Autor: Christine Wendel
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Geschwister-Scholl-Institut)
Jahr: 2003
Seiten: 14
Note: 2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 78 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-19142-5
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig-Maximilian-Universität München Wintersemester 2002/2003
Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft
Hausarbeit
aus dem Grundkurs: Einführung in die Politische Theorie
Thema:
Thomas Hobbes - Wie kommt der Mensch aus dem Naturzustand in eine geordnete Gesellschaft?
Verfasserin: Christine Wendel
Abgabetermin:15.03.03
Inhaltsverzeichnis
1. Hobbes´ einschneidende Staatsphilosophie im Vergleich zu seinen Vor- und Mitdenkern ... 3
2. Der Weg aus dem Naturzustand zur geordneten Gesellschaft ... 5
2.1. Der Naturzustand ... 5
2.2. Die Naturgesetze ... 5
2.2.1. Friedensbemühung ... 6
2.2.2. Recht-auf-alles-Verzicht ... 6
2.2.3. Vertragseinhaltpflicht ... 6
2.3. Phasen des Weges aus dem Naturzustand ... 7
2.3.1. Machtakkumulation ... 7
2.3.2. Kooperationsstrategie ... 7
2.3.3. Vertragliche Errichtung einer Zwangsgewalt ... 8
2.4. Der Vertrag ... 9
2.4.1. Gesellschafts- und Herrschaftsvertrag ... 9
2.4.2. Vertragsinhaltsmomente ... 10
2.4.2.1. Rechtsverzicht ... 10
2.4.2.2. Autorisierung ... 10
2.4.3. Politische Einheit ... 12
3. Der Einfluss Hobbes´ Staatsphilosophie auf seine Nachdenker ... 12
4. Literaturverzeichnis ... 14
1. Hobbes´ einschneidende Staatsphilosophie im Vergleich zu seinen Vor- und Mitdenkern
Thomas Hobbes (1588-1679) schuf mit seinen staatstheoretischen Schriften bedeutende Werke der Weltliteratur. Das Gedankengut seiner Arbeiten, wie das des Leviathan (1651), aber auch dessen Vorläufer, wie ,,Elements of law neutral and politic" (1640) und ,,De cive" , wurde besonders auch deswegen herausragend, da es eine entscheidende Neuerung in der politischen Philosophie darstellt. Es handelt sich beim Leviathan um ein revolutionäres Buch. Nicht aber, weil seine Intention etwa eine Parteinahme zu einem revolutionären Geschehen, wie etwa des englischen Bürgerkrieges (1642-1648) verkörpern würde. Vielmehr lässt sich das Revolutionäre im Bruch Thomas Hobbes´ Lehren zur antiken, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen, zur feudalen und bürgerlichen Staatsphilosophie finden. Sein Denken stellt einen Paradigmenwechsel innerhalb der politischen Philosophie dar. Hobbes selbst nahm sich sogar heraus zu behaupten, dass nennenswerte Staats- und Bürgerphilosophie erst mit seinem Werk beginnen würde. Während bislang der Gedanke einer Opposition zwischen gerechten und ungerechten Gemeinwesen dominierte, schaffte der Brite eine völlig neue Opposition, nämlich die der Herrschaft und der Herrschaftslosigkeit. Durch das Einsetzen eines absoluten Herrschers, sollten Unordnung und Krieg Einhalt geboten werden. Die Weise jener Überbrückung dieser Gegensätze soll, wie noch genauer erläutert werden wird, den Kern dieser Arbeit bilden. Zunächst möchte ich hier aber einleitend knapp und chronologisch rückwärts gesehen, die wichtigsten Unterschiede und damit Neuerungen von Hobbes´ Philosophie, zu der einiger Mit- und Vordenker aufzeigen. Zu aller erst sind hierbei die staatstheoretischen Ideen der Republikaner zu nennen. Ein Herausragender dieser Gruppe, John Milton (1608-1674) vertrat beispielsweise die Ansicht, dass das Volk jederzeit die Bevollmächtigung besäße, seinen Herrscher zu entmachten. Die sogenannten Leveller forderten in der Zeit von 1647 bis 1649 in England die Einführung regelmäßiger Wahlen, in denen ein Herrscher zu bestätigen sei, und damit die Volkssouveränität. Zwar war auch Thomas Hobbes der Auffassung, dass die Macht eines Herrschers an die Zustimmung des Volkes gebunden sei, doch lehnte er jegliche Volkskontrolle, nach dieser Zustimmung und damit erfolgten Ermächtigung, gänzlich ab. Er sah die Gewalt völlig allein beim Souverän. Eine Gewaltenteilung bedeutete für ihn eine Machtauflösung. Die Macht ist also von gleichberechtigten Menschen auf den Herrscher übertragen, aber jene ist doch eine Absolute. Anders sahen dies aber sowohl geistige als auch weltliche Führer, vor und während der Zeit Hobbes´, deren Gedankengut gleichermaßen die Absolutheit der Macht aufweist. Sie führten jene jedoch allein auf Gott zurück und legitimierten sich und ihr Handeln durch ihn allein. So beanspruchte Papst Pius V (1504-1572) sogar 1570 Unfehlbarkeit, und auch James I (1566-1625) war der Auffassung, dass Könige Gottes Stellvertreter auf Erden wären. Diese religiöse Komponente findet sich auch in der Lehre der Scholastik, die sich über Jahrhunderte verbreitet hatte und in der Wissenschaft der frühen Neuzeit durchaus noch Dominanz zeigte. Die Scholastiker subordinierten gleichermaßen das Recht der Religion, den Staat der Kirche, und die Philosophie der Religion. Thomas Hobbes hingegen war der Überzeugung, dass nur begrifflich fassbare Dinge auch Gegenstand der Philosophie werden könnten. Verhältnisse deren Ursprung und Ursache unbekannt seien, müssten, nach Hobbes, auf rationale Weise erschlossen werden. Philosophie und Theologie schlössen sich also aus. So würde auch der Weltursprung keinem Gottesgesetz obliegen, wie es Thomas von Aquin (1225-1274) darstellt, sondern einer irdischen Ursache. In einem letzten Punkt dieser Einleitung möchte ich noch kurz auf Aristoteles eingehen, bei dessen Lehren sich ebenso Gegensätze im Vergleich zur Staatstheorie Thomas Hobbes´ finden lassen. Der große Denker der Antike betrachtet den Menschen nämlich als ein politisches Lebewesen, als ein ,,zoon politikon", also als ein Wesen, das von Natur aus dazu angelegt ist, zusammen mit anderen in einer Gesellschaft zu leben, ,,und dabei die soziale Ungleichheit der Menschen, [...], als natürlich, also vorgegeben charakterisiert, [...]"1. Der Philosophie Hobbes´ nach besteht hingegen eine natürliche Gleichheit aller Menschen, mit der Folge natürlicher Konkurrenz und einem Krieg aller gegen alle. Da dieser Zustand jedoch kein lebenswerter ist, bedarf es eines Elements, das die Unordnung aufhebt und eine lebenswerte Ordnung schafft. Doch wie ist es möglich aus dem Chaos, das den Naturzustand der gleichen Individuen beschreibt, in eine geordnete Gesellschaft zu gelangen? Welche Schritte sind nötig diesen Weg zu beschreiten? Genau diese Frage soll nun, wie oben erläutert, zum Thema dieser Arbeit werden. Im folgenden soll versucht werden sich mit den einzelnen nötigen Stufen zu beschäftigen, die es bedarf, um aus dem Naturzustand zu einer geordneten Gesellschaft zu gelangen.
[...]
1 Hermann Klenner: Der Leviathan im Widerstreit der Staatsphilosophie, in: Rüdiger Voigt (hrsg), Der Leviathan, (Bd1), Baden-Baden 2000, Seite 28
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