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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2009, 21 Pages
Author: Marie-Luise Leise
Subject: Philosophy - Philosophy of the 19th Century
Details
Institution/College: University of Heidelberg (Philosophisches Institut)
Tags: Wille, Macht, Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, Sloterdijk, Heidegger, Baeumler, Derrida, Schopenhauer, Wagner, Selbstüberwindung, Perspektivität, Metaphysik, Vorspiel einer Philosophie der Zukunft, Vernunft, Thymos, Zorn, Dionysische, Apollinische, Wollen, Kraft, Wesen, Übermensch, Vorurteil, Interpretation, Klages, Figl, Ressentiment, Kampf
Year: 2009
Pages: 21
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-36296-7
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Abstract
In der vorliegenden Arbeit soll es darum gehen, das philosophische Konzept vom Willen zur Macht von F. Nietzsche näher zu beleuchten. Wichtig erscheint es mir deshalb, weil es zum einen in seinem Gesamtwerk einen zentralen Stellenwert einnimmt und daher wichtig für das Verständnis seines Denkens überhaupt ist und zum anderen, weil gerade dieses Konzept beziehungsweise dessen Deutungsgeschichte in uns oft ein wages Gefühl von negativ assoziierten Gedanken und Vorurteilen auslöst und somit eine Auseinandersetzung geradezu provoziert. Als Ausgangspunkt fungiert dabei Nietzsches Werk Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft. Nietzsche sah sich selbst als Arzt der Gesellschaft und mit seiner Philosophie der Zukunft wollte er das Denken seiner Zeit wesentlich verändern. Er begann seine wissenschaftliche Laufbahn zwar als Philologe, begriff sich aber selbst immer mehr als Philosoph und Freidenker. Er wird in der Philosophiegeschichte des 19. Jahrhunderts oft als eigenständiger Denker keiner direkten philosophischen Strömung zugeordnet, so wie auch Arthur Schopenhauer oder Søren Kierkegaard. Ihre Positionen ergaben sich aus der vermeintlich fehlenden Orientierung durch die Philosophie, nachdem alle Spekulationen aus ihrer Sicht an den Grenzen der Vernunft scheitern mussten und sich erhebliche Umbrüche in Technik und Gesellschaft abzeichneten. Beginnen werde ich meine Arbeit nun einführend mit der Biographie Nietzsches, um dann anschließend Schopenhauers Philosophie sowie deren Einfluss auf Nietzsches Denken hinsichtlich des Willen zur Macht darzustellen. Dies beruht auf der Annahme, dass Nietzsche mit diesem historischen und biographischen Kontext besser zu verstehen ist, denn „(…) bei keinem Philosophen hängen Leben und Werk so eng miteinander zusammen wie bei Friedrich Nietzsche (…).“ Anschließend wird das Werk Jenseits von Gut und Böse kurz beschrieben, bevor dann das „Eigentliche“ in Punkt vier, nämlich der Wille zur Macht untersucht werden soll. Meinen Schwerpunkt möchte ich dabei auf einige Teilaspekte des Willen zur Macht legen, nämlich der des Willen an sich, der Selbstüberwindung, als metaphysisches Selbstverständnis und der der Perspektivität. Nach einem kurzen abschließenden Resümee soll zudem noch zusammenfassend betrachtet werden, wie der Wille zur Macht innerhalb der Philosophiegeschichte bis zur Gegenwart in den Grundzügen aufgenommen, verstanden und weitergeführt wurde (Klages, Baeumler, Heidegger, Sloterdijk etc.).
Excerpt (computer-generated)
Inhalt
Seite
I. Einleitung
2
II. Hauptteil
1.Biographie: Der Philosoph Friedrich Nietzsche
3
2. Philosophie Schopenhauers
5
2.1 Die Bedeutung Schopenhauers für Nietzsche
6
3. Das Werk: Jenseits von Gut und Böse
8
4. Der Wille zur Macht
9
4.1 Der Wille an sich
9
4.2 Der Wille zur Macht und Selbstüberwindung
9
4.3 Der Wille zur Macht als metaphysisches Weltverständnis
11
4.3 Der Wille zur Macht und Perspektivität
12
III. Abschließende Betrachtungen
14
IV. Verwendete Literatur
19
I. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit soll es darum gehen, das philosophische Konzept vom
Willen zur Macht von Friedrich Nietzsche näher zu beleuchten. Wichtig erscheint es
mir deshalb, weil es zum einen in seinem Gesamtwerk einen zentralen Stellenwert
einnimmt und daher wichtig für das Verständnis seines Denkens überhaupt ist und zum
anderen, weil gerade dieses Konzept beziehungsweise dessen Deutungsgeschichte in
uns oft ein wages Gefühl von negativ assoziierten Gedanken und Vorurteilen auslöst
und somit eine Auseinandersetzung geradezu provoziert. Als Ausgangspunkt fungiert
dabei Nietzsches Werk Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der
Zukunft.
Nietzsche sah sich selbst als Arzt der Gesellschaft und mit seiner Philosophie der
Zukunft wollte er das Denken seiner Zeit wesentlich verändern. Er begann seine
wissenschaftliche Laufbahn zwar als Philologe, begriff sich aber selbst immer mehr als
Philosoph und Freidenker. Er wird in der Philosophiegeschichte des 19. Jahrhunderts oft
als eigenständiger Denker keiner direkten philosophischen Strömung zugeordnet, so wie
auch Arthur Schopenhauer oder Søren Kierkegaard. Ihre Positionen ergaben sich aus
der vermeintlich fehlenden Orientierung durch die Philosophie, nachdem alle
Spekulationen aus ihrer Sicht an den Grenzen der Vernunft scheitern mussten und sich
erhebliche Umbrüche in Technik und Gesellschaft abzeichneten.
Beginnen werde ich meine Arbeit nun einführend mit der Biographie Nietzsches, um
dann anschließend Schopenhauers Philosophie sowie deren Einfluss auf Nietzsches
Denken hinsichtlich des Willen zur Macht darzustellen. Dies beruht auf der Annahme,
dass Nietzsche mit diesem historischen und biographischen Kontext besser zu verstehen
ist, denn ,,(...) bei keinem Philosophen hängen Leben und Werk so eng miteinander
zusammen wie bei Friedrich Nietzsche (...)."1 Anschließend wird das Werk Jenseits
von Gut und Böse kurz beschrieben, bevor dann das ,,Eigentliche" in Punkt vier,
nämlich der Wille zur Macht untersucht werden soll. Meinen Schwerpunkt möchte ich
dabei auf einige Teilaspekte des Willen zur Macht legen, nämlich der des Willen an
sich, der Selbstüberwindung, als metaphysisches Selbstverständnis und der der
Perspektivität. Nach einem kurzen abschließenden Resümee soll zudem noch
zusammenfassend betrachtet werden, wie der Wille zur Macht innerhalb der
1 Leider, Kurt: Friedrich Nietzsche. Leben und Werk, Lübeck 1963, S.10.
2
Philosophiegeschichte bis zur Gegenwart in den Grundzügen aufgenommen, verstanden
und weitergeführt wurde.
II. Hauptteil
1. Der Philosoph Friedrich Nietzsche
Friedrich Nietzsche wurde am 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen, Provinz
Sachsen, geboren und starb am 25. August 1900 in Weimar. Sein Vater, der früh einer
Hirnerkrankung erliegt, war von Beruf Pfarrer. ,,Er wächst fortan in einer weiblich
dominierten Welt auf, unter der Obhut seiner Mutter, Schwester und den beiden älteren,
unverheirateten Schwestern seines Vaters."2 Bis 1864 ging Nietzsche in Naumburg auf
das Gymnasium, um danach in Bonn ein Studium der Theologie und der klassischen
Philologie zu beginnen. Er eignete sich tiefgehende Kenntnisse der altgriechischen
Schriften an und begeisterte sich für Kunst, wie beispielsweise für Wagners Musik. Aus
einer protestantischen Theologenfamilie stammend, ging Nietzsche schon sehr früh auf
Distanz zum Christentum und hatte im Studium ein ihn prägendes Erlebnis, als er auf
Schopenhauers Werk Die Welt als Wille und Vorstellung stieß. Von nun an begeisterte
er sich für Schopenhauer und dessen Philosophie, die ihm zur Identifikationsquelle
wurde. 1865 wechselte er an die Universität Leipzig, gab sein Theologiestudium auf
und befasste sich intensiv mit Schopenhauer. 1868 begegnete Nietzsche erstmals
Richard Wagner, woraus sich eine langjährige Freundschaft zu Wagner und seiner
Lebensgefährtin Cosima von Bülow entwickelte.3 Schon als Vierundzwanzigjähriger
wurde ihm noch vor seiner Promotion ein Lehrstuhl für Griechisch und Literatur in
Basel angeboten, wo er allerdings nur wenige Jahre blieb, und sich dann ganz aus dem
akademischen Leben zurückzog. Fortan ,,führt er ein unstetes Leben und wohnt in
Hotels oder bei Freunden."4
In seinem 1872 veröffentlichten Erstlingswerk Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste
der Musik stellt er zwei Kunstprinzipien gegenüber, die auch als Lebenshaltungen
verstanden werden können, das Apollinische und das Dionysische. ,,In seinem eigenen
Jahrhundert sieht Nietzsche das Dionysische in der Metaphysik Arthur Schopenhauers
und in der Musik Richard Wagners ausgedrückt."5 Nietzsche selbst wendete sich dieser
dionysischen Lebenshaltung zu, die von dem an sein Denken bestimmt. ,,Sowohl von
Schopenhauer als auch von Wagner sagte er sich jedoch bald los: Schopenhauer hatte in
2 Safranski, Rüdiger (Hg.): Nietzsche, München 1997, S.52.
3 vgl. Safranski, S.52.
4 Zimmer, Robert: Das Philosophenportal. Ein Schlüssel zu klassischen Werken, München 2004, S.167.
5 Zimmer, S.167f.
3
seiner Ethik Askese und Mitleid und damit Weltentsagung gepredigt. Wagner war ihm
in seinen späten Opern gefolgt und hatte sich damit in den Augen Nietzsches wieder in
den Schoß des Christentums zurückbegeben."6 Ab 1876 geht er auf Distanz zu
Schopenhauers Philosophie und bricht mit Wagner.
In seiner zweiten Schaffensphase hat Nietzsche sich von seinen Vorbildern
Schopenhauer und Wagner weitgehend gelöst und bringt jetzt in seinen Werken ein
eigenständigeres Denken zum Ausdruck. ,,In seinen großen Aphorismenbüchern
Menschliches, Allzumenschliches (1876- 1880), Morgenröte (1880- 1881) und Die
fröhliche Wissenschaft (1882) feiert er den ,,freien Geist", der sich von den Fesseln
einer dekadenten Kultur löst, welche den Menschen einer lebensfeindlichen Moral
unterwirft und die konkrete, sinnlich erfahrbare Welt zugunsten einer Welt der Ideale
ablöst."7 Erst in seiner dritten Schaffensperiode, die Zeit seiner späten Schriften, von
denen Also sprach Zarathustra (1883- 1885), Jenseits von Gut und Böse (1886) und Die
Genealogie der Moral (1887) als Höhepunkte seines literarischen Schaffens gelten,
treten die zwar zuvor schon angedeuteten Themen des Nihilismus, des Übermenschen,
des Willen zu Macht und schließlich der Ewigen Wiederkunft des Gleichen verstärkt in
den Vordergrund. Das Werk Götzendämmerung erscheint 1889, worauf wenig später
Nietzsche einen Zusammenbruch erleidet und bis zu seinem Lebensende von seiner
Schwester gepflegt werden musste. Diese Zeit war geprägt von ,,geistiger Umnachtung"
und Wahnvorstellungen.8
6 Zimmer, S.168.
7 Zimmer, S.168.
8 vgl. Safranski, S.52f.
4
2. Die Philosophie Schopenhauers
Schopenhauers Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 erschienen, bildet
die Grundlage für Schopenhauers Philosophie und kann daher genutzt werden, um
Parallelen zu Nietzsches Denken aufzuzeigen.
Für Schopenhauer ist das Sein irrational. Er kehrt mit dieser Auffassung der Aufklärung
und ihrem Glauben an die Vernunft den Rücken. Das Schicksal des Menschen ist
bestimmt durch Mangel, Elend, Qual und Tod. Somit erscheint für Schopenhauer die
menschliche Existenz als eine Art Versklavung, da der Mensch an seinen Körper über
das Leiden, an Krankheit und Tod gebunden ist.9 ,,Sein Denken, so hat Schopenhauer
später reklamiert, habe er aus drei philosophischen Quellen geschöpft: aus der
Philosophie Platons, der Philosophie Kants und den altindischen Upanishaden."10
Demnach ist die Welt nicht das, was sie zu sein vorgibt, hinter der erfahrbaren
empirischen Realität ,,versteckt" sich das Wahre. Schopenhauer nennt die empirische
Realität Vorstellung und begibt sich in seinem Werk auf die Suche nach der ,,wahren
Realität", nach Kant das Ding- an- sich.
Der Körper zeigt sich uns auf zwei Wegen, einmal als Objekt beziehungsweise
Vorstellung und auf der anderen Seite als durch Triebregungen gesteuert. Wir erfahren
über unseren Körper Durst, Hunger, Schmerz und sexuelles Verlangen. Er zeigt uns
darüber sein Wollen, wir erfahren über unseren Körper das, was wir wollen. Wir sind
uns außerdem darüber bewusst, dass alle Menschen dieses Wollen in ähnlicher Weise
erfahren und erleben. Für Schopenhauer ist dieses Wollen Ausdruck einer universalen
Kraft beziehungsweise Energie. Der Wille als universale Kraft steht hier in Analogie
zum individuellen Wollen. Für Schopenhauer steht die Welt als Wille der Welt als
Vorstellung gegenüber; der Wille bringt uns die Erkenntnis, ,,(...) dass wir den Kern
unserer Existenz in allen anderen Wesen wiedererkennen können."11 Da der Wille nicht
nach den Geboten der Vernunft handelt, ist die Welt demnach irrational. ,,Das
Irrationale und nicht das Rationale regiert die Welt."12 In Widersprüchlichkeit und
Zerrissenheit stehen sich gegeneinander kämpfende Kräfte gegenüber, die von
verschiedenen in Konkurrenz zueinanderstehenden Willen konkretisiert werden. ,,Aus
dieser ,,Selbstentzweiung" des Willens erklärt sich das Leiden der Welt, das niemals
aufhört solange es Leben gibt und das keinen Grund hat, außer das Leben selbst."13 In
9 vgl. Zimmer, S.122f.
10 vgl. Zimmer, S.123.
11 Zimmer, S.127.
12 Zimmer, S.127.
13 Zimmer, S.127.
5
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