warum aber hat sich der
Dopingskandal um den kanadischen Sprinter Ben Johnson, der in Seoul sowohl seine
Goldmedaille als auch seinen gerade errungenen Weltrekord nach kurzer Phase des
Triumphes verlor, mit einer solchen Nachträglichkeit in das kollektive Geschichtsgedächtnis
der Welt eingebrannt, zumal Johnson beileibe nicht der erste und erst recht nicht der letzte
Dopingfall in der langen Geschichte der Olympischen Spiele ist?
Um dieser Frage nachzugehen, soll eingangs ein Rückblick auf die Ereignisse während der
Spiele in Seoul gegeben werden.
Im weiteren Verlauf widmet sich die vorliegende Arbeit der These, dass die Symbiose
zwischen Hochleistungsathleten und dem sportinteressierten Publikum in nicht
unbeträchtlicher Weise ursächlich für das Phänomen Doping im Leistungssport ist.
Abschließend soll das Verhältnis der modernen westlichen Zivilisation zum menschlichen
Körper hinterfragt werden, um zu belegen, dass sich auch hier ganz entscheidende Ansätze
finden lassen, warum Doping in einem solchen Ausmaß überhaupt Einzug in den
Hochleistungssport und im weiteren Verlauf in die Alltagswelt halten konnte.
2 Die symbolische Entweihung der Olympischen Spiele
Eigentlich standen die Olympischen Spiele von 1988 in Seoul unter einem guten Stern. Acht
Jahre zuvor waren gerade einmal 80 Nationen bei den ersten Olympischen Spielen in einem
Sozialistischen Land, in Moskau, vertreten, nachdem die Vereinigten Staaten einen sichtlich
erfolgreichen Boykottaufruf aufgrund des sowjetischen Einmarsches nach Afghanistan (1979)
initiiert hatten.1 Die Ostblockstaaten konterten, indem sie den Olympischen Spielen in Los
Angeles 1984 mit Ausnahme Rumäniens und Jugoslawiens fernblieben. Die zweiten
1 Vgl. im Folgenden Kruse (2004)
3
Olympischen Spiele in Los Angeles nach 1932 gerieten zur sportlichen Farce, weil viele
Spitzenathleten und Medaillenanwärter aus dem Ostblock schlichtweg fehlten. Die Zukunft
der Olympischen Idee stand auf dem Spiel und lief Gefahr, Opfer des Kalten Krieges zu
werden. ,,Niemand konnte voraussagen, ob die Völker der Welt noch einmal gemeinsam zum
sportlichen Wettstreit zusammenkommen würden."2
Die Olympischen Spiele von Seoul sollten die Wende bringen in einer Zeit der allgemeinen
weltpolitischen Entspannung. Nach den Boykotten von Moskau und Los Angeles nahmen
erstmals nach zwölf Jahren wieder 160 führende Sportnationen an den Olympischen Spielen
teil. Beachtliche 27 Weltrekorde sollten der Welt bei diesen Spielen präsentiert werden; einer
von ihnen gar in der unangefochtenen Königsdisziplin der olympischen Sportarten, dem 100
Meter Lauf der Herren.
2.1 Der 100 Meter Lauf Olympische Königsdisziplin und Menschheitsrennen
Bei Olympischen Spielen findet sich eine Vielzahl von herausragenden Ereignissen, die sich
fest in das kollektive Geschichtsbewusstsein der Menschen verankern.
Die bedeutendste Entscheidung jedoch, die unzählige Menschen alle vier Jahre weltweit
fasziniert und elektrisiert, ist das Finale im 100 Meter Lauf der Männer, die Frage nach dem
schnellsten Menschen der Welt.3 Die 100 Meter waren schon immer das große Symbol dafür,
dass der Mensch imstande ist, seine Leistung stetig zu steigern und über sich
hinauszuwachsen. Stillstand, Grenzen mentaler und physischer Natur und Endlichkeit sind
Begriffe, die diesem Gedanken diametral entgegenstehen und hier folglich keinen Platz
finden.
,,Es ist das Menschheitsrennen"4, sagt der ehemalige Weltrekordsprinter Ben Johnson im
August 2008 dem Magazin
Der Spiegel
in einem Interview anlässlich der Olympischen Spiele
in Peking und betont damit die Symbolträchtigkeit des 100 Meter Laufes. Und tatsächlich,
dieser Lauf ist zweifelsohne das sportliche Symbol für den Urknall der Menschwerdung,
nämlich das sprichwörtliche Erlaufen und Erobern der Welt.
2.2 Die wunderschöne Illusion der unbegrenzten menschlichen Leistungssteigerung
Eben dieser Ben Johnson war es jedoch auch, der bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul
die Illusion vom Menschen, der seine Leistung auf natürlichem Wege endlos zu steigern
vermag, zunichte machte.
2 Kruse (2004), S. 32
3 Vgl. im Folgenden: Der Spiegel (03.10.1988), Nr. 40, S. 290-294
4 Pfeil (2008), S. 116
4
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