Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Der Sammler bei Susan Sontag close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Der Sammler bei Susan Sontag

Subtitle: The Volcano Lover: Sir William Hamilton

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2009, 26 Pages
Author: Nerea Vöing
Subject: German Studies - Comparative Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2009
Pages: 26
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V134657
ISBN (E-book): 978-3-640-42686-7
ISBN (Book): 978-3-640-42464-1

Abstract

Betrachtet man den Forschungsstand zum Thema ‚Sammeln’, so stößt man auf eine Fülle von Publikationen. Die Autoren dieser Texte versuchen, oftmals anhand bedeutender Sammler oder aber anhand literarischer Beispiele, zu ergründen, wie sich eine Sammlung definieren lässt, was die Passion ‚Sammeln’ ausmacht und wie ein Mensch zum ‚Sammler’ wird. Eine Sammlung ist „Grund, Subjekt einer Leidenschaft“ schreibt Jean Baudrillard in seinem Buch Le Système des objets 1968 , einen Lexikonartikel zitierend. Obgleich diese Definition sehr stichpunktartig ist, finden sich in ihr die belangreichen Aspekte der Thematik. Aspekte, die Baudrillard in seinem Buch unter der Überschrift „Die Sammlung“ beschäftigten und um die es auch in dieser Arbeit gehen soll. [...] In ihrem 1992 erschienenen dritten Roman The Volcano Lover. A Romance widmet sich Susan Sontag dem Sammel-Sujet. Ausgehend von der historischen Figur des schottischen Adligen Sir William Hamilton (1730-1803) entspinnt sie ein komplexes Bild des Sammlers als spezifischem Typus ‚Mensch’ und dessen diversen Leidenschaften. [...]


Excerpt (computer-generated)

Der Sammler bei Susan Sontag

-

The Volcano Lover

: Sir William

Hamilton

von

Nerea Vöing

2. Semester


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Susan Sontag: The Volcano Lover. A Romance 5

3. Die Figur des Sammlers: Sir William Hamilton 7

Funktionen des Sammelns 7

Die Sammlung des Sir William Hamilton 8

Die Identität des Sammlers 11

Entwicklung der Sammlung bei Sir William Hamilton 12

3.1 Sammeln als Leidenschaft 14

Leidenschaft 14

Zärtlichkeit 15

Treibende Eifersucht 15

3.2. Sammeln als Kontrolle 16

Der Sammler als ,konservativer′ Mensch 16

Der Mensch als kategorisierbares Objekt 17

Ansammeln gegen eine unkontrollierbare Welt 19

3.3 Sammeln als Wissenschaft 21

4. Fazit 22

8. Literaturverzeichnis 24

8.1 Primärliteratur 24

8.2 Sekundärliteratur 24

2


Eindeutige und vollständige Klassifizierung der Spezies Sammler

Der

Jäger

wandert, erspäht und jagt wie einst

Der

Hüter

besitzt

Der

Retter

kämpft gegen den Tod

Der

Forscher

erschließt sich die Welt durch die Sammlung

Der

Ordner

arbeitet gegen die Zerstreuung der Welt, er schafft sich seine eigene1

1. Einleitung

Betrachtet man den Forschungsstand zum Thema ,Sammeln′, so stößt man auf eine Fülle von

Publikationen. Die Autoren dieser Texte versuchen, oftmals anhand bedeutender Sammler

oder aber anhand literarischer Beispiele, zu ergründen, wie sich eine Sammlung definieren

lässt, was die Passion ,Sammeln′ ausmacht und wie ein Mensch zum ,Sammler′ wird.

Eine Sammlung ist ,,Grund, Subjekt einer Leidenschaft" schreibt Jean Baudrillard in seinem

Buch

Le Système des objets

19682, einen Lexikonartikel zitierend. Obgleich diese Definition

sehr stichpunktartig ist, finden sich in ihr die belangreichen Aspekte der Thematik. Aspekte,

die Baudrillard in seinem Buch unter der Überschrift ,,Die Sammlung" beschäftigten und um

die es auch in dieser Arbeit gehen soll. Der kurze Halbsatz aus dem Lexikon nennt den

Grund, das Subjekt und die Leidenschaft. Der Besitzer der Sammlung ­ wobei Besitzer nicht

weit genug greift, denn er ist auch der Zusammentragende und Bewahrende ­ ist ein Mensch

mit einer Leidenschaft (seiner Sammlung), die sowohl Subjekt als auch Grund derselbigen ist.

Baudrillard fügt die Begriffe ,,System" und ,,Objekt" hinzu.3 Eine Sammlung besteht aus

Objekten, die von dem Sammler in das System seiner Sammlung eingereiht werden. Soweit

ein kurzer Blick in die Theorie, die natürlich weit über den definitorischen Moment hinaus-

und in eine Vielzahl von Wissenschaften hineinreicht. Neben einer Fülle von Publikationen,

die das Thema ,,Sammeln" historiographisch behandeln und den Weg von Kunst- und

Wunderkammern über Kuriositätenkabinette bis hin zum neuzeitlichen Museum aufzeigen, ist

in den letzten Jahren interessante Literatur aus anderen Fachbereichen der

Geisteswissenschaft erschienen. So versucht Manfred Sommer ,Sammeln′ philosophisch zu

definieren4 und Werner Muensterberger erörtert die psychologischen Perspektiven des

Sammelns.5

1 Henrich Förster (Hg.):

Sammler & Sammlung oder das Herz in der Schachtel

.

Ein Brevier nicht nur für
Sammler.

Köln: Salon-Verlag 1998, S. 1-11.

2 Jean Baudrillard:

Das System der Dinge: über unser Verhältnis zu den alltäglichen Gegenständen

.

Frankfurt/Main: Campus Verlag 1991 [1968], S. 110. Im Folgenden wird nach dieser Ausgabe im laufenden

Text mit der Sigle B und der entsprechenden Seitenzahl zitiert.

3 Hierbei beziehe ich mich auf den Titel seines Buches.

4 Vgl. Manfred Sommer:

Sammeln. Ein philosophischer Versuch.

Frankfurt/Main: Suhrkamp 1999.

5 Werner Muensterberger:

Sammeln. Eine unbändige Leidenschaft. Psychologische Perspektiven.

Berlin: Berlin

Verlag 1995.

3


In ihrem 1992 erschienenen dritten Roman

The Volcano Lover. A Romance

widmet sich

Susan Sontag dem Sammel-Sujet. Ausgehend von der historischen Figur des schottischen

Adligen Sir William Hamilton (1730-1803) entspinnt sie ein komplexes Bild des Sammlers

als spezifischem Typus ,Mensch′ und dessen diversen Leidenschaften. Sir William Hamilton

war 37 Jahre als englischer Botschafter am Königshof in Neapel tätig, wo er sich neben

seinen diplomatischen Aufgaben der Archäologie, der Vulkanologie und seiner

Sammelleidenschaft widmete. Die Objekte seiner Sammlungen waren u.a. Gemälde,

Zeichnungen, Gemmen, Vasen, Skulpturen und Kleinbronzen.6 Neben seiner Kunstsammlung

mit dem Schwerpunkt auf die etruskischen, griechischen und römischen Antike galt seine

Leidenschaft der Erforschung des Vesuvs, von dem er eine umfangreiche Kollektion

geologischer Fundstücke zusammentrug und zahlreiche Gemälde und Stiche anfertigen ließ.7

Eingehend beobachtete Hamilton die vulkanischen Aktivitäten und berichtete von ihnen vor

der

Royal Society

in London.

Hamilton war zu seiner Zeit ein angesehener Kunstsammler und Wissenschaftler. Sein

neapolitanischer Wohnsitz

Palazzo Sessa

wurde regelmäßig von europäischen Diplomaten

und Bildungsreisenden (u.a. Goethe, Tischbein, Mozart) frequentiert, die sich das

,,Etruskische Cabinet" Hamiltons anschauen wollten.8 Den größten Teil seiner umfangreichen

Sammlung verkaufte er sukzessive an das

British Museum

, um seinen Lebensstil zu

finanzieren und auch um sich neue Objekte leisten zu können.

Hamiltons hohe Reputation sank, als er nach dem Tod seiner ersten Frau Catherine eine

Affäre mit der aus einfachen Verhältnissen stammenden Emma Lyon anfing, die er

schließlich 1791 heiratete. Der Skandal um Sir Hamilton und Lady Emma weitete sich aus,

als Emma ein Verhältnis mit dem englischen Admiral Horatio Nelson begann, das von

Hamilton geduldet wurde. Lady Emma wurde in der Folgezeit aufgrund ihrer Schönheit und

ihrer skandalösen Dreiecksbeziehung zu einer Berühmtheit in Europa. Bekannt war sie in

erster Linie für die Aufführung sogenannter

Tableaux vivants

, lebender Bilder, in denen sie

Frauen der antiken Mythologie darstellte. In dem Maße, in dem Lady Emmas Popularität

stieg, sank Hamiltons wissenschaftliche Reputation und er wurde schließlich 1800 von seinem

Botschafterposten abberufen. Hamilton, Lady Emma und Lord Nelson bezogen gemeinsam

ein Haus in der Nähe von London, was den skandalösen Moment der Dreiecksbeziehung

6 Vgl. Sebastian Schütze: ,,Collection of Etruscan, Greek and Roman Antiquities from the Cabinet of the Hon.

W. Hamilton." In: Hugues D′Hancarville, Pierre-Françoise:

The Complete Collection of Antiquities from the
Cabinet of Sir William Hamilton.

Hg. v. Petra Lamers-Schütze. Köln [u.a.]: Taschen 2004, S. 6-33, S. 11.

7 Vgl. Schütze (2004): Collection of Etruscan, Greek and Roman Antiquities, S. 10-11.

8 Vgl. Schütze (2004): Collection of Etruscan, Greek and Roman Antiquities, S. 10-13.

4


intensivierte, und in seinen letzten Lebensjahren war Hamilton in erster Linie Stoff für

satirische Karikaturen.

In Sontags Roman über den ,,Liebhaber des Vulkans" spielt zum einen Hamiltons

Sammelleidenschaft eine große Rolle, zum anderen kommt der Person der Lady Hamilton

viel Bedeutung zu. In dieser Arbeit soll es darum gehen, die Figur des William Hamilton

unter dem Aspekt des Sammelns genauer zu betrachten. Beginnen möchte ich mit einem

kurzen Einblick in den Roman. Im Anschluss komme ich zu der Kernthematik der Hausarbeit,

der Figur des Sammlers am Beispiel William Hamiltons. Es scheint mir angemessen, die von

Sontag dargestellte Sammeltätigkeit ihrer Funktion folgend in drei Aspekte zu gliedern:

Sammeln als Leidenschaft, als Kontrolle und als Wissenschaft. Alle drei Aspekte spielen bei

Hamilton zwar eine Rolle, jedoch mit einer spezifischen Gewichtung, wie ich am Ende der

Arbeit aufzeigen möchte.

2. Susan Sontag: The Volcano Lover. A Romance

Nach

The Benefactor

(1963) und

Death Kit

(1967) erschien mit

The Volcano Lover

1992

Susan Sontags dritter Roman. Für die meisten Kritiker und auch Leser war die Tatsache, dass

Sontag mit

The Volcano Lover

einen historischen Roman geschrieben hatte, überraschend, da

sie sich in ihren früheren Essays über die Literatur gegen die Dominanz des Realismus und

für eine experimentellere literarische Form ausgesprochen hatte.9 Dennoch erhielt der Roman

bessere Rezensionen als Sontags sonstige fiktionale Texte. Obwohl

The Volcano Lover

ein

historischer Roman ist, wird der Sprachstil stark durch essayistische Einschübe geprägt, die

wiederum den Bogen zu Sontags restlichen Werken schlagen.

The Volcano Lover

ist eher eine

Ansammlung von Plädoyers und Betrachtungen als ein aus stringent entwickelter Handlung

bestehender Roman. Ulrike Schnitzer schreibt in einem Essay über den Roman:

Man hat den Eindruck, sie hatte einen Essay über das Sammeln in der Schublade und nun endlich

Gelegenheit, ihre Gedanken zu verwerten. Es kommt zu einer ­ zugegebenermaßen ­ stimmigen

Verflechtung von Roman und Essayistischem.10

Susan Sontag selbst hat in mehreren Interviews geäußert, der Roman sei das beste Buch, das

sie je geschrieben habe.11 Zwar sei sie sehr um Authentizität bemüht gewesen, dennoch wollte

sie keinen ,,you are there"-Historienroman12 schreiben, sondern die Geschichte aus einer

9 Vgl. Evelyn Toynton: ,,The Critis as Novelist. The Volcano Lover, by Susan Sontag (Book Review)." In:

Commentary

, 94:4, 11/1992, S. 62-64, S. 62 und Carl E. Rollyson:

Reading Susan Sontag, a critical introduction
to her work

. Chicago: Dee 2001, S. 156.

10 Ulrike Schnitzer: ,,Jemand, der sich für alles interessiert. Die politische Denkerin, Kunsttheoretikerin und

Schriftstellerin Susan Sontag." In: Nöstlinger, Elisabeth u. Ulrike Schnitzer (Hg.):

Susan Sontag Intellektuelle
aus Leidenschaft. Eine Einführung

. Wien: Mandelbaum Verlag 2007, S. 9-45, S. 42.

11 Vgl. Rollyson (2001):

Reading Susan Sontag

, S. 160.

12 Rollyson (2001):

Reading Susan Sontag

, S. 162.

5


zeitgenössischen Distanz betrachten. Den Untertitel ,,

A Romance

" hat sie eigenen Angaben

folgend gewählt, um mit einer nicht-fiktionalen historischen Vorlage in gewisser Weise frei

und fiktional umgehen zu können:

[..I]n order to find the courage to write this book, it helped me to find a label that allowed me to go

over the top The word ,,romance" was like a smile. [...] Yet you don′t want to be writing

about

ficition, but making fiction. So I sprang myself from fictional self-consciousness by saying, It′s a

novel--it′s more than a novel--it′s a romance!13

Die Idee, einen Roman über William Hamilton zu schreiben, ist Sontag in einem Londoner

Buchladen gekommen, in dem sie Drucke von Stichen des Vesuvs entdeckte, die Hamilton

seinerzeit in Auftrag gegeben hatte. Die Kunst- und Sammelleidenschaft von Hamilton und

die leidenschaftliche Art der Lady Emma hat sie schließlich so fasziniert, dass sie sich

entschied,

The Volcano Lover

zu schreiben.14 Darüber hinaus war es das Bild des Vulkans,

welches Sontag reizte. Aus diesen eigenen Affinitäten erklärt sich die Fokussierung des

Romans auf die Figur des William Hamilton und seine drei Leidenschaften ­ der Sammlung,

der Vulkan und Lady Emma.

Der Roman gliedert sich in fünf Teile. Er beginnt mit einem Prolog, in dem zuerst die

Gedanken einer weiblichen Ich-Erzählerin während eines Flohmarktbesuchs in Manhattan

1992 beschrieben werden, um dann mit einem Zeitsprung in das Jahr 1772 den Protagonisten

des Romans William Hamilton einzuführen.15 Die Ich-Erzählerin überlegt während ihres

Rundgangs auf dem Flohmarkt, ob sie ihrem Hang zu kaufen und zu sammeln nachgeben soll

und wenn ja, aus welchem Grund.

,,Why enter? Have you that much spare time? You′ll look. You′ll stay. You′ll lose track of the

time. You think you have enough time. It always takes more time than you think. Then you′ll be

late. You′ll be annoyed with yourself. You′ll want to stay. You′ll be tempted."16

Dem gegenwärtigen Wunsch der Erzählerin, hinter der sich möglicherweise Susan Sontags

eigenes ,Sammlerego′ versteckt, wird ein anderer Raum in einer anderen Zeit mit einer

ähnlichen Thematik gegenübergestellt. Der Cavaliere befindet sich mit seinem Neffen (der

ebenfalls historischen Figur Charles Greville) auf einer Gemäldeauktion in London und sie

diskutieren über die Bedeutung, Kunst zu kaufen und zu besitzen (S 11-12). Im Anschluss an

diese beiden Szenen schließt der Prolog mit einer Darstellung des Vesuvs aus der Sicht eines

unbekannten Ich-Erzählers.

13 Sontag zitiert nach: Rollyson (2001):

Reading Susan Sontag

, S. 162.

14 Vgl. Rollyson (2001):

Reading Susan Sontag

, S. 160.

15 William Hamilton wird während des gesamten Romans als ,,Cavaliere" bezeichnet. Sontag vermeidet dadurch,

seinen historischen Namen zu verwenden. Bei den weiteren Protagonisten verfährt sie ähnlich.

16 Vgl. Susan Sontag:

The Volcano Lover, A Romance

. New York: Farrar Straus Giroux 1992, S. 3. Im

Folgenden wird nach dieser Ausgabe im laufenden Text mit der Sigle S und der entsprechenden Seitenzahl

zitiert.

6



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/134657/der-sammler-bei-susan-sontag
please wait Please wait