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Die Auswirkungen des Gewürznelkenanbaus auf das Sultanat Sansibar im 19. Jahrhundert

Termpaper, 2006, 27 Pages
Author: Andrea Bou-Said
Subject: African Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 27
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V134610
ISBN (E-book): 978-3-640-41868-8
ISBN (Book): 978-3-640-41884-8

Abstract

Sansibar trägt seit langer Zeit den Beinamen „Gewürzinsel“. Ein Grund hierfür ist im Anbau von Gewürznelken zu finden, die jedoch nicht aus Sansibar stammen. Ursprünglich nur beheimatet auf den Molukken (Indonesien), wurde die Gewürznelke Anfang des 19. Jahrhunderts in das Sultanat Sansibar gebracht und auf den Inseln Sansibar und Pemba angebaut. Aber was machte den Anbau von Gewürznelkenbäumen – sogar im Plantagensystem – so attraktiv? War der Anbau tatsächlich rentabel, und wer profitierte davon? Konnte die Gewürznelke den Hauptexportgütern des Sultanats Sansibar – Elfenbein und Sklaven – gar den Rang ablaufen? Drängte sie den Anbau anderer landwirtschaftlicher Produkte vielleicht zurück? Gab es Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben? Und welche Rolle spielten Sklavenhandel und Sklaverei in diesem Zusammenhang? In dieser Hausarbeit wird diesen Fragen nachgegangen. Sie befasst sich einleitend mit der Geschichte der Etablierung der Gewürznelke auf Sansibar und informiert über den Arbeitsaufwand, den ihre Kultivierung erforderte, und untersucht anschließend im Hauptteil, ob und welche Auswirkungen diese „Neuerwerbung“ im Sultanat Sansibar auf die Bereiche lokale Wirtschaft, Fernhandel und Gesellschaft hatte. In einem abschließenden Kapitel wird eine Zusammenfassung und Interpretation der Untersuchungsergebnisse vorgenommen.


Excerpt (computer-generated)

Humboldt-Universität zu Berlin

Philosophische Fakultät

Institut für Sozialwissenschaften

Sommersemester 2006

PS 53742: Einführung in die Geschichte Afrikas: Sansibar im 19. Jahrhundert

Hausarbeit zum Thema

,,Die Auswirkungen des Gewürznelkenanbaus

auf das Sultanat Sansibar im 19. Jahrhundert"

Andrea Bou-Said

2. Fachsemester

Magisterstudiengang Afrikawissenschaften

1. Nebenfach: Politikwissenschaft

2. Nebenfach: Geschlechterstudien

Berlin, November 2006


1

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Fragestellung und verwendete Forschungsliteratur 1

2. Die

Gewürznelke 4

2.1 Die Einführung der Gewürznelke im Sultanat Sansibar 4

2.2 Anforderungen an die Kultivierung der Gewürznelke 8

3. Die Auswirkungen des Gewürznelkenanbaus in den Bereichen: 9

3.1 Lokale Wirtschaft 9

3.2 Fernhandel 11

3.3 Gesellschaft 14

4. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse 21

5. Bibliographie 24

6. Anhang: Übersicht über die Herrscher im Sultanat Sansibar im 19. Jahrhundert.. 25

1. Einleitung: Fragestellung und verwendete Forschungsliteratur

Sansibar trägt seit langer Zeit den Beinamen ,,Gewürzinsel". Ein Grund hierfür ist im

Anbau von Gewürznelken zu finden, die jedoch nicht aus Sansibar stammen. Ursprüng-

lich nur beheimatet auf den Molukken (Indonesien), wurde die Gewürznelke Anfang

des 19. Jahrhunderts in das Sultanat Sansibar

1

gebracht. Geografisch wird die Fragestel-

lung der Hausarbeit auf die Inseln Sansibar und Pemba eingeschränkt, da nur dort der

Gewürznelkenanbau im großen Stil erfolgte.

Aber was machte den Anbau von Gewürznelkenbäumen­ sogar im Plantagensystem ­

so attraktiv? War der Anbau tatsächlich rentabel, und wer profitierte davon? Konnte die

Gewürznelke den Hauptexportgütern des Sultanat Sansibar ­ Elfenbein und Sklaven ­

gar den Rang ablaufen? Drängte sie den Anbau anderer landwirtschaftlicher Produkte

vielleicht zurück? Gab es Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben? Und welche

Rolle spielten Sklavenhandel und Sklaverei in diesem Zusammenhang?

1 Sultan Seyyid Said machte 1832 Sansibar zu seiner Hauptstadt (Ingram 1967, S. 162).


2

In dieser Hausarbeit wird diesen Fragen nachgegangen. Sie befasst sich einleitend mit

der Geschichte der Etablierung der Gewürznelke auf Sansibar und informiert über den

Arbeitsaufwand, den ihre Kultivierung erforderte, und untersucht anschließend im

Hauptteil, ob und welche Auswirkungen diese ,,Neuerwerbung" im Sultanat Sansibar

auf die Bereiche lokale Wirtschaft, Fernhandel und Gesellschaft hatte. In einem ab-

schließenden Kapitel wird eine Zusammenfassung und Interpretation der Untersu-

chungsergebnisse vorgenommen.

Verwendete Forschungsliteratur

Grundlage der Hausarbeit ist einerseits Fachliteratur über die Gewürznelke selbst, um

zu untersuchen, welche Anforderungen sie an ihre Kultivierung stellt, da dies z. B.

Auswirkungen auf den Arbeitskräftebedarf hat. Herangezogen wurden dazu die Ausfüh-

rungen von Carl Ettling, Pflanzungsdirektor a.D., über die wichtigsten tropischen Ge-

würzpflanzen aus dem Jahre 1930 sowie das 1949 publizierte Buch ,,The Clove Tree"

von G. E. Tidbury, einem Landwirtschaftsbeamten des

Zanzibar Protectorate

. Während

Ettling über die Aufzucht und Pflege des Gewürznelkenbaums schreibt, geht Tidbury in

seinem Buch, in dem er u. a. Daten aus Jahresberichten und Quartalsbulletins des

Zan-

zibar Department of Agriculture

verarbeitete (Tidbury 1949, S. x), auch auf andere As-

pekte, die der Gewürznelkenanbau mit sich brachte, sowie auf die Einführung der Ge-

würznelke auf Sansibar ein.

Um die Auswirkungen des Gewürznelkenanbaus auf die verschiedenen, o. a. Bereiche

in dem von Omani-Arabern errichteten Sultanat Sansibar im 19. Jahrhundert feststellen

und bewerten zu können, wird andererseits Literatur verwendet, die sich zum einen e-

benfalls mit der Einführung der Gewürznelke auf Sansibar und damit einhergehenden

wirtschaftlichen Aspekten und dem Landbesitz befasst, zum anderen aber auch mit den

Gewürznelkenplantagen besitzenden Omani-Arabern, dem Sklavenhandel und der Skla-

verei, da die Gewürznelkenproduktion auf Sklavenarbeit basierte und somit auch von

den britischen Bestrebungen zur Abschaffung von Sklavenhandel und Sklaverei im

19. Jahrhunderts betroffen war. Die dafür verwendete Literatur, ihre Autoren und deren

Positionierung in der Debatte zur Geschichte Ostafrikas werden kurz vorgestellt:


3

Frederick Cooper ist

Assistant Professor of History

an der Harvard Universität. In sei-

nem Buch ,,From Slaves to Squatters" untersucht er die Beziehungen zwischen Land-

lord-Arabs", ,,Muslim-Africans" und ,,Ex-Slaves" und stellt die Auswirkungen auf die

Landwirtschaft dar. Dafür verwendet er detailliertes Archivmaterial in England.2

Steven Feierman ist Experte für Geschichte über Gesundheit und Heilen in Afrika und

lehrt als Geschichtsprofessor an der Universität von Pennsylvania.3

Der Autor W. H. Ingram verbrachte die Zeit von 1919 bis 1927 auf Sansibar und gab

an, nahezu alle in dem Buch verarbeiteten Informationen in dieser Zeit von den Ein-

wohnern selbst erhalten zu haben. Sein Buch ,,Zanzibar. Its History and Its People"

wurde mit Hilfe der Regierung von Sansibar und Genehmigung des

Colonial Office

veröffentlicht.4

Juhani Koponen gehört dem Institute of Development Studies an der Universität Hel-

sinki an. In seinem Buch untersucht er das Wirken tansanischer Gesellschaften und den

materiellen Wohlstand, den sie in der späten vorkolonialen Periode hervorbrachten, wo-

bei er auf die dramatischsten Veränderungen eingeht. Seine Studien wurden durch die

Akademie von Finnland, das Institute of Development Studies an der Universität Hel-

sinki und vom Skandinavischen Institut für Afrikastudien (SIAS) finanziell unterstützt.5

Das Buch ,,A Short History of Africa" von R. Oliver und J. D. Fage ­ beide Professoren

für afrikanische Geschichte und Gründer des

Journal of African History

­ will dem Le-

ser einen generellen Überblick über afrikanische Geschichte ­ von den frühesten Zeiten

bis zur Schaffung der

Organization of African Unity

(OAU) ­ geben 6

Randall L. Pouwels, Department of History der University of Central Arkansas, zeigt in

seinem 1987 publizierten Buch ­ einer ersten größeren Studie der Ausbreitung des Is-

2 Cooper 1988, Einband.

3 Quelle: http://ccat.sas.upenn.edu/hss2/hss/faculty/fc_feierman.shtml#CV (Zugriff: 03.05.06).

4 Ingram 1967, S. 6-8.

5 Koponen 1988, Einband.

6 Oliver/Fage 1972, Einband.


4

lam unter den Swahili ­ u. a. den Einfluss des Islam auf die verschiedensten Bereiche

der Gesellschaft auf.7

Das ,,Handbuch Afrika. Band 3: Nord- und Ostafrika" von W. Schicho, der seit 2000

eine Professur für afrikanische Geschichte am Institut für Afrikanistik der Universität

Wien innehat und sich auch zu Forschungen in Tansania aufhielt, will Hintergrundin-

formationen u.a. über Geschichte afrikanischer Staaten geben und zeigen, welche Insti-

tutionen, Personen und Vorstellungen im Wechselspiel der Kräfte die Realität Afrikas

prägen. Das Handbuch wurde aus öffentlichen Mitteln, u.a. der österreichischen Ent-

wicklungszusammenarbeit, gefördert.8

Abdul Sheriff, Geschichtsprofessor an der Universität von Daressalam, hatte für sein

Buch ,,Slaves, Spices & Ivory in Zanzibar. Integration of an East African Commercial

Empire into the World Economy, 1770-1873" bereits 1960 in den USA, Frankreich und

Indien sowie hauptsächlich in London Studien durchgeführt. Die Veröffentlichung er-

folgte jedoch erst 1987, nach zahlreichen Überarbeitungen, die er für notwendig befand,

nachdem er an der Universität von Daressalam in eine neue philosophischen Debatte

über die Natur afrikanischer Geschichte geriet und sich über einen längeren Zeitraum

damit auseinander gesetzt hatte.9

2. Die Gewürznelke

2.1 Die Einführung der Gewürznelke im Sultanat Sansibar

Die Molukken sind die Heimat des Gewürznelkenbaums (Ettling 1930, S. 28; Tidbury

1949, S. 1). Die Franzosen brachten die Gewürznelke im 18. Jahrhundert10 auf die

Maskarenen-Inseln (bestehend aus Réunion, Mauritius und Rodriguez sowie Nebenin-

seln) sowie später nach Dominica, Martinique, Bourbon, Madagaskar und die Seychel-

len (Tidbury 1949, S. 4).

7 Quelle: http://www.cambridge.org/catalogue/catalogue.asp?isbn=0521523095 (Zugriff: 21.09.05).

8 Schicho 2004, Einband.

9 Sheriff 1987, Einband und S. ix-xi.

10 Feierman präzisiert den Zeitraum um 1770 (Feierman 1995, S. 361).


5

Die Angaben darüber, wann der Gewürznelkenbaum auf Sansibar heimisch wurde und

wer für die Ausbreitung der Gewürznelkenplantagen die Grundlagen legte, sind unter-

schiedlich und werden von den Autoren auch unterschiedlich bewertet.

Schicho (Schicho 2004, S. 320) reduziert die Einführung der Gewürznelke auf die Fest-

stellung, dass sich arabische Kolonisatoren große Teile des fruchtbaren Bodens sicher-

ten und Nelkenbäume anpflanzen ließen, als Sansibar unter Sultan Seyyid Said zum Sitz

der omanischen Herrscher wurde.

Etwas ausführlicher gibt Koponen (Koponen 1988, S. 65) an, dass die Gewürznelke in

den 1810er Jahren durch einen omanischen Sklavenhändler und Dolmetscher zu dem

Gouverneur mit dem Namen Saleh bin Haramil Al-Abray gekommen sei. Was dann bis

1828 geschah, als Sultan Said seine regelmäßigen Besuche auf Sansibar begann, sei

nicht bekannt. Die Ausweitung der Plantagen scheint erst begonnen zu haben, als der

Sultan die Plantagen von Saleh konfiszierte, wobei unbekannt sei, was genau er unter-

nommen habe, um zum Gewürznelkenanbau zu ermutigen., aber sein großes privates

Interesse daran sei unzweifelhaft gewesen. Oliver/Fage (Oliver/Fage 1972, S. 174)

schreiben diesbezüglich über Sultan Seyyid Said: ,,[...] he started a plantation industry

in cloves, introduced all the way from the Molucca, with such success that by the end of

his reign Zanzibar was producing three-quarters of the world′s supply".

Laut Feierman (Feierman 1995, S. 361) ist die Gewürznelke in den ersten Dekaden des

19. Jahrhunderts möglicherweise von einem französischsprechenden Araber nach San-

sibar gebracht worden. Oliver/Mathew (Oliver/Mathew 1963, S. 216-217) geben an,

dass die Gewürznelke etwa um 1818 von einem Salih bin Haramil Abri in Sansibar ein-

geführt wurde. Sie schreiben dem Sultan zu, dieser habe schnell begriffen, dass das tro-

pische Sansibar wirtschaftliche Ernten produzieren könne:

,,[...]With extraordinary intuition Said ibn Sultan quickly grasped the potentialities

of cloves as an economic asset for Zanzibar and by his personal example and in

many other ways did everything in his power to encourage their cultivation in his

African islands."



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