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Examination Thesis, 2009, 69 Pages
Author: Sonja Borzutzky
Subject: German Studies - Genres
Details
Tags: Großstadt, Expressionismus, Großstadtlyrik, Georg Heym, Georg Trakl, Lyrik, Struktur-Funktions-Analyse
Year: 2009
Pages: 69
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-39683-2
ISBN (Book): 978-3-640-39657-3
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Abstract
Die deutsche Großstadtlyrik vom Naturalismus bis zur Gegenwart Die Großstadt ist ein Sujet der Lyrik, das in unterschiedlichster Weise literarisch bearbeitet wurde. In Frankreich wurde es durch Charles Baudelaire, Paul Verlaine und Arthur Rimbaud ins Zentrum des literarischen Interesses des Symbolismus, der Décadence und des Fin de Siècle gesetzt. In Deutschland waren es zuerst die Naturalisten, die die Großstadt zum Thema ihrer Lyrik machten. Wolfgang Rothe betont den unterschiedlichen Charakter der Großstadtlyrik der französischen Vertreter im Vergleich zur deutschen: Es war von Anbeginn in weitestem Maße eine ´soziale Dichtung`, die sich unmittelbar auf die gesellschaftliche Unterschicht bezog - im Gegensatz zur Pariser Großstadtlyrik des Symbolismus, der Décadence und des Fin de siècle. Die deutsche Großstadtdichtung fand nicht zufällig zur Zeit der Industrialisierung und Urbanisierung ihren Ursprung, auch wenn eine umfangreiche Programmästhetik dies suggerieren könnte. Die deutsche Großstadtdichtung entstand durch die Veränderung der materiellen Lebensgrundlage. Die Fabrikstadt Berlin, besonders gekennzeichnet durch Lärm, Gestank und Hässlichkeit konnte den Bewohnern nur sehr negative Lebensbedingungen in den Mietskasernenvierteln bieten. Lange Arbeitszeiten, Arbeitslosigkeit und Kinderarbeit, Alkoholismus und mangelhafte ärztliche Versorgung waren die zentralen Probleme dieser Zeit. Im Naturalismus war die Großstadtlyrik vor allem eine sozialkritische Literatur, wobei die positiven Seiten des urbanen Lebensraums als Gegenstand in den Werken der Dichter keine Rolle spielten. Folglich schreibt Rothe über die Künstler: Sie wurden zu Mitleidsdichtern, doch erfreulicherweise in der Regel ohne das Kitschig- Sentimentale der pseudosozialen Trivialliteratur jener Jahre. Sie kamen von der Empörung über das menschenunwürdige Dasein des industriellen Proletariats zur Gesellschaftskritik und zu sozialistischen Vorstellungen von Veränderung. Vermutlich aus ästhetischen und ideologischen Gründen maßen die Künstler der Neuromantik, des Symbolismus, der Décadence, des Jugendstils und der Neuklassik der Großstadtlyrik keine besondere Bedeutung bei. Einem Schönheitskult verfallen, konnte die Hässlichkeit der Metropole ihren Werken nicht als Gegenstand dienen. [...]
Excerpt (computer-generated)
Universität Rostock
Philosophische Fakultät
Institut für Germanistik
Aspekte der Großstadtlyrik im Expressionismus
Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien
vorgelegt von
Sonja Borzutzky
Rostock
14. Oktober 2008
Inhaltsverzeichnis:
Seite
1. Die historische Entwicklung der Großstadtlyrik in der Moderne bis heute
1
1.1 Die deutsche Großstadtlyrik vom Naturalismus bis zur Gegenwart
1
1.2
Zum
Forschungsstand
4
2. Die Großstadtlyrik vor dem Hintergrund der ästhetischen Moderne
6
3. Die zivilisatorische Moderne als Hintergrund der Großstadtlyrik
9
3.1
Soziologische
Phänomene
9
3.2
Die
Großstadt
als
Ort
der
Moderne
10
3.3 Das Lebensgefühl der Moderne in der Lyrik des Expressionismus
13
4. Die Großstadtlyrik Georg Heyms
17
4.1 Einzelanalyse des Gedichts ,,Der Gott der Stadt" von Georg Heym:
17
4.1.1
Die
Textebene
18
4.1.1.1
Die
graphische
Analyse
18
4.1.1.2
Analyse
der
klanglichen
Ebene
18
4.1.1.3
Analyse
der
rhythmischen
Ebene
19
4.1.1.4
Analyse
der
grammatischen
Ebene
21
4.1.1.4.1
Morphologische
Aspekte
21
4.1.1.4.2
Lexikalische
Aspekte
22
4.1.1.4.3
Syntaktische
Aspekte
22
4.1.1.5 Analyse der semantischen Ebene
24
4.1.2
Die
Darstellungsebene
25
4.1.2.1
Der
Stoff
25
4.1.2.2
Das
Motiv
28
4.1.2.3
Die
Situation
28
4.1.2.4
Das
Medium
28
4.1.3
Die
Bedeutungsebene
28
4.2 Vergleich der Ergebnisse der Einzelanalyse mit Heyms Gesamtwerk
29
II
4.2.1
Formale
Aspekte
29
4.2.2
Inhaltliche
Aspekte
31
4.2.2.1
Die
Zeit 31
4.2.2.2 Die Stadt, die Städter und das Meer
32
4.2.2.3 Der mythische Bereich
34
4.3
Zusammenfassung 38
5. Die Großstadtlyrik Georg Trakls
39
5.1 Einzelanalyse des Gedichts ,,Vorstadt im Föhn" von Georg Trakl
39
5.1.1
Die
Textebene
40
5.1.1.1
Die
graphische
Analyse
40
5.1.1.2
Analyse
der
klanglichen
Ebene
40
5.1.1.3
Analyse
der
rhythmischen
Ebene
41
5.1.1.4
Analyse
der
grammatischen
Ebene
43
5.1.1.4.1
Morphologische
Aspekte
43
5.1.1.4.2
Lexikalische
Aspekte
43
5.1.1.4.3
Syntaktische
Aspekte
43
5.1.1.5 Analyse der semantischen Ebene
44
5.1.2
Die
Darstellungsebene
46
5.1.2.1
Der
Stoff
46
5.1.2.2
Das
Motiv
47
5.1.2.3
Die
Situation
47
5.1.2.4
Das
Medium
48
5.1.3
Die
Bedeutungsebene
48
5.2 Ergebnisse der Struktur-Funktionsanalyse im Vergleich zu Trakls
Gesamtwerk
48
5.2.1 Die Polarität in Trakls Lyrik:
Das
Schöne
und
das
Hässliche
49
5.2.2 Die Formelhaftigkeit der Lyrik Trakls
52
5.2.3
Die
emotionale
Gestimmtheit
53
5.2.4
Das
Traumhafte
54
5.3
Zusammenfassung 55
III
6. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Lyrik Trakls und Heyms
57
7. Resümee
59
8. Literaturverzeichnis
62
8.1
Primärliteratur
62
8.2
Sekundärliteratur
62
IV
1. Die historische Entwicklung der Großstadtlyrik in der Moderne bis heute
1. 1 Die deutsche Großstadtlyrik vom Naturalismus bis zur Gegenwart
Die Großstadt ist ein Sujet der Lyrik, das in unterschiedlichster Weise literarisch bearbeitet
wurde. In Frankreich wurde es durch Charles Baudelaire, Paul Verlaine und Arthur Rimbaud
ins Zentrum des literarischen Interesses des Symbolismus, der Décadence und des Fin de
Siècle gesetzt.1 In Deutschland waren es zuerst die Naturalisten, die die Großstadt zum
Thema ihrer Lyrik machten. Wolfgang Rothe betont den unterschiedlichen Charakter der
Großstadtlyrik der französischen Vertreter im Vergleich zur deutschen:
Es war von Anbeginn in weitestem Maße eine ´soziale Dichtung`, die sich unmittelbar auf die
gesellschaftliche Unterschicht bezog - im Gegensatz zur Pariser Großstadtlyrik des
Symbolismus, der Décadence und des Fin de siècle.2
Die deutsche Großstadtdichtung fand nicht zufällig zur Zeit der Industrialisierung und
Urbanisierung ihren Ursprung, auch wenn eine umfangreiche Programmästhetik dies
suggerieren könnte. Die deutsche Großstadtdichtung entstand durch die Veränderung der
materiellen Lebensgrundlage. Die Fabrikstadt Berlin, besonders gekennzeichnet durch Lärm,
Gestank und Hässlichkeit konnte den Bewohnern nur sehr negative Lebensbedingungen in
den Mietskasernenvierteln bieten. Lange Arbeitszeiten, Arbeitslosigkeit und Kinderarbeit,
Alkoholismus und mangelhafte ärztliche Versorgung waren die zentralen Probleme dieser
Zeit. Im Naturalismus war die Großstadtlyrik vor allem eine sozialkritische Literatur, wobei
die positiven Seiten des urbanen Lebensraums als Gegenstand in den Werken der Dichter
keine Rolle spielten. Folglich schreibt Rothe über die Künstler:
Sie wurden zu Mitleidsdichtern, doch erfreulicherweise in der Regel ohne das Kitschig-
Sentimentale der pseudosozialen Trivialliteratur jener Jahre. Sie kamen von der Empörung
über das menschenunwürdige Dasein des industriellen Proletariats zur Gesellschaftskritik und
zu sozialistischen Vorstellungen von Veränderung.3
Vermutlich aus ästhetischen und ideologischen Gründen maßen die Künstler der
Neuromantik, des Symbolismus, der Décadence, des Jugendstils und der Neuklassik der
Großstadtlyrik keine besondere Bedeutung bei. Einem Schönheitskult verfallen, konnte die
Hässlichkeit der Metropole ihren Werken nicht als Gegenstand dienen. Zwar war das Thema
der Verdammung der Stadt auch bei Rilke, Hugo von Hofmannsthal und Stefan George
präsent, doch nahm es im Hinblick auf ihr Gesamtwerk eher eine gesonderte Rolle ein.
Im Expressionismus hingegen passte das Thema wie kein anderes in die Programmästhetik.
Wohingegen die Grundhaltung des Naturalismus sich durch möglichst exakte Übernahme
1 Vgl. Riha, Karl: Deutsche Großstadtlyrik: Eine Einführung. München; Zürich: Artemis-Verlag. 1983. S.18ff.
2 Rothe, Wolfgang (Hrsg.): Deutsche Großstadtlyrik vom Naturalismus bis zur Gegenwart. Stuttgart: Reclam.
1988. S. 5.
3 Ebd. S. 9.
1
auszeichnete, war für den Expressionismus der Protest gegen das Bestehende kennzeichnend.
Die Stadtbewohner äußerten, wie die Dichter des Naturalismus, ihre Ablehnung gegenüber
den Lebensumständen. Dennoch faszinierte die Stadt die Dichter derart, dass sie sich ihr nicht
mehr entziehen konnten. Sie wendeten sich zwar im Wort von der Stadt ab, aber nicht in
ihrem Leben. So gewann die Großstadtlyrik im Expressionismus nicht nur quantitativ,
sondern auch qualitativ an Bedeutung. Es handelte sich nicht mehr um bloße
Milieuschilderungen. Die Dichter des Expressionismus lösten sich immer stärker von
Motiven wie Proletariat, Armut, Wohnelend und Fabrikarbeit. Obwohl ein gemeinsamer Stil
schwierig nachzuweisen ist, so äußerten sie in ihrer Lyrik deutlich ein für sie eigenes
Daseinsgefühl. Die Gedichte künden von Zerstörung, Untergang, gar dem Weltende. Die
wichtigsten Vertreter des Expressionismus waren neben Heym, Lichtenstein und Trakl,
Gottfried Benn, Jakob van Hoddis, Alfred Wolfenstein, Ernst Blass und Johannes R. Becher.
Der Berliner Frühexpressionismus [...] kann insgesamt als Großstadtdichtung bezeichnet
werden. Selbst wo der städtische Lebensbereich nicht direkt thematisiert wird, zeigen
Sprachebene, lyrischer Klang, das Gefühls- und Stimmungsrepertoire und die Defizienstypen
des Menschlichen, dass diese Strophen dem hellwachen, intellektuellen Klima Berlins
entstammen.4
Die Stilmittel des Grotesken, der Verzerrung und ein salopper Großstadtjargon dienten ihnen
als Medium der Selbstaussage.
Die deutsche Großstadtlyrik der zwanziger Jahre war dagegen geprägt durch die
Arbeiterdichtung, die durch die veränderten politischen Verhältnisse immer mehr an
Bedeutung gewann. Hier erfuhr die Stadt eine durchweg negative Wertung, wobei die
Faszination am Phänomen der Moderne verschwunden war. Wie sollte auch das Proletariat
von den kulturellen Vorzügen der Stadt profitieren können? Die Arbeiterdichtung war eine
Schilderung ihrer alltäglichen Not in ihrer scheinbar andauernden Knechtschaft und reicht
nicht über die Darstellung einer selbst erlebten Wirklichkeit hinaus.
Dagegen waren die Großstadtgedichte der Neuen Sachlichkeit, also zum Beispiel die Lyrik
Kurt Tucholskys, Erich Kästners und Walther Mehrings, ein Spiegelbild der Unabhängigkeit
vom behandelten Gegenstand. Außerdem zeigte sich zunehmend eine Vermehrung der
Motive, Themen und auch Stilmittel. Die linksstehenden, sozialkritischen Dichter der Neuen
Sachlichkeit ließen vor allem auch ihre politische Einstellung erkennen.
Die NS-Literatur enthielt so gut wie keine nennenswerte Großstadtlyrik. Die Dichter zogen
sich bewusst aus dem ideologischen Raum zurück und bevorzugten dagegen die Naturlyrik.
In dem Bewusstsein, dass die von den Expressionisten geforderte Zerstörung der
4 Ebd. S. 19.
2
überkommenen Systeme und der gesamten gesellschaftlichen, sowie politischen Ordnung
ausblieb, verlor dieser Dichtungstypus, gegründet aus der großstädtischen Mentalität, an
Aufmerksamkeit. Nach der Zerstörung der Städte während des Zweiten Weltkriegs blieb nur
die Trauer und die Klage über diesen Verlust. Nachdem ganz Europa in Trümmern lag,
wurden die Großstädte eher nostalgisch als Gebilde einer vergangenen Zeit gesehen. Längst
war in ihrem Bewusstsein dieser Lebensraum als ihre Heimat verinnerlicht. So kehrten viele
Flüchtlinge in die Städte zurück, Dagebliebene verließen sie nicht. In den Trümmern gab es
kein umfangreiches literarisches Leben.
Der Gedichttypus enthielt auch in den 50er Jahren keine einheitlichen Stilmerkmale mehr. So
veränderte sich nicht nur die Präsenz eines ästhetischen Kanons, sondern auch das Stadtbild
an sich. Die erschreckenden Verhältnisse in den alten Mietskasernen gehörten zur
Vergangenheit und das Wirtschaftswunder ließ den Lebensstandard wachsen und die sozialen
Probleme wurden irrelevant. Ebenso wurde der große Kontrast zwischen dem Land und der
Stadt durch die Motorisierung immer marginaler. Die Großstadt ist heute lediglich noch ein
Thema von vielen. Der Gedichttypus, wie er zur Zeit der Jahrhundertwende entstand, trat
durch die gegenwärtige Selbstverständlichkeit der Urbanität in der Gesamtheit der
literarischen Produktion eher in den Hintergrund.
Nach diesem kurzen Überblick über die historische Entwicklung dieses Gedichttypus soll nun
der Aufbau und die Zielsetzung dieser Arbeit erläutert werden.
Der erste Abschnitt dieser Arbeit umfasst eine Erörterung des Begriffs der ästhetischen
Moderne vor dem Hintergrund der Großstadtlyrik des Expressionismus. Es wird des Weiteren
auf die soziologischen Phänomene sowie auf das Lebensgefühl der Gesellschaft um die
Jahrhundertwende eingegangen. Ebenso wird erläutert, welche Rolle der Großstadt seit der
Industrialisierung beigemessen wurde. Dieses Hintergrundwissen erleichtert das Verständnis
der zu analysierenden Texte und macht es nachvollziehbar, weshalb die Dichter des
Expressionismus bevorzugt die Großstadt zum Thema ihrer Lyrik machten.
Im zweiten Abschnitt soll eine werkimmanente Interpretation von Gedichten erfolgen, um
pauschalisierende Aussagen aufgrund der Kenntnis des sozial-historischen Hintergrunds und
des Epochenwissens zu vermeiden. Die Lyrik als Reflexionsmedium, das auf alltäglichen
Erfahrungen basiert, kann auf dokumentarische Elemente untersucht werden. Die Gedichte
sind aber dennoch keine bloße Quelle der Sozialgeschichte. Die Poetizität sollte bei der
Motivbetrachtung stets im Vordergrund stehen. Um dies zu gewährleisten, wird in dieser
3
Arbeit die Motivuntersuchung mit einer werkimmanenten Methode begonnen. Es soll der
Frage nachgegangen werden, ,,wie es ein Text überhaupt ,macht′, sekundäre, nicht mit den
normalsprachlichen identische Bedeutungen aufzubauen, oder wie ein Text als System
funktioniert."5 Die Struktur-Funktionsanalyse soll ebenso Antworten geben auf die Frage, wie
der Lebensraum Großstadt mit den Mitteln der literarischen Darstellung erfasst wird.
Ausgewählt für die Einzelanalysen wurden die Gedichte ,,Der Gott der Stadt" von Georg
Heym und ,,Vorstadt im Föhn" von Georg Trakl.
Die Ergebnisse der Einzelanalysen werden anschließend mit dem Gesamtwerk des Dichters
verglichen. Auf diese Weise können die wesentlichen Merkmale ihrer Lyrik verdeutlicht
werden. An diesem Punkt findet auch eine werkübergreifende Interpretation
Berücksichtigung, um eine möglichst genaue Einschätzung der Großstadtlyrik Trakls und
Heyms vorzunehmen.
Bevor ein Resümee gezogen wird, werden die Dichtungen Trakls und Heyms miteinander
hinsichtlich ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten verglichen.
1.2 Zum Forschungsstand
Die Sichtung der Forschungsbeiträge zur Großstadtlyrik erbringt einige Monographien und
Dissertationen, die die Darstellung der Großstadt im Hinblick auf unterschiedliche Aspekte
untersuchten. Sie seien im Folgenden kurz besprochen und in ihrer Bedeutung für die
vorgelegte Untersuchung dargestellt.
Zu den ersten umfangreichen Forschungsbeiträgen aus den 60er Jahren gehören die
Monographien von Kurt Mautz, Friedrich Sengle und Karl Ludwig Schneider. Kurt Mautz′
Beitrag ,,Mythologie und Gesellschaft im Expressionismus" liefert teilweise gewagte
Hypothesen, die von ihm nicht belegt werden. Die Interpretation von Karl Ludwig Schneider
ist wissenschaftlich stichhaltiger, bezieht sich aber nicht auf das Frühwerk Heyms. Die
Untersuchung wird durch den Beitrag von Heinz Röllecke ,,Die Stadt bei Stadler, Heym und
Trakl" ergänzt, so dass bereits in den 60er Jahren eine erste differenzierte Motivuntersuchung
in der Literaturwissenschaft vorlag, auf die noch Bezug genommen wird. Besonders die Lyrik
Georg Heyms wurde in der literaturwissenschaftlichen Forschung umfangreich thematisiert.
Mit Bezug auf die Dichter des Expressionismus, wie z. B. Georg Trakl oder Ernst Stadler,
wird ihr ein repräsentativer Charakter zugeschrieben. Die 1979 erschienenen
,,Untersuchungen zur Lyrik der Moderne am Beispiel der Großstadtgedichte Georg Heyms"
5 Titzmann, Michael: Strukturale Textanalyse. Theorie und Praxis der Interpretation. 3. Aufl. München: Fink.
1993. S. 18.
4
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