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Diploma Thesis, 2009, 98 Pages
Author: Diplom-Online-Journalist (FH) Björn Schneider
Subject: Communications: Journalism, Journalism Professions
Details
Year: 2009
Pages: 98
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-42039-1
ISBN (Book): 978-3-640-42060-5
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Abstract
Die Tatsache, dass Radio heute in aller Regel „nebenbei“ genutzt wird und man die Hörer mit der Musik gewinnt, hat zu einer weitgehenden ‚Entwortung‘ vieler Programme geführt. Da heute auch ein Großteil der öffentlich-rechtlichen Sender formatierte (Tages-) Begleitwellen sind, stellt sich jedoch die Frage, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinem Programmauftrag in all seinen Wellen überhaupt noch ausreichend gerecht wird – bezieht sich der gesellschaftlich-relevante Auftrag doch schließlich auch auf die Popsender der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Dieser Frage geht vorliegende Diplomarbeit nach, in deren Mittelpunkt Fallstudien über drei öffentlich-rechtliche Popsender stehen, die den Anteil musikjournalistischer Inhalte an deren Gesamtprogramm aufzeigen sollen. Es geht um die Umsetzung der Frage nach der „musikjournalistischen Präsenz“ in den öffentlich-rechtlichen Popwellen in Form dieser Diplomarbeit. Darüber hinaus fließt der Aspekt der Musik als (wichtigstes) Programmelement sowie der Musikprogrammgestaltung als Teilgebiet musikredaktioneller Tätigkeit, mit in diese Arbeit ein.
Excerpt (computer-generated)
Hochschule Darmstadt
h_da
Studiengang Online-Journalismus
Fachbereich Media
SS 2009
Diplomarbeit
,,Talk about Popmusic"
Musik und musikjournalistische Inhalte in öffentlich-
rechtlichen Popwellen
Von
Björn Schneider
Darmstadt, 03.06.2009
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
Vorwort
3
II. Hauptteil
1. Begriffsbestimmung Musikjournalismus
6
1.1. Medienspezifischer Musikjournalismus
8
1.1.1 Musikjournalismus im Print
8
1.1.2 Musikjournalismus im Internet
9
1.1.3 Musikjournalismus im Hörfunk
11
2. Die deutsche Radiolandschaft
14
2.1 Organisationsformen
14
2.2 Die Formate
16
2.2.1 ,,Adult Contemporary" (AC-Format)
17
2.2.2 ,,Contemporary Hit Radio" (CHR-Format)
18
2.2.3 Das Melodie-Format
19
2.2.5 Sonstige Formate
20
2.3 Erfolgskonzept ,,Formatradio" und öffentlich-rechtlicher Hörfunk
20
2.3.1 Jüngste Ereignisse
23
3. Musik in der Popwelle
26
3.1 Praxis der Musikprogrammgestaltung
26
3.2 Konzeption und Gestaltung von AC-Formaten
29
3.3 Konzeption und Gestaltung von CHR-Formaten
30
4. Die öffentlich-rechtlichen Popsender
31
4.1 Die Mainstream-Popwelle
32
4.2 Das Pop-Oldie-Format
33
4.3 Die Jugendwelle
34
5. Musikjournalismus im Popradio
36
5.1 Die Musikspezialsendung
36
5.2 Formatabhängigkeit
38
6. Entwicklung der Kernfragen und Methodik
39
6.1 Methodisches Vorgehen und Fragestellungen
39
6.2 Auswahl der Sender
41
1
7. Die Fallstudien Musikjournalismus im öffentlich-rechtlichen
Popradio
42
7.1 SWR3
7.1.1 Der Sender
42
7.1.2 Musikjournalistische Inhalte
43
7.1.2.1 Die Spezialsendung
44
7.1.3 Fazit
45
7.2 SWR1 Baden-Württemberg
7.2.1 Der Sender
46
7.2.2 Musikjournalistische Inhalte
47
7.2.2.1 Die Spezialsendungen
48
7.2.3 Fazit
51
7.3 YOUFM
7.3.1 Der Sender
53
7.3.2 Musikjournalistische Inhalte
54
7.3.2.1 Die Spezialsendungen
55
7.3.3 Fazit
59
III. Schluss
8. Gesamtfazit
61
8.1 Die Popwelle und der öffentlich-rechtliche Programmauftrag
62
8.2 Qualitätsunterschied
62
Ausblick
64
Anhang
Experteninterviews I III
66
Literatur- und Quellenverzeichnis
91
2
I. Einleitung
Vorwort
,,Music was my first love" heißt es in einem bekannten Popsong aus den 70er Jahren. Für
die meisten Menschen nimmt Musik in ihren verschiedenen Stilen und Ausprägungen einen
ganz besonderen Stellenwert ein. Sie verbinden mit Musik bestimmte Ereignisse, Erlebtes,
Emotionen, ja sogar wichtige Personen aus ihrem Umfeld. So verwundert es nicht, dass das
Musikprogramm eines Hörfunksenders für die meisten Menschen das wichtigste
Entscheidungskriterium ist, ob ein Sender eingeschaltet wird oder nicht. Bei den Befragungen
im Rahmen der ersten Medien-Nutzer-Typologien1 stuften 60 Prozent der Menschen das
Programmelement ,,Musik" als sehr wichtig ein (vgl. Overbeck 2005: 131). Das haben die
Programmmacher und verantwortlichen (allen voran privater) massenattraktiver
Begleitprogramme hierzulande natürlich längst erkannt. Es gilt: Wer sich erfolgreich am
Markt positionieren will, wer trotz immenser Konkurrenz eine möglichst breite Hörerschaft in
der angestrebten Zielgruppe erreichen und damit hohe Werbeeinnahmen generieren möchte,
muss formatieren.
Das streng durchformatierte Radioprogramm, also ein exakt auf die Hörerbedürfnisse hin
ausgerichtetes Angebot mit durchgängiger Struktur und einheitlichem Programmaufbau, ,,das
zu allen Sendezeiten seinen Grundcharakter und Grundaufbau beibehält" (Sturm/Zirbik 1996:
143), hat sich im privaten Hörfunk schon längst durchgesetzt. Entscheidend für den
(wirtschaftlichen) Erfolg eines privaten Radiosenders ist in erster Linie eine hohe
Einschaltquote. Und da ein Großteil der Hörer wegen der Musik einschaltet, wird die
,,unterhaltende Alltagsbegleitung" (Overbeck 2005: 211) den informativen, langen
Wortbeiträgen folglich zumeist vorgezogen (vgl. Overbeck ebd.). Was zählt, ist einzig der
Geschmack der anvisierten Zielgruppe, deshalb sendet man ,,vor allem Unterhaltung in Form
von Popmusik, ergänzt durch kurze Informations- und Serviceteile" (Breunig 2001: 464). All
dies ist nachzuvollziehen, handelt es sich bei privaten Hörfunkanbietern doch letztendlich um
(privat-) wirtschaftliche Unternehmen, die ihre Werbezeiten so gewinnbringend als möglich
verkaufen müssen um am umkämpften Radiomarkt überleben zu können. ,,Wenn es
politisch gewollt privaten Hörfunk gibt, der sich selbst trägt, dann muss dieser kommerziell
1 Mit Hilfe von Medien-Nutzer-Typologien werden auf der Basis von soziodemographischen Merkmalen
und/oder Lebensstilen, Publikumssegmente unterschieden
3
arbeiten" (Sturm/Zirbik 1996: 39).
Über 20 Jahre nach Start des ersten privaten Hörfunkanbieters in Deutschland lässt sich
konstatieren: Aller Kritik zum Trotz, belebte der private Hörfunk die deutsche
Radiolandschaft und hat sich mit Erfolg gegen die öffentlich-rechtliche Konkurrenz behauptet
dies bestätigen die Ergebnisse der jüngsten Media-Analyse
(
ma 2009 Radio I)2. Vor allem
landesweite Privatstationen, aber auch die Lokal- und Regionalsender, arbeiten in aller Regel
auch heute noch letztlich gewinnbringend.3 Der nachhaltige Erfolg der privaten Konkurrenz
stellte demnach auch das Programmkonzept der öffentlich-rechtlichen Popsender immer
wieder auf den Prüfstand (vgl. Overbeck 2005: 211).
Die Folge: Formatierte, leicht ,,durchhörbare"4 Programme mit einheitlicher Programmfarbe
und -struktur entwickelten sich im vergangenen Jahrzehnt zunehmend auch im öffentlich-
rechtlichen Hörfunk, allen voran in dessen Popwellen. Der Journalist Dirk Peitz verweist in
diesem Zusammenhang in seinem Artikel ,,Musik nach Schema F" (erschienen am 25.12.
2004 in der Süddeutschen Zeitung) darauf, dass die öffentlich-rechtlichen Mainstream-Wellen
(spätestens) in den neunziger Jahren der Formatradio-Logik gefolgt seien. ,,Gewaltige
Quoteneinbrüche gegenüber den Privaten sorgten dafür."5 Öffentlich-rechtliche Pop-
Programme wie Bayern 3, hr3 oder auch SWR3, haben sich im Laufe der Jahre zu
durchstrukturierten Massenprogrammen entwickelt, für Peitz unterscheiden sie sich
,,mindestens in ihrer Musikauswahl nicht mehr von kommerziellen Anbietern."6 Dem Erfolg
tut dies keinen Abbruch: So ist die öffentlich-rechtliche Popwelle SWR3 aktuell der
meistgehörte Radiosender im gesamten Bundesgebiet (3,82 Mio. Hörer schalten täglich den
Sender aus Baden-Baden bundesweit ein)7, Bayern 3 gehört mit seinen täglich etwa zwei
Millionen Hörern (bundesweit) immerhin zu den erfolgreichsten Programmen in Bayern.8
Gesetzlich festgeschrieben ist der öffentlich-rechtliche Grundversorgungsauftrag. Öffentlich-
rechtlicher Rundfunk soll informieren, bilden und unterhalten, die Programme am
Gemeinwohl orientiert sein (vgl. ARD/ZDF 1997: 42). So heißt es etwa im Bayerischen
Rundfunkgesetz über Errichtung und Aufgaben des BR: ,,Die Sendungen des Bayerischen
2 vgl. http://www.prportal.de/artikel/20080807-096e356b vom 28.05.2009
3http://www.bpb.de/publikationen/01834963029537077244203750654865,1,0,Entwicklung_des_privaten_Rundf
unks.html#art1 vom 05.05.2009
4 Die ,,Durchhörbarkeit" ist ein wichtiges Programmkriterium formatierter Radiosender. Ein Programm gilt als
,,durchhörbar", wenn es keine großen Schwankungen und somit keine Aus- oder Umschaltimpulse aufweist
5 http://www.sueddeutsche.de/kultur/594/408369/text vom 10.04.2009
6 http://www.sueddeutsche.de/kultur/594/408369/text vom 10.04.2009
7 vgl. www.ka-news.de/nachrichten/karlsruhe/Karlsruhe-Radio-Media-Analyse;art6066,160234 vom 28.05.2009
8 vgl. www.presseportal.de/pm/62483/1363528/blm_bayerische_landeszentrale_fuer_neue_medien, 28.05.2009
4
Rundfunks dienen der Bildung, Unterrichtung und Unterhaltung. Sie sollen [...] von
kulturellem Verantwortungsbewusstsein, von Menschlichkeit und Objektivität getragen sein
[...]." Die Tatsache, dass Radio heute in aller Regel ,,nebenbei" genutzt wird und man die
Hörer mit der Musik gewinnt, hat ,,zu einer weitgehenden ,Entwortung` vieler Programme
geführt" (von La Roche 2005: 398). Da heute auch ein Großteil der öffentlich-rechtlichen
Sender formatierte (Tages-) Begleitwellen sind, stellt sich jedoch die Frage, ob der öffentlich-
rechtliche Rundfunk seinem Programmauftrag in all seinen Wellen überhaupt noch
ausreichend gerecht wird bezieht sich der gesellschaftlich-relevante Auftrag doch
schließlich auch auf die Popsender der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Doch wie
steht es dann z.B. um die Information über das wichtigste aller Programmelemente (die
Musik), wenn in formatierten Begleitprogrammen der Wortanteil grundsätzlich doch eher
zurückgefahren als erhöht und ,,zwischen 65 und 85 Prozent der Sendezeit" (Sturm/Zirbik
1996: 201) dem Element ,,Musik" eingeräumt wird. Dieser Frage geht vorliegende
Diplomarbeit nach, in deren Mittelpunkt Fallstudien über drei öffentlich-rechtliche Popsender
stehen, die den Anteil musikjournalistischer Inhalte an deren Gesamtprogramm aufzeigen
sollen. Welchen Stellenwert nimmt die musikjournalistische Berichterstattung in den
öffentlich-rechtlichen Popwellen heute noch ein? Wirkt sich die fortgeschrittene Formatierung
der Programme negativ auf Spartensendungen und ,,Musikspecials" mit journalistisch
aufbereiteter Information über Musik aus? Findet ,,öffentlich-rechtlicher Musikjournalismus"
überhaupt noch in ausreichendem Maße statt?
Zu diesem Zweck erschien es sinnvoll, drei Sender jeweils unterschiedlicher (Pop)-
Ausrichtung zu analysieren: die Mainstream-Popwelle (SWR3), das Pop-Oldie- Programm
(SWR 1) sowie das ARD-Jugendradio (YOUFM). Als Untersuchungsmethode erwiesen sich
leitfadengestützte Experteninterviews mit verantwortlichen Musikredakteuren der jeweiligen
Sender als adäquat. Darüber sah ich es als wichtig an, den Aspekt der Musik als (wichtigstem)
Programmelement sowie der Musikprogrammgestaltung als Teilgebiet musikredaktioneller
Tätigkeit, mit in diese Arbeit einfließen zu lassen - ein in wissenschaftlichen Arbeiten bis
heute kaum behandeltes Themengebiet. Die Planung der Musik für die jeweiligen Formate ist
untrennbar verbunden mit dem musikjournalistischen Teil hängt die geplante bzw. zu
planende Musik doch stark von den Sendungsinhalten, journalistischen Beiträgen und
Moderationen, der Themenwahl oder auch der Art des Gesprächspartners ab und umgekehrt.
All diese Fragestellungen und Perspektiven motivierten und bestärkten mich nachhaltig in der
Umsetzung der Frage nach der ,,musikjournalistischen Präsenz" in den öffentlich-rechtlichen
Popwellen in Form dieser Diplomarbeit.
5
II. HAUPTTEIL
1. Begriffsbestimmung Musikjournalismus
Das Radio nimmt für sehr viele Menschen als tagesbegleitendes Medium einen ganz
besonderen Stellenwert ein. Im Jahr 2007 hörte der Deutsche (ab 14 Jahren) im Durchschnitt
186 Minuten Radio pro Tag (vgl. Schramm 2008: 36). Da die Musik als Programmelement
mit Abstand die meiste Sendezeit in Anspruch nimmt, kommen die Menschen durch das
Massenmedium Radio somit täglich für ca. 130 Minuten in Berührung mit ganz
unterschiedlichen Spielarten von Musik (vgl. Schramm: 37). Seien es die aktuellen Hits der
Airplay-Charts im Programm eines Privatradios, altgediente Rock-Klassiker und Pop-
Evergreens in der favorisierten ,,Oldie-Welle" oder Sinfoniekonzerte in einem der öffentlich-
rechtlichen Kulturprogramme. ,,Zählt man die Nutzung von Musiktonträgern, MP3-Playern,
des Musikfernsehens sowie die Nutzung von Musik an öffentlichen Orten [...] hinzu, kommt
man gar auf vier bis fünf Stunden tägliche Musiknutzung" (Schramm ebd.).
Da Musik für viele Menschen sehr wichtig ist, sind auch die Anforderungen und Erwartungen
an Medienschaffende und Journalisten hinsichtlich der Informationsvermittlung über diesen
,,Lebensbereich" dementsprechend hoch. Die Fachliteratur bleibt eine abschließende und
allgemeingültige Definition der Begrifflichkeit ,,Musikjournalismus" letztlich schuldig,
deshalb sei an dieser Stelle zunächst einer eigenen Annäherung an den Begriff Platz
eingeräumt.
Das Publikum erwartet von den Journalisten Selektion, Information sowie einen umfassenden
und informativen Überblick berechtigterweise, führt man sich den stets fast
unüberschaubaren Markt an Neuveröffentlichungen, Künstlern und Veranstaltungen im
Musikbereich einmal vor Augen. Es möchte informiert werden über die Inhalte der neuesten
Opern, Operetten und Musicals, die aktuellen Entwicklungen im Bereich der klassischen
Musik oder darüber, wie das neue Album des Lieblings-Popstars musikalisch zu bewerten ist.
Diese Aufgaben kommen in unserer Gesellschaft den Musik- und Kulturjournalisten zu. Ihnen
obliegt die Pflicht zur (umfassenden und verständlichen) Wissensvermittlung über die
verschiedenen Bereiche der Musikkultur. Abhängig vom jeweiligen Erscheinungsmedium
6
bzw. ,,Informationskanal" (Internet, Print, Rundfunk) nutzt Musikjournalismus die
medienspezifischen Darstellungsformen und Formate (Bericht, Dossier, Rezension, Umfrage
u.a.) zur Informations- und Wissensvermittlung.
Musikjournalismus - als kulturjournalistisches Teilgebiet - meint demnach die journalistische
Berichterstattung über die Kunstform Musik mit allen ihren Stilen und Genres. Die
Berichterstattung erfolgt dabei mit Hilfe der dem jeweiligen Medium eigenen,
journalistischen Werkzeuge.
Auf der Webseite der Hochschule für Musik und Theater München heißt es in der
Beschreibung der Themenschwerpunkte des Studiengangs ,,Musikjournalismus im öffentlich-
rechtlichen und privaten Rundfunk" weiter:
,,Musik vermitteln bedeutet in unserer Medienwelt vor allem: der Musik ein Forum
verschaffen. Musik vermittelnder Journalismus muss heute alle potenziellen
Publikumsschichten erreichen und gerade durch die neuen Medien, speziell das
Internet, die Kulturnutzer von morgen gewinnen."
Diese erwähnten ,,Publikumsschichten" erreicht der Musikjournalist über eine Vielzahl ganz
unterschiedlicher Medien: lokale und überregionale Tageszeitung, Fachzeitschrift, Online-
Publikation, private und öffentlich-rechtliche Radio- und TV-Sender.
Hohe Anforderungen in der Praxis
Dem Musikjournalisten muss jederzeit klar sein, dass er für Menschen mit ganz
unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen berichtet - unabhängig davon, für welches
Medium das journalistische Produkt erstellt wird. Der Kulturjournalist einer überregionalen
Tageszeitung etwa kann nicht von einschlägigem musikalischem Fachwissen all seiner Leser
ausgehen, der Fachzeitschriften-Redakteur muss sich stets den unterschiedlichen
Wissensstand seiner Rezipienten bzgl. einer bestimmten Thematik vor Augen führen. Die
Herausforderung
bei
der
musikjournalistischen
Berichterstattung
(sowie
im
Kulturjournalismus ganz allgemein) besteht vornehmlich darin, ,,einerseits Fachwissen
allgemein verständlich zu vermitteln, andererseits ein Fachpublikum mit Neuem und
Interessantem anzusprechen" (Overbeck 2005: 15). Darüber hinaus bedarf es neben dem
einschlägigen Fachwissen in bestimmten Bereichen der Musik natürlich noch der
7
Beherrschung journalistischer Kernkompetenzen. Ein guter Musikjournalist ist gleichzeitig
Experte wie ,,stilistischer Allrounder" (Overbeck 2005: 250), elementare musikalische
Kenntnisse gehen Hand in Hand mit medienpraktischer Kompetenz.
1.1 Medienspezifischer Musikjournalismus
Musikjournalismus ist immer auch abhängig von dem Medium, in welchem er auftritt bzw.
stattfindet. Der Beitrag für die Spezialsendung einer öffentlich-rechtlichen Popwelle ist immer
anders aufgebaut bzw. verläuft stets unter anderen Vorzeichen als etwa die
musikjournalistische Berichterstattung für eine Fachpublikation. Das Künstler-Interview im
Programm von Bayern 3 folgt anderen Regeln als das Interview für den Musikexpress, also
für die Fachzeitschrift, ebenso die Rezension für einen TV-Beitrag im Vergleich zur Kritik für
den Kultur-Teil einer überregionalen Tageszeitung. Je nachdem in welchem Medium das
journalistische Produkt erscheint, macht sich der Journalist die zur Übermittlung der
Information nötigen stilistischen Mittel und Werkzeuge zu Nutze.
1.1.1 Musikjournalismus im Print
Neben dem Feuilleton bzw. den musik- und kulturjournalistischen Inhalten in
Tageszeitungen, existiert Print-Musikjournalismus natürlich in Form einschlägiger
Musikfachzeitschriften. Die Redaktionen der Musikmagazine bedienen sich der
unterschiedlichsten
journalistischen
Darstellungsformen
um
über
die
aktuellsten
Plattenveröffentlichungen, interessante Künstler, bedeutende Veranstaltungen oder auch die
neuesten Trends und Entwicklungen in der Musikbranche zu informieren. Dabei weisen vor
allem die Pop- und Rockzeitschriften (wie etwa der ,,Musikexpress" oder der ,,Rolling
Stone") nahezu gleichartige Rubriken und einen inhaltlich ähnlichen Aufbau bzw. eine fast
identische Struktur auf: Von kurzen Musikmeldungen auf den ersten Seiten der Publikation
über fest rubrizierte Bandporträts und Konzertreportagen bis hin zu einem in aller Regel
umfangreichen Rezensionsteil der neuesten Alben im hinteren Teil der Zeitschrift. Overbeck
verdeutlicht, dass stattdessen das Interview als eigenes Format in den Magazinen und
Zeitungen heute nur noch selten vorkommt (vgl. Overbeck 2005: 263). ,,Durch seine
Seltenheit nimmt es aber auch eine exponierte Stellung ein" (Overbeck ebd.). Auch betont er
die herausragenden Möglichkeiten von (Künstler-) Porträts, die ebenfalls eine große
thematische Vielfalt bieten (vgl. Overbeck ebd.). ,,Porträts eignen sich ideal dazu, entweder
8
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