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Subtitle: Norwegens Rolle in multilateralen Kooperationsstrukturen und die bilateralen Beziehungen zu Deutschland
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 27 Pages
Author: Juliane Behm
Subject: Politics - International Politics - Region: Other States
Details
Institution/College: University of Rostock (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften )
Year: 2008
Pages: 27
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-33372-1
ISBN (Book): 978-3-640-33335-6
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Abstract
Im ersten der Teil dieser Arbeit soll nach einer kurzen Beschreibung der norwegischen Außenpolitik von 1905 bis 1945 auf Norwegens gegenwärtige Rolle als Akteur der internationalen Politik eingegangen werden, indem Norwegens entwicklungspolitische Kooperation in der UNO sowie sicherheitspolitische Zusammenarbeit in der NATO und OSZE beschrieben werden. Anschließend wird Norwegens Position innerhalb Europas und die EU-Integrationsdebatte, in der der Euroskeptizismus der norwegischen Bevölkerung zum Ausdruck kommt, dargestellt werden, um die möglichen Motive für die konsequente Ablehnung einer vollständigen EU-Integration zu diskutieren. Dabei soll insbesondere auf die Rolle der stärksten Anti-Integrationsbewegung „Nein zur EU“ (NTEU) eingegangen werden. Abschließend werden die bilateralen Beziehungen zwischen Norwegen und Deutschland dargestellt, wobei die im Jahre 1999 eingeführte, norwegische Deutschland-Strategie und ihre Zielsetzungen beschrieben werden. Ziel dieser Arbeit ist es, ein außenpolitisches Profil Norwegens zu erarbeiten und die besondere Rolle des zukünftig größten Energielieferanten Westeuropas in der internationalen sowie europäischen Politik dazulegen.
Excerpt (computer-generated)
Universität Rostock
Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften
Sommersemester 2008
HS Politische Systeme im Ostseeraum
Norwegens Außen- und Europapolitik -
Norwegens Rolle in multilateralen Kooperationsstrukturen
und
die bilateralen Beziehungen zu Deutschland
Vorgelegt von:
Juliane Behm
Lehramt an Gymnasien
Englisch (7. Sem.)
Sozialwissenschaften (9. Sem.)
Datum: 27.08.2008
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung
3
2. Norwegens Außenpolitik nach 1905 bis 1945
4
3. Norwegen als Akteur der internationalen Politik
5
3.1. Norwegens entwicklungspolitische Kooperation in der UNO
6
3.2. Norwegens sicherheitspolitische Kooperation in der NATO und OSZE 9
4. Norwegens Rolle in Europa
10
4.1. Die EU-Integrationsdebatte in Norwegen
11
4.2. Der Euroskeptizismus und seine Motive
12
4.3. Das letzte Referendum von 1994
15
5. Bilaterale Beziehungen zwischen Deutschland und Norwegen
16
5.1.Die norwegische Deutschland-Strategie
18
5.1.1. Politische Zusammenarbeit
18
5.1.2. Wirtschaftliche Zusammenarbeit
20
5.1.3. Kulturelle Zusammenarbeit
21
6. Zusammenfassung
22
7. Literaturverzeichnis
24
2
1. Einleitung
Seit Jahrhunderten verbindet die Ostsee seine zahlreichen Anrainerstaaten durch einen
florierenden maritimen Handel und kulturellen Austausch miteinander und hat besonders
infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion und der Wiedervereinigung West- und
Osteuropas am Ende des Kalten Krieges an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung in
Europa gewonnen. Seitdem hat sich der Ostseeraum zu einem ,,Binnenmeer der Prosperität
und Stabilität"1 mit vielfältigen Politiknetzwerken und Handelsbeziehungen entwickelt. Vor
allem Norwegen - das trotz seiner geographisch peripheren Lage zum Ostseeraum gezählt
wird - hat sich nach den enormen Erdöl- und Erdgasfunden vor den Küsten des Landes in den
70er Jahren von einem armen Land an der Peripherie Europas zu einem der wohlhabendsten
Länder der Erde entwickelt. Der Reichtum an fossilen Rohstoffen, aber auch die historischen
Erfahrungen Norwegens vor der Zeit der seit 1905 bestehenden Unabhängigkeit sowie aus der
fünfjährigen, deutschen Besatzungszeit (1940 bis 1945) prägen zum Teil bis heute die Außen-
und Europapolitik des Landes.
Norwegens Außenpolitik wird stark bestimmt durch die Einbindung in multilaterale
Kooperationsstrukturen wie der North Alliance Treaty Organization (NATO), der United
Nations Organization (UNO), der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE) als auch dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und andere multilaterale EU-
Verträge wie dem Schengen-Abkommen. Dennoch konnte Norwegen trotz mehrerer
Verhandlungen mit der EG/EU bislang nicht vollständig in die EU integriert werden, da sich
die norwegische Bevölkerung immer wieder in den Referenden zum EU-Beitritt den
Wünschen der Regierung und der Wirtschaft widersetzte. Neben den zahlreichen,
multilateralen Kooperationen pflegt Norwegen außerdem sehr enge bilaterale Beziehungen
mit Deutschland in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht, deren Stellenwert mit
der Deutschland-Strategie bewusst auf einen der höchsten Positionen auf der außenpolitischen
Agenda Norwegens platziert wurde.
Im ersten der Teil dieser Arbeit soll nach einer kurzen Beschreibung der norwegischen
Außenpolitik von 1905 bis 1945 auf Norwegens gegenwärtige Rolle als Akteur der
internationalen Politik eingegangen werden, indem Norwegens entwicklungspolitische
Kooperation in der UNO sowie sicherheitspolitische Zusammenarbeit in der NATO und
OSZE beschrieben werden. Anschließend wird Norwegens Position innerhalb Europas und
die EU-Integrationsdebatte, in der der Euroskeptizismus der norwegischen Bevölkerung zum
1 Bergedorfer Gesprächskreis:
Die Ostsee - ein Binnenmeer der Prosperität und Stabilität
, Hamburg, 2002.
3
Ausdruck kommt, dargestellt werden, um die möglichen Motive für die konsequente
Ablehnung einer vollständigen EU-Integration zu diskutieren. Dabei soll insbesondere auf die
Rolle der stärksten Anti-Integrationsbewegung ,,Nein zur EU" (NTEU) eingegangen werden.
Abschließend werden die bilateralen Beziehungen zwischen Norwegen und Deutschland
dargestellt, wobei die im Jahre 1999 eingeführte, norwegische Deutschland-Strategie und ihre
Zielsetzungen beschrieben werden. Ziel dieser Arbeit ist es, ein außenpolitisches Profil
Norwegens zu erarbeiten und die besondere Rolle des zukünftig größten Energielieferanten
Westeuropas in der internationalen sowie europäischen Politik dazulegen.
2. Norwegens Außenpolitik von 1905 bis 1945
Mit der gewaltlosen, wenn auch dem Krieg sehr nahen Auflösung der norwegisch-
schwedischen Union im Rahmen des Karlstad Abkommens vom 26. Oktober 1905 erlangte
Norwegen mit der Zustimmung des schwedischen Königs seine Unabhängigkeit. Von dem
Zeitpunkt an war der nun souveräne Staat zunächst mit der Problematik einer zu gestaltenden
Außenpolitik konfrontiert. Zum einen war es wichtig, von den Großmächten als unabhängiger
Staat anerkannt zu werden. Andererseits musste Norwegen seine auswärtigen Beziehungen
gestalten und eine klare Position im internationalen Gefüge einnehmen. Dabei hob der erste
Außenminister Jørgen Løvland klar Norwegens außenpolitische Neutralität hervor, indem er
betonte, dass Norwegen sich von internationalen Bündnissen distanziere, sollte die Gefahr
bestehen, in Konflikte und Kriege involviert zu werden. Løvland war es wichtig ,,(...) to
remain neutral not only in wartime, but also in times of peace, to stay neutral towards the
political combinations among the powers (...)."2 Dennoch zeigte Løvland besonderes
Interesse an einer ökonomischen Zusammenarbeit mit den europäischen Staaten, vor allem im
Bereich des maritimen Handels. Die norwegische Außenpolitik war demzufolge stark
isolationistisch und verfolgte eine hohe politische Neutralität, die jedoch eine ausgeprägte
außenwirtschaftliche Aktivität nicht ausschloss, vor allem nicht mit dem guten Partner
Großbritannien. Norwegens periphere Lage in Europa und das Verlangen, eine neue,
unabhängige Nation zu errichten, waren die Hauptgründe für die politische Neutralität, die
später auch im Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit zum Tragen kam. Darüber
hinaus hatte Norwegen in Großbritannien einen wichtigen, ökonomischen und politischen
Partner an seiner Seite. Mit dem Beitritt zum Völkerbund - dem Vorreiter der Vereinten
Nationen (UNO) - nach dem Ersten Weltkrieg ,,verabschiedete sich das Land folgerichtig von
2 Riste, Olav:
Norway′s Foreign Relations -A History,
Oslo, 2001, S. 75.
4
seiner kompromisslosen Neutralitätspolitik", um als vorbildlicher, friedliebender Staat die
Großmächte für die Einhaltung des Völkerrechts und die Wahrung des Friedens zu
sensibilisieren.3 Damit begann Norwegens Engagement als Vermittler zwischen den Völkern.
Nach der deutschen Besatzung von 1940 bis 1945 und dem Schock, unfreiwillig und nahezu
schutzlos in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen worden zu sein, entschied sich das Land in
die NATO einzutreten und seine traditionelle, isolationistische Außenpolitik zu verändern.
Doch trotz der engen Zusammenarbeit mit den USA verweigerte Norwegen die Stationierung
von Militäranlagen und Atombomben, um eine Verwicklung in den Kalten Krieg und den
gespannten Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion zu vermeiden. Gleichzeitig
blieb es jedoch weiterhin ,,ein loyales Mitglied des Bündnisses und ein wichtiger
Kooperationspartner für die USA als Horchposten gegen die Sowjets im Norden."4
Schließlich entwickelte sich Norwegen im Zuge der expandierenden Globalisierung in den
letzten Jahrzehnten zunehmend zu einem Akteur der internationalen Politik, der in
zahlreichen multilateralen und bilateralen Kooperationsstrukturen tätig ist.
3. Norwegen als Akteur der internationalen Politik
Norwegens Mitgliedschaft in der UNO seit 1945, in der NATO seit 1949 und die
ökonomische Zusammenarbeit mit den EU-Nationen im EWR seit 1994 bestimmen die
multilateralen Beziehungen sowie die Außen-, Sicherheits- und Europapolitik Norwegens in
großem Maße. Dabei lassen sich in der norwegischen Außenpolitik drei wesentliche
Intentionen zusammenfassen:
Auf der einen Seite ist Norwegen aufgrund seiner erst seit 103 Jahren bestehenden
Unabhängigkeit von Schweden besonders um die Sicherung seiner nationalen Souveränität
bemüht. Mit den Referenden in den Jahren 1972 und 1994, in denen eine EG- bzw. EU-
Mitgliedschaft mit 53,5% und 52,3% abgelehnt wurde, wurden die Euroskepsis und die
Bedeutung der Unabhängigkeit für die norwegische Bevölkerung immer wieder deutlich.5
Auf der anderen Seite ist auch Norwegen ein wichtiger Akteur in der internationalen Politik
geworden, da auch der neutrale Staat in Nordeuropa zwangsläufig mit den Problemen der
voranschreitenden Globalisierung wie dem Klimawandel, Terrorismus, Migration oder sogar
Schmuggel von Menschen aus Entwicklungsländern konfrontiert wird. Aus diesem Grund
3 Riste, Olav: ,,Norwegen als Akteur der internationalen Politik", in: Hennigsen, Bernd (Hrsg.):
100 Jahre
deutsch-norwegische Begegnungen - nicht nur Lachs und Würstchen
, Berlin 2005, S. 105.
4 Riste, ,,Norwegen als Akteur der internationalen Politik", 2005, S. 105.
5 Vgl. Schymik, Carsten: ,,Nordische Sonderwege nach Europa", in: APUZ, B 47/2004. URL:
http://www.bpb.de/publikationen/RWN1Y8,4,0,Nordische_Sonderwege_nach_Europa.html#art4 (01.08.2008)
5
agiert das Land in internationalen Organisationen wie der UNO und der NATO, um sich - vor
allem in enger Kooperation mit den USA - im Bereich des Völkerrechts, der Menschen-
rechte, der Entwicklungspolitik und der Mediation bei internationalen Konflikten einzusetzen.
Außerdem ist Norwegen Mitglied im EWR, um sich angesichts der zunehmend globalisierten
Wirtschaft innerhalb des europäischen Binnenmarktes (mit Ausnahme der politisch sensiblen
Bereiche Landwirtschaft und Fischerei) stärker ökonomisch einbinden zu können und gute
ökonomische Rahmenbedingungen im Interesse Norwegens zu schaffen.6 Schließlich verliert
auch Norwegen als ,,traditioneller Nationalstaat [...] angesichts der Globalisierung u.a.
hinsichtlich der Gestaltung seiner Wirtschaftspolitik zunehmend an Handlungsspielraum"7
und sieht sich zu einer internationalen Zusammenarbeit mit anderen Staaten gezwungen, wie
der norwegische Minister für Auswärtige Angelegenheiten Jan Petersen anlässlich des
100jährigen Jubiläums norwegischer Unabhängigkeit in einem Bericht an das Storting am 15.
Februar 2005 festhielt. Darüber hinaus ist das Land besonders daran interessiert, ,,Norwegens
Ansehen in der ganzen Welt zu festigen und zu stärken", denn ,,das Bild von Norwegen in
anderen Ländern könnte durchaus modernisiert werden - oder jedenfalls neue Nuancen
bekommen."8
3.1. Norwegens entwicklungspolitische Kooperation in der UNO
Als eines der 51 Gründungsmitglieder der UNO, dessen sozialdemokratischer Justiz-
minister (1935-1939) und späterer Handelminister (bis 1939) Trygve Lie als erster UN-
Generalsekretär von 1946 bis 1953 gewählt wurde9, setzt sich Norwegen seit dem Ende des
Zweiten Weltkrieges besonders für die Sicherung des Weltfriedens und für den Kampf gegen
Armut in der Dritten Welt ein, indem es bspw. Maßnahmen zur Erfüllung der von der UNO
entwickelten
Millenium Development Goals
, mit denen die weltweite Armut bis 2015 halbiert
werden soll, unterstützt. Seither agiert das nordeuropäische Königreich als wichtiger
Diplomat in internationalen Missionen zur Konfliktprävention und -intervention, z.B. bei der
Vermittlung im israelisch-arabischen Konflikt, den Norwegen 1993 mit dem Osloer
Abkommen versuchte, zu beruhigen und somit den Friedensprozess im Nahen Osten
voranzutreiben. Die starke Unterstützung der UNO ist seit der Gründung der Organisation das
6 Vgl. Auswärtiges Amt: Norwegen - Außenpolitik, 2008. URL: http://www.auswaertiges-
amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Norwegen/Aussenpolitik.html (23.07.2008)
7 Saldik, Heribert:
Deutsche Außenpolitik in der Ostseeregion
, Peter Lang-Verlag, Frankfurt/M., 2004, S. 7.
8 Jan Petersen im Bericht an das Storting zum Stand der Außenpolitik, 15. Februar 2005, URL:
http://www.norwegen.no/policy/europe/parliamentspeach.htm (01.08.2008)
9 Vgl. http://www.un.org/Overview/SG/sg1bio.html (01.08.2008)
6
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