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Subtitle: Elektrische Sicherheit medizintechnischer Apparate
Essay, 2009, 23 Pages
Author: Dipl.-Ing. [FH] Thomas Lekscha
Subject: Biomedical technic
Details
Year: 2009
Pages: 23
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-34130-6
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Abstract
Zur Durchführung von elektrischen Sicherheitsmessungen an medizintechnischen Geräten, ist die Kenntnis von Fachbegriffen aus diversen Normschriften erforderlich. Die Erfahrung zeigt, dass Studenten der Medizintechnik oft Probleme mit der Zuordnung und Interpretation von fachspezifischen Begriffen haben. Auch wegen der aktuellen Änderungen von relevanten medizintechnischen Normen, kann eine Zusammenstellung von erforderlichen Fachbegriffen hilfreich sein.
Fulltext (computer-generated)
Kommentierte Zusammenstellung von Fachbegriffen aus der
elektromedizinischen Messtechnik zur unterstützenden
Ausbildung von Studenten der Medizintechnik
Elektrische Sicherheit medizintechnischer Apparate
Thomas
Lekscha
INHALT
Einleitung
1
Ausgewählte
Normen
2
Begriffe und Erklärungen 3
Symbolverzeichnis
16
Abkürzungsverzeichnis
17
Bildverzeichnis
18
Literaturverzeichnis
20
EINLEITUNG
Zur Durchführung von elektrischen Sicherheitsmessungen an medizin-
technischen Geräten, ist die Kenntnis von Fachbegriffen aus diversen Norm-
schriften erforderlich. Die Erfahrung zeigt, dass Studenten der Medizintechnik
oft Probleme bei der Zuordnung und Interpretation der fachspezifischen
Begriffe haben.
Auch wegen der aktuellen Änderungen von relevanten medizintechnischen
Normen, kann eine Zusammenstellung von erforderlichen Fachbegriffen hilf-
reich sein. Die nachfolgenden Ausführungen sollen die aktuellsten und wich-
tigsten messtechnischen Begriffe in verständlicher (nicht normsprachlicher)
Weise erläutern.
Die Grundlage für die elektrischen Sicherheitsmessungen an medizin-
technischen Geräten bildet unter anderem das Medizinprodukte- Gesetz
(MPG) und die daraus resultierende Medizinprodukte- Betreiberverordnung
(MPBetreibV).
Diese Verordnung fordert in folgenden Paragraphen, direkt oder indirekt, die
Durchführung von elektrischen Sicherheitsmessungen bzw. Instand- haltungs-
und Wartungsarbeiten:
MPBetreibV §2, Absatz 8 [
1
]
(Vorschriften zur wiederkehrenden Prüfung, Unfallverhütungsvorschrift,
Sicherheitstechnische
Kontrollen)
MPBetreibV §4, Absatz 4 [
1
]
(Wartung und Instandsetzung)
MPBetreibV §6, Absatz 1 und 3 [
1
]
(Sicherheitstechnische Kontrollen, anerkannte Regeln der Technik,
Fristen, Prüfprotokoll)
MPBetreibV §7, Absatz 4 [
1
]
(Prüfprotokoll mit Ergebnissen, Prüfer).
Die genannten Paragraphen verpflichten den Betreiber von medizintechnischen
Geräten, regelmäßig und fristgerecht, elektrische Sicherheitsmessungen bzw.
Funktionsprüfungen von Fachkräften durchführen zu lassen.
1
NORMEN
Die folgenden Normen sind Normen, die sich vorrangig mit der elektrischen
Sicherheit von medizintechnischen Geräten beschäftigen. Die angrenzenden
Normen, für die allgemeine elektrische Sicherheit von Geräten und Anlagen,
sollen hier nicht weiter betrachtet und interpretiert werden.
Aktuelle Normen für die elektrische Sicherheit von medizintechnischen Geräten
sind:
DIN EN 60601-1, aktuelle Version August 2008 [
2
]
Diese Norm beschreibt die allgemeine Festlegung für die elektrische
Sicherheit von medizintechnischen Geräten, einschließlich der wesentlichen
Leistungsmerkmale. Diese Norm kann als die ,,Grundnorm" für elektrische
medizintechnische Geräte betrachtet werden. Sie gibt Hilfestellung bei der
Entwicklung, der Herstellung und der Überprüfung von medizintechnischen
Geräten. Einige der nachfolgenden Begriffe (Erklärungen) finden ihre
Grundlage in dieser Norm.
DIN EN 62353, aktuelle Version August 2008 [
3
]
Diese Norm beschreibt die Prüfung der elektrischen Sicherheit von
medizintechnischen Geräten nach einer Instandsetzung bzw. Reparatur.
Weiterhin sind die regelmäßigen, wiederkehrenden elektrischen
Sicherheitsmessungen beim Betrieb eines medizintechnischen Gerätes
beschrieben. Die Messverfahren, die Vorgehensweisen und die einzu-
haltenden elektrischen Parameter (Grenzwerte), sind in dieser Norm zu
finden. Einige der nachfolgenden Begriffe (Erklärungen) finden ihre
Grundlage in dieser Norm.
An dieser Stelle sei auch die DIN VDE 0701-0702 [
4
], aktuelle Ausgabe Juni
2008, erwähnt. Diese Norm beschäftigt sich allgemein mit der Prüfung von
elektrischen Geräten nach Instandsetzung und Wiederholungsprüfungen. Sie
gilt jedoch nicht speziell für medizintechnische Geräte und wird somit nicht
weiter interpretiert.
2
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Folgende Bezeichnungen bzw. Erklärungen sind für das Verständnis und für
die fehlerfreie Durchführung von elektrischen Sicherheitsprüfungen an medizin-
technischen Geräten zwingend erforderlich:
Die Schutzklasse 1
Die Schutzklasse 1 sagt aus, dass für den Schutz vor gefährlichen Körper-
strömen, einem ,,elektrischen Schlag", eine Verbindung aller elektrisch
leitfähigen und berührbaren Geräteteile zur Erde hergestellt sein muss.
Diese Verbindung bewirkt, dass die Gehäuseteile einen berührungs- und
spannungsfreien Zustand gegen Erde haben. Dieser Schutz wird auto-
matisch durch das Einstecken des Schutzkontaktsteckers in die Steckdose
(Spannungsversorgung) hergestellt. Es muss allerdings gewährleistet sein,
dass alle elektrisch leitfähigen Geräteteile durch einen Schutzleiter (grün /
gelb) miteinander verbunden sind. Diese Verbindungen werden im Gerät
durch Schutzleiterkabel und Schutzleiterkontakte (Schraub- Steckver-
bindungen), an den einzelnen berührbaren elektrisch leitfähigen Bauteilen,
realisiert. Diese Verbindungen sollten theoretisch widerstandslos aufgebaut
werden. Nach einer Reparatur bzw. Öffnung eines Gerätes ist darauf zu
achten, dass alle Schutzleiterverbindungen wieder hergestellt werden.
Gehäuse-Bodenplatte
PE
PE
Gehäuse-Seitenteil
PE
Wärmetherapiegerät
Bild 1
Das Bild zeigt eine Schutzkontaktsteckdose, einen Schutzkontaktstecker und die Umsetzung
der Schutzklasse 1, in einem medizintechnischen Gerät (HF-Wärmetherapiegerät).
3
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Die Schutzklasse 2
Die Schutzklasse 2 besagt, dass Geräte dieser Schutzklasse mit einer
zusätzlichen Isolierung (zur schon vorhandenen Basisisolierung) aus-
gestattet sein müssen. Diese zusätzliche Isolierung soll bewirken, dass
beim Versagen der Basisisolierung, kein Strom bzw. keine Spannung an die
berührbaren Gehäuseteile gelangt. Dieses wird durch eine zusätzliche,
doppelte Isolierung der spannungs- und stromführenden Baugruppen des
Gerätes erfüllt. Häufig sind bei Geräten der Schutzklasse 2 die berühr-
baren Teile (Gehäuseteile) komplett aus elektrisch nicht leitenden Kunst-
stoffen gefertigt. An Geräte der Schutzklasse 2 wird kein Schutzleiter
(grün / gelb) angeschlossen.
Netzstecker ohne PE-Anschluss
Spritzenpumpe
N
L1
Eingegossenes,
isoliertes Netzteil
Bild 2
Das Bild zeigt einen Netzstecker der Schutzklasse 2 und ein medizintechnisches Gerät (eine
Spritzenpumpe) der Schutzklasse 2 mit dem dazugehörigen Typenschild.
Weitere Informationen zur Einteilung und Anwendung der Schutzklassen sind
in den Normen DIN EN 61140 [
5
], aktuelle Version März 2007 und DIN EN
50274 [
6
], aktuelle Version November 2002, dargestellt. Die Normen
beschreiben den Schutz von Anlagen und Betriebsmitteln gegen den
elektrischen Schlag bzw. den Schutz vor unbeabsichtigter Berührung von
gefährlichen aktiven Teilen.
4
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Anwendungsteil
Anwendungsteile eines medizintechnischen Gerätes sind die Teile, die mit
dem zu untersuchenden oder zu behandelnden Patienten in Berührung
kommen. Die Anwendungsteile dürfen dabei nur für ihren bestimmungs-
gemäßen Gebrauch eingesetzt werden. Anwendungsteile sind Kabel und
Elektroden, die an ein medizintechnisches Gerät angeschlossen werden,
um eine elektrisch leitende Verbindung zum Patienten herzustellen. Diese
Verbindung kann zum Beispiel der Übertragung von Behandlungsströmen
oder aber auch der Übertragung (Abnahme) von körpereigenen bioelektri-
schen Signalen vom Patienten zum medizintechnischen Gerät (EKG, EEG,
usw.) dienen. Als Anwendungsteil kann hier die Einheit von Patientenleitung
(geräteextern) und Verstärker (geräteintern) betrachtet werden.
EKG-Patientenkabel
Reizstrom-Patientenleitungen
HF-Chirurgie-Aktivelektrode
Defibrillator-
Paddel
Bild 3
Darstellung von typischen Anwendungsteilen medizintechnischer Geräte. Die EKG-Patienten-
Leitung zur Ableitung von bioelektrischen Signalen des menschlichen Körpers. Die Reizstrom-
kabel / Elektroden und die Aktivelektrode des HF-Chirurgiegerätes zur Übertragung von
Behandlungs- und Therapieströmen an den Patienten. Die Defibrillatorelektroden (Paddel)
zur Übertragung der Defibrillationsenergie zum Patienten und zur Ableitung der EKG-Signale
vom Patienten.
5
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Ableitströme
Ableitströme sind ungewollte Ströme, die in einem normalen, fehlerfreien
Zustand eines Betriebsmittels bzw. medizintechnischen Gerätes fließen.
Ableitströme sind daher streng gesehen keine Fehlerströme.
Fehlerströme treten, laut Definition, nur in einem Fehlerfall (zum Beispiel
defekte Isolierungen) auf.
Ableitströme fließen über die intakte Isolierung von aktiven stromführenden
Teilen zur Erde (Schutzleiter, Potentialausgleich) oder über die Isolierung
von einem aktiven stromführenden Teil zum andern aktiven stromführenden
Teil. Ableitströme sind also immer vorhanden, denn eine Isolierung, die zu
100% isoliert gibt es nicht. Ableitströme setzen sich aus ohmschen und
kapazitiven Ableitströmen zusammen. Der kapazitive Ableitstrom entsteht
zwangsläufig immer da, wo zwei elektrisch leitfähige Flächen oder Leiter
durch eine Isolierung voneinander getrennt werden. Der ohmsche Ableit-
strom wird durch die Verlustwiderstände der Isolationsmaterialien gebildet.
Die ohmschen Anteile können in der Praxis, wegen ihrer geringen Größe,
meist vernachlässigt werden. Der kapazitive Ableitstrom, spielt jedoch eine
wesentliche Rolle bei den elektrischen Sicherheitsmessungen von Betriebs-
mitteln bzw. medizintechnischen Geräten. Gemessen wird aus praktischen
und messtechnischen Gründen die Resultierende aus der Vektoraddition
der kapazitiven und ohmschen Anteile, also IARes.
Auf die Darstellung des induktiven Anteiles IAI wurde, wegen der geringen
Praxisrelevanz, verzichtet.
I
Ohmsche Anteile
AO1
I
AO2
I
AO3
der Ableitströme
von Bauteilen / Isolierungen
I
AC1
Kapazitive Anteile
der Ableitströme
I
I
ARe
AC2
von Bauteilen / Isolierungen
I
AC3
Addition aller ohmschen
und kapazitiven Anteile
der Ableitströme
Bild 4
Darstellung der einzelnen Komponenten eines Ableitstroms als Zeigerdiagramm.
6
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Erdableitstrom
Der Erdableitstrom ist der Strom, der vom Netzteil eines oder mehrerer
Geräte (Gerätesystem) über oder durch die Isolierung zum Schutzleiter
(PE) fließt. Da der Strom laut Definition zum Schutzleiter fließt, wird er auch
nur an Geräten der Schutzklasse 1 (siehe Seite 3) gemessen.
Die Erdableitströme sind im Normalfall (funktionstüchtiger Schutzleiter-
anschluss) für Bediener oder Dritte nicht spürbar bzw. durch Berührung des
leitfähigen Gehäuses nicht gefährlich. Es ist dennoch wichtig, die
Erdableitströme konstruktiv zu begrenzen und so gering wie möglich zu
halten. Sollte die Schutzleiterverbindung in einem Fehlerfall unterbrochen
werden, würde der Erdableitstrom nicht über diese abgeführt werden
können. Der Erdableitstrom würde sich seinen Weg über die leitfähigen
Gehäuseteile suchen und zum Berührungsstrom (siehe Seite 8) werden.
Der Erdableitstrom wird nach DIN EN 60601-1 gemessen.
Gehäuse
Spannungs-
versorgung
Netz teil
I
E
IE
- Patient
- Schwester
- Pfleger
PE
- Arzt
Erde Erde
Bild 5
Darstellung des Erdableitstroms an / in einem
medizintechnischen Gerät
.
7
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Berührungsstrom
Auch der Berührungsstrom ist -genau wie die anderen Ableitströme- ein
Strom, der von aktiven stromführenden Bauteilen oder Leitungen über die
Isolierung abgeführt wird. Auch der Berührungsstrom fließt zur Erde ab,
jedoch nicht über den Schutzleiter und nicht über Anwendungsteile [2]. Er
kann über andere elektrisch angeschlossene oder mechanisch verbundene
Geräte zur Erde abgeführt werden; aber auch über eine Person. Da der
Berührungsstrom mit Personen (Patienten, Bedienpersonal) in ,,Berührung"
kommt, muss dieser zwingend vermieden und / oder klein gehalten werden.
Der Berührungsstrom wird zwischen Erde und jedem Teil des Gehäuses
(der Gehäuse) gemessen, das (die) nicht mit dem Schutzleiter verbunden
ist (sind). Als Besonderheit ist zu erwähnen, dass wenn das medizintech-
nische Gerät ein Gehäuse aus isoliertem Material besitzt, eine Metallfolie
von maximal 20 cm x 10 cm in Berührung mit dem Gehäuse gebracht wird
[
2
]. Gemessen wird der Berührungsstrom dann zwischen Erde und der
Metallfolie. Der Berührungsstrom wird nach DIN EN 60601-1 gemessen.
Gehäuse
Spannungs-
versorgung
IB
- Patient
- Schwester
PE
- Pfleger
- Arzt
PE
Erde
Erde
Bild 6
Darstellung des Berührungsstroms an / in einem
medizintechnischen Gerät
.
8
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Patientenableitstrom
Der Patientenableitstrom ist der Strom, der von den Patientenanschlüssen
(Anwendungsteilen) über den Patienten zu Erde fließt. Dadurch, dass bei
der Anwendung von Patientenanschlüssen eine gewollte Verbindung
zwischen elektrisch leitfähigen Leitungen und einem Patienten hergestellt
wird, ist besondere Vorsicht geboten. Anwendungsteile können nicht nur
am Patienten angebracht sein, sondern auch im Körperinneren platziert
werden. Die Grenzwerte des Patientenableitstroms sind daher besonders
niedrig gehalten. Eine Besonderheit stellt die Anwendung von Herz-
kathetern dar. Beim Einsatz von Anwendungsteilen direkt am Herzen,
darf der Patientenableitstrom maximal 0,01 mA betragen [
7
]. Dieser
besonders niedrige Wert soll das Auslösen von Herzkammerflimmern
verhindern. Die Tatsache, dass ein Patient gewollt mit einem Anwen-
dungsteil in Verbindung gebracht wird, erfordert auch besondere An-
forderungen an die Grenzwerte bzw. die Grenzwertschwelle des
Patientenableitstromes. Der Patientenableitstrom wird nach DIN EN 60601-
1 gemessen. Der Patientenableitstrom wird nach DIN EN 62353 auch
Ableitstrom vom Anwendungsteil genannt und gemessen.
Gehäuse
Spannungs-
versorgung
Anwendungsteil
IP
- Patient
- Schwester
- Pfleger
PE
- Arzt
Erde Erde
Bild 7
Darstellung des Patientenableitstroms an / in einem
medizintechnischen Gerät
.
9
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Patientenhilfsstrom
Der Patientenhilfsstrom ist der Strom, der bei bestimmungsgemäßen
Gebrauch eines Anwendungsteils (Patientenleitungen) zwischen den
einzelnen Leitungen des Anwendungsteils fließt. Er ist nicht zur Behandlung
gedacht und darf keine physiologischen Auswirkungen auf den Patienten
haben.
Der Patientenhilfsstrom wird zwischen den einzelnen Patientenleitungen
und von jeder einzelnen Leitung zu den anderen kurzgeschlossenen
Leitungen gemessen. Ein typisches Beispiel für eine Patientenhilfsstrom-
messung, ist die Messung des Stromes an der Patientenleitung eines EKG-
Gerätes (siehe Seite 5). Hier wird der Patientenhilfsstrom im Wesentlichen
durch den Eingangsstrom des EKG-Verstärkers geprägt.
Bei einem EEG-Gerät verhält es sich ähnlich. Der Patientenhilfsstrom wird
nach DIN EN 60601-1 gemessen.
Gehäuse
Spannungs
-
Anwendungsteil
I
PH
I
PH
- Patient
- Schwester
- Pfleger
PE
- Arzt
Erde Erde
Bild 8
Darstellung des Patientenhilfsstroms an / in einem
medizintechnischen Gerät
.
10
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Geräteableitstrom
Der Geräteableitstrom ist die Summe aller Ableitströme. Er setzt sich aus
Ableitströmen vom Gehäuse, Ableitströmen vom Netzteil und Ableitströmen
vom Anwendungsteil zusammen. Der Geräteableitstrom wird nach der DIN
EN 62353 gemessen.
Gehäuse
Spannungs-
versorgung
Netz teil
Anwendungsteil
IG
IG
IG
PE
Erde Erde
Bild 9
Darstellung des Geräteableitstroms an / in einem
medizintechnischen Gerät
.
11
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Schutzleiterwiderstand
Der Schutzleiterwiderstand wird an Geräten der Schutzklasse 1 (siehe Seite
3) gemessen. Es muss gewährleistet sein, dass der Schutzleiterwiderstand
möglichst gegen 0 geht, damit die primäre Schutzmaßnahme des
Schutzleiters auch wirkt. Merke: Der Strom nimmt immer den Weg des
geringsten Widerstandes. Der Schutzleiter soll also einen vorhan-denen
Fehler- und Ableitstrom von elektrisch leitfähigen und berührbaren
Gehäuseteilen ableiten um einen Patienten, eine Schwester oder Arzt vor
einem ,,Stromschlag" zu schützen. Bei der Messung des Schutzleiterwider-
standes, wird der Widerstand vom Netzstecker (Schutzleiterkontakt) bis hin
zu allen elektrisch leitfähigen (Gehäuse)Teilen gemessen. Bei der Wider-
standsmessung wird die Netzleitung bewegt. Lose Schutzleiterverbindun-
gen und / oder Bruchstellen im Schutzleiterkabel können so über eine
Veränderung des angezeigten Messwertes aufgedeckt werden. Auch
Übergangswiderstände von Kaltgerätesteckern zu Kaltgerätebuchsen
können durch das Bewegen des Steckers in der Buchse teilweise erkannt
bzw. beseitigt werden. Die Veränderung des Messwertes während der
Messung kann aber auch ein Zeichen für Korrosion an den Übergangs- und
Verbindungsstellen der Schutzleiteranschlüsse im Gerät sein. Diese können
nur durch eine innere Sichtprüfung und Messung eindeutig festgestellt und
lokalisiert werden. Bei ortsfesten (nicht ortsveränderlichen) Geräten, die fest
am Stromnetz (ohne eine steckbare Netzverbindung) angeschlossen sind,
kann der Schutzleiterwiderstand durch das Anklemmen der einen Mess-
leitung an das Betriebsmittel (medizintechnische Gerät) und der anderen
Messleitung an eine ortsnahe Schutzleiterklemme einer Netzsteckdose
ermittelt werden. Die Schutzleiterwiderstandswerte [
3
] schwanken zwischen
0,1 und 0,2 (orstveränderliche Geräte) und 0,1 und 0,3 (ortsfeste
Geräte). Eine Abweichung der Werte muss aber nicht zwingend einen
geräteverursachten Fehlerfall darstellen. Oft weichen die Werte auch durch
überlange Netzleitungen oder unzulässige Verlängerungsleitungen ab;
denn je länger die Schutzleiterbahn, desto größer ist der Schutzleiterwider-
stand. Die Messung des Schutzleiterwiderstands wird in der DIN EN 60601-
1 und der DIN EN 62353 gefordert.
12
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Gehäuse
Netzstecker / PE-Kontakt
Messspitze
Bild 10
Darstellung der Messung des Schutzleiterwiderstands an einem ortsveränderlichen
medizintechnischen Gerät
.
L1
Gehäuse
N
Netzstecker / PE-Kon
PE
takt
Messspitze
Bild 11
Darstellung der Messung des Schutzleiterwiderstands an einem ortsfesten, festinstallierten,
medizintechnischen Gerät
.
13
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Isolationswiderstand
Stromdurchflossene Bauteile in (medizin)technischen Geräten sind
gegeneinander isoliert. Kabel, Transformatoren, elektronische Bauteile und
Leiterplatten erhalten eine Kunststoffisolierung, damit keine Kurz-schlüsse
entstehen und ein sicherer und funktionstüchtiger Betrieb des Gerätes
gewährleistet ist. Die Isolierung lässt aber mit dem Betriebsalter jeden
Gerätes nach. Weichmacher diffundieren aus dem Kunststoff heraus, kleine
Haarrisse entstehen und Isolierungen brechen auf. Die Gefahr von
Fehlerströmen steigt. Um diese Fehlerquellen bzw. Alterungserscheinungen
der Isolierungen zu erfassen, wird unter anderem auch der Isolationswider-
stand gemessen. Merke: Je höher der Isolationswiderstand, desto besser
ist die Isolation, desto größer ist die Sicherheit für den Bediener und / oder
Patienten. Die Messung kann an Geräten der Schutzklasse 1 und der
Schutzklasse 2 durchgeführt werden. Eine Messung des Isolationswider-
standes an Geräten der Schutzklasse 3 (Schutzkleinspannung) kommt in
der Praxis relativ selten vor.
Bei den Geräten der Schutzklasse 1, werden die Leiter L und N kurzge-
schlossen und der Isolationswiderstand mit einer Gleich-Prüfspannung von
500 V gegen den PE bzw. gegen alle elektrisch leitfähigen Teile gemessen.
Bei Geräten der Schutzklasse 2 werden die Leiter L und N kurzgeschlossen
und der Isolationswiderstand mit einer Prüfspannung von 500 V gegen alle
berührbaren und elektrisch leitfähigen Teile (außer PE) gemessen [
3
].
Bei der Messung müssen alle Schalter am Gerät geschlossen sein, damit
auch alle stromdurchflossenen Bahnen und Bauteile erfasst werden.
Die Messung des Isolationswiderstandes dient zur Früherkennung von sich
anbahnenden Isolationsfehlern. Sie sollte aber, aufgrund der relativ hohen
Prüf-Gleichspannung von 500 V, nur nach Durchsicht des Begleitmaterials
eines medizintechnischen Gerätes (Angaben des Herstellers zur Messung)
durchgeführt werden. Vorsicht ist bei Geräten zur Abnahme von bioelek-
trischen Patientensignalen und bei mikroprozessorgesteuerten Infusions-
pumpen geboten. Wenn bei diesen Geräten keine Isolationswiderstands-
messung durchgeführt werden darf, sollte mindestens die Messung des
Berührungsstroms (siehe Seite 8) erfolgen.
14
BEGRIFFE UND ERKLÄRUNGEN
Die Messung des Isolationswiderstands wird in der DIN EN 62353
gefordert.
Gehäuse
Netzstecker / PE-Kontakt
Messspitze
G
M
Bild 12
Darstellung der Messung des Isolationswiderstands an einem
medizintechnischen Gerät
der Schutzklasse 1.
Gehäuse
Netzstecker / PE-Kontakt
Messspitze
G
M
Bild 13
Darstellung der Messung des Isolationswiderstands an einem
medizintechnischen Gerät
der Schutzklasse 2.
15
SYMBOLVERZEICHNIS
Symbol Erklärung
Schutzleiteranschluss
von Geräten der Schutzklasse 1; Schutzerde (Erde)
Schutzisolierung
Geräte der Schutzklasse 2
Versorgungsnetz
Gleichstromgenerator
G
Isolationswiderstands- Messeinrichtung
M
Widerstands- Messeinrichtung
Anwendungsteil
Netzteil
16
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Abkürzung Erklärung
MPG Medizinprodukte-
Gesetz
MPBetreibV Medizinprodukte-
Betreiberverordnung
bzw. beziehungsweise
DIN
Deutsches Institut für Normung e.V.
EN Europäische
Norm
VDE
Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik
PE Schutzleiter
(protective earth)
L1
Spannungsführender Leiter (Phase)
N Neutralleiter
EKG Elektrokardiogramm
EEG Elektroenzephalogramm
usw.
und so weiter
HF Hochfrequenz
IA
Ableitstrom (Kürzel für diese Arbeit)
IE
Erdableitstrom (Kürzel für diese Arbeit)
IB
Berührungsstrom (Kürzel für diese Arbeit)
IP
Patientenableitstrom (Kürzel für diese Arbeit)
IPH
Patientenhilfsstrom (Kürzel für diese Arbeit)
IG
Geräteableitstrom (Kürzel für diese Arbeit)
MP Netzteil
AP
Anwendungsteil
17
BILDVERZEICHNIS
Bild Erklärung
Seite
Bild 1
Bild(er) zur Schutzklasse 1
3
Quelle: Fotos Thomas Lekscha 2009
Bild 2
Bild(er) zur Schutzklasse 2
4
Quelle: Fotos Thomas Lekscha 2009
Bild 3
Bild(er) zu Anwendungsteilen
5
Quelle: Fotos Thomas Lekscha 2009
Bild 4
Komponenten des Ableitstroms
6
Quelle: Thomas Lekscha, 2009
Bild 5
Darstellung des Erdableitstroms
7
Quelle: Technisches Handbuch Unimet 1000 ST;
Seite 13; TGH 1315, Februar 1999: Dipl.-Ing. W.
Bender GmbH + CoKG
Modifiziert: Thomas Lekscha 2009
Bild 6
Darstellung des Berührungsstroms
8
Quelle: Technisches Handbuch Unimet 1000 ST;
Seite 14; TGH 1315, Februar 1999: Dipl.-Ing. W.
Bender GmbH + CoKG
Modifiziert: Thomas Lekscha 2009
Bild 7
Darstellung des Patientenableitstroms
9
Quelle: Technisches Handbuch Unimet 1000 ST;
Seite 15; TGH 1315, Februar 1999: Dipl.-Ing. W.
Bender GmbH + CoKG
Modifiziert: Thomas Lekscha 2009
Bild 8
Darstellung des Patientenhilfsstroms
10
Quelle: Technisches Handbuch Unimet 1000 ST;
Seite 17; TGH 1315, Februar 1999: Dipl.-Ing. W.
Bender GmbH + CoKG
Modifiziert: Thomas Lekscha 2009
Bild 9
Darstellung des Geräteableitstroms
11
Quelle: Thomas Lekscha 2009
18
BILDVERZEICHNIS
Bild 10
Messung des Schutzleiterwiderstands
13
an ortsveränderlichen Geräten
Quelle: Gärtner, A.; Medizinproduktesicherheit,
Seite 143; 3. überarbeitete Auflage (2004): TÜV-
Verlag GmbH, Köln
Modifiziert: Thomas Lekscha 2009
Bild 11
Messung des Schutzleiterwiderstands
13
an ortsfesten Geräten
Quelle: Gärtner, A.; Medizinproduktesicherheit,
Seite 143; 3. überarbeitete Auflage (2004): TÜV-
Verlag GmbH, Köln
Modifiziert: Thomas Lekscha 2009
Bild 12
Messung des Isolationswiderstands
15
an Geräten der Schutzklasse 1
Quelle: Gärtner, A.; Medizinproduktesicherheit,
Seite 143; 3. überarbeitete Auflage (2004): TÜV-
Verlag GmbH, Köln
Modifiziert: Thomas Lekscha 2009
Bild 13
Messung des Isolationswiderstands
15
an Geräten der Schutzklasse 2
Quelle: Gärtner, A.; Medizinproduktesicherheit,
Seite 143; 3. überarbeitete Auflage (2004): TÜV-
Verlag GmbH, Köln
Modifiziert: Thomas Lekscha 2009
19
LITERATURVERZEICHNIS
[1]
Verordnung über das Errichten, Betreiben und Anwenden von
Medizinprodukten
(Medizinprodukte-Betreiberverordnung-MPBetreibV)
In der Fassung vom 21. 08. 2002; Bundesgesetzblatt BGBl. 1 Seite 3396
[2]
DIN EN 60601-1; VDE 0750-1:2007-07
; Berichtigt
2008-08
Medizinische elektrische Geräte - Teil 1: Allgemeine Festlegungen für die
Sicherheit einschließlich der wesentlichen Leistungsmerkmale
(IEC 60601-1:2005); Deutsche Fassung EN 60601-1:2006
Beuth Verlag GmbH, 10787 Berlin
[3]
DIN EN 62353; VDE 0751-1:2008-08
Medizinische elektrische Geräte - Wiederholungsprüfungen und Prüfung
nach Instandsetzung von medizinischen elektrischen Geräten
(IEC 62353:2007); Deutsche Fassung EN 62353:2008
Beuth Verlag GmbH, 10787 Berlin
[4]
DIN VDE 0701-0702; VDE 0701-0702:2008-06
Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte
Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte - Allgemeine Anforderungen für
die elektrische Sicherheit
Beuth Verlag GmbH, 10787 Berlin
[5]
DIN EN 61140; VDE 0140-1:2007-03
Schutz gegen elektrischen Schlag - Gemeinsame Anforderungen für
Anlagen und Betriebsmittel (IEC 61140:2001 + A1:2004, modifiziert);
Deutsche Fassung EN 61140:2002 + A1:2006
Beuth Verlag GmbH, 10787 Berlin
[6]
DIN EN 50274; VDE 0660-514:2002-11
Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen - Schutz gegen elektrischen
Schlag - Schutz gegen unabsichtliches direktes Berühren gefährlicher
aktiver Teile; Deutsche Fassung EN 50274:2002
Beuth Verlag GmbH, 10787 Berlin
20
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