Subtitle: Gebrauchsgegenstand, Sammelobjekt und ihre Bedeutung für die europäische Kunstgeschichte im 19. Jahrhundert.
Scholary Paper (Seminar), 2007, 14 Pages
Author: André Chahil
Subject: Art - Overall Considerations
Details
Institution/College: University of Hamburg (Kunstgeschichte)
Tags: Fotografie, Visitenkarte, Portrait, Impressionismus, Portraitfotografie, Atelier, Mode, Gesellschaft, Malerei, Monet, Manet, Camille, Renoir, Sammeln, Kunst
Year: 2007
Pages: 14
Grade: 2
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-35464-1
ISBN (Book): 978-3-640-35491-7
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Abstract
Die Carte de visite war im 19. Jahrhundert eine besondere Erweiterung der zuvor bekannten Visitenkarte und konnte sich fast siebzig Jahre als moderner attraktiver Gebrauchsgegenstand am Markt halten. Sie brachte Sammlern Freude und sorgte für viel Gesprächsstoff. Daneben inspirierte sie wohlmöglich einige der uns heute am meisten bekannten Impressionisten wie Claude Monet, Édouard Manet, Pierre Auguste – Renoir und andere aus jener Zeit zu neuen Darstellungweisen ihrer Bildinhalte. Doch bevor wir dieser Vermutung nachgehen, möchte ich Ihnen auf den folgenden Seiten vorerst die Carte de visite als Gebrauchsgegenstand vorstellen. Es soll aufgezeigt werden, wieso diese Visitenkartenvariation soviel Beachtung fand und innerhalb kürzester Zeit so populär wurde. Desweiteren muss die Aufmerksamkeit auf die Abbildungsinhalte der Carte de visite gerichtet und erläutert werden, weshalb die Inszenierung der Mode im 19. Jahrhundert einen so wichtigen Stellenwert einnahm. All die auf den folgenden Seiten aufgeführten Hintergrundinformationen zu diesem Bildmedium, u.a. auch zu den damals sehr populären Modeillustrationen, sind wichtige Bestandteile, um sich der Vermutung nähern zu können: Der Vermutung, dass Claude Monet und andere Impressionisten besondere Inspirationsquellen für einige ihrer bedeutensten Arbeiten im 19. Jahrhundert hatten.
Excerpt (computer-generated)
INHALTSVERZEICHNIS
Die Carte de visite
Einleitung zu dieser Arbeit.
2
I. Die Carte de visite
Ein Gebrauchsgegenstand kommt in Mode.
3
II. Die Carte de visite
Sehen, Erkennen, Verstehen.
6
III. Die Carte de visite
Claude Monet & Co. Inspiriert durch neue Medienformen.
9
Literaturverzeichnis
12
Abbildungsverzeichnis
13
1
Die Carte de visite
Einleitung zu dieser Arbeit
Die Carte de visite war im 19. Jahrhundert eine besondere Erweiterung der zuvor
bekannten Visitenkarte und konnte sich fast siebzig Jahre als moderner attraktiver
Gebrauchsgegenstand am Markt halten. Sie brachte Sammlern Freude und sorgte für
viel Gesprächsstoff.
Daneben inspirierte sie wohlmöglich einige der uns heute am meisten bekannten
Impressionisten wie Claude Monet, Édouard Manet, Pierre Auguste Renoir und
andere aus jener Zeit zu neuen Darstellungweisen ihrer Bildinhalte.
Doch bevor wir dieser Vermutung nachgehen, möchte ich Ihnen auf den folgenden
Seiten vorerst die Carte de visite als Gebrauchsgegenstand vorstellen.
Es soll aufgezeigt werden, wieso diese Visitenkartenvariation soviel Beachtung fand
und innerhalb kürzester Zeit so populär wurde.
Desweiteren muss die Aufmerksamkeit auf die Abbildungsinhalte der Carte de
visite gerichtet und erläutert werden, weshalb die Inszenierung der Mode im 19.
Jahundert einen so wichtigen Stellenwert einnahm.
All die auf den folgenden Seiten aufgeführten Hintergrundinformationen zu diesem
Bildmedium, u.a. auch zu den damals sehr populären Modeillustrationen, sind
wichtige Bestandteile, um sich der Vermutung nähern zu können:
Der Vermutung, dass Claude Monet und andere Impressionisten besondere
Inspirationquellen für einige ihrer bedeutensten Arbeiten im
19. Jahrhundert hatten.
2
Die Carte de visite
I. Ein Gebrauchsgegenstand kommt in Mode.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es in Europa zur Mode, die zuvor bekannten
Visitenkarten, welche Namen, Titel und Adresse des Eigentürmers beinhalteten,
durch eine besondere Form der Identitätszuweisung zu ergänzen. Durch
revolutionäre Entwicklungen in der Fotografie und durch neue Printverfahren
machte man es dem Eigentümer möglich, sein Foto in Form eines Portraits auf die
Visitenkarten drucken und diese in vielfältiger Weise reproduzieren zu lassen. Der
Pariser Fotograf André Adolphe Eugène Disdéri1 gilt als der Erfinder des
Visitenkartenportraits, der 1854 auf ein spezielles fototechnisches Verfahren ein
Patent angemeldet hat. Die neue Form der Visitenkarte war ein auf Karton
gezogenes Foto und nahm in der Regel ein Format von ca. 6 x 9 cm ein; später gab
es mitunter auch grössere Luxusversionen und schmalere Formate bis hin zu
aufklappbaren Täfelchen mit mehreren Abbildungen.
Die Carte de visite2 entwickelte sich sehr schnell zu einem enormen Erfolg; allein in
Grossbritanien wurden im Zeitraum von 1861 bis 1867 zwischen 300 und 400
Millionen Karten hergestellt. Auch international, besonders in Nord Amerika,
gewann die neue Variation der Visitenkarte grossen Zuspruch. Über den rein
funktionalen Zweck hinaus, wurde es sogar Mode, die Visitenkartenportraits in
Alben zu sammeln. Wer die eines Prominenten oder eines Adligen bekommen
konnte, durfte sich besonders glücklich schätzen. Demnach soll ein britischer
Prinzgemahl zu seinen Lebzeiten bis zu 70.000 Exemplare anfertigen lassen haben,
welche nicht nur verschenkt, sondern auch verkauft worden sind.
Julie Bonaparte, die Cousine des Kaisers Napoleon Bonaparte III. verdeutlichte die
Attraktivität des in Mode gekommenen Sammelobjektes in eigenen Worten in einem
Briefwechsel3:
1 André Adolphe-Eugène Disdéri (* 1819 - 1889) / franz. Fotograf. Sein patentiertes Verfahren der Portraitaufnahme mit einer mehrlinsigen
Kamera ersetzte die älteren Verfahren für Portraits und erleichterten somit den Herstellungsprozess.
2 Carte de Visite (franz.) bedeutet Visitenkarte, bzw. Visitenkartenportrait.
3 Brief aus dem Jahre 1856 / veröffentlicht in der französischen Zeitschrift Le Moniteur universel / 11. Mai 1859
3
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