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"Die Illusion der Chancengleichheit" nach P.F. Bourdieu und J.C. Passeron

Studienarbeit, 2007, 20 Seiten
Autor: Claudia Tusek
Fach: Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Details

Kategorie: Studienarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 20
Note: Gut
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V123817
ISBN (E-Book): 978-3-640-29344-5
ISBN (Buch): 978-3-640-29368-1

Zusammenfassung / Abstract

Obwohl formale Gleichheiten im französischen Bildungssystem seit Jahrzehnten angestrebt und verwirklicht wurden, existieren - nach Meinung von Bourdieu und Passeron - nach wie vor Chancenungleichheiten im Bildungswesen aufgrund sozialer Herkunft. Die Autoren haben mit ihrer Studie einerseits aufgezeigt, dass diese vorhanden sind, andererseits auch versucht, zu manifestieren, dass gerade das Bildungssystem selbst die Chancengleichheiten verhindert - und dies sogar systematisch versucht zu legitimieren. „In der Schule geht es demnach also nicht nur um Erziehung und (Aus-)Bildung, sondern auch um Selektion.“ Das französische meritokratische Selektionssystem, das vorgibt, „alle“ nach ihren Fähigkeiten auszuwählen, ist in der Realität ein starres System der Privilegiertenauswahl. Die Selektion passiert schon weit vor dem Hochschulzugang und so bleibt vom Ruf nach „Bildung für alle!“ nur „Die Illusion der Chancengleichheit“. „Die soziale Herkunft ist zweifellos unter allen Differenzierungsfaktoren derjenige, der sich im Studentenmilieu am stärksten auswirkt, stärker jedenfalls als Geschlecht und Alter, vor allem aber stärker als ein so manifester Faktor wie die Religion.“ [BOURDIEU, Pierre und PASSERON, Jean-Claude. „Die Illusion der Chancengleichheit“, 1971, S. 26] Eine Kurzbiographie des „großen“ französischen Soziologen steht am Beginn dieser Arbeit. Anschließend werden die wichtigsten Aspekte seiner „Kulturtheorie“ und seines – von ihm geprägtem – „Kapitalbegriffes“ dargestellt und erläutert. Hierbei soll auch verdeutlicht werden, dass Bourdieu sich immer um relationales Denken bemüht hat. Er versuchte die Struktur in einem Forschungsfeld aufzudecken und als Abbild der Gesellschaft darzustellen. Dies erscheint notwendig, um die zentralen Aussagen der empirischen Studie „Die Illusion der Chancengleichheit“ (besser) verstehen zu können. Darin werden einerseits die unterschiedliche soziale Herkunft und der Studienerfolg der Studenten behandelt (Teil 1, 1964), andererseits die Theorien der Autoren vorgestellt, dass die Universitäten ihre Strukturen der Chancenungleichheiten – trotz formaler Reformen – bewusst beibehalten (Teil 2, 1971). Abschließend wird noch auf den Aspekt der „Kommunikation in der Pädagogik“, also der Sprache und ihrer Bedeutung im Bildungswesen näher eingegangen.


Textauszug (computergeneriert)

Wissenschaftstheoretische Probleme

in der Pädagogik

LV-Nr. 0951 im WS 2006/07

,,Die Illusion der Chancengleichheit", 1971

nach Pierre-Felix BOURDIEU

und Jean-Claude PASSERON

Seminararbeit

von

Claudia Tusek


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Kurzbiographie Pierre Bourdieu 4

3. ,,Die feinen Unterschiede" 5

3.1. Habitus 5

3.2. Soziale Felder 5

3.3. Kapital 6

3.3.1 Ökonomisches Kapital 6

3.3.2 Soziales Kapital 6

3.3.3 Kulturelles Kapital 6

3.3.4 Symbolisches Kapital 7

3.4. Sozialer Raum 8

4. Die Illusion der Chancengleichheit 9

4.1. Inhaltliche Zusammenfassung 9

4.2. Zentrale Aussagen der Studie 10

4.2.1. Soziale Klassen und soziale Herkunft 10

4.2.2. Wirtschaftliche Ungleichheiten 11

4.2.3. Kulturelles Privileg 11

4.2.4. Studentenmilieu 11

4.2.5. Starrheit des Hochschulsystems 12

4.3. Kommunikation in der Pädagogik 13

4.3.1. Missverständnis zwischen Professor und Student 13

4.3.2. Bürgerliche Sprache und Vulgärsprache 14

4.3.3. Sprachcodes nach Basil Bernstein 15

4.3.4. Bedeutung der Kommunikation in der Pädagogik 15

5. Zusammenfassung 17

6. Quellenverzeichnis 18

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1. Einleitung

Pierre Bourdieu gilt auch heute noch (nach seinem Ableben) als einer der

bedeutendsten europäischen Soziologen, Kulturphilosophen und Zeitkritiker des

letzten Jahrhunderts. Sein umfangreiches Schaffen hatte Einfluss auf Soziologie,

Politik, und Bildungsforschung. Im Mittelpunkt dieser Seminararbeit steht seine ­ in

Kooperation mit Jean-Claude Passeron entstandene - empirische Bildungsforschung

,,Die Illusion der Chancengleichheit" (1971).

Eine Kurzbiographie des ,,großen" französischen Soziologen steht am Beginn dieser

Arbeit. Anschließend werden die wichtigsten Aspekte seiner ,,Kulturtheorie" und

seines ­ von ihm geprägtem ­ ,,Kapitalbegriffes" dargestellt und erläutert. Hierbei soll

auch verdeutlicht werden, dass Bourdieu sich immer um relationales Denken bemüht

hat. Er versuchte die Struktur in einem Forschungsfeld aufzudecken und als Abbild

der Gesellschaft darzustellen.

Dies erscheint mir notwendig, um die zentralen Aussagen der empirischen Studie

,,Die Illusion der Chancengleichheit" (besser) verstehen zu können. Darin werden

einerseits die unterschiedliche soziale Herkunft und der Studienerfolg der Studenten

behandelt (Teil 1, 1964), andererseits die Theorien der Autoren vorgestellt, dass die

Universitäten ihre Strukturen der Chancenungleichheiten ­ trotz formaler Reformen ­

bewusst beibehalten (Teil 2, 1971).

Abschließend möchte ich noch auf den Aspekt der ,,Kommunikation in der

Pädagogik", also der Sprache und ihrer Bedeutung im Bildungswesen näher

eingehen.

Anmerkung: Die im Text verwendeten maskulinen Personenbezeichnungen wurden

aus den Originaltexten beibehalten, gelten aber hier für beiderlei Geschlechter.

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2. Kurzbiographie Pierre Bourdieu

[vgl. http://agso.uni-graz.at/lexikon/klassiker/bourdieu/06bio.htm, letzter Zugriff am

7. Februar 2007 um 12:46 Uhr]

Pierre Bourdieu wurde 1930 in Denguin (Pyrenäen) geboren.

Sein Vater war Postbeamter, seine Mutter Hausfrau. Er

studierte Philosophie und Ethnologie in Paris. Von 1955 bis

1958 leistete er seinen Militärdienst in Algerien (damals

französische Kolonie), und dort forschte er bis 1961 als

Ethnologe.

[Quelle - Photo: http://www.faculty.umb.edu/stephen_silliman/P565e-Bourdieu.jpg,

letzter Zugriff am 14. Jänner 2006, 12:24 Uhr]

Von 1964 bis zu seinem Tod im Jahre 2002 war er als Professor und Direktor

verschiedener Einrichtungen tätig, unter anderem dem ,,Centre de Sociologie

Européenne" (CSE). Seit 1982 hielt er am ,,Collége de France" in Paris einen

Lehrstuhl für Soziologie inne. Pierre Bourdieu war auch als Herausgeber

verschiedener soziologischen Zeitschriften tätig. Zahlreiche Auszeichnungen und

eine Fülle an Veröffentlichungen kennzeichnen seinen Lebensweg, der am

23. Jänner 2002 als Folge eines Krebsleidens beendet wurde.

Interessanterweise war eines seiner letzten Projekte die Mitarbeit an einer

Ausstellung seiner ethnographischen Photographien aus seiner ersten

Feldforschungsarbeit in Algerien (1958 bis 1961) ­ quasi eine ,,Rückkehr" zum

Beginn seines Wirkens.

[vgl. http://www.camera-austria.at/ca_events.cfm?start=2003&cat=1, letzter Zugriff

am 12. Februar 2007 um 22:35 Uhr]

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3. ,,Die feinen Unterschiede"

[vgl. http://projekte.vhs.at/lerntheorie/Bourdieu, letzter Zugriff am 12. Februar 2007

um 14:10 Uhr]

Seit den 1970er Jahren werden die Werke Bourdieus ins Deutsche übersetzt. Vor

allem bekannt wurde seine Studie ,,Die feinen Unterschiede", in der die Entstehung

sozialer Ungleichheiten und der Begriff des ,,Habitus" behandelt werden.

3.1. Habitus

,,

Ein grundlegender Begriff bei Bourdieu ist Habitus, er versucht damit, die im

Individuum gewordene Gesellschaft zu rekonstruieren, im Zentrum des Individuellen

etwas Kollektives zu entdecken. Unter Habitus versteht er ein verinnerlichtes System

aus Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster, ... Der Habitus einer Person ist

dauerhaft, verändert sich jedoch durch neue Erfahrungen

." [a.o.O.]

Unabhängig vom individuellen Habitus verfügen Menschen in ähnlichen sozialen

Klassen über einen vergleichbaren Klassenhabitus, wodurch Rückschlüsse auf die

Klassenzugehörigkeit getätigt - und in weiterer Folge die Formen von Herrschaft

aufgezeigt werden können. [vgl. BOURDIEU, Pierre: ,,Die verborgenen Mechanismen

der Macht". Schriften zu Politik und Kultur 3, Bd. 1, Hamburg 1992]

3.2. Soziale Felder

[vgl. TIEBEN Reemda, www.uni-muenster.de/FNZ-Online/theorien/modernisierung

.htm, letzter Zugriff am 12. Februar 2007, um 14:35 Uhr]

Soziale Felder sind Teilräume der praktischen sozialen Welt mit externen, objektiven

Strukturen. Bourdieu verbindet die objektiv gegebenen, sozial ungleichen Strukturen

in der Gesellschaft (z.B. Bildung) und die dadurch unbewusst entstandenen

subjektiven Denk- Wahrnehmungs- und Handlungsmuster eines Individuums (=

Habitus einer Person) und unterstellt ihnen ein Verhältnis gegenseitiger

Einflussnahme. Felder werden auch als Spielräume bezeichnet, in denen eine

bestimmte Form von Kapital im Umlauf ist und Verfügungsmacht im Feld bedeutet.

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