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Termpaper, 2007, 17 Pages
Author: Audrey Houssiere
Subject: Politics - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Münster
Year: 2007
Pages: 17
Grade: 1.3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-32457-6
ISBN (Book): 978-3-640-32624-2
Vergleichende Politikwissenschaft
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Abstract
Die These dieser Arbeit ist folgende: die Erinnerung an den Holocaust in Frankreich und in Deutschland ist vom jeweiligen nationalen Kontext abhängig. Zu erörtern ist, inwiefern die Erinnerung an den Holocaust von den Machthabern instrumentalisiert wird. Im Rahmen dieser Arbeit gilt es zunächst, die Lage in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu untersuchen, eine Epoche, die durch das Verschweigen der Verbrechen gekennzeichnet war. Anschließend soll die Phase betrachtet werden, in der, wo u.a. Intellektuelle und Politiker angefangen haben, den Holocaust zu thematisieren – wie beispielsweise den berühmten Historikerstreit in Deutschland. Zum Schluss werde ich zeigen, wie die Errichtung nationaler Holocaust-Mahnmale zur Versöhnung beitragen kann.
Excerpt (computer-generated)
GLIEDERUNG
Einleitung 2
1. Die unmittelbare Nachkriegszeit: die Mythen der Nationen 4
1.1 Das Verdrängen in der BRD 4
1.2 Der Nachkriegsmythos in Frankreich 5
2. Der Holocaust in der Öffentlichkeit 6
2.1 Die Entstehung einer unterschiedlichen Erinnerungskultur im geteilten Deutschland 6
2.2 « Le chagrin et la pitié » 7
3. Eine ,,Vergangenheit, die nicht vergehen will" 8
3.1 Historikerstreit zwischen Ernst Nolte und Jürgen Habermas 9
3.2 Die umstrittene Deutung von Vichy 10
4. Die Mahnmäler 11
4.1 Eine Bürgerinitiative als Ausgangspunkt für die Mahnmäler 11
4.2 Das Holocaust-Mahnmal in Berlin 12
4.3 Das Vél d′Hiv-Mahnmal 13
Schluss 15
Literaturverzeichnis 16
Einleitung
Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch
kritisierte jüngst die Behandlung des Nationalsozialismus im Schulunterricht: ,,Es ist dringend
notwendig, den Geschichtsunterricht neu zu gestalten, weil das Thema Nationalsozialismus
darin viel zu kurz kommt"1 sagte sie. Auf diesen Vorwurf antwortete der Präsident des
Deutschen Lehrerverbands Josef Kraus: ,,Keine Epoche der deutschen Geschichte wird so
intensiv an deutschen Schulen behandelt wie der Nationalsozialismus"2. Diese Aussagen
verdeutlichen, dass es noch keinen Konsens über die Geschichtspolitik im Bezug auf den
Holocaust gibt. Man muss auch darauf hinweisen, dass die Erinnerung an den
Nationalsozialismus und insbesondere an den Holocaust von Land zu Land unterschiedlich
behandelt wird. Die Erinnerungskultur hängt einerseits von der Erfahrung der einzelnen
Länder im Zweiten Weltkrieg und andererseits von den verschieden politischen Kulturen ab.
Diese Arbeit wird auf zwei Länder eingehen: die Bundesrepublik Deutschland und die
Französische Republik. Dabei soll insbesondere die politische Behandlung des Themas von
der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Neunziger Jahre im Zentrum stehen. In den beiden
Länder ist die Erinnerung jeweils vielfältig: Entschädigung, Anerkennung der Schuld,
Verdrängung oder sogar Leugnung. Der Umgang mit dem Holocaust ist umstritten und seit
1945 gab es verschiedene Vorstellungen von möglichen Erinnerungsformen. Hierbei kann
man jedoch deutliche Entwicklungslinien erkennen. Der Historiker Jörn Rüsen konstatiert
,,drei zeitlich einander folgenden Einstellungen"3, die das historische Selbstbewusstsein der
Deutschen prägen: die Zeit von 1945 bis 1968 mit der Kriegs- und Wiederaufbaugeneration,
die von 1968 bis 1989 mit der Nachkriegsgeneration und schließlich die Zeit nach 1989. Für
die erste Epoche sei die Strategie des Verschweigens typisch, für die zweite die ,,moralische
Distanzierung", und für die dritte die ,,Historisierung und Aneignung". Für Frankreich lässt
sich eine ähnliche Entwicklung beobachten, wobei die Phase des Verdrängens noch länger
andauerte: eine systematische Aufarbeitung setzte hier erst später ein.
1 ,,Knobloch kritisiert Lehrer": ein Artikel von Im Internet:
http://www.focus.de/wissen/nationalsozialismus_nid_31306.html (18.05.2007)
2 ,,Lehrer verteidigen Unterricht zu Holocaust" Im Internet: http://66.102.9.104/search?q=cache:Xb-
qjkwc8A0J:www.lehrerverband.de/holoc.htm+knobloch+holocaust+unterricht&hl=de&ct=clnk&cd=6&gl=de
(18.05.2007)
3 Rüsen, Jörn : Holocaust, Erinnerung, Identität. Drei Formen generationeller Praktiken des Erinnerns. In:
Welzer, Harald (Hg): Das soziale Gedächtnis, Geschichte, Erinnerung, Tradierung, Hamburg 2001, S. 243-259.
2
Die These dieser Arbeit ist folgende: die Erinnerung an den Holocaust in Frankreich
und in Deutschland ist vom jeweiligen nationalen Kontext abhängig. Zu erörtern ist, inwiefern
die Erinnerung an den Holocaust von den Machthabern instrumentalisiert wird. Im Rahmen
dieser Arbeit gilt es zunächst, die Lage in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu untersuchen,
eine Epoche, die durch das Verschweigen der Verbrechen gekennzeichnet war. Anschließend
soll die Phase betrachtet werden, in der, wo u.a. Intellektuelle und Politiker angefangen
haben, den Holocaust zu thematisieren wie beispielsweise den berühmten Historikerstreit in
Deutschland. Zum Schluss werde ich zeigen, wie die Errichtung nationaler Holocaust-
Mahnmale zur Versöhnung beitragen kann.
3
1. Die unmittelbare Nachkriegszeit: die Mythen der Nationen
Die Ausstellung "Mythen der Nationen. 1945 - Arena der Erinnerungen"4, die 2004-
2005 im Deutschen Historischen Museum in Berlin stattgefunden hat, hat sich mit der
Geschichte der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Europa, in Israel und in den USA
beschäftigt. Sie zeigte, dass zunächst nur der Kampf gegen und der Sieg über Deutschland in
den anderen Ländern thematisiert wurden. Hingegen wurde die Ermordung der Juden sogar
in Israel - viel weniger behandelt, weil die Opfer sich schämten, so erniedrigt worden zu sein
und sich nicht trauten, das Schlimmste zu erzählen. Der Holocaust-Überlebende Arno
Lustiger erzählt: ,,40 Jahre lang habe ich geschwiegen, keinen Ton gesagt, auch meinen
Kindern nicht [...] Ich war ganz sicher, dass das, was ich erzählen würde, man mir nicht
glauben würde, weil solche Dinge noch nie passiert sind in der Geschichte."5
1.1 Das Verdrängen in der BRD
Da nicht nur die Täter und Mitläufer, sondern auch die überlebenden Opfer,
geschwiegen haben, war die Erinnerung an den Holocaust zunächst in Gefahr. Der
gesellschaftliche und wirtschaftliche Wiederaufbau Deutschlands hatte in den Augen der
Zeitgenossen Vorrang. Rüsen beobachtet dass ,,das Bewusstsein einer Niederlage, der Kampf
mit materieller Not und die Schuldzuweisungen von außen [...] vielfach eine Disposition der
Erinnerung zur Übernahme und Anerkennung dieser Verstrickung und Schuld als Teil der
eigenen Lebensgeschichte [verhinderten]."6
Im Rahmen der Demokratisierung und Entnazifizierung Deutschlands wollte man
betonen, dass die Epoche des Nationalsozialismus endgültig der Geschichte angehörte. Die
Mehrheit des Deutschen wollte sich nicht mehr mit der Zeit vor 1945 identifizieren.
Außerdem war das Wirtschaftswunder eine willkommene Ablenkung von der
Vergangenheitsbewältigung. Aus diesen beiden Gründen wurde das Thema des Holocausts
und des Krieges im Allgemeinen vermieden.
Dies bedeutet aber nicht, dass es überhaupt keine Erinnerung an den Zweiten
Weltkrieg gab. In der damaligen offiziellen Erinnerungskultur gab es zwar keinen Platz für
die ermordeten Juden sondern; wohl aber gedachte man öffentlich den Gefallenen beider
Weltkriege.
4 http://www.dhm.de/ausstellungen/mythen-der-nationen/index.htm (Stand 19.05.2007)
5 Aus der Sendung Kulturzeit zum Thema : Feld der Erinnerung Vergessen und Erinnern. Im Internet :
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/specials/79035/index.html (Stand 15.05.07)
6 Rüsen, Jörn : Holocaust, Erinnerung, Identität. Drei Formen generationeller Praktiken des Erinnerns. In:
Welzer, Harald (Hg): Das soziale Gedächtnis, Geschichte, Erinnerung, Tradierung, Hamburg 2001, S. 243-259.
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