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Analyse einer Unterrichtsstunde nach dem Verfahren der Objektiven Hermeneutik

Seminararbeit, 2009, 19 Seiten
Autor: Jasmin Schnell
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.

Details

Veranstaltung: Schulpraktische Studien
Institution/Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2009
Seiten: 19
Note: 14
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V127014
ISBN (E-Book): 978-3-640-37154-9
ISBN (Buch): 978-3-640-37150-1

Zusammenfassung / Abstract

Bei der nachvollgenden Analyse handelt es sich um eine Unterrichtsstunde im Fach Religion. Die Unterrichtsstunde wurde unter den Aspekten der Objektiven Hermeneutik untersucht.


Textauszug (computergeneriert)

Sequenzanalyse

WS 08/09

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 2

II. Fallbestimmung 3

III. Leitende

Fragestellung 3

IV. Sequenzanalyse 4

V. Fallstrukturhypothese mit Rückblick auf die gesamte Unterrichtsstunde 14

Literaturverzeichnis 18

1


Sequenzanalyse

WS 08/09

I. Einleitung

In der nachfolgenden Seminarabschlussarbeit zum forschungsbezogenen Typ der

Schulpraktischen Studien, werden zwei Sequenzen aus meinem während meines Praktikums

verfassten Transkript, analysiert. Die Analyse orientiert sich hierbei an den Vorgaben zum

sequenzanalytischen Vorgehen der Objektiven Hermeneutik nach Ulrich Oevermann.

Zentral für die objektive Hermeneutik ist, den objektiven bzw. den latenten Sinn eines

Geschehens zu entschlüsseln. Im ersten Schritt muss hierzu zwischen einem latenten bzw.

objektiven Sinn und dem subjektiv-intentionalen Sinn unterschieden werden und die

Differenz dieser beiden Ebenen dargestellt werden. In einem weiteren Schritt eröffnet sich auf

der Ebene der Textinterpretation eine zweite Ebene, die die Fallstruktur betrifft. Durch

wiederholte Äußerungen auf der objektiven Sinnebene festigen sich Interpretationen, die

wiederum ein Instrumentarium schaffen, welches uns ermöglicht, bei der Interpretation

unseres Textes über die Ebene der intendierten Selbstdarstellung hinauszugehen und zur

Analyse der latenten Sinnstrukturen zu gelangen. An diese Ebene schließt sich nun die

Rekonstruktion der Genese der Fallstruktur an.1

Um diesen Grundgedanken der Objektiven Hermeneutik zu entsprechen, vollzieht sich die

Analyse meiner Sequenzen sequenziell. Ich taste mich demzufolge Schritt für Schritt an

möglichst viele Interpretationen, um die unterschiedlichsten Lesarten bilden zu können. Dabei

beachte ich jedoch die ,,Sparsamkeitsregel", die besagt, dass man sich nur auf die Lesarten

beschränkt, die ohne größere Zusatzannahmen mit dem Text kompatibel sind. Auch das

Prinzip der ,,Wörtlichkeit der Interpretation" findet in meiner Analyse Beachtung. Ich werde

nur solche Interpretationen anführen, die am Text selbst nachzuweisen sind. Zudem werde ich

die ausgewählten Textausschnitte vollständig interpretieren (Prinzip der Totalität). Ich werde

mich weiterhin bemühen, die einzelnen Sequenzen zunächst kontextfrei zu interpretieren und

sie anschließend in den jeweiligen Kontext des Geschehens einordnen. 2

Die Arbeit gliedert sich insgesamt in vier Abschnitte. Im ersten Abschnitt werde ich den

Ablauf der Stunde erläutern, um einen kleinen Einblick in das Geschehen zu geben. Im

zweiten Abschnitt werde ich meine leitende Fragestellung vorstellen, bevor ich dann im

dritten Abschnitt zur Analyse der einzelnen Abschnitte gelange. Im letzten Teil meiner Arbeit

werde ich die Fallstrukturhypothese mit Rückblick auf die gesamte Stunde vorstellen.

1 Vgl. Bohnsack u.a. (2003): S. 60-61 und S. 123-128.

2 Vgl. Bohnsack u.a. (2003): S. 123-128.

2


Sequenzanalyse

WS 08/09

II. Fallbestimmung

Mein Transkript resultiert aus der Tonbandaufnahme vom 10.09.2008 an einer Grundschule.

Aufgenommen wurde die zweite Stunde einer dritten Klasse im Fach Religion. Das Thema

der Religionsstunde lautet: ,,Mose erschlägt einen Ägypter".

Zum Ablauf der Stunde ist folgendes zu sagen:

Alle Kinder haben sich vor Unterrichtsbeginn im Sitzkreis versammelt. Bevor sie mit der

eigentlichen Bearbeitung des Themas der Stunde beginnen, führt die Lehrkraft mit den

Kindern das morgendliche Begrüßungsritual durch. Dazu müssen sich alle Kinder der Reihe

nach abwechselnd auf die Beine, Hände und Arme klopfen. Der Prozess vollzieht sich in

vollkommener Stille. Danach folgt von Seiten der Schülerinnen und Schüler3 eine kurze

Wiederholung der Themen der letzten beiden Stunden. Im Anschluss führt die Lehrkraft das

Thema weiter aus und setzt durch ein Plakat: ,,He, was soll das?" einen neuen Impuls. Die

Kinder müssen sich hierzu überlegen, wer das gesagt haben könnte und in welchem

Zusammenhang dieser Satz zu dem bisher gelernten stehen könnte. Nachdem einige Ideen der

Schüler gesammelt wurden, teilt die Lehrkraft ein Rollenspiel aus, in dem Mose einen

Ägypter erschlägt. Dazu sollen alle wieder zurück auf ihre Plätze, sich das Rollenspiel

durchlesen, dieses einüben und sich überlegen, was Mose nun tun könnte. Nach ca. fünfzehn

minütiger Arbeitsphase versammeln sich alle Schüler erneut im Sitzkreis. Dort werden die

Lösungen verglichen und diskutiert. Als Abschlussritual singen sie gemeinsam das Lied:

,,Möge die Straße uns zusammenführen". Danach gehen alle Kinder in die Pause.

Im Folgenden werde ich die Aussagen von Zeile 1 bis Zeile 41 sowie die Zeilen 413-420

analysieren.

III. Leitende

Fragestellung

Aufgrund meiner bisher gesammelten Erfahrungen und Eindrücke im Bereich des

Grundschulunterrichts ist mir klar geworden, dass Rituale in der heutigen Zeit, für Kinder

eine zentrale Rolle spielen. Die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen wie z.B. allein

erziehende Eltern oder Eltern die beide Berufstätig sind, erfordern klar strukturierte und

organisierte Arbeitsabläufe. Der Zeitdruck innerhalb der Familien gewinnt immer mehr an

Bedeutung. Selten gelingt es den Familien Rituale wie z.B. das gemeinsame Mittagessen oder

der Austausch des Tagesablaufs einzuführen. Kinder brauchen jedoch Zeit und Raum um sich

3 Im Folgenden werde ich den Begriff ,,Schüler" stellvertretend für ,,Schülerinnen und Schüler" verwenden.

3


Sequenzanalyse

WS 08/09

auszutauschen und um ihre Gefühle zum Ausdruck bringen zu können. Innerhalb der Familie

bleibt dafür meist nur wenige Minuten am Tag. Umso wichtiger ist es, dass die Institution

Schule Voraussetzungen dafür schafft, damit sich das Kind individuell entfalten kann und

somit einen festen Platz in der Gesellschaft findet. Rituale und festgelegte Regeln können

Kindern in der Grundschule helfen, dem Alltag einen gewissen Rhythmus zu verleihen,

wodurch ihnen Sicherheit und Halt vermittelt werden kann. Sie stellen zugleich einen

stützenden Ordnungsrahmen dar4.

Im Rahmen dieser Sequenzanalyse möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit das

morgendliche Ritual der Klasse 3x diesen Zielen von Ritualen nachkommt. Die leitende

Fragestellung ist hierbei, ob es sinnvoll ist, den Unterricht mit einer Phase zu beginnen, in

denen alle Kinder schweigen müssen.

IV. Sequenzanalyse

Die Lehrerin eröffnet durch die beiden Sätze: ,,

Wer hat denn letztes Mal angefangen? Der

Sm 2 ne?

in den Zeilen eins und zwei den Unterricht.

Beide Sätze artikuliert sie sehr leise. Dies könnte mehrere Gründe haben:

· Sie möchte eine ruhige Atmosphäre schaffen

· Sie erlangt auf diesem Weg Aufmerksamkeit

· Sie will Spannung erzeugen.

Zudem ist etwas, was man leise artikuliert, häufig nicht an alle Teilnehmer gerichtet. Man

könnte annehmen, dass es sich um eine nicht offizielle Unterrichtskommunikation handelt.

Merkwürdig ist an dieser Stelle, dass sie die Schüler nicht begrüßt.

Sie beginnt ihre Frage mit dem Interrogativpronomen ,,Wer" und fragt damit nach der Person,

die das letzte Mal angefangen hat. ,,Das letzte Mal" stellt eine temporäre Angabe dar, die

nicht weiter bestimmt wird. Sie kann sich auf die letzte Unterrichtsstunde im Allgemeinen

oder auf die letzte Unterrichtsstunde im Fach Religion beziehen. Das Prädikat ,,angefangen"

beschreibt den Beginn von etwas. Jemand der als erstes etwas getan hat, ist in der Regel der

Anfänger von dieser Sache. Es geht sicherlich um die Person, die in der letzten Stunde mit

etwas Bestimmten begonnen hat. Sie sucht also nach einer Person, die den Unterricht

4 Vgl. Hüsten, Gruber, Winkler Menzel (2007): S. 13-14.

4



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