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Termpaper, 2008, 30 Pages
Author: Beate Hensel
Subject: Communications: Media and Politics, Politic Communications
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Fakultät Publizistik und Kommunikationswissenschaften)
Year: 2008
Pages: 30
Grade: 1,5
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-34040-8
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Abstract
Ob in Demokratien oder in totalitären Gesellschaftssystemen, drei ‚Medien’ vermitteln das kulturelle und politische Gedächtnis von Gesellschaften: die Narration, das Ritual und die (politische) Ikonographie. Obgleich die DDR, als neu gegründeter Experimentalstaat, weder auf ein kulturelles, noch auf ein politisches Gedächtnis zurückgreifen konnte, entlehnte sie dieses zweckdienlich, jedoch unreflektiert, einerseits durch Rückgriff auf die preußische Geschichte (‚Erbe und Tradition’) und andererseits bei dem mit Vorbildwirkung verhafteten Gesellschafts- und Kultursystem der Sowjetunion. Die Narration umfasst alle Arten der Versprachlichung, von der Historiographie, über die Erzählung, bis zu öffentlichen Reden und politischen Losungen. Die Dramaturgie öffentlicher Veranstaltungen an Gedenk- und Feiertagen (oder im Fall der DDR auch an Parteitagen) wird durch das Ritual erfasst und die ikonographische Form schließlich umfasst die Gestaltung und ‚Besetzung’ des öffentlichen Raumes mit Denkmälern und Mahnmalen. Alle drei ‚Medien’ sind durch die DDR durch propagandistische Mittel instrumentalisiert worden. Die Arbeit befasst sich dementsprechend mit der Untersuchung, inwieweit Ritualität in der politischen Kommunikation der DDR von Propaganda usurpiert gewesen ist, welche Folgen dies für das öffentliche Bewusstsein hatte und inwieweit die propagandistischen Mittel bei der Bevölkerung eine nachhaltige Wirkung erzielen konnten. Im Vorfeld - um eine objektive Perspektive einnehmen zu können - muss das Selbstverständnis des Propagandabegriffs in sozialistischer Lesart erarbeitet werden. Durch die Existenz unterschiedlicher gesellschaftlicher Systeme und eine negative Konnotation des Propagandabegriffs im Zuge des Missbrauchs durch die Nationalsozialisten, entwickelten sich divergierende Definitionen und Normative. Vor allem Wortbedeutungen westlicher Provenienz sind ungeeignet, sich objektiv einer Untersuchung einer sozialistischen Gesellschaft zuzuwenden. Zudem wird auf Funktionen, Wirkungen und Merkmale von Ritualen, von ritueller Kommunikation und somit von politischer Ritualität einzugehen sein, bevor anhand eines Beispiels die bereits oben beschriebene Untersuchung alle Fäden zusammenzuführen sucht.
Excerpt (computer-generated)
HS: Geschichte der PR
Freie Universität Berlin, Fakultät Publizistik und Kommunikationswissenschaften
Wintersemester 2007/08
Hausarbeit
Thema: ′Sozialistische Propaganda′
im politischen Ritual der DDR
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http://www.zeit.de/2006/42/Spin-Doctor-42?page=all.
I. Einleitende
Bemerkungen
Ob in Demokratien oder in totalitären Gesellschaftssystemen, drei
,Medien′ vermitteln das kulturelle und politische Gedächtnis von Gesellschaf-
ten: die Narration, das Ritual und die (politische) Ikonographie. Obgleich die
DDR, als neu gegründeter Experimentalstaat, weder auf ein kulturelles, noch
auf ein politisches Gedächtnis zurückgreifen konnte, entlehnte sie dieses
zweckdienlich, jedoch unreflektiert, einerseits durch Rückgriff auf die preußi-
sche Geschichte (,Erbe und Tradition′) und andererseits bei dem mit Vor-
bildwirkung verhafteten Gesellschafts- und Kultursystem der Sowjetunion.
Die Narration umfasst alle Arten der Versprachlichung, von der His-
toriographie, über die Erzählung, bis zu öffentlichen Reden und politischen
Losungen. Die Dramaturgie öffentlicher Veranstaltungen an Gedenk- und
Feiertagen (oder im Fall der DDR auch an Parteitagen) wird durch das Ritual
erfasst und die ikonographische Form schließlich umfasst die Gestaltung und
,Besetzung′ des öffentlichen Raumes mit Denkmälern und Mahnmalen.
Alle drei ,Medien′ sind durch die DDR durch propagandistische Mit-
tel instrumentalisiert worden.
Die Arbeit befasst sich dementsprechend mit der Untersuchung, in-
wieweit Ritualität in der politischen Kommunikation der DDR von Propagan-
da usurpiert gewesen ist und inwieweit die propagandistischen Mittel bei der
Bevölkerung eine nachhaltige Wirkung erzielen konnten (Abschnitt IV).
Im Vorfeld - um eine objektive Perspektive einnehmen zu können -
muss das Selbstverständnis des Propagandabegriffs in sozialistischer Lesart
erarbeitet werden. Durch die Existenz unterschiedlicher gesellschaftlicher
Systeme und eine negative Konnotation des Propagandabegriffs im Zuge des
Missbrauchs durch die Nationalsozialisten, entwickelten sich divergierende
Definitionen und Normative. Vor allem Wortbedeutungen westlicher Prove-
nienz sind ungeeignet, sich objektiv einer Untersuchung einer sozialistischen
Gesellschaft zuzuwenden (Abschnitt II).
Zudem wird auf Funktionen, Charakteristika und Merkmale von Ri-
tualen, von ritueller Kommunikation und somit von politischer Ritualität ein-
zugehen sein. Anschließend wird zu erarbeiten sein, inwieweit von einer Wir-
1
kungslosigkeit oder Wirkmächtigkeit der propagandistischen Instrumentarien
im politischen Ritual der DDR ausgegangen werden kann (Abschnitt III).
II. Definitorische
Albträume: Systemabhängige
Deutungen
1.
Die Abgrenzung von ,Public Relations′, ′Öffentlich-
keitsarbeit′, ,sozialistische Öffentlichkeitsarbeit′ und
,Propaganda′
Im Mai 1997 fand in Leipzig eine Tagung statt, deren Titel vorerst
mit einem Fragezeichen versehen wurde: ,Public Relations in der DDR?′.1
Als Ergebnis dieser Tagung konnte resümiert werden, dass das Fragezeichen
,,schnell entfallen"2 sollte. Obgleich der Terminus
,Public Relations′
anfangs
in der DDR verwendet wurde, änderte sich Mitte/Ende der 60er Jahre dessen
Deutung als ,,ein Mittel der manipulativen Praktiken der kapitalistischen Ge-
sellschaft"3 als Ergebnis einer von dem DDR-Literaturwissenschaftler
Alfred
Klein
verursachten Diskussion über die Verwendung des Begriffs
,Öffent-
lichkeitsarbeit′
.4
Einerseits wurde dieser Terminus als ,,Teil ökonomisch orientierter
Produkt- und Firmenwerbung"5 angesehen, andererseits schrieb das ,Wörter-
buch der Journalistik′ damals fest, dass Öffentlichkeitsarbeit ,,die von politi-
schen Parteien, gesellschaftlichen Organisationen und staatlichen Institutionen
[...] vermittels der verschiedenen journalistischen und nicht-journalistischen
Kommunikationskanäle verbreitete kontinuierliche oder ad-hoc-Information
1
Gerade die Einladung von PR-Wissenschaftlern, -Praktikern und Journalisten, die
einst einerseits auf westdeutschem und andererseits auf ostdeutschem Gebiet tätig
waren, war dabei sicherlich gewinnbringend und gewährleistete eine Ausgeglichen-
heit der Perspektiven.
2
Liebert, Tobias: Public Relations in der DDR?. Befunde und Positionen zu Öffent-
lichkeitsarbeit und Propaganda, Leipziger Skripten für Public Relations und Kom-
munikationsmanagement, Nr. 3, Leipzig 1998, S. 5.
3
Bentele, Günter: Verständnisse und Funktionen von Öffentlichkeitsarbeit und Propa-
ganda in der DDR. In: Liebert, Tobias: Public Relations in der DDR?. Befunde und
Positionen zu Öffentlichkeitsarbeit und Propaganda, Leipziger Skripten für Public
Relations und Kommunikationsmanagement, Nr. 3, Leipzig 1998, S. 48.
4
Alfred Klein
sprach sich in der DDR-Zeitschrift ,Neue Werbung′ unter dem Aufsatz-
titel ,Public Relations und unsere Außenhandelskontakte auf kapitalistischen Märk-
ten′ öffentlich für die Verwendung des Begriffs ,Öffentlichkeitsarbeit′ aus. Vgl. da-
zu Wöltge, Herbert: Theoretische Probleme der Öffentlichkeitsarbeit in der DDR.
Leipzig 1979, S. 12ff.
5
Bentele, Günter: Verständnisse und Funktionen von Öffentlichkeitsarbeit und Propa-
ganda in der DDR, a.a.O., S. 48.
2
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