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Analyse der Novelle 'Le Lait de la Mort' von Marguerite Yourcenar

Termpaper, 2007, 7 Pages
Author: Lisa Henn
Subject: French - Literature, Works

Details

Institution/College: University of Regensburg
Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 7
Grade: 2,7
Language: German
Archive No.: V131473
ISBN (E-book): 978-3-640-37244-7


Abstract

Die bereits verstorbene Schriftstellerin Marguerite Yourcenar verlor bereits im frühen Kindesalter ihre Mutter. Ihr ganzes Leben lang war es ihr ein Anliegen, Details über deren Leben zu erfahren. Dass Mütter für Kinder eine außergewöhnliche Rolle spielen, zeigt sie in ihrer Kurzgeschichte „Le Lait de la Mort“. Zunächst sollen Thema und Aufbau knapp skizziert werden. Nach einer Charakterisierung der Figuren werden Raum- Zeitkonzeption und Erzählperspektive erläutert. Im Anschluss soll als Ausgangspunkt für eine Interpretation eine Untersuchung der Sprache und des Stils dienen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Regensburg, Institut für Romanistik

Einführung in die französische Literaturwissenschaft

WS 07/08

Hausaufgabe 2

Analyse der Novelle ,,Le Lait de la Mort"

von Marguerite Yourcenar

Lisa Henn

3. Semester


Henn

1

Die bereits verstorbene Schriftstellerin Marguerite Yourcenar verlor bereits im frühen

Kindesalter ihre Mutter. Ihr ganzes Leben lang war es ihr ein Anliegen, Details über deren

Leben zu erfahren1. Dass Mütter für Kinder eine außergewöhnliche Rolle spielen, zeigt sie in

ihrer Kurzgeschichte ,,

Le Lait de la Mort"

. Zunächst sollen Thema und Aufbau knapp

skizziert werden. Nach einer Charakterisierung der Figuren werden Raum- Zeitkonzeption

und Erzählperspektive erläutert. Im Anschluss soll als Ausgangspunkt für eine Interpretation

eine Untersuchung der Sprache und des Stils dienen.

In der Geschichte geht es um ein Mutterschaftswunder, das zur Legende wird. Dabei wird

angedeutet, dass die Qualität der Mütter in der heutigen Zeit stark unter der Oberflächlichkeit

der Gesellschaft leidet. Die meisten Dinge erscheinen in dieser nur noch ,,artificielle" (S.2).

Zwei Handlungsstränge lassen sich ermitteln: eine Rahmen- und eine Binnenerzählung. Die

Rahmenhandlung beginnt in medias res, die Ausgangssituation wird in keiner Weise

eingeführt. Zunächst steht die Beschreibung des Zustands eines Hafens im Vordergrund. Das

erste funktionale Ereignis ist das Treffen einer Figur der äußeren Handlung, Philip Mild, mit

seinem Freund Jules Boutrin in einem Restaurant. Im nächsten funktionalen Ereignis beginnt

Jules die oben angeführte Legende zu erzählen. Damit setzt die Binnenhandlung ein. Diese

hingegen beginnt wie ein Märchen, mit den Worten ,, Ils étaient trois frères" (S.2), d.h. sie

beginnt ab ovo. Die Beziehungen zwischen den Figuren und die Hintergründe des Turmbaus

werden dem Leser gleich zu Beginn dargelegt. Das erste funktionale Ereignis der

Binnenhandlung ist der Beschluss dreier Bauern, jemanden in ihren Turm einzumauern.

Dadurch erhalte der Turm mehr Standfestigkeit. Dieser Entschluss führt zur

Grenzüberschreitung: Die Ausgangssituation, also der gewöhnliche Bau eines Turmes,

verändert sich zum Anschlag auf eine unschuldige Person. Noch handeln alle Brüder dabei

intentional und verfolgen eine Aktion; sie agieren dabei als Subjekte. Als schließlich die Frau

des Jüngsten auf der Baustelle erscheint, ist die Grenzüberschreitung vollendet. Das Opfer

und Objekt steht somit fest. Der Jüngste fleht um Gnade, was eine kausal- und psychologische

Folge darstellt. Die älteren Brüder sind jedoch fest zu ihrem Plan entschlossen und so töten

sie ihn. Im nächsten funktionalen Ereignis bittet die verzweifelte Frau die beiden Bauern

einen Spalt für ihre Brüste und Augen freizulassen. So könne sie ihr Neugeborenes weiterhin

ernähren und dies überwachen. Auch das stellt eine kausal- und psychologische Folge dar;

schließlich ist es nachvollziehbar, dass eine gute Mutter für ihr Kind sorgen will. Die Frau

stirbt schließlich. Ihre Brust bleibt dennoch ,,intacte" (S.8), bis ihr Kind nach zwei Jahren

1 http://www.sbs-online.ch/hoeren/neues/tipps/archiv/thema/yourcena.html


Henn

2

abgestillt ist. Ihre aufopferungsvolle Art macht sie zur Heldin. Sie wird zur Legende. Das

Ende ist geschlossen, denn die Geschichte wird von Jules zu Ende erzählt. Jedoch lassen

wunderbare Elemente Rätsel offen. Aus der Erzählung geht z. B. nicht klar hervor, weshalb

man der Mutter zwar bereits ,,la Mort" (S.8) ansah, sie jedoch weiterhin Milch gibt. Die

Binnenerzählung schließt, nachdem sich Philip und Jules eine Zigeunerin nähert. Aus der

Sicht der Männer ist dies ein Geschehnis. Jules warnt ihn jedoch ihr keine Spende zu geben,

denn er kenne diese Frau und indiziert über sie ,,elle aplique sur les yeux de son enfant de

dégoûtants emplâtres qui lui enflamment la vue et apitoient les passants" (S.9). Dieses letzte

funktionale Ereignis kontrastiert die Zigeunerin mit der Heldin. Jules äußert eine

Schlussfolgerung: ,,Il y a mères et mères" (S.9). Dieses Fazit bedeutet, dass es eine Tugend

und unersetzlich für Kinder ist, wenn sich eine Mutter für sie derart aufopfert- im Gegensatz

zur Zigeunerin, die ihr Kind zu ihrem Vorteil ausnutzt. Aufgrund der letzten Begegnung mit

der Zigeunerin und der abrundenden Schlussfolgerung ist auch dieses Ende geschlossen.

Was die Charakterisierung der Figuren betrifft so fällt auf, dass die drei Brüder sich

unterschiedlich verhalten. Der mittlere ist unehrlich, denn er bricht das Versprechen zu

Schweigen. Der älteste will seine ,,opulente matrone" (S.4), die wohl nicht mehr attraktiv

genug ist, loswerden. Stattdessen wünscht er sich ,,une belle fille grecque" (S.4). Diese

Oberflächlichkeiten bzw. Untugenden werden in Kontrast gesetzt mit der Ehrlichkeit des

Jüngsten: ,,il avait l′habitude de tenir ses promesses" (S.4). Auch die Protagonistin wird

kontrastiert, nämlich mit der Zigeunerin. Die geopferte Frau ist einfühlsam - in der Nacht vor

ihrem Begräbnis bei lebendigem Leib weint sich ihr Mann bei ihr aus- dabei wird sie als

,,discrète" (S.5) beschrieben, denn sie weiß ihn auch ohne Erklärungen zu trösten. Insgesamt

ist sie das Sinnbild der perfekten, selbstlosen Mutter, die für ihr Kind alles opfert. Im

Gegensatz dazu wird die Zigeunerin als dreckig und aufdringlich gekennzeichnet. Zudem ist

sie mit Schmuck behängt, was hier erneut auf die Inhaltslosigkeit der modernen Gesellschaft

anspielt. Das Materielle und Aussehen spielen oftmals eine bedeutendere Rolle als echte

Tugenden. Die Augen des Zigeunerkindes befinden sich ,,sous un bandage de loques" (S.9).

Die Mutter riskiert also die Gesundheit ihres Kindes zu ihrem Vorteil. Tatsächlich könnte es

dabei blind werden. Dieses Indiz stellt die Perversität der Zigeunerin heraus. Diese Frau

personifiziert den Typ Mutter, den Jules zu Beginn dargelegt hat: sie ist egoistisch und

oberflächlich. Die eingemauerte Frau hingegen ist jene ideale Frau ,,ces créatures riches de

lait et de larmes dont on serait fier d′être l′enfant" (S.2). Diese Frauen, so beklagt Jules, finde

man höchstens noch in Legenden vor. Er beklagt den Mangel an ,,réalités" (S.2). Die moderne

Frau strebe nur danach ,,belle, mince" und ,,maquillée" (S.2) zu sein.



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