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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 52 Pages
Author: Marco Chiriaco
Subject: Archaeology
Details
Institution/College: Martin Luther University (Analyse vorgeschichtlicher Nekropolen)
Year: 2007
Pages: 52
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-40282-3
ISBN (Book): 978-3-640-40332-5
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Abstract
Die vorliegende Arbeit behandelt das Brandgräberfeld der älteren und jüngeren vorrömischen Eisenzeit von Putensen, Kreis Harburg . Der erste Teil der Ausführungen ist von beschreibender Natur und orientiert sich an den Publikationen des Ausgräbers und Bearbeiters Willi Wegewitz. Dabei sollen sowohl die Lage und Forschungsgeschichte als auch die Funde und Befunde wiedergegeben werden. Im zweiten Teil werde ich auf die von Wegewitz gemachten Befunde eingehen und diese unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten und bewerten. Dabei sollen kurz allgemeine Aspekte zur Untersuchung von Brandgräberfeldern aufgezeigt werden, die als kritische Überlegungen für die Interpretation wichtig sind. Danach wird auf die Horizontalstratigraphie, Bestattungsritus sowie Sozialstruktur eingegangen sowie eine Kombinationstabelle vorgestellt werden. Ein großer Teil der Auswertung ist graphischer Natur und liegt in Form von Karten, Plänen und Tafeln vor.
Excerpt (computer-generated)
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Philosophische Fakultät I
Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas
Prähistorische Archäologie
Wintersemester 2006/07
Hauptseminar: Analyse vorgeschichtlicher Nekropolen
Das Brandgräberfeld von
Putensen (Kreis Harburg)
Von
Marco Chiriaco
Student der prähistorischen Archäologie, Kunstgeschichte und Geschichte
Inhaltsverzeichis
I. Einleitung
3
II. Das Brandgräberfeld von Putensen (Kreis Harburg)
4
a.
Lage
und
Topographie
4
b.
Forschungsgeschichte
4
c.
Bestattungen
6
d.
Gräber
der
Stufe
Jastorf
8
1. Keramik
8
2. Beigaben
9
2.1.
Gürtelhaken
9
2.2. Ohrringe
10
2.3.
Nadeln
aus
Metall
10
e.
Gräber
der
Stufe
Seedorf
12
1. Keramik
12
2. Beigaben
13
2.1. Fibeln
14
III.
Auswertung
15
a. Probleme bei der Auswertung von Brandgräberfeldern
15
b. Zur Belegung des Brandgräberfeldes - Horizontalstratigraphie
16
c.
Kombinationsstatistische
Auswertung
17
d. Bestattungsritus und Sozialstruktur
19
1.
Bestattungen
der
Jastorfstufe
19
2.
Bestattungen
der
Ripdorfstufe
20
3.
Bestattungen
der
Seedorfstufe
21
4. Deponierungen
21
5.
Steinkisten
ohne
Befund
21
6.
Demographie
22
IV. Schlusswort
23
V. Literatur
24
VI. Anhang Karte, Pläne und Tafeln
26
2
I. Einleitung
Die vorliegende Arbeit behandelt das Brandgräberfeld der älteren und jüngeren vorrömischen
Eisenzeit von Putensen, Kreis Harburg1.
Der erste Teil der Ausführungen ist von beschreibender Natur und orientiert sich an den
Publikationen des Ausgräbers und Bearbeiters Willi Wegewitz2. Dabei sollen sowohl die
Lage und Forschungsgeschichte als auch die Funde und Befunde wiedergegeben werden.
Im zweiten Teil werde ich auf die von Wegewitz gemachten Befunde eingehen und diese
unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten und bewerten. Dabei sollen kurz allgemeine
Aspekte zur Untersuchung von Brandgräberfeldern aufgezeigt werden, die als kritische
Überlegungen für die Interpretation wichtig sind. Danach wird auf die
Horizontalstratigraphie, Bestattungsritus sowie Sozialstruktur eingegangen sowie eine
Kombinationstabelle vorgestellt werden.
Ein großer Teil der Auswertung ist graphischer Natur und liegt in Form von Karten, Plänen
und Tafeln vor.
1 In den Feldmarken Putensen und Wetzen (Kreis Harburg) befinden sich drei untersuchte Brandgräberfelder.
Dazu zählen ein langobardisches Brandgräberfeld (Fundplatz I), ein Brandgräberfeld der älteren und jüngeren
vorrömischen Kaiserzeit (Fundplatz II) und das Brandgräberfeld der jüngeren vorrömischen Kaiserzeit von
Wetzen (Fundplatz III). Das hier betrachtete Brandgräberfeld ist der Fundplatz II. Die Lage der Gräberfelder
zueinander ergibt sich aus dem Anhang, Plan Ia.
2 In erster Linie ist die Publikation zum Fundplatz II entscheidend:
Wegewitz, W., Der Urnenfriedhof der älteren
und jüngeren vorrömischen Eisenzeit von Putensen, Kreis Harburg. Die Urnenfriedhöfe in Niedersachen 11
(Hildesheim 1973)
. Darüber hinaus liegen die Publikationen zu den Fundplätzen I und III vor:
Wegewitz, W.,
Das langobardische Brandgräberfeld von Putensen, Kreis Harburg. Die Urnenfriedhöfe in Niedersachsen 10
(Hildesheim 1972). Wegewitz, W., Der Urnenfriedhof von Wetzen, Kreis Harburg, und andere Funde aus dem 1.
Jahrhundert v. Chr. im Gebiet der Niederelbe.). Die Urnenfriedhöfe in Niedersachsen 9 (Hildesheim 1970).
3
II. Das Brandgräberfeld von Putensen (Kreis Harburg)
a. Lage und Topographie3
Das Brandgräberfeld befindet sich etwa 1,2 Kilometer südöstlich der Ortschaft Putensen im
Kreis Harburg. Es liegt östlich der Straße Salzhausen-Putensen-Amelinghausen4.
Es liegt im Verband mit mindestens einem weiteren Brandgräberfeld, welches sich ca. 20
Meter weiter westlich befindet.
Das Brandgräberfeld befindet sich auf einer flachen, durch Sandwehungen gebildeten Anhöhe
am westlichen Prallhang einer Luheschleife; diese ist ein Teil der Grundmoränenlandschaft
des Garlstorfer Höhenzuges, welcher sich im südöstlichen Gebiet des Kreises Harburg
befindet und im Westen durch die Aue, im Osten durch die Luhe begrenzt wird5.
Die Landschaft zeichnet sich durch ihre besondere Fruchtbarkeit aus und besitzt eine lange
Siedlungsgeschichte. Eine hohe Anzahl von Großsteingräbern, von denen in der näheren
Umgebung noch zehn erhalten sind, sowie zahlreiche Hügelgräber vermitteln noch heute die
Bedeutung des Raumes im ausgehenden Neolithikum und der beginnenden Bronzezeit. Für
die vorrömische Eisenzeit und die römische Kaiserzeit sind durch Flurbegehungen eine
Großzahl an Fundplätzen, sowohl für Siedlungsareale als auch für Gräberfelder, überliefert.6
b. Forschungsgeschichte
Im Herbst 1937 wurden bei der Anlage von Kartoffelmieten zufällig vier Schalenurnen durch
den Bauer Wilhelm Köster aus Putensen geborgen. Diese Urnen gelangten dann über den
Lehrer Hildebrandt in ein Museum in Lüneburg; von dort aus gelangten sie schließlich in den
Besitz des Helms-Museums in Hamburg-Harburg.
Im Auftrag dieses Museums fanden 1938/39 erste Untersuchungen und Ausgrabungen unter
der Leitung von Willi Wegewitz statt; 115 erfasste Gräber sind das Ergebnis dieser beiden
Jahre. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und die damit verbundenen Konsequenzen
führten dazu, dass die Ausgrabungen auf unbestimmte Zeit verschoben werden mussten.
Ab dem Jahr 1956 wurden durch Wegewitz weitere Untersuchungen vorgenommen; so
wurden z.B. zwei große Schnitte angelegt (A und B). Am 02.08.1961 wurden die Grabungen
abgeschlossen. Die Größe der untersuchten Fläche lässt sich mit etwa 60 x 14 Metern
angeben. Als Ergebnis lagen nun 982 Brandgräber vor; davon waren etwa ein Drittel als
3 Wegewitz 1973, 1f.
4 Karte II, III, V.
5 Karte IV.
6 Karte VI.
4
Leichenbrandlager, die anderen als Urnenbestattungen ansprechbar. Eine Belegung dieses
Gräberfeldes lässt sich vom Beginn des ersten Jhs. v. Chr. bis ins dritte Jh. n. Chr.
nachweisen; das Gräberfeld wird als Brandgräberfeld vom Typ Rieste7 angesprochen. Dieses
Gräberfeld wird von Wegewitz als das langobardische Brandgräberfeld von Putensen
angesprochen und als solches auch publiziert. Hierbei handelt es sich um den schon
erwähnten Fundplatz I; dieser soll in dieser Arbeit jedoch nur sekundär betrachtet werden.8
Gegenstand meiner Betrachtungen soll in erster Linie der Fundplatz II9 sein. Erste Hinweise
auf dieses zweite Gräberfeld gaben Geländebegehungen im Frühjahr 1961. Dabei fiel
besonders ein nur knapp aus dem Boden aufragender großer Stein auf; dieser führte zu der
Annahme, dass es sich womöglich um die Markierung eines Grabes, evtl. um eine Grabstele
handeln könnte. Bei der näheren Untersuchung wurde eine quadratische Steinlage von etwa
zwei Metern Durchmesser freigelegt, unter der sich drei Leichenbrandlager befanden.
Die darauf folgende Anlegung eines ein Meter breiten und vierzig Meter langen Suchschnitts
mit SW-NO Orientierung erbrachte weitere Befunde. Die wichtigsten Befunde waren
mehrere Urnengräber und Wagenspuren.
Die folgenden Ausgrabungen und Untersuchungen erfolgten in dem Zeitraum vom
03.08.1961 bis zum 28.08.1963. In den ersten beiden Jahren wurden die beiden Flächen
nördlich und südlich des Suchschnitts untersucht. Im Jahr 1963 wurde dann das Areal
zwischen den älteren Grabhügeln 1-3 untersucht, in welchem weitere Bestattungen
ausgegraben werden konnten. Im Bereich von Grabhügel 3 waren im Jahre 1940 einige Urnen
durch Laien geborgen worden. Dieser Grabhügel war durch Sandabgrabungen zu dieser Zeit
allerdings schon partiell zerstört gewesen.
Ende August 1963 wurden die Grabungen am Fundplatz II abgeschlossen; wahrscheinlich
sind allerdings nicht alle Bestattungen dieses Gräberfeldes ergraben. Als Ergebnis lassen sich
742 Gräber ansprechen; sie werden als Gräber vom Typ Rieste und Darzau klassifiziert.
Leiter der Ausgrabungen vor Ort war Friedrich Karl Mahlstedt; die Gesamtleitung lag
wiederum in den Händen von Willi Wegewitz.10
Während der Ausgrabungen im Bereich des Fundplatzes II wurden im Jahre 1963 durch eine
Einwohnerin von Putensen zwei weitere Urnen gemeldet. Diese stammten von einem etwa
7 Brandgräberfelder im Bereich der Niederelbe lassen den nicht unumstrittenen Schluss zu, dass geschlechter-
spezifische Gräberfelder angelegt wurden. Dies wird insbesondere mit der Einförmigkeit der Beigaben
begründet. So werden Gräberfelder als Typ Rieste bezeichnet, wenn sie Waffen enthalten; Gräberfelder des
Typus Darzau enthalten somit weibliche Trachtbestandteile in den Bestattungen. Diese Einteilung ist jedoch in
ihrer Allgemeingültigkeit durch neuere Untersuchungen widerlegt worden. Siehe dazu
Eger, Ch., Langabarden
III. Archäologisches. RGA 18 (Göttingen 2001), 71f.
8 Wegewitz 1972, 30-52.
9 Plan Ia.
10 Wegewitz 1973, 4-29.
5
250Meter weiter südöstlich gelegenem Areal in der benachbarten Feldmark Wetzen und
wurden durch den Landwirt Heino Dierßen entdeckt. Dieser fand die Urnen beim Abgraben
von Sand an der Abbruchkante seiner Wiese am Luhetal und stellte diese beiseite; er unterließ
es aber, seinen Fund ordnungsgemäß zu melden. Bei der Besichtigung der Fundstelle durch
die Grabungsmannschaft einige Zeit später fanden diese nur noch einige Scherben und
Leichenbrandreste; die Urnen waren nicht mehr vorhanden. Da diese Stelle an der Luhe
jedoch bei Anglern sehr beliebt war ist davon auszugehen, dass diese Urnen entwendet
wurden. Die Nachgrabungen im Zeitraum vom 29.08.1963 bis zum 15.11.1965 ergaben ein
Gräberfeld vom Typ Darzau mit 73 nachgewiesenen Bestattungen (Fundplatz III). Dieses war
wohl nur wenige Jahrzehnte belegt und datiert in die Mitte des ersten Jhs. v. Chr..11
Für den Bereich der Fundplätze II und III muss allerdings angenommen werden, dass größere
Bereiche der Gräberfelder heute nicht mehr vorhanden sind. So wurde etwa um 1840 bei der
Anlage von Rieselwiesen ein etwa 40-50 Meter breiter und ein Meter tiefer Streifen am
Luheufer abgetragen. Ferner wurde der Lauf der Luhe reguliert und ein Stauwehr eingebaut.
Zur Uferstabilisierung wurde insbesondere im Bereich des Fundplatzes II Sand abgetragen
und verlagert. Diese Kanten sind im Grabungsplan klar zu erkennen. Durch diese
Bodeneingriffe sind eine unbekannte Anzahl Gräber zerstört worden. Ebenso kam und kommt
es, wie bereits erwähnt, immer wieder zu Sandentnahmen durch Landwirte und für weitere
Zwecke. Des Weiteren wurden immer wieder Steine aus den Gräberfeldern, z.B. für den
Straßenbau, entnommen.12
c. Bestattungen
Im Bereich des Fundplatzes II lassen sich insgesamt 742 Bestattungen fassen. Einige Bereich
sind gestört; hierbei sind besonders die großen Störungen im nördlichen und östlichen Teil zu
nennen, welche augenscheinlich aus der Sandgewinnung resultieren.
Im östlichen Bereich der Grabung befindet sich ein etwa 14,5 Meter langer Mauerrest aus
verschieden großen Findlingen, der wahrscheinlich das Gräberfeld nach Osten begrenzte. Im
Bereich der Mauer finden sich bis zu 1,2 Meter dicke Sandaufwehungen, die in diesem
Bereich wohl auch zum Schutz der Gräber beigetragen haben.
11 Wegewitz 1970), 9-24.
12 Die Eingriffe in den Verlauf der Luhe und deren Regulierung durch ein Stauwehr sowie die Anlage von
Rieselwiesen sind Faktoren, die zur partiellen Zerstörung dieses Bodendenkmals führten. Dazu ist insbesondere
auch noch auf die Entnahme von Sand hinzuweisen. Das dies ein durchaus akutes Problem ist, wird durch das
Entwenden der Urnen in der Gemarkung Wetzen deutlich! Diese Probleme werden von Wegewitz in seinen
Publikationen immer wieder erwähnt (Urnenfriedhof Putensen, 22, 94. Urnenfriedhof Wetzen, 9f.).
6
Eine regelmäßig fortschreitende Belegung mit N-S Ausrichtung ist nicht zu erkennen;
vielmehr ist eine Belegung in Gruppen anzunehmen. Der Zweck dieser Gruppierungen könnte
eine Belegung in Familien- oder Sippenverbänden anzeigen.
Es lassen sich 38 Steinkreise rekonstruieren13; ihre ursprüngliche Zahl wird jedoch größer
gewesen sein. Die Steinkreise sind oftmals gestört; der Grund liegt wohl in der Entnahme von
oberflächlich erkennbaren Steinen für sekundäre Verwendungen wie z.B. Straßenbau. Dieses
Phänomen lässt sich oft beobachten. Die noch vorhandenen und rekonstruierbaren Steinkreise
weisen Durchmesser von einem bis zu über drei Meter auf und besitzen eine Umrandung aus
größeren Blöcken. Als größter und wohl auch ältester Steinkreis wird Befund 195
angesprochen. Dieser hat einen Durchmesser von 5,30 Metern und enthielt eine Urne, welche
neben Leichenbrand auch noch eine Rollenkopfnadel und Bruchstücke von zwei geknickten
Spiralohrringen enthielt und wohl in die Anfänge der Jastorfstufe14 zu datieren ist. Mehrere
Steinkreise sind durch Pflasterungen miteinander verbunden, sie lassen auf Beziehungen der
Steinkreise und ihrer Bestattungen untereinander schließen. Ferner kommen unregelmäßige
Pflasterungen ohne Befunde vor. Aussagen zu den Pflasterungen sollten aber aufgrund der oft
nicht genau zu differenzierenden Ausmaße der Störungen mit Vorsicht gemacht werden.
Über die gesamte Ausgrabungsfläche verteilt finden sich Urnen, in der Regel ein- bis
dreigliedrige Gefäße, oder Leichenbrandlager mit Decksteinen. Diese verteilen sich entweder
gruppiert oder in Reihe stehend. Die verwendeten Steine haben ein Gewicht von bis zu 75
Kilogramm und sind geologisch in den feinkörnigen Sanden der unmittelbaren Umgebung
nicht vorhanden; sie müssen also von weiter entfernten Stellen herangeschafft worden sein.
Des Weiteren finden sich zwölf Steinkisten ohne Befund; hierbei könnte es sich nach
Wegewitz um Steinkisten mit ehemals unverbrannten Kinderbestattungen gehandelt haben.
Ferner könnte es sich auch um Scheinbestattungen oder einen Hinweis auf ,,kultische"
Bestattungen handeln, wobei letztere durch dass Fehlen von Material wohl auszuschließen
sind.
Bei Grabkennzeichnungen mit Grabstelen oder einzelnen oder mehreren Steinen sind die
Urnen aufgrund des Gewichtes in aller Regel zerscherbt.
13 Plan Ib.
14 Schwantes, G., Die ältesten Friedhöfe bei Uelzen und Lüneburg. Die Urnenfriedhöfe in Niedersachsen 1,2
(Hannover 1911), 5. Hier versucht Schwantes darzulegen, dass die Mächtigkeit der Steinpackungen von der
Stufe Jastorf a nach Jastorf c hin abnimmt und in der Stufe Rippdorf kaum bis überhaupt nicht mehr vorkommt;
diese Interpretation ist diskutiert und wohl nicht mehr haltbar. Vergl. dazu Krüger, H., Die Jastorfkultur in den
Kreisen Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Uelzen und Soltau. Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte 1
(Neumünster 1961), 15f. Sowie: Hingst, H., Die vorrömische Eisenzeit Westholsteins. Offa Bücher 49,
Urnenfriedhöfe Schleswig-Holsteins 8 (Neumünster 1983), 32 f.
7
Bei der kombinierten Betrachtung von Material und Grabungsplan fällt auf, dass es einen
Bruch in der Chronologie des Inventars gibt.15 So lassen sich die Bestattungen den drei
Gruppen Jastorf (256 Bestattungen), Ripdorf (sechs Bestattungen) und Seedorf (480
Bestattungen) zuweisen. Ist die Belegung im nördlichen Teil des Gräberfeldes noch relativ
homogen (233 Jastorf- und 243 Seedorfbestattungen)16, so überwiegen im südlichen Teil jene
der späteren Seedorfstufe (238 Bestattungen, dazu 23 Bestattungen der Jastorfstufe).17 18
d. Gräber der Stufe Jastorf
1. Keramik
Für die Verteilung der Keramik der Gräber der Stufe Jastorf ergibt sich folgendes Bild:
180
160
140
120
100
176
80
60
83
40
44
20
13
15
0
nen
ager
len
äße
Ur
dl
nkisten
scha
gef
ei
kel
B
henbran
ec
D
Leic
fundleere Stei
Es handelt sich um handgefertigte Haushaltstonware. Diese ist unregelmäßig geformt und
mäßig hart gebrannt. In vielen Fällen lassen sich Spuren von Gebrauch feststellen, so dass
davon auszugehen ist, dass diese Gefäße nur sekundär für die Bestattungen benutzt wurden.
Von einer primären Verwendung im Haushalt, als Vorratsgefäße bzw. als Koch- und
Essgeschirr, ist auszugehen. Verzierungen kommen selten vor, dann jedoch als Kammstrich.
15 Als Materialvergleichsgrundlage wurde verwendet: Porath, A., Göttinger Typentafeln zur Ur- und
Frühgeschichte Mitteleuropas. Vorrömische Eisenzeit in Norddeutschland (Göttingen 1983).
16 Plan VI.
17 Wegewitz 1973, 94-107.
18 Plan VII.
8
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