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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 19 Pages
Author: Tonja Mayr
Subject: Sociology - Consumption and Advertising
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Sozialwissenschaften)
Tags: Einkaufen, Shopping, Ethnographie, Konsumpraktiken, Kultur, Konsum
Year: 2000
Pages: 19
Grade: 1.0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-19024-4
File size: 183 KB
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Excerpt (computer-generated)
Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät III
Institut für Sozialwissenschaften
Fachbereich Soziologie
WS 1999/2000
Hauptseminar "Kultur und Konsum"
Einkaufen und Shopping:
Zur Ethnographie moderner Konsumpraktiken
Belegarbeit im Hauptstudium
Vorgelegt von Tonja Mayr
April 2000
Inhalt
Einleitung
Einkaufen und Konsum als Untersuchungsfelder der Wissenschaft
Zur Konsumforschung
Zur Einkaufs- und Shoppingforschung
Ethnographie des Einkaufens: Ansätze und Methoden
Einkaufen und Shopping als Merkmale der Konsumgesellschaft
Zum Begriff der Konsumgesellschaft
Konsum und Identität
Erlebnisorientiertes Einkaufen
Versorgung versus Erlebnis 8
Geschlechtsspezifische Aspekte der Einkaufsmotivation
Männliche und weibliche Ideologien des Einkaufens
Einstellung und Verhalten
Ist postmodernes Konsumverhalten weiblich?
4. Schlußbetrachtung
Literatur
Einleitung
In jüngerer Zeit haben sich die Diskussionen um das Ladenschlußgesetz und um eine Veränderung oder Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten verstärkt. Dabei sind verschiedene Positionen der einzelnen Beteiligten und Betroffenen festzustellen, die zum Teil so konträr sind, daß sich ein Kompromiß offenbar kaum finden läßt. Während eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten insbesondere von größeren Handelsunternehmen begrüßt wird, sehen sich kleinere Einzelhandelsgeschäfte, die räumlich nicht in ein Shopping-Center oder städtischen Einkaufszonen integriert sind, von den angenommenen Wettbewerbsvorteilen ausgeschlossen. Die Gewerkschaften warnen vor den Folgen zu Lasten der im Handel beschäftigten Arbeitnehmer, und die Kirchen sehen die Tradition des Sonntags als Tag der Ruhe durch die Interessen der Wirtschaft bedroht.
Bei der Diskussion darüber, wann die Menschen einkaufen sollen oder dürfen sollen, geht es also neben wirtschaftlichen Interessen auch um gesellschaftlich verankerte soziale und kulturelle Werte und Normen, die mit dem Hinweis auf die Freiheit des Konsumenten, seine angenommenen Bedürfnisse und Wünsche nun neu diskutiert werden. Der Konsument selbst wird dabei als "König Kunde" gehandelt, und die Umfragen scheinen dafür zu sprechen, daß er im vollen Bewußtsein dieses Status einer Rund-um-die-Uhr-Einkaufsmöglichkeit eher positiv gegenübersteht. Argumentiert wird zumeist damit, daß man sich durch flexiblere Ladenöffnungszeiten und die Möglichkeit, auch am Sonntag einkaufen zu gehen, für den Einkauf mehr Zeit nehmen und sich das Warenangebot in Ruhe angucken kann. Für die Wirtschaft geht es bei dieser Diskussion also um mehr Geld, für den Konsumenten um mehr Zeit, die aber nicht unbedingt zu mehr Käufen führen muß. Das Bedürfnis nach flexibleren Ladenöffnungszeiten bezieht sich also einerseits auf die Möglichkeit, Versorgungseinkäufe zu tätigen, es geht aber andererseits auch um das Shopping als einer modernen Freizeitgestaltung an sich.
"Shopping" hat sich als ein englischsprachiger Begriff in der deutschen Sprache etabliert und bezeichnet hier eine bestimmte Form des Konsums, bei der es weniger um den gezielten Kauf bestimmter Waren als vielmehr um eine neue Form der Freizeitgestaltung geht, eine kulturelle Praxis, bei der die Auseinandersetzung mit Waren eine große, der anschließende Kauf jedoch eine untergeordnete Rolle spielt. Der englische Begriff "shopping" bedeutet aber zunächst allgemein "einkaufen", und in der englischsprachigen wissenschaftlichen Literatur geht es beim "shopping" auch immer um das Einkaufen im weiteren bzw. allgemeinen Sinn. Ich möchte in dieser Arbeit zur Ethnographie des "Shoppings" beide Bedeutungen des Begriffes berücksichtigen und mich sowohl auf das allgemeinere Einkaufen, als auch auf das spezifischere Shopping beziehen. Dem liegt die Annahme zugrunde, daß sich nicht nur im freizeitorientierten Shopping, sondern allgemein im Einkaufengehen an sich soziale und kulturelle Muster des Konsums ablesen lassen können.
Mit dieser Arbeit soll das im Seminar gehaltene Referat über Ansätze ethnographischer Einkaufs- und Konsumforschung schriftlich vertieft werden. Ich werde zuerst darstellen, inwieweit sich verschiedene wissenschaftliche Disziplinen mit Konsum und der Konsumpraxis Einkaufen beschäftigt haben. Indem ich der Darstellung der Konsum- und Shoppingforschung innerhalb meiner Arbeit einen relativ großen Raum gebe, soll aufgezeigt werden, welche unterschiedlichen Aspekte unter diesem Themenkomplex behandelt werden können und welche davon für die Erforschung des Einkaufens relevant sind. Obwohl es in dieser Arbeit in erster Linie um das Einkaufen und Shopping gehen soll, kann der große Themenkomplex Konsum nicht außer acht gelassen werden und wird daher in meine Erörterungen immer wieder miteinfließen. Ich möchte näher auf die Motive eingehen, die beim Einkaufen und Shopping eine Rolle spielen und die Typisierung von Versorgungseinkauf und Erlebnisshopping diskutieren. Schließlich soll an einem Beispiel aus der ethnographischen Forschung dargestellt werden, welche geschlechtspspezifischen Aspekte sich beim Einkaufen möglicherweise ablesen lassen können.
1. Einkaufen und Konsum als Untersuchungsfelder der Wissenschaft
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