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1941 - 1990: Nur ein ganz einfaches Leben

Subtitle: Wie 50 Jahre vergehen

Other, 2009, 122 Pages
Author: Hans-Martin Kirchner
Subject: Sociology - Miscellaneous

Details

Category: Other
Year: 2009
Pages: 122
Language: German
Archive No.: V135663
ISBN (E-book): 978-3-640-43597-5
ISBN (Book): 978-3-640-43621-7

Abstract

Biographie


Excerpt (computer-generated)

1941 ­ 1990

Nur ein ganz

einfaches Leben

oder

Wie 50 Jahre vergehen.

Meiner Frau Tuan Anh gewidmet. Januar 2009

Biographie Seite 2 ­ 85

Aufsätze Seite 86 - 121

Hans-Martin Kirchner


20. November 1941

Dies war der Tag, an dem ich in Leipzig geboren wurde. Ich kann mich

noch gut an die Zeit erinnern, als ich etwa 3 Jahre war. Wir wohnten

damals im 1. Stock, rechts. Unter uns rechts wohnte die Familie Thiele; ein

Ehepaar mit Tochter Gisela. Thiele´`s hatten gegenüber von ihrer

Wohnung eine Drogerie.

Zu der Zeit gab es häufiger einen Bombenalarm. Immer wenn die Sirenen

ertönten mußten wir in den Luftschutzraum laufen. Wir waren 4 Kinder

und so hatte Mutti ihre Mühe uns schnell in den Keller zu bringen. Frieder

war schon 5-6 Jahre alt und konnte sprechen. Zur Erklärung sei erwähnt,

daß die Bombenangriffe auf Leipzig, ebenso wie auf Dresden und andere

Städte erst im Frühjahr 1945 stattfanden. Vielleicht kann ich mich deshalb

daran noch gut erinnern. Ich war ja schon 4 Jahre. Herr Thiele holte uns

meistens ab, oder wir gingen bei Ihm vorbei und riefen: ,,Gom, mir gehen

in Geller."

Wir nahmen Kissen und Decken mit, Mutti nahm etwas zu Essen und zu

trinken mit. Wir wußten ja nie wie lange wir bleiben mußten bis wieder

Entwarnung gegeben wurde. Wenn wir dann in unserem Schutzraum

waren, konnten wir noch dann die Sirenen noch hören, und nach einiger

Zeit hörten wir wie aus weiter Ferne Explosionen. Erst als längere Zeit

keine Flugzeuge mehr zu hören waren, wurde Entwarnung gegeben.

Aus dieser Zeit habe ich noch ein Bild vor Augen. Wir kamen in die

Wohnung nach einem dieser Angriffe. Nicht weit von uns war eine Fabrik

getroffen worden.

Auf unserem Balkon hatten wir ein kleines Aquarium mit Kaltwasser-

Fischen. Durch die Explosion bei dem Bombenabwurf waren in der ganzen

2


Straße Glasbehälter und die meisten Fensterscheiben zu Bruch

gegangen.Das war sehr traurig. Bereits in dieser Zeit entwickelte sich mein

Denken zum ,,helfen". Ebenso konnte ich es nicht vertragen wenn Essen

auf der Straße lag. So habe ich einmal eine aufgeplatzte Zuckerpackung

gefunden. Der Fußweg war sauber und so habe ich den Zucker vorsichtig,

nach Möglichkeit ohne Schmutz, eingesammelt. Ein anderes Mal fand ich

ein Kuchentörtchen, nun es war kein Schmutz daran zu sehen - dann

konnte ich es auch essen.

Eine andere Begebenheit ist mir noch in Erinnerung. Es war um den April

45, die Sonne schien schon länger und wärmer. Da kamen die Amerikaner

in Jeep´s und postierten sich auf den freien Plätzen und auf der rechten

Straßenseite. Ein oder zwei Tage später rollten die schweren Panzer der

Russen vorbei und postierten sich auf der linken Straßenseite. Die

Amerikaner saßen oder lagen lässig in den Autos und verteilten für uns

Kinder Schokoladenriegel. Wir haben sie als sehr freundlich in Erinnerung;

auch wenn die sprachliche Verständigung noch etwas schwierig war.

Nach einigen Tagen zogen die Amerikaner ab und sehr viel später erfuhr

ich daß die Amerikaner weite Gebiete östlich der Elbe an die Russen

abgetreten haben um einen Teil der Hauptstadt Berlin zu bekommen. Nach

einiger Zeit zogen sich die russ. Panzer ebenfalls zurück( aus den Straßen)

um in den Kasernen ihre Stellung zu beziehen.

Jetzt erst kehrte wieder Ruhe im Viertel ein. Ab dem 5/6 Lebensjahr

besuchte ich mit Christoph den Kindergarten der Stadtmission in der

Demmeringstr. In dem Kindergarten muß ich mich wohl das erste Mal

verliebt haben. Wir übten das Märchen ,,Dornröschen" ein. Ich sollte den

Prinzen spielen. Meine Aufgabe war die schlafende Prinzessin wach zu

küssen. Lange, lange Zeit dachte ich an dieses ,,Dornröschen". Sie hatte

ein langes weises Kleid an mit Blumen verziert und langes blondes Haar.

Sie lag da und schlief ganz friedlich. Dies war das erste Mal, daß ich den

Begriff ,,schön" richtig realisiert habe.

Vielleicht liebe ich seit dieser Zeit Frauen mit langen Haaren.

Um die gleiche Zeit , es war die Weihnachtszeit, besuchten Mutti und wir

vier Geschwister die Aufführung ,,,Peterchens Mondfahrt" im

Operettentheater am Lindenauer Markt. Wir waren von der

Volkssolidarität dazu eingeladen worden. Anschließend wurden den Kinder

Geschenke mit gegeben. Ich bekam einen Brauereiwagen mit 6 Pferden

und Bierfässern.

Inzwischen war das Jahr 1948 gekommen und ich wurde in die

Demmeringschule (44.Grundschule) eingeschult. Unsere Klassenlehrerin,

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meine Erste, war Frau Haupt. Sie hatte in dem ganzen ersten Jahr immer

wieder auf die Spinnen hingewiesen. Die Kernaussage war: ,,Die Spinnen

drehen wenn sie arbeiten einen Faden, welcher sich allmählich zu einem

Muster, zu einem Bild zusammen fügte." Deshalb sollen wir auch wie die

Spinnen lernen unser Denken zu einem (roten) Faden werden zu lassen, der

uns Zusammenhänge und den Sinn erkennen läßt.

Bis 1948 wohnten wir in der Luppenstr.28 gegenüber vom

Straßenbahndepot. Christoph und ich haben am Abend immer die Lichter

der vorbeifahrenden Straßenbahnen gezählt. Der eine die von links, der

andere die von rechts, irgendwann sind wir dann eingeschlafen.

Ebenfalls aus dieser Zeit war die Erkrankung von Mutti,

Marianne und Frieder an Typhus. Da dies besondere Vorsichtsmaßnahmen

erforderte, wurden Christoph und ich bei einem Studienkameraden vom

Vati, Eberhard Wangemann untergebracht. Dort hatten wir viele

Möglichkeiten die Kleingartenanlagen, welche in der Nähe waren, als

Spielplatz zu nehmen.

Zu späterer Zeit stellte ich fest, daß Harald Heilmann ebenfalls in Leipzig

studiert hat , und er mit ,,Onkel" Eberhard zu uns kam um Hausmusik zu

machen. Ich kann mich deshalb so gut daran erinnern, da Christoph und ich

oft ganz leise die Verbindungstür, es war eine Schiebetür, öffneten und

unsere Ohren an das Klavier legten. Dabei war die Resonanz am

ursprünglichsten zu hören. Als Gäste kamen je nach Möglichkeit Herr und

Frau Thiele, manchmal auch Tochter Gisela, und von oben ein Stockwerk

über uns kam Frau und Herr Weber.

Durch den Krieg haben wir Kinder unseren Vater nie richtig kennen lernen

können. Im Januar 1949 kam der Vati aus jugoslawischer Gefangenschaft

zurück. Das Muti und Vati miteinander Probleme hatten haben wir zu dem

Zeitpunkt gar nicht richtig bemerkt. Vormittags waren wir in der Schule,

danach Mittagessen und Schulaufgaben und zum spielen natürlich in den

Palmengarten, welche um die Ecke war.

Während des Krieges haben wir in der warmen Jahreszeit Ausflüge nach

Brandis gemacht. Mir ist nur im Gedächtnis, daß wir Mit dem Zug nach

Machern fuhren, dann ein Bus und noch ein Fußweg von ca. 10 Minuten.

Der Vati hatte von der Kirche ein Grundstück gekauft und dachte wohl mal

dort zu wohnen.

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,,Das Drama"

Nach der Rückkehr vom Vati hat sich eine seltsame Entwicklung

vollzogen, die wir noch nicht verstehen konnten. Wir kannten unseren Vater

nicht. Wir wußten gar nicht wie wir mit ihm umgehen sollten. Ich weiß

auch nicht wo er gewohnt hat. Wahrscheinlich hat er von Anfang an wieder

bei seiner Mutter (unserer Oma) in Stötteritz gewohnt.

Dort war er versorgt und hatte Tante Lisa, seine Schwester bei sich. Die

gleichen Probleme hatte Mutti und Vati auch,sie wußten nicht wie sie

miteinander umgehen sollten.

Eines Tages im Mai, als wir alle 4 aus der Schule nach Haus gekommen

waren, mußten wir ganz schnell die Schulsachen wegräumen. Mutti hatte

Marschverpflegung eingepackt und Fahrkarten geholt. Wir konnten nur die

für einen ,,vorgezogenen Urlaub" notwendigen Sachen einpacken.

Im Zug hat uns die Mutti dann erklärt, daß wir erst einmal zu Harald in das

Erzgebirge nach Schwarzenberg fahren. An Harald konnte ich mich deshalb

gut erinnern, weil er zu unserer Freude sehr gut mit Mutti ,,vierhändig"

Klavier spielen konnte. Der Weg war weit, und so kamen wir erst nachts

am Bahnhof in Schwarzenberg an. Wir mußten einige Minuten die Straße

bergauf laufen. Es war schon etwas unheimlich. Keine Straßenlaternen und

auf der linken Seite rauschte ein Bach bergab. Als wir bei Tante Else und

Onkel Arthur ankamen waren wir erst einmal froh. Dort blieben wir einige

Zeit und lernten auch Tante Poly kennen. Während wir uns in der

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Umgebung umsahen, mußte Mutti an einigen Tagen nach Leipzig. Dort

löste sie die Wohnung in der Luppenstraße auf.

Unsere nächste Wohnung war in der Kohlgartenstr. 12. Dort wohnten wir in

einem großen Zimmer, voll gestellt mit unseren Möbeln. Auch den Anfang

des Schuljahres begannen wir dort. Eines Tages kam in der Frühe gegen 6

Uhr die Polizei mit 4 Mann. Wir Kinder wurden in Decken gepackt und ab

ging es. Vati hatte wieder seine Arbeit als Pfarrer an der Phillipuskirche

aufgenommen. Bei seiner Scheidung von Mutti bekam er das Sorgerecht

für uns zugesprochen. Dies war der Grund für diese Aktion. Alles Heulen

nutzte nichts. Nach kurzer Zeit waren wir im Pfarrhaus welches auch

zugleich das Gemeindehaus war.

,,Die Krankheit"

Nun begann ein neues Abenteuer welches jedoch nicht sehr lange dauerte

und tragisch enden sollte. Zu dem Pfarrhaus gehörte ein Garten, in dem ein

großer Birnen-Baum stand. Vati hatte uns verboten darauf zu klettern und

Obst zu pflücken. Eines Tages sammelten wir Fallobst auf und legten es in

die Küche. Darauf hin wurde Vati wütend verdrosch uns nach Strich und

Faden, weil er meinte wir hätten sein Verbot mißachtet. Nach einigen Tagen

und er sich wieder beruhigt hatte, nahmen wir ihn mit zu dem Baum. Dort

zeigten wir ihm, daß der erste Ast so weit oben war, daß wir gar nicht

hinauf konnten. Das hat er zwar eingesehen, doch die Prügel hatten wir.

Eine andere Episode gab deutliche Hinweise auf die zu-nehmende

Erkrankung von Vati. Eines Nachts großes Geschrei auf dem Flur. Vati

hatte Marianne aus dem Bett gezerrt und rief: ,,Es brennt, es brennt." Wir

nahmen Marianne mit in unser Zimmer. Natürlich hatte es nicht gebrannt,

es waren nur Wahnvorstellungen.

In dieser Zeit hatte Marianne sich heimlich ab und zu mit Mutti getroffen

und immer Bericht erstattet. Nicht lange danach kam das tragische Ende.

Eines Tages, um die Mittagszeit kam der Vati aus dem Pfarrbüro nach oben

redete etwas und brach dann zusammen. Wir waren natürlich sehr

erschrocken. Die Sekretärin vom Büro rief daraufhin Mutti an, die dann

ganz schnell da war. Sie bestellte einen Krankenwagen, ließ Vati ins

Krankenhaus bringen. Sie blieb bei uns und als sich herausstellte daß die

Erkrankung sehr ernst war und auch länger dauern würde, kümmerte sie

sich um eine neue Wohnung und die Wohnungsauflösung.

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Auf dem Bild ist Marianne und Freundin Traudl in der Lasallestr.

Durch die Mithilfe von Anton Schöndlinger, einem Freund von Harald,

fanden wir eine Wohnung in der Ferdinand Lasallestr.9, gegenüber vom

Johanna Park. Dort wurde ich an der 41.Grundschule in der Hillerstr.

angemeldet. Ein Jahr später wurde die 41.Grundschule wieder in die

Leibnitzstr. verlegt, und unsere Schule wurde nun zur Thomasschule.

Neben der Schule war das Alumnat des Thomanerchores und die meisten

Thomaner gingen in diese Schule. Nach zwei Klassenlehrern wurde 1953

Werner Nickol unser Klassenlehrer. Wie ich später erfahren sollte, war dies

seine letzte Klasse als Klassenlehrer in Leipzig.

Ferdinand-Lasallestr. 9

Wir wohnten bei Frau ,,Macher" zur Untermiete. Das Haus war in alter Zeit

ein ,,Herrschaftliches Haus". Ein Patrizier Haus. Die Wohnung hatte

ursprünglich 7 Zimmer mit einem 2 ten Eingang in der Marschnerstr. 2

Zimmer wurden mit Küche und Bad abgetrennt. Nun gab es noch 5

Zimmer in der Ferdinand Lassalestr.9.

Die vordersten 2 Zimmer bewohnte Frau Macher und die hinteren drei

Zimmer standen uns zur Verfügung. Wir wohnten im Erdgeschoß.

Hochparterre. Von der Küche, führte ein Gang direkt in den Keller.

Außerdem hatte der Garten einen Zugang zu einem separaten

Gewölbekeller. Das Haus war ein Eckhaus und so konnten wir vom Garten

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aus 2 Straßen einsehen. Mein wichtigster Spielkamerad war Christoph. Er

war nur ein Jahr jünger und ging wie ich, in die Thomas- Grundschule.

Das Wohnzimmer, in der Ecke gelegen, hatte einen kleinen Erker und

neben dem Eingang einen großen Kachelofen, welcher in der Lage war

zwei Räume zu heizen, vorausgesetzt man hat genug ,,Koks" um zu heizen.

Dies Zimmer machte den Anfang unserer Wohnung. Gegenüber war ein

großes Bad. Die Badewanne war aus Marmor gemauert und so groß das 3-4

Personen darin Platz gefunden hätten. In die Wanne mußte man 4 Stufen

hinabsteigen. Der Waschtisch hatte zwei Waschbecken und war mit einer

großen Marmorplatte abgedeckt, in welche die Becken eingelassen waren.

Neben dem Bad (um die Ecke) befand sich die Küche. Es war eine große

Wohnküche . In der linken hinteren Ecke befand sich der Backofen

(Kohleheizung) daneben war das Spülbecken und eine Arbeitsplatte. In

der Mitte der Küche befand sich ein Kohleherd und ein Gasherd zum

Kochen.

Aus dieser Zeit erinnere ich mich noch an die Tatsache, daß ich es nie

ertragen konnte, wenn einer meiner Geschwister , aus was für einen Grund

auch immer, heulten. Dann konnte es passieren, daß ich auch heulen mußte.

Durch die etwas engere Bindung an meinen ,,kleinen" Bruder kam es, daß

ich auch mit seinem Freund, Karli, Karl Richter, etwas befreundet war und

so zogen wir oft zu dritt durch die Gegend. Im Herbst bauten wir in den

Gebüschen des Parks Laubhütten und im Winter konnten wir auf einem

kleinen Hügel Schlitten fahren. Damals kam uns der Hügel jedoch viel

größer vor. Zwischen dem Johanna Park und dem viel größeren Clara-

Zetkin Park lag der Landwehrkanal. Vom Westen kam die Elster und wurde

durch das Elsterwehr so weit aufgestaut daß die Elster mit Schiffen

befahrbar war. Es führte ein Ausflugsdampfer bis nach Schleußig und

Kleinzschocher.

Auf der anderen Seite des Wehres welches ungefähr die Elster 8-10 m hoch

staute, war der Jahn- Kanal welcher für viele Sportarten genutzt wurde. Auf

dem stadtwärts gelegenen Ufer war die Sporthochschule gebaut worden

und das Olympia Stadion.

In der Mitte des Johanna Parks war ein Teich angelegt, in welchem Fische

gehalten wurden. In jedem Jahr wurden die Fische im Herbst abgefischt, in

dem man das Wasser abließ und so leicht die lebenden Fische entnehmen

konnte. Der Johanna Park wurde durch die Griegstr. und die Karl Tauchnitz

Straße geteilt. Auf der anderen Seite befanden sich Grünanlagen um die

Lutherkirche.

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Die Karl Tauchnitz Straße war Teil der Leipziger Rennstrecke für die

Formel 1. Bei einem der letzten Autorennen fuhr Hans Stuck mit. Er führte

mit fast 2 Runden Vorsprung. Sein Pech war, daß er in der letzten Runde

einen Motorschaden hatte.( Kurz vor dem Ziel)

Als dann der Sieger seine Ehrenrunde fuhr, fuhr Hans Stuck im

Lieferwagen hinterher um sein Auto zu holen und bekam genauso

viel Beifall. Solch ein Rennen war natürlich für die ganze Stadt ein

Ereignis. Wir wohnten nicht weit von der Südkurve, und hatten wie viele

andere uns ein Platz gesichert.

An der Absperrung mit Stühlen und Bänken, dahinter provisorische Bauten

mit Leitern und Brettern. Diese Plätze wurden natürlich bewacht. Es war

eine tolle Zeit. Außerdem wurden Motorrad Rennen gefahren, Steher-

Rennen. Steher- Rennen deshalb, weil ein Radfahrer hinter einem

Motorrad fuhr und von diesem praktisch im Windschatten des Motorrades

gezogen wurde und schneller fahren konnte.

Die Schulzeit

hat auch einige Episoden aufzuweisen.

In der Schule wurden Schulspeisungen durchgeführt. Der Unterricht ging

oft bis 15 Uhr, und so wurde in der großen Pause von 12 bis 12,30 h

Mittagessen ausgegeben.

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Nun ergab es sich das in meiner Klasse ein Junge war, dem es Spaß machte

mich in irgendeiner Form zu provozieren oder zu ärgern. Eine seiner

Lieblingstaten war, vor allem im Winter, einen Schneeball in mein Essen zu

tun.

Es war mal wieder so weit, und ein schmutzigweiser Schneeball lag in

meinem Essenstopf. Ich ließ mir manchmal etwas mehr geben und nahm es

mit nach Hause. Dieses mal war ich so wütend, daß ich den Topf drehte,

das verdorbene Essen ausleerte und den Topf (mit Stahlboden) dem Jungen

kräftig auf den Kopf schlug. Voller Erfolg. Er hatte offensichtlich ein Loch

im Kopf und rannte blutend nach Hause. Christoph, Karli und ich gingen in

Ruhe nach Hause. (10 Min. Weg) Nach etwa einer Stunde klingelte es und

eine besorgte Mutter beklagte sich bei Mutti über meine Brutalität.

Ich bekam in Ihrem Beisein ein Ohrfeige, womit diese zufrieden war. Als

die Frau wieder weg war sagte die Mutti: ,,Hans-Martin, du hast ganz

richtig gehandelt."

In der Zeit bis 1955 haben wir im Klassenverband so einige Fahrten

unternommen. Einmal fuhren wir nach Naumburg. In Naumburg ist der

Dom eines der interessantesten Bauwerke. Es ist ein gotischer Bau, dessen

Schutzpatrone ,,Uta und Eckehard" sind. Neben ihren und anderen

Grabmälern fällt dieser Bau dadurch auf daß er sogenannte Lettner hat,

welche das Kirchenschiff in drei Teile unterteilt. Ostlettner, Mittelschiff,

Westlettner.

2 Nachrichten über die Schulzeit von Eberhard Emmerich,

Emmi, wohnt zur Zeit in Nordhausen. Wir haben über ein Schulfreunde

Suchprogramm Kontakt zueinander aufgenommen.

Nachricht vom 28.12.08

Hallo Hans-Martin.

Herzlichen Dank für deine Nachricht. Natürlich kann ich mich noch an

dich erinnern. Du wohntest damals in der Lassalle Straße. An eine

Begebenheit aus dem Musikunterricht bei Herrn Luding kann ich mich

noch ganz genau entsinnen: Du musstest vorsingen, wir waren damals 9

oder 10 Jahre alt und du hattest nichts anderes zu tun, weil du nichts

vorsingen wolltest.

"Ich bin ein alter Mann, der nicht einen Ton singen kann,und wenn ich den

verlier ist´s aus mit mir." Kannst du dich eventuell daran erinnern? Wäre

toll, wenn du dich mal wieder meldest. mfg Emmi

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