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David Humes Kompatibilismus im Lichte der modernen Hirnforschung close

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David Humes Kompatibilismus im Lichte der modernen Hirnforschung

Termpaper, 2009, 15 Pages
Author: Bernd Harder
Subject: Philosophy - Early Modern Philosophy (approx. 1350 - 1600)

Details

Category: Termpaper
Year: 2009
Pages: 15
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V134818
ISBN (E-book): 978-3-640-42727-7
ISBN (Book): 978-3-640-42362-0
Notes :
"Eine bemerkenswerte Arbeit in ihrer sprachlichen und inhaltlichen Klarheit."


Abstract

Ein grundlegendes Problem der Philosophie war und ist die Frage nach der Willensfreiheit des Menschen und damit eng verbunden nach der moralischen Verantwortlichkeit für sein Handeln. Intuitiv gehen wir davon aus, dass wir über einen freien Willen verfügen, der uns dazu befähigt, frei zu entscheiden und zu handeln. Dieses Bewusstsein des freien Willens steht nun aber in krassem Widerspruch zu unserem allgemeinen Verständnis von der Natur und unserer Umwelt. Die materielle Welt scheint nach gewissen Gesetzmäßigkeiten, wie Ursache und Wirkung, zu funktionieren, welche zudem fortwährend Bestand haben- die Abläufe in der Natur sind offenbar determiniert. Diese Diskrepanz zwischen Natur- und Selbstverständnis des Menschen wurde in der westlichen Welt bis zur Aufklärung, aufgrund des allgegenwärtigen christlichen Weltbildes, in welchem die menschliche Seele als Teil einer geistigen Welt und somit als losgelöst vom irdischen Leib angesehen wird, nicht weiter hinterfragt. Dem Menschen wurde zudem eine gottgegebene Willensfreiheit zugesprochen, sich zwischen Gut und Böse, für oder wider Gott entscheiden zu können. Der Empirist David Hume schließlich war es, der während der schottischen Aufklärung, in Folge der revolutionären Erkenntnisse Newtons über universale physikalische Prinzipien, das christliche Weltbild des Dualismus ablegte und eine Theorie entwickelte, welche den Menschen und dessen Geist als Teil der Natur begreift und aufgrund dessen die Handlungen des Menschen geradeso wie Ereignisse in der Natur auf zuvor verortete Ursachen zurückführt. Später wurde dieses Konzept, das mit einem eingeschränkten Freiheitsbegriff einhergeht, als weicher Determinismus oder aber Kompatibilismus bezeichnet. 250 Jahre nach Humes Überlegungen wurden nun erstaunliche Beobachtungen durch moderne Hirn- und Verhaltensforschung gemacht, die Interpretationen zulassen, welche starke Zweifel an der Willensfreiheit, an Verantwortlichkeit und Schuldfähigkeit des Menschen mit sich bringen. Die möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Erkenntnisse über das menschliche Wesen ließen die breite Öffentlichkeit aufgrund entsprechender Publikationen hellhörig werden, machen vor allem aber einen nüchternen, interdisziplinären Austausch, gerade zwischen Philosophie und Neurobiologie, unverzichtbar.


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Philosophisches Seminar

Proseminar: David Humes Moralphilosophie

Wintersemester 2008/2009


David Humes Kompatibilismus
im Lichte der modernen Hirnforschung

30.03.2009

Bernd Harder

Studiengang: Bachelor of Arts

Beifach:

Wirtschaftswissenschaften


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

1. Einleitung 3

2. David Humes Kompatibilismus 4

2.1 Grundlegendes 4

2.2 Kausalität bzw. Notwendigkeit 4

2.3 Freiheit und Determinismus 5

2.4 Moralische Verantwortlichkeit 7

3. Die moderne Hirnforschung 8

3.1 Einführendes 8

3.2 Forschungsergebnisse 8

3.3 Schlussfolgerungen 9

4. Abschließende Diskussion 11

4.1 Zusammenfassung und Einschätzung 11

4.2 Fazit und Ausblick 12

5. Literaturverzeichnis 14

David Hume 14

Hirnforschung 14

Sonstiges 14

2


1. Einleitung

Ein grundlegendes Problem der Philosophie war und ist die Frage nach der Willensfreiheit des

Menschen und damit eng verbunden nach der moralischen Verantwortlichkeit für sein

Handeln. Intuitiv gehen wir davon aus, dass wir über einen freien Willen verfügen, der uns

dazu befähigt, frei zu entscheiden und zu handeln. Dieses Bewusstsein des freien Willens

steht nun aber in krassem Widerspruch zu unserem allgemeinen Verständnis von der Natur

und unserer Umwelt. Die materielle Welt scheint nach gewissen Gesetzmäßigkeiten, wie

Ursache und Wirkung, zu funktionieren, welche zudem fortwährend Bestand haben- die

Abläufe in der Natur sind offenbar determiniert. Diese Diskrepanz zwischen Natur- und

Selbstverständnis des Menschen wurde in der westlichen Welt bis zur Aufklärung, aufgrund

des allgegenwärtigen christlichen Weltbildes, in welchem die menschliche Seele als Teil einer

geistigen Welt und somit als losgelöst vom irdischen Leib angesehen wird, nicht weiter

hinterfragt. Dem Menschen wurde zudem eine gottgegebene Willensfreiheit zugesprochen,

sich zwischen Gut und Böse, für oder wider Gott entscheiden zu können.

Der Empirist David Hume schließlich war es, der während der schottischen

Aufklärung, in Folge der revolutionären Erkenntnisse Newtons über universale physikalische

Prinzipien, das christliche Weltbild des Dualismus ablegte und eine Theorie entwickelte,

welche den Menschen und dessen Geist als Teil der Natur begreift und aufgrund dessen die

Handlungen des Menschen geradeso wie Ereignisse in der Natur auf zuvor verortete Ursachen

zurückführt. Später wurde dieses Konzept, das mit einem eingeschränkten Freiheitsbegriff

einhergeht, als weicher Determinismus oder aber Kompatibilismus bezeichnet.

250 Jahre nach Humes Überlegungen wurden nun erstaunliche Beobachtungen durch

moderne Hirn- und Verhaltensforschung gemacht, die Interpretationen zulassen, welche

starke Zweifel an der Willensfreiheit, an Verantwortlichkeit und Schuldfähigkeit des

Menschen mit sich bringen. Die möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen dieser

Erkenntnisse über das menschliche Wesen ließen die breite Öffentlichkeit aufgrund

entsprechender Publikationen hellhörig werden, machen vor allem aber einen nüchternen,

interdisziplinären Austausch, gerade zwischen Philosophie und Neurobiologie, unverzichtbar.

Zu überprüfen, inwiefern sich die philosophischen Gedanken des David Hume in den

Forschungsergebnissen der modernen Hirnforschung widerspiegeln und gleichzeitig

aufzuzeigen, wie uns ein Rückgriff auf den Hume´schen Kompatibilismus in der heutigen

Diskussion weiterbringen kann, soll Aufgabe dieser Arbeit sein.

3


2. David Humes Kompatibilismus

2.1 Grundlegendes

Zentrales Element der Philosophie Humes ist die Unterteilung der Bewusstseinsinhalte,

welche er als Perzeptionen (perceptions) bezeichnet, zu verstehen als ,,das Erfaßte"1, in

Eindrücke (impressions) und Vorstellungen (ideas). Als Empirist geht Hume davon aus, dass

der Mensch, bevor er einen ersten Gedanken fassen kann, zunächst Eindrücke wahrnehmen

muss. Hierbei handelt es sich um äußere Wahrnehmungen sämtlicher menschlicher Sinne,

aber auch um innere Wahrnehmungen, den Gefühlen. Basierend auf diesen Eindrücken ist der

menschliche Geist dank seiner Fähigkeiten der Einbildungskraft (imagination), sowie der

Erinnerung (memory) in der Lage schwächere Abbilder dieser Eindrücke zu entwickeln: die

Vorstellungen (ideas). Aus seiner Vernunft heraus allein kann der Mensch jedoch keine

Vorstellungen entwickeln, vielmehr sind diese ausnahmslos auf Eindrücke zurückzuführen.2

Ausgehend von diesem seinerzeit völlig neuen Verständnis des menschlichen Geistes

als Teil des Körpers, auf dessen Funktionen (Sinneswahrnehmungen) er angewiesen ist,

untersucht Hume philosophische Konzeptionen, wie Kausalität und Notwendigkeit, auf deren

Ursprünge und lehnt in der Folge alle die Konzeptionen als falsch ab, die sich nicht auf die

Eindrücke zurückführen lassen.3 Im nächsten Abschnitt werde ich daher ebendiese

Konzeptionen aus der Sicht David Humes beleuchten.

2.2 Kausalität bzw. Notwendigkeit

Kausalität als notwendige Abfolge von Ursache und Wirkung offenbart sich dem

menschlichen Geist nach Hume nicht direkt über Eindrücke. Die Vorstellung des Menschen

ist aber dennoch, dass es eine notwendige Verknüpfung von Ursache und daraus folgender

Wirkung zu geben scheint. Zu dieser Vorstellung gelangen wir durch Beobachtung der Natur,

die augenscheinlich konstante Abfolgen gleicher und ähnlicher Ereignisse bei raum-zeitlicher

Berührung, also eine gewisse Uniformität, aufweist.4

Aufgrund dieser Eindrücke können wir lediglich mit einer gewissen

Wahrscheinlichkeit von einem Ereignis auf dessen Ursache bzw. Wirkung schließen. Es liegt

aber in der menschlichen Natur, unbewusst Induktionsschlüsse zu ziehen. Beobachten wir

1 Jens Kulenkampff:

David Hume

. 2., neubearbeitete Auflage, München, 2003. S.30

2 vgl. David Hume, Jens Kulenkampff [Hrsg.]:

Abriß eines neuen Buches, betitelt "Ein Traktat über die
menschliche Natur"

, etc. [Ausz.]. Hamburg, 1980. S.8-9

3 vgl. Jens Kulenkampff:

David Hume

. 2., neubearbeitete Auflage, München, 2003. S.39

4 vgl. David Hume: Abschnitt 8.

Über Freiheit und Notwendigkeit

. In: David Hume: Eine Untersuchung über

den menschlichen Verstand. Frankfurt am Main, 2007. S.109

4



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