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Subtitle: Entwürfe von Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe
Scholary Paper (Seminar), 2008, 15 Pages
Author: André Chahil
Subject: Art - Arts and Crafts
Details
Institution/College: University of Hamburg (Kunstgeschichte)
Tags: Design, Möbel, Weimar, Dessau, Stühle, Tische, Marcel Breuer, Mart Stam, Deutsches Design, Stahl, Handwerk, Ludwig Mies van der Rohe, Kunst
Year: 2008
Pages: 15
Grade: 2
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-36285-1
ISBN (Book): 978-3-640-36321-6
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Abstract
Besuchte man ab Mitte der 1980er Jahre die Wartezimmer einiger Arztpraxen, oder die von Anwaltskanzleien, so konnte man häufig in Stühlen Platz nehmen, die für die damalige Zeit als modern galten und das auch noch bis zum heutigen Tage sind. Häufig sind es die des Sitzmöbeltypus „Freischwinger“. Das ist ein aus Stahlrohr (Rahmen) und Leder (Sitz – und Rückenfläche) konstruierter Stuhl, der federnd nachgibt, wenn die sitzende Person leichte Schaukelbewegungen ausübt. Dass dieser Sitzmöbeltypus keine Idee der 1980er Jahre ist, sondern seinen Ursprung bereits in den 1920er Jahren hat, ist den meisten Menschen nicht bekannt. Bis zum heutigen Tage finden wir in Möbel – und Kaufhauskatalogen die verschiedensten Sitzmöbel des Formats eines „Freischwingers“ wieder. Neben der Kategorie dieser Stuhlform existieren bis heute zahlreiche weitere Möbel, welche das Material des Eisenrohres verwenden. Schaut man im Alltag aufmerksam hin, so entdeckt man, wie sich die Idee der Verwendung von Metall im Möbeldesign in mehreren Dimensionen ausgedehnt hat: Stahlrohr – Stühle, - Tische, - Hocker (auch unter der Verwendung von Aluminium und ähnlichem Material). Desweiteren die Verwendung von gepresstem Stahl als Kufen für Side – und Highboards. Sitzt man im Aussenbereich eines Cafés oder eines Restaurants, so kann man häufig in Konstruktionen aus Metallrohr und Korbgeflecht Platz nehmen, welche nach Gebrauch platzsparend (da stapelbar) zu verstauen sind. Dieses sind nur einige aufgelistete, umgesetzte Ideen, die sich Designer bis heute bei ihren Möbelkonstruktionen ausgedacht haben. Auf den folgenden Seiten soll darauf eingegangen werden, woher die Idee der Stahlrohrmöbel stammt und aufgezeigt werden, wie und in welcher Form es bereits in den 1920er Jahren verwendet worden ist. Desweiteren wird erläutert, welche Rolle die Bauhaus – Künstler (Entwerfer/Designer/Architekten) wie Mart Stam, Mies van der Rohe und Marcel Breuer bei der Entwicklung der Stahlrohrmöbel eingenommen haben.
Excerpt (computer-generated)
INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung
2
1.
Die Entdeckung des Stahlrohres im Möbeldesign
3
2.
Marcel Breuer
6
- Klubsessel B3 / Stuhl B5 / Hocker B9 und Tisch B10 -
3.
Ludwig Mies van der Rohe
10
- ,,Freischwinger" MR10 -
3.1 Die Entwicklung des ,,Freischwingers"
11
Resümee
13
Literaturverzeichnis & Abbildungsverzeichnis
14
1
EINLEITUNG
Besuchte man ab Mitte der 1980er Jahre die Wartezimmer einiger Arztpraxen, oder die von
Anwaltskanzleien, so konnte man häufig in Stühlen Platz nehmen, die für die damalige Zeit
als modern galten und das auch noch bis zum heutigen Tage sind. Häufig sind es die des
Sitzmöbeltypus ,,Freischwinger". Das ist ein aus Stahlrohr (Rahmen) und Leder (Sitz und
Rückenfläche) konstruierter Stuhl, der federnd nachgibt, wenn die sitzende Person leichte
Schaukelbewegungen ausübt.
Dass dieser Sitzmöbeltypus keine Idee der 1980er Jahre ist, sondern seinen Ursprung bereits in
den 1920er Jahren hat, ist den meisten Menschen nicht bekannt.
Bis zum heutigen Tage finden wir in Möbel und Kaufhauskatalogen die verschiedensten
Sitzmöbel des Formats eines ,,Freischwingers" wieder.
Neben der Kategorie dieser Stuhlform existieren bis heute zahlreiche weitere Möbel, welche
das Material des Eisenrohres verwenden.
Schaut man im Alltag aufmerksam hin, so entdeckt man, wie sich die Idee der Verwendung
von Metall im Möbeldesign in mehreren Dimensionen ausgedehnt hat: Stahlrohr Stühle, -
Tische, - Hocker (auch unter der Verwendung von Aluminium und ähnlichem Material).
Desweiteren die Verwendung von gepresstem Stahl als Kufen für Side und Highboards.
Sitzt man im Aussenbereich eines Cafés oder eines Restaurants, so kann man häufig in
Konstruktionen aus Metallrohr und Korbgeflecht Platz nehmen, welche nach Gebrauch
platzsparend (da stapelbar) zu verstauen sind.
Dieses sind nur einige aufgelistete, umgesetzte Ideen, die sich Designer bis heute bei ihren
Möbelkonstruktionen ausgedacht haben.
Auf den folgenden Seiten soll darauf eingegangen werden, woher die Idee der Stahlrohrmöbel
stammt und aufgezeigt werden, wie und in welcher Form es bereits in den 1920er Jahren
verwendet worden ist. Desweiteren wird erläutert, welche Rolle die Bauhaus Künstler
(Entwerfer/Designer/Architekten) wie Mart Stam, Mies van der Rohe und Marcel Breuer bei
der Entwicklung der Stahlrohrmöbel eingenommen haben.
2
1. DIE ENTDECKUNG DES STAHLROHRES IM MÖBELDESIGN
Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen Techniker in den USA mit dem Entwurf
des sogenannten ,,Patent Furniture". Die Idee der Konstrukteure war zum Einen, sämtliche
technischen Möglichkeiten, vor allem die des Materials Eisen, auszuschöpfen, und zum
Anderen, die Möbel optimal an die anatomischen Anforderungen des Körpers der Benutzer
anzupassen. Ein Möbel, wie beispielsweise der Stuhl, sollte nicht mehr ein bequemes
Gebrauchsobjekt sein, dessen Polsterung lediglich dem Körper einen Widerstand
entgegensetzt, sondern ein dynamisches Instrument, das durch seine Ausstattung aktiv alle
Bewegungen des Körpers unterstützen sollte 1.
Dieses gedankliche Konzept wurde nicht nur bei der Gestaltung von Möbeln im Wohnbereich
angewendet, sondern auch bei der Entwicklung und Gestaltung von Arbeitsplätzen. Die in
diesem Zuge beispielhafte, konzeptionelle Umsetzung, die Entwicklung einer Standardform
für Traktorsitze, hat über einige Jahrzehnte ihre Gültigkeit beibehalten: der Sitz bestand aus
einem aus Blech gepressten Sattel, einer dem Gesäß angepassten Form, mit gestanzten
Löchern, und aus einer schrägen, Erschütterungen abfedernden Stange.
Aufgrund der durch die Industrialisierung gegebenen Möglichkeit des Eisengusses, hat man in
Europa im 19./20. Jahrhundert Gusseisenstühle, - tische und bänke entwickelt, welche sich
hervorragend für den Aussenbereich eigneten - aufgrund der Haltbarkeit des Materials,
welches sich durch eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber den Einflüssen der
Witterungsverhältnisse auszeichnete. Dieses galt noch nicht für Holzmöbel, da der wasserfeste
Leim noch nicht entwickelt worden war.
Seit 1827 wurden für Krankenhäuser und Gefängnisse, besonders aus
Kosten und
Hygienegründen
, Möbel aus Eisenrohr entwickelt. Die Vorteile waren: hohe Stabilität, somit
Langlebigkeit und einfach zu reinigen (polieren).
Auf dieser Basis gab es somit in England auf Metall-Möbelkonstruktionen die ersten Patente.
Bei der Londoner Weltausstellung 1862 wurde unter anderem ein Schaukelstuhl ausgestellt,
welcher aus Eisenstangen mit einer Samtpolsterung bestand 2.
1 Vgl. Schink, Arnold: ,,Mies van der Rohe" (1990), S. 208.
2 Vgl. Schink, Arnold: ,,Mies van der Rohe" (1990), S. 209.
3
Weitere technische Entwicklungen trugen dazu bei, die Ideen der Konstrukteure umsetzen zu
können. Der Firma Mannesmann (Salzgitter) für Stahlproduktion gelang es im Jahre 1866,
nahtlose Stahlrohre zu walzen, welche sehr stabil und leicht waren und eine gleichbleibende
Qualität beibehielten. Dieses sind wichtige Aspekte für die Produktion von Massenware.
Aus diesem dünneren und leichteren Material (Stahlrohre) wurden vor allen Dingen
Fahrradrahmen und Sitze in Autos und Flugzeugen hergestellt.
Der Aspekt der einfacheren Handhabung und Verarbeitungsmöglichkeit des Stahlrohres
wurde, neben den Aspekten der Stabilität und Leichtigkeit, gern von den Akademien,
Kunstgewerbeschulen und besonders am Bauhaus aufgenommen.
Dort beschäftigte man sich unter anderem mit den gestalterischen Fragen, wie dieses Metarial
unter ästhetischen und funktionalen Gesichtspunkten weiter zu verarbeiten und zu verwenden
sei.
2. MARCEL BREUER
Der am Bauhaus Dessau mitwirkende Architekt, Designer und Lehrer3 kreierte, angeregt durch
seine Fahrradlenkstange4, welche aus dünnem und leichtem Stahlrohr bestand, 1925 sein erstes
Stahlrohrstuhlmodell. Der entstandene Stuhl, bekannt unter der Bezeichnung
Klubsessel B3
oder
,,Wassily Sessel"5 (siehe Abb. 1),
war der erste Stuhl, der zugunsten von Kufen auf die
Stuhlbeine verzichten konnte. Für dieses Modell gab es in der Konstruktionsphase mehrere
Vorstufen.
Abb. 1)
Klubsessel B3 von Marcel Breuer (1925)
3 Ab 1925 (Jung-) Meister der Tischler und Möbelwerkstatt am Bauhaus Dessau.
4 Vgl. o.V. / ,,Marcel Breuer 1921 1962" (1962) S. 3.
5 Erläuterung: ,,B3" steht für Entwurf, Modell Nr. 3 von Breuer / ,,Wassily" ist auf den Namen des
Bahuhaus Künstlers Wassily Kandinsky zurückzuführen, da er für ihn kreiert worden ist.
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