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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 20 Pages
Author: Nikolina Pusticki
Subject: Russian / Slavic Languages
Details
Institution/College: University of Leipzig (Institut für Slavistik)
Tags: Fiktion, Literarische Kommunikation, Kommunikation über Imanigation, Tropen, Figuren, Literarizität, Poetizität, Linguistische Textdefinition, Text
Year: 2008
Pages: 20
Grade: 1+
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-37369-7
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Abstract
Die vorliegende Seminararbeit stellt den Versuch dar, einen Überblick über linguistische Bemühungen zu geben, die linguistische und literaturwissenschaftliche Diskurse als ein gemeinsames Forschungsobjekt formten. Der Versuch, Linguistik mit Literaturwissenschaft über den ‚literarischen Text’ als gemeinsame Basis zu verknüpfen, soll anhand theoretischer Grundlagen verdeutlicht werden. Zu diesem Zweck wird im ersten Teil dieser Arbeit auf die Bedeutung von ‚Text’ und den Begriff der literarischen Sprache eingegangen. Von allgemeinen Problemstellungen ausgehend, soll die Literarischen Kommunikation in einzelnen Punkten erläutert werden. Darauf aufbauend wird die Erfassung literarischer Texte nach linguistischen Vorstellungen erläutert. Der letzte Teil dieser Arbeit konkretisiert die linguistisch fundierte Analyse literarischer Texte. Inwieweit sich die Vorgehensweisen der linguistischen Analysemöglichkeiten von denen der literaturwissenschaftlichen unterscheiden oder überhaupt zu trennen sind, soll am Ende dieser Arbeit noch charakterisiert werden.
Excerpt (computer-generated)
UNIVERSITÄT LEIPZIG
Philologische Fakultät
Institut für Slavistik
Über die linguistische Analyse
literarischer Texten
HS Textlinguistik - Synchrone Sprachwissenschaft
WS 2007/2008
Seminararbeit
1. EINLEITUNG 2
2. TEXT 3
2.2. Linguistische Textdefinition 4
2.3. Text als Forschungsgegenstand 5
3. LITERARISCHE KOMMUNIKATION 5
3.1. Literaturbegriffe 5
3.2. Literarizität 6
3.3. Poetizität nach Roman Jakobson 6
3.4. Literarische Merkmale 7
3.5. Fiktionalität und Fiktion 8
3.6. Kommunikation über Imagination 11
3.7. Literarische Kommunikation und Kommunikation literarischer Texte 12
3.8. Der Leser als Rezipient bzw. Text und Leser 13
3.9. Tropen und Figuren 14
4. SCHLUSSTEIL 17
5. LITERATURVERZEICHNIS 18
1. EINLEITUNG
Literarische Texte sind Bestandteil von Literatur. Obwohl Literatur normalerweise auf
Schriftlichkeit beruht (,literatura′, lat. = Buchstabe, Sprachlehre) können auch orale
Texte Literatur sein. Obwohl sich Literatur im engeren Sinn von Sachliteratur durch
ihre Fiktionalität unterscheidet, gibt es Mischformen wie Dokumentarliteratur,
literarische Briefe und Tagebücher, die faktual orientiert sind.
Die vorliegende Hausarbeit stel t den Versuch dar, einen Überblick über linguistische
Bemühungen zu geben, die linguistische und literaturwissenschaftliche Diskurse als
ein gemeinsames Forschungsobjekt formten. Der Versuch, Linguistik mit
Literaturwissenschaft über den ,literarischen Text′ als gemeinsame Basis zu
verknüpfen, sol anhand theoretischer Grundlagen verdeutlicht werden. Zu diesem
Zweck wird im ersten Teil dieser Arbeit auf die Bedeutung von ,Text′ und den Begriff
der literarischen Sprache eingegangen. Von al gemeinen Problemstel ungen
ausgehend, sol die Literarischen Kommunikation in einzelnen Punkten erläutert
werden. Darauf aufbauend wird die Erfassung literarischer Texte nach linguistischen
Vorstel ungen erläutert. Der letzte Teil dieser Arbeit konkretisiert die linguistisch
fundierte Analyse literarischer Texte. Inwieweit sich die Vorgehensweisen der
linguistischen Analysemöglichkeiten von denen der literaturwissenschaftlichen
unterscheiden oder überhaupt zu trennen sind, sol am Ende dieser Arbeit noch
charakterisiert werden.
Was kennzeichnet einen literarischen ,Text′? Inwieweit lassen sich Gemeinsamkeiten
und/oder Gegensätze zwischen literarischen ,Texten′ / ,Werken′ feststel en? Ist die
literarische Sprache von der natürlichen Sprache zu trennen? Welche Merkmale der
Unterscheidung sind erkennbar? Entsteht durch die Sprache die Literarizität eines
Textes oder ordnet sich der Sprachgebrauch der Literarizität unter? Die
Beantwortung dieser Fragen setzt sich diese Arbeit als Ziel.
Am Ende der Arbeit sol en die gewonnenen Erkenntnisse noch einmal kurz
zusammengefasst und in den Kontext der Forschungsprobleme eingebettet werden.
2
2. TEXT
Als wissenschaftlicher und neutraler Begriff wird ,Text′ heute den Bezeichnungen
(Sprachkunst-) Werk, Dichtung oder Schrifttum vorgezogen, die als problematisch
bzw. ideologisch, d.h. ideel oder weltanschaulich, belastet gelten. Während ,Werk′
ein poetisch-ästhetischer Begriff ist, der organische Zusammenhänge impliziert, ist
,Text′ ein wissenschaftlicher, sprachlich-strukturel er Begriff. Mit ,Text′ wird die
materiel e Zeichengestalt gemeint, während ,Werk′ auch als Ergebnis eines
historisch-konkreten Kommunikationsprozesses zwischen Leser und Text betrachtet
werden kann.1 Jahraus definiert ,Text′ als eine sprachlich-kommunikative Einheit, die
über ihre Zeichenstruktur ,,intern und extern kommunikationsfähig"2 ist. Da Texte der
Kommunikation dienen, können sie nicht rein strukturel , d.h. als System von
Einheiten in bestimmten Relationen, verstanden werden. Sie müssen in komplexen
Kommunikationssystemen und prozessen betrachtet werden, die von ihren Autoren,
Lesern und Kontexten sowie dem Symbol- und Sozialsystem mitbestimmt werden.
Neben intertextuel en Bezügen und textinternen Mitteln gehören textexterne
Merkmale wie Intentionalität, d.h. gezieltes Handeln, bezogen auf die Vorgänge der
Textrezeption und produktion, und Situationalität (betrifft die Beziehung zwischen
Texten und den Situationen ihrer Verwendung) zu Merkmalen von Texten bzw. zu
Textualität. Nach de Beaugrande/Dressler3 gibt es fünf weitere Merkmale von
Textualität:
Kohärenz
(konzeptuel -inhaltlicher
Zusammenhang),
Kohäsion
(Sprachlich-grammatische
Ordnung),
Informativität
(Neuigkeits-
und
Innovationsgehalt), Intertextualität (Zusammenspiel mit anderen Texten) und
Akzeptabilität (Erwartungs- und Nützlichkeitserfül ung).
Bei der Bestimmung unterschiedlicher Sorten von Texten spielen nicht nur
makrostrukturel e Vertextungsmuster wie ,argumentativ′ und ,narrativ′, sondern auch
Tätigkeitsbereiche, Trägermedien und kommunikative Funktionen eine Rol e.4 Texte
lassen sich nach folgenden Kriterien systematisieren: Tätigkeitsbereich
(beispielsweise Literatur, Wissenschaft oder Al tag), Trägermedium (Zeitung,
Hörfunk, Fernsehen oder Buch), kommunikative Funktion (etwas in Beziehung
1 Vgl. Lotman, Jurij M.: Vorlesungen zu einer strukturalen Poetik. Einführung. Theorie des Verses.
Hg. von K. Eimermacher. München: 1972.
2 Jahraus, Oliver: Literaturtheorie. Theoretische und methodische Grundlagen der
Literaturwissenschaft. Tübingen, Basel: 2004, S.130; bzw. Vgl. ebd. S. 108-115.
3 Vgl. de Beaugrande, R. und Dressler, W.U.: Einführung in die Textlinguistik. Tübingen: 1981.
4 Vgl. Nünning, Ansgar (Hg): Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Stuttgart, Weimar: 1998,
S.530.
3
setzen, appel ieren, sachlich informieren, sich selbst offenbaren etc.) und
makrostrukturel es Muster (deskriptiv, argumentativ oder narrativ).
Im Unterschied zum linguistischen Begriff ,Textsorte′ klassifiziert die
Literaturwissenschaft literarische Texte mit dem Begriff der Gattung. Bis heute ist die
Einteilung in lyrische, narrative und dramatische Texte am gebräuchlichsten.
,,Gattungen sind Ensembles sprachlicher Merkmale, die einer Gruppe von Texten
gemeinsam sind und diese eine Gruppe zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt
von anderen Gruppen unterscheiden."5 Was unter Gattung verstanden wird, kann nur
aus den jeweiligen Merkmalskombinationen bestimmt werden, die unter bestimmten
historischen Rahmenbedingungen wie unter dem Einfluss innerliterarischer
Traditionsbedingungen damit jeweils verbunden werden.
2.2. Linguistische Textdefinition
Text ist ,,eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen [...],
die in sich kohärent sind und als Ganzes eine erkennbare
kommunikative Funktion signalisieren."6
Von Brinker stammt auch der Vorschlag, Texte nach ihrer ,thematischen Entfaltung′
zu systematisieren. Der Linguist geht davon aus, dass Texten ein bestimmter
thematischer Kern zugrunde liegt, den sie nach unterschiedlichen Prinzipien
entwickeln können7:
a. deskriptiven, d.h. beschreibenden oder berichtenden, Prinzipien wie
Nachrichten oder Lexikonartikel
b. narrativen Prinzipien wie beispielsweise Al tagserzählungen
c. explikativen, d.h. darlegenden oder erläuternden, Prinzipien, wie (oft implizit)
Teile von Gebrauchsanweisungen
d. argumentativen Prinzipien, wie wissenschaftliche Texte
5 Brunner, H. und Moritz, R. (Hg.): Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der
Germanistik. Berlin: 1997, S. 113.
6 Brinker, Klaus: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. Berlin:
1985, S. 17f.
7 Ebd., S. 17ff.
4
2.3. Text als Forschungsgegenstand
Wie schon im Zusammenhang mit Begriffen Jakobsons erläutert, beschäftigt sich der
russische Formalismus8 mit der Frage, was Literatur ,literarisch′ macht. Er
beschäftigte sich mit der Eigenständigkeit, Autonomie und ,Literarizität′ literarischer
Texte; erforschte Gesetze, Kompositionsprinzipien, Kunstmittel, Verfahren und
Wirkungstechniken, mit deren Hilfe Literatur mit pragmatischer Sprachverwendung
bricht und auf ihre formale Gestaltung verweist (Autofunktionalität). Der
Strukturalismus schloss seit etwa der 1960er Jahre daran an, ersetze die ,Form′,
jedoch durch den wissenschaftlichen Begriff der ,Struktur′, mit dem die Relationen
zwischen den Elementen eines Systems bezeichnet werden. Der Strukturalismus
versucht den Ort der Zeichenelemente in einem Sprachsystem zu analysieren.9
3. LITERARISCHE KOMMUNIKATION
3.1. Literaturbegriffe
Was aber ist Literatur? Die Antwort kann sehr unterschiedlich ausfal en.
Literaturwissenschaftliche
Nachschlagewerke
verzeichnen
unterschiedliche
Bedeutungen. Hilfreich erscheint ein Definitionsversuch, der im Rahmen eines
Artikels über ,Literaturwissenschaft′10 unternommen wird. Dieser unterscheidet
verschiedene Literaturbegriffe und definiert sie wie folgt:
a. der pragmatische Literaturbegriff: Literatur ist, was zu einem
historischen Zeitpunkt mehrheitlich in einer Gesel schaft dafür
angenommen wird.
b. der deskriptive: Zur Literatur gehört al es Geschriebene
c. der normative: Zur Literatur zählen schriftlich fixierte Texte, die
bestimmten ästhetischen Kriterien entsprechen.
8 zu Vertretern des russischen Formalismus zählen neben Roman Jakobson u.a. auch Jurij Tynjanov
und Viktor Sklovskij.
9 Vgl. Fietz, Lothar: Strukturalismus. Eine Einführung. Tübingen: 1998.
10 Vgl. Brunner, H. und Moritz, R. (Hg.): Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der
Germanistik. Berlin: 1997.
5
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