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Die Unzuverlässigkeit der Erzählung in Alfred Hitchcocks "Stage Fright" close

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Die Unzuverlässigkeit der Erzählung in Alfred Hitchcocks "Stage Fright"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 22 Pages
Author: Michael Himpler
Subject: Film Science

Details

Event: Hauptseminar Filmische Narrativik: Blick- und Zeitkonstruktion
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Institut für Medienwissenschaft)
Tags: Unzuverlässigkeit, Erzählung, Alfred, Hitchcocks, Stage, Fright, Hauptseminar, Filmische, Narrativik, Blick-, Zeitkonstruktion
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 22
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V13346
ISBN (E-book): 978-3-638-19026-8
ISBN (Book): 978-3-638-64283-5
File size: 210 KB

Abstract

Wenn man sich einen Film anschaut, ist man sich im allgemeinen äußerst selten darüber im klaren, in welcher Art und Weise die Story übermittelt wird. Neben Ton und Bild spielen bei der Konstruktion der Geschichte beispielsweise die Musik, der Schnitt, die Beleuchtung und die Geräusche eine wesentliche Rolle, was alles – begriffsmäßig an Sarah Kozloff angelehnt, die sich speziell mit dem Voice-Over beschäftigt – von einem Erzähler der ersten Instanz, dem Image-Maker, in einer spezifischen Art und Weise arrangiert wird, um seine Intention zu übertragen. Der Begriff des Image-Makers umfasst die gesamten Aktivitäten der Gegenwart aus dem extradiegetischen Bereich. Gelangen zwei oder mehrere der oben genannten Elemente in Konflikt zueinander, sodass es eine Nichtübereinstimmung von Aussage und Sinngehalt gibt, resultieren daraus spezifische Wirkungen auf die Wahrnehmung des Rezipienten. Häufig kommt es z.B. vor, dass sich in Ton und Bild Diskrepanzen ergeben, wenn sich etwas Gesagtes von etwas Gezeigtem unterscheidet – in verschiedener Art und Weise: Überlappend verhält sich der Grad der Übereinstimmung, wenn zum Beispiel ein Text, der auf der Bildspur erscheint, aus dem Off vorgelesen wird. Beim komplementären Grad ergänzen sich beide Spuren in einer sinnvollen Weise, um leichte Spannungen auf- und wieder abzubauen. Handelt es sich jedoch um zwei unvereinbare Komponenten, so steht das Voice-Over eindeutig in Gegensatz zum Gezeigten - und man kommt dem Phänomen des "Unzuverlässigen Erzählens" näher. Diese Hausarbeit befasst sich mit der Unzuverlässigkeit der Erzählung in Alfred Hitchcocks STAGE FRIGHT. Dabei wird der Frage nachgegangen, welches die Grundmechanismen sind, die die Intention des Films unterstützen. Wie funktioniert der berühmte „lügende Flashback“? Wie wirkt er im Hinblick auf den Film als ganzes? Welche narratorischen Quellen – vom Image-Maker bis zum mehrfach untergeordneten Erzähler – fördern die Poetik des Films, und welche auf den ersten Blick nebensächlich erscheinenden Bestandteile wie Musik oder Mise-en-Scène untermalen den gewünschten Effekt der Unzuverlässigkeit? „Lügt“ eher das Bild oder der Ton? Wie wird die Konvention des „wahren Bildes“ ausgenutzt? Um diese Fragen zu beantworten, werden die einzelnen Aspekte auf ihre Funktion hin untersucht. In einem Schlusswort werden die Ergebnisse noch einmal zusammengefasst.


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminar Filmische Narrativik: Blick- und Zeitkonstruktion

Die Unzuverlässigkeit der Erzählung in
Alfred Hitchcocks STAGE FRIGHT

Sommersemester 2002
Michael Himpler

 

Inhalt

1. Einleitung: Der Begriff der „Unzuverlässigkeit“  Seite 3

2. STAGE FRIGHT: Der Inhalt  Seite 5
2.1. Der Flashback  Seite 6
2.2. Zur Festigung des Verdachts  Seite 10
2.3. Weitere Lügen in STAGE FRIGHT  Seite 12
2.4. Das Frauenbild der 1950er Jahre  Seite 13
2.5. Die Filmmusik in STAGE FRIGHT  Seite 15

3. Zusammenfassung  Seite 16

4. Literaturverzeichnis  Seite 20

5. Filmografie  Seite 21

 

1. Einleitung: Der Begriff der „Unzuverlässigkeit“

Wenn man sich einen Film anschaut, ist man sich im allgemeinen äußerst selten darüber im klaren, in welcher Art und Weise die Story übermittelt wird. Neben Ton und Bild spielen bei der Konstruktion der Geschichte beispielsweise die Musik, der Schnitt, die Beleuchtung und die Geräusche eine wesentliche Rolle, was alles – begriffsmäßig an Sarah Kozloff angelehnt, die sich speziell mit dem Voice- Over beschäftigt – von einem Erzähler der ersten Instanz, dem Image-Maker, in einer spezifischen Art und Weise arrangiert wird, um seine Intention zu übertragen. Der Begriff des Image-Makers umfasst die gesamten Aktivitäten der Gegenwart aus dem extradiegetischen Bereich. Gelangen zwei oder mehrere der oben genannten Elemente in Konflikt zueinander, sodass es eine Nichtübereinstimmung von Aussage und Sinngehalt gibt, resultieren daraus spezifische Wirkungen auf die Wahrnehmung des Rezipienten.

Häufig kommt es vor, dass sich in Ton und Bild Diskrepanzen ergeben, wenn sich etwas Gesagtes von etwas Gezeigtem unterscheidet – in verschiedener Art und Weise: Überlappend verhält sich der Grad der Übereinstimmung, wenn zum Beispiel ein Text, der auf der Bildspur erscheint, aus dem Off vorgelesen wird. Beim komplementären Grad ergänzen sich beide Spuren in einer sinnvollen Weise, um leichte Spannungen auf- und wieder abzubauen. Handelt es sich jedoch um zwei unvereinbare Komponenten, so steht das Voice-Over eindeutig in Gegensatz zum Gezeigten (siehe Abbildung; Quelle: Kozloff 1998, 103):


[Abb. in Downloaddatei enthalten]

Ein mögliches Resultat der dritten Kombinationsweise (unvereinbar) besteht im Erzeugen von Ironie: Ein übertriebener Kommentar kann genauso wie ein Understatement mit dem Visuellen in Kontrast stehen und damit fürErheiterung sorgen, wie es beispielsweise in Stanley Kubricks BARRY LYNDON (GB 1973) geschieht. Aber auch andere Komponenten können sich widersprüchlich verhalten, wenn z.B. zu einem tragischen Bild eine betont fröhliche (heterodiegetische) Musik gespielt wird. Kozloff beschränkt sich jedoch in erster Linie auf das Voice-Over.

Neben dem offensichtlichen Effekt der Ironie lösen diese Diskrepanzen je nach Kontext Skepsis beim Zuschauer aus, welche die Glaubwürdigkeit des (eingebetteten) Erzählers in Frage stellt, wenn sich seine Aussagen mit den Bildinformationen nicht decken lassen. Sein Wissen kann eingeschränkt oder fehlerhaft sein, wenn er krank, verliebt oder naiv ist, wenn er getäuscht wird oder die Ereignisse zu subjektiv bewertet. Demnach muss ein solcher Erzähler nicht zwanghaft unlautere Intentionen hegen. Generell beurteilt man seine Zuverlässigkeit – und dabei ist es irrelevant, ob es sich um einen Ich-Erzähler oder einen Dritte-Person-Erzähler im homo- oder heterodiegetischen Rahmen handelt – dahingehend, ob er in Übereinstimmung mit den Einzelteilen des Werks als Ganzes spricht oder handelt. Es geht also nicht nur um den Vergleich von Bild und Sprache, sondern auch um Musik, Schnitt, das Licht, Einstellungen etc. (s.o.). Ein Beispiel hierfür findet sich zu Beginn von BARRY LYNDON, wenn im Voice-Over recht harsche, unromantische Worte der seichten Musik entgegenstellt werden, als Barry mit seiner ersten Freundin Karten spielt.

Tendenziell glaubt man eher den Bildinformationen, wenn sich auditive und visuelle Informationen widersprechen1. Diese Zuverlässigkeit des Bildes ist lediglich eine Konvention, die sich etabliert hat. Manche haben sie gebrochen, wie Alfred Hitchcock in STAGE FRIGHT (USA 1950), der im Folgenden genauer analysiert wird. Nun kann im Umkehrschluss gefragt werden: Gibt es zudem Filme, bei welchen der Erzähler die Wahrheit sagt und das Bild unzuverlässig ist? Diese Fälle sind im klassischen Hollywood-Film sehr rar. Eine Ausnahme findet sich zu Beginn von AN AMERICAN IN PARIS (USA 1951), als sich drei Charaktere dem Betrachter vorstellen und die Kamera währenddessen immer die falschen Leute fokussiert, die „zufällig“ ebenfalls am Set anwesend sind.

 

[....]


1  Zahlreiche Regisseure machen sich diese Tatsache zunutze, indem sie mit den Erwartungen spielen, wie in DAS BÖSE UNTER DER SONNE (GB 1982) oder WILD THINGS (USA 1998).


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