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Über Rainer Maria Rilkes "Römische Fontäne"

Untertitel: Eine Interpretation und Auseinandersetzung mit der Poetik des „Dinggedichts“ im Hinblick auf den Einfluss Rodins.

Hausarbeit, 2002, 21 Seiten
Autor: Achim Zeidler
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 21
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 26  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V124091
ISBN (E-Book): 978-3-640-28914-1
ISBN (Buch): 978-3-640-28933-2

Zusammenfassung / Abstract

Rilke ist ein Phänomen. Ein Mann, der viele dichterische und künstlerische Phasen, literarische Gattungseinstufungen und bestehende Auffassungen seiner Lebenszeit sprengte. Einer derjenigen, die sich immer verändern und doch nie ändern, denn Rilke war und ist ein Meister der Sprache und Form, er ist die Melodie der Literatur, die er in unzähligen Facetten und Nuancen seinen Lesern zuteil kommen lässt. Wie erwähnt wird das Hauptaugenmerk dieser Hausarbeit auf Rilkes „Römische Fontäne“ (Villa Borghese) gelegt, welches Rilke im Jahr 1906 verfasste und in seinem 1907 erschienenen Band die „Neuen Gedichte“ veröffentlichte.


Textauszug (computergeneriert)

Proseminar: Lyrikanalyse

Sommersemester 2002

Rainer Maria Rilkes ,,Römische Fontäne"

Eine Interpretation und Auseinandersetzung mit der Poetik des

,,Dinggedichts" im Hinblick auf den Einfluss Rodins.

Achim Zeidler

Germanistik, Geschichte (LA RS)

2. Semester


2

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

Vorwort 3

1. Rilke ,,vor" und ,,mit" Rodin 4

2. Das Dinggedicht 6

3. Formale Interpretation 8

3.1. Gedichtform 8

3.2. Kurzinhalt des Gedichtes 8

3.3. Sinngruppen 8

3.4. Rhythmus 9

3.5. Metrik 10

4. Reimklang 11

4.1. Klangfolge der Endreime 11

4.2. Klangwert der Endreime 11

4.3. Klangwert der Stabreime 12

5. Signalwert der Ausdrucksmittel Satz und Wort 13

5.1. Satzbau 13

5.2. Wortformen 14

5.3. Wortwahl und Metaphern 15

6. Zusammenfassende inhaltliche Interpretation 16

7. Schlussbetrachtung 17

8. Literaturverzeichnis 19

Primärliteratur: 19

Sekundärliteratur: 19

2


3

Vorwort

Der am 4. Dezember 1875 in Prag geborenen Dichter René Karl Wilhelm Johann Josef Maria

Rilke, uns besser unter der Kürzung Rainer Maria Rilke bekannt, ist wohl einer jener

deutschsprachigen Schriftsteller, die den Anspruch erheben können als ,,besonders

lesenswert" eingestuft zu werden, um einen Ausspruch Marcel Reich-Ranickis zu verkürzen,

für den ,,Generationen deutscher Leser galt und gilt er als die Verkörperung des

Dichterischen, sein klangvoll-rhythmischer Name wurde zum Inbegriff des Poetischen" (M.

Reich-Ranicki, 1975 in Metzlers Autorenlexikon, S. 681).

Rilke ist ein Phänomen. Ein Mann, der viele dichterische und künstlerische Phasen,

literarische Gattungseinstufungen und bestehende Auffassungen seiner Lebenszeit sprengte.

Einer derjenigen, die sich immer verändern und doch nie ändern, denn Rilke war und ist ein

Meister der Sprache und Form, er ist die Melodie der Literatur, die er in unzähligen Facetten

und Nuancen seinen Lesern zuteil kommen lässt.

Wie erwähnt wird das Hauptaugenmerk dieser Hausarbeit auf Rilkes ,,Römische Fontäne"

(Villa Borghese) gelegt, welches Rilke im Jahr 1906 verfasste und in seinem 1907

erschienenen Band die ,,Neuen Gedichte" veröffentlichte. 1

Dieses Gedicht zeigt den sprachlich-stilistischen und rhythmisch-melodischen Wert einer

Kunstauffassung verbunden mit einer dichterischen Genauigkeit und spiegelt einen

wesentlichen Lebensabschnitt Rilkes wider, den er durch die Zusammenkunft mit einem, für

ihn interessantesten und begabtesten impressionistischen Künstlern der Welt, Auguste Rodin,

erfahren hat. In dieser Eigenschaft lässt der Dichter die ,,Wirklichkeit" der Kunst und Natur

erklingen.

Wie und mit welchen Mitteln Rilke diese Art der Dichtung erschaffen hat und wie

weitreichend der Rodin`sche Einfluss auf dieses Werk einging, werde ich im Folgenden genau

untersuchen und eine formale und inhaltliche Interpretation der ,,Römischen Fontäne" geben.

1 Um einen unmittelbaren Eindruck über Rilke vor der Zusammenkunft mit Rodin zu bekommen, habe ich die

unter 1. beschriebenen Phasen des Dichters, seine Aufenthalte und Reiseziele, sowie seine literarische

Auffassung kurz angeführt. Sie besitzen deshalb nicht den Anspruch auf Vollzähligkeit und sollen nur ein

knappes Rilke Verständnis geben.

3


4

1. Rilke ,,vor" und ,,mit" Rodin

Von der böhmischen Heimat losgelöst, tritt Rainer Maria Rilke um die Wende zum 20.

Jahrhundert ,,

in die Welt hinaus

" (SCHNEDITZ, S.12). In dieser Welt bilden sich

künstlerische Reife und die formale Gestaltungskraft des Dichters aus.

Rilke besuchte in seinem Leben viele Länder, er unternahm unzählige Reisen, die ihm jeweils

nachhaltigen Eindruck vermittelten und ihn zu seinen Werken inspirierten.

In seinen Reisen nach Russland in den Jahren 1899 und 1903 wurde Rilkes arteigene

dichterische Ausprägung und vor allem das religiöse Element in dessen Bewusstsein erweckt.

Ergebnisse dieser Reisen waren die Werke ,,Das Stundenbuch" und ,,die Geschichten vom

lieben Gott".

Bei einem Kurzaufenthalt in Worpswede, einem norddeutschen Künstlerdorf, in welchem

Rilke das Sujet der Malerei sowie seine Ehegattin Clara Westhoff kennen lernte, erhob er das

Gefühl der Landschaft über das Medium der Malerei. 2

Im November 1903 reiste Rilke zusammen mit Clara nach Rom. Dort bewohnten sie ein

kleines Gartenatelier, das seine Frau für ihre Studienzwecke nahe der Villa Borghese mietete.

Im Borghese Garten fühlte sich der Dichter sehr wohl, was ein Brief an Arthur Holitscher

vom 5. November 1905 beweist: Die Villa und der Garten sind ihm

,,schon in den ersten

Tagen ein vertrauter Zufluchtsort"

so schreibt Rilke, der

,,Getriebene, der es zumeist nicht

länger als ein paar Monate, manchmal auch nur Wochen oder Tage an einem Ort aushielt.",

wie ihn Hans- Ulrich TREICHEL (S. 116) charakteristisch bezeichnet.

Durch seinen darauf folgenden zwölfjährigen Aufenthalt in Paris änderte sich seine

dichterische und künstlerische Einstellung nun maßgeblich. In der französischen Hauptstadt,

die für Rilke ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis ausmachte, wie aus dem folgenden

Schreiben an Clara hervorgeht: ,,(...) truly a great, strange city ... very, very strange to me. I

am perturbed by the many hospitals that I come upon everywhere. I understand why they

continually recur in Verlaine, Baudelaire and Mallarmé. One sees the sick going there on foot

or by conveyance in all the streets. One sees them at the windows of the Htel-Dieu in their

peculiar attire, the gloomy, drab, prescribed garb of the sick. One feels, suddenly, that in this

vast town there are armies of the sick, hosts of the dying, nations of the dead" (31. August

1902). Das positivste oder für Rilke einschneidende Erlebnis aber waren aber natürlich nicht

die Menschenmassen an Kranken und Ausgestoßenen oder die apokalyptischen Eindrücke der

dekadenten Grosstadtmetropole, sondern Rilke lernte den Bildhauer und Künstler Auguste

2 Nach Schneditz, Wolfgang: Rilke und die Bildende Kunst, S.13

4


5

Rodin kennen, den er aufgrund einer Recherche über eine zu verfassende

Künstlermonographie befragen wollte und mit dem er als Sekretär und Freund zeitweise sehr

verbunden war. Unter Einfluss des ,,

Phänomen Rodin"

(HOLTHUSEN S.67) sollte er von

nun an seine Bewunderung für die Kunst der ,,Dinge" entfalten und eben dieser Rodin

erwuchs zu seiner stilistischen Ikone, zu einem Vorbild ohnegleichen heran, welches für Rilke

die schöpferische Lebenskraft in größter Intensität darstellte. Rilkes Bewunderung für diesen

Mann, der durch sein Dasein ,,

eine menschliche Analogie zum Dasein der Natur

"3

repräsentierte und das

,,Ganze"

4 in sich verkörperte, spiegeln Briefe Rilkes, wie der folgende

von 1905, an seine Frau Clara wider:

[...] was sind alle Ruhe Zeiten, alle Tage in Wald und Meer, alle Versuche, gesund zu leben,

und die Gedanken an all dieses: was sind sie gegen diesen Wald, gegen dieses Meer, gegen

das unbeschreiblich getroste Ausruhen in seinem haltenden und tragenden Blick, gegen das

Anschauen seiner Gesundheit und Sicherheit. Es rauscht von Kräften, [...]Sein Bespiel ist so

ohnegleichen, seine Größe steigt so vor einem an wie ein ganz naher Turm, und dabei ist

seine Güte, wenn sie kommt, wie ein weißer Vogel, der einen schimmernd umkreist, bis er sich

zutraulich auf der Schulter niederlässt. Er ist alles, weithin alles.5

Der Pariser Aufenthalt an der Seite Rodins bedingte den entscheidenden Umformungsprozess

in Rilkes dichterischer Haltung: Das Neuromantische, Musikalische und Religiöse, das in der

ersten Phase seiner Erschaffungswerke überwiegend und vorherrschend erscheint, wird nun in

den Hintergrund gedrängt. Rilkes Orientierung zielt von nun an auf das Künstlerische, das

Plastische. Seine Versform wird hart, streng, umgrenzt.6

Die Faszination für den Künstler Rodin, die Rilke durch seine Begegnung mit ihm entdeckte

ist die Antriebsfeder, die treibende Kraft, um die Kunst, die Dingwerdung, in einer modern-

komplizierten Seelenwelt zu fassen.7

,,Rodin war für Rilke der Künstler, der Bildner, der auf sich nicht mehr acht hat, der sich

selbst unwichtig wird vor dem Werk, und der ´Schauende´ im eminenten Sinne. Der dem

Wirklichen zugewandte."

So beschreibt DEHN vortrefflich das Bild Rodins, die Verzückung

und den Sinn die Rainer Maria Rilke durch die Zusammenkunft mit diesem Mann erlangte.

Den Einfluss Rodin sieht man an der ,,Römischen Fontäne", die er in Zurückerinnerung an

den wundervollen Borghese Garten aus seiner Zeit in Rom (1903) nun im Juli 1906 in Paris

als Gedicht zu Papier bringt. Es entsteht nun die neue Sphäre der ,,Dinggedichte".

3 Zit. nach Kusenberg, Kurt: Rainer Maria Rilke, S.70

4 Ebd., S.70

5 Gesammelte Briefe, Bd. 2 1904-1907

6 Vgl. Schneditz, Wolfgang: Rilke und die Blidende Kunst, S.13

7 Vgl. Kusenberg, Kurt: Rainer Maria Rilke, S. 72

5



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