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Subtitle: Wie 50 Jahre vergehen
Other, 2009, 122 Pages
Author: Hans-Martin Kirchner
Subject: Sociology - Miscellaneous
Details
Year: 2009
Pages: 122
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-43597-5
ISBN (Book): 978-3-640-43621-7
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Biographie Seite 2 85
Aufsätze Seite 86 - 121
Hans-Martin Kirchner
20. November 1941
Dies war der Tag, an dem ich in Leipzig geboren wurde. Ich kann mich
noch gut an die Zeit erinnern, als ich etwa 3 Jahre war. Wir wohnten
damals im 1. Stock, rechts. Unter uns rechts wohnte die Familie Thiele; ein
Ehepaar mit Tochter Gisela. Thiele´`s hatten gegenüber von ihrer
Wohnung eine Drogerie.
Zu der Zeit gab es häufiger einen Bombenalarm. Immer wenn die Sirenen
ertönten mußten wir in den Luftschutzraum laufen. Wir waren 4 Kinder
und so hatte Mutti ihre Mühe uns schnell in den Keller zu bringen. Frieder
war schon 5-6 Jahre alt und konnte sprechen. Zur Erklärung sei erwähnt,
daß die Bombenangriffe auf Leipzig, ebenso wie auf Dresden und andere
Städte erst im Frühjahr 1945 stattfanden. Vielleicht kann ich mich deshalb
daran noch gut erinnern. Ich war ja schon 4 Jahre. Herr Thiele holte uns
meistens ab, oder wir gingen bei Ihm vorbei und riefen: ,,Gom, mir gehen
in Geller."
Wir nahmen Kissen und Decken mit, Mutti nahm etwas zu Essen und zu
trinken mit. Wir wußten ja nie wie lange wir bleiben mußten bis wieder
Entwarnung gegeben wurde. Wenn wir dann in unserem Schutzraum
waren, konnten wir noch dann die Sirenen noch hören, und nach einiger
Zeit hörten wir wie aus weiter Ferne Explosionen. Erst als längere Zeit
keine Flugzeuge mehr zu hören waren, wurde Entwarnung gegeben.
Aus dieser Zeit habe ich noch ein Bild vor Augen. Wir kamen in die
Wohnung nach einem dieser Angriffe. Nicht weit von uns war eine Fabrik
getroffen worden.
Auf unserem Balkon hatten wir ein kleines Aquarium mit Kaltwasser-
Fischen. Durch die Explosion bei dem Bombenabwurf waren in der ganzen
2
Straße Glasbehälter und die meisten Fensterscheiben zu Bruch
gegangen.Das war sehr traurig. Bereits in dieser Zeit entwickelte sich mein
Denken zum ,,helfen". Ebenso konnte ich es nicht vertragen wenn Essen
auf der Straße lag. So habe ich einmal eine aufgeplatzte Zuckerpackung
gefunden. Der Fußweg war sauber und so habe ich den Zucker vorsichtig,
nach Möglichkeit ohne Schmutz, eingesammelt. Ein anderes Mal fand ich
ein Kuchentörtchen, nun es war kein Schmutz daran zu sehen - dann
konnte ich es auch essen.
Eine andere Begebenheit ist mir noch in Erinnerung. Es war um den April
45, die Sonne schien schon länger und wärmer. Da kamen die Amerikaner
in Jeep´s und postierten sich auf den freien Plätzen und auf der rechten
Straßenseite. Ein oder zwei Tage später rollten die schweren Panzer der
Russen vorbei und postierten sich auf der linken Straßenseite. Die
Amerikaner saßen oder lagen lässig in den Autos und verteilten für uns
Kinder Schokoladenriegel. Wir haben sie als sehr freundlich in Erinnerung;
auch wenn die sprachliche Verständigung noch etwas schwierig war.
Nach einigen Tagen zogen die Amerikaner ab und sehr viel später erfuhr
ich daß die Amerikaner weite Gebiete östlich der Elbe an die Russen
abgetreten haben um einen Teil der Hauptstadt Berlin zu bekommen. Nach
einiger Zeit zogen sich die russ. Panzer ebenfalls zurück( aus den Straßen)
um in den Kasernen ihre Stellung zu beziehen.
Jetzt erst kehrte wieder Ruhe im Viertel ein. Ab dem 5/6 Lebensjahr
besuchte ich mit Christoph den Kindergarten der Stadtmission in der
Demmeringstr. In dem Kindergarten muß ich mich wohl das erste Mal
verliebt haben. Wir übten das Märchen ,,Dornröschen" ein. Ich sollte den
Prinzen spielen. Meine Aufgabe war die schlafende Prinzessin wach zu
küssen. Lange, lange Zeit dachte ich an dieses ,,Dornröschen". Sie hatte
ein langes weises Kleid an mit Blumen verziert und langes blondes Haar.
Sie lag da und schlief ganz friedlich. Dies war das erste Mal, daß ich den
Begriff ,,schön" richtig realisiert habe.
Vielleicht liebe ich seit dieser Zeit Frauen mit langen Haaren.
Um die gleiche Zeit , es war die Weihnachtszeit, besuchten Mutti und wir
vier Geschwister die Aufführung ,,,Peterchens Mondfahrt" im
Operettentheater am Lindenauer Markt. Wir waren von der
Volkssolidarität dazu eingeladen worden. Anschließend wurden den Kinder
Geschenke mit gegeben. Ich bekam einen Brauereiwagen mit 6 Pferden
und Bierfässern.
Inzwischen war das Jahr 1948 gekommen und ich wurde in die
Demmeringschule (44.Grundschule) eingeschult. Unsere Klassenlehrerin,
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meine Erste, war Frau Haupt. Sie hatte in dem ganzen ersten Jahr immer
wieder auf die Spinnen hingewiesen. Die Kernaussage war: ,,Die Spinnen
drehen wenn sie arbeiten einen Faden, welcher sich allmählich zu einem
Muster, zu einem Bild zusammen fügte." Deshalb sollen wir auch wie die
Spinnen lernen unser Denken zu einem (roten) Faden werden zu lassen, der
uns Zusammenhänge und den Sinn erkennen läßt.
Bis 1948 wohnten wir in der Luppenstr.28 gegenüber vom
Straßenbahndepot. Christoph und ich haben am Abend immer die Lichter
der vorbeifahrenden Straßenbahnen gezählt. Der eine die von links, der
andere die von rechts, irgendwann sind wir dann eingeschlafen.
Ebenfalls aus dieser Zeit war die Erkrankung von Mutti,
Marianne und Frieder an Typhus. Da dies besondere Vorsichtsmaßnahmen
erforderte, wurden Christoph und ich bei einem Studienkameraden vom
Vati, Eberhard Wangemann untergebracht. Dort hatten wir viele
Möglichkeiten die Kleingartenanlagen, welche in der Nähe waren, als
Spielplatz zu nehmen.
Zu späterer Zeit stellte ich fest, daß Harald Heilmann ebenfalls in Leipzig
studiert hat , und er mit ,,Onkel" Eberhard zu uns kam um Hausmusik zu
machen. Ich kann mich deshalb so gut daran erinnern, da Christoph und ich
oft ganz leise die Verbindungstür, es war eine Schiebetür, öffneten und
unsere Ohren an das Klavier legten. Dabei war die Resonanz am
ursprünglichsten zu hören. Als Gäste kamen je nach Möglichkeit Herr und
Frau Thiele, manchmal auch Tochter Gisela, und von oben ein Stockwerk
über uns kam Frau und Herr Weber.
Durch den Krieg haben wir Kinder unseren Vater nie richtig kennen lernen
können. Im Januar 1949 kam der Vati aus jugoslawischer Gefangenschaft
zurück. Das Muti und Vati miteinander Probleme hatten haben wir zu dem
Zeitpunkt gar nicht richtig bemerkt. Vormittags waren wir in der Schule,
danach Mittagessen und Schulaufgaben und zum spielen natürlich in den
Palmengarten, welche um die Ecke war.
Während des Krieges haben wir in der warmen Jahreszeit Ausflüge nach
Brandis gemacht. Mir ist nur im Gedächtnis, daß wir Mit dem Zug nach
Machern fuhren, dann ein Bus und noch ein Fußweg von ca. 10 Minuten.
Der Vati hatte von der Kirche ein Grundstück gekauft und dachte wohl mal
dort zu wohnen.
4
,,Das Drama"
Nach der Rückkehr vom Vati hat sich eine seltsame Entwicklung
vollzogen, die wir noch nicht verstehen konnten. Wir kannten unseren Vater
nicht. Wir wußten gar nicht wie wir mit ihm umgehen sollten. Ich weiß
auch nicht wo er gewohnt hat. Wahrscheinlich hat er von Anfang an wieder
bei seiner Mutter (unserer Oma) in Stötteritz gewohnt.
Dort war er versorgt und hatte Tante Lisa, seine Schwester bei sich. Die
gleichen Probleme hatte Mutti und Vati auch,sie wußten nicht wie sie
miteinander umgehen sollten.
Eines Tages im Mai, als wir alle 4 aus der Schule nach Haus gekommen
waren, mußten wir ganz schnell die Schulsachen wegräumen. Mutti hatte
Marschverpflegung eingepackt und Fahrkarten geholt. Wir konnten nur die
für einen ,,vorgezogenen Urlaub" notwendigen Sachen einpacken.
Im Zug hat uns die Mutti dann erklärt, daß wir erst einmal zu Harald in das
Erzgebirge nach Schwarzenberg fahren. An Harald konnte ich mich deshalb
gut erinnern, weil er zu unserer Freude sehr gut mit Mutti ,,vierhändig"
Klavier spielen konnte. Der Weg war weit, und so kamen wir erst nachts
am Bahnhof in Schwarzenberg an. Wir mußten einige Minuten die Straße
bergauf laufen. Es war schon etwas unheimlich. Keine Straßenlaternen und
auf der linken Seite rauschte ein Bach bergab. Als wir bei Tante Else und
Onkel Arthur ankamen waren wir erst einmal froh. Dort blieben wir einige
Zeit und lernten auch Tante Poly kennen. Während wir uns in der
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Umgebung umsahen, mußte Mutti an einigen Tagen nach Leipzig. Dort
löste sie die Wohnung in der Luppenstraße auf.
Unsere nächste Wohnung war in der Kohlgartenstr. 12. Dort wohnten wir in
einem großen Zimmer, voll gestellt mit unseren Möbeln. Auch den Anfang
des Schuljahres begannen wir dort. Eines Tages kam in der Frühe gegen 6
Uhr die Polizei mit 4 Mann. Wir Kinder wurden in Decken gepackt und ab
ging es. Vati hatte wieder seine Arbeit als Pfarrer an der Phillipuskirche
aufgenommen. Bei seiner Scheidung von Mutti bekam er das Sorgerecht
für uns zugesprochen. Dies war der Grund für diese Aktion. Alles Heulen
nutzte nichts. Nach kurzer Zeit waren wir im Pfarrhaus welches auch
zugleich das Gemeindehaus war.
,,Die Krankheit"
Nun begann ein neues Abenteuer welches jedoch nicht sehr lange dauerte
und tragisch enden sollte. Zu dem Pfarrhaus gehörte ein Garten, in dem ein
großer Birnen-Baum stand. Vati hatte uns verboten darauf zu klettern und
Obst zu pflücken. Eines Tages sammelten wir Fallobst auf und legten es in
die Küche. Darauf hin wurde Vati wütend verdrosch uns nach Strich und
Faden, weil er meinte wir hätten sein Verbot mißachtet. Nach einigen Tagen
und er sich wieder beruhigt hatte, nahmen wir ihn mit zu dem Baum. Dort
zeigten wir ihm, daß der erste Ast so weit oben war, daß wir gar nicht
hinauf konnten. Das hat er zwar eingesehen, doch die Prügel hatten wir.
Eine andere Episode gab deutliche Hinweise auf die zu-nehmende
Erkrankung von Vati. Eines Nachts großes Geschrei auf dem Flur. Vati
hatte Marianne aus dem Bett gezerrt und rief: ,,Es brennt, es brennt." Wir
nahmen Marianne mit in unser Zimmer. Natürlich hatte es nicht gebrannt,
es waren nur Wahnvorstellungen.
In dieser Zeit hatte Marianne sich heimlich ab und zu mit Mutti getroffen
und immer Bericht erstattet. Nicht lange danach kam das tragische Ende.
Eines Tages, um die Mittagszeit kam der Vati aus dem Pfarrbüro nach oben
redete etwas und brach dann zusammen. Wir waren natürlich sehr
erschrocken. Die Sekretärin vom Büro rief daraufhin Mutti an, die dann
ganz schnell da war. Sie bestellte einen Krankenwagen, ließ Vati ins
Krankenhaus bringen. Sie blieb bei uns und als sich herausstellte daß die
Erkrankung sehr ernst war und auch länger dauern würde, kümmerte sie
sich um eine neue Wohnung und die Wohnungsauflösung.
6
Auf dem Bild ist Marianne und Freundin Traudl in der Lasallestr.
Durch die Mithilfe von Anton Schöndlinger, einem Freund von Harald,
fanden wir eine Wohnung in der Ferdinand Lasallestr.9, gegenüber vom
Johanna Park. Dort wurde ich an der 41.Grundschule in der Hillerstr.
angemeldet. Ein Jahr später wurde die 41.Grundschule wieder in die
Leibnitzstr. verlegt, und unsere Schule wurde nun zur Thomasschule.
Neben der Schule war das Alumnat des Thomanerchores und die meisten
Thomaner gingen in diese Schule. Nach zwei Klassenlehrern wurde 1953
Werner Nickol unser Klassenlehrer. Wie ich später erfahren sollte, war dies
seine letzte Klasse als Klassenlehrer in Leipzig.
Ferdinand-Lasallestr. 9
Wir wohnten bei Frau ,,Macher" zur Untermiete. Das Haus war in alter Zeit
ein ,,Herrschaftliches Haus". Ein Patrizier Haus. Die Wohnung hatte
ursprünglich 7 Zimmer mit einem 2 ten Eingang in der Marschnerstr. 2
Zimmer wurden mit Küche und Bad abgetrennt. Nun gab es noch 5
Zimmer in der Ferdinand Lassalestr.9.
Die vordersten 2 Zimmer bewohnte Frau Macher und die hinteren drei
Zimmer standen uns zur Verfügung. Wir wohnten im Erdgeschoß.
Hochparterre. Von der Küche, führte ein Gang direkt in den Keller.
Außerdem hatte der Garten einen Zugang zu einem separaten
Gewölbekeller. Das Haus war ein Eckhaus und so konnten wir vom Garten
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aus 2 Straßen einsehen. Mein wichtigster Spielkamerad war Christoph. Er
war nur ein Jahr jünger und ging wie ich, in die Thomas- Grundschule.
Das Wohnzimmer, in der Ecke gelegen, hatte einen kleinen Erker und
neben dem Eingang einen großen Kachelofen, welcher in der Lage war
zwei Räume zu heizen, vorausgesetzt man hat genug ,,Koks" um zu heizen.
Dies Zimmer machte den Anfang unserer Wohnung. Gegenüber war ein
großes Bad. Die Badewanne war aus Marmor gemauert und so groß das 3-4
Personen darin Platz gefunden hätten. In die Wanne mußte man 4 Stufen
hinabsteigen. Der Waschtisch hatte zwei Waschbecken und war mit einer
großen Marmorplatte abgedeckt, in welche die Becken eingelassen waren.
Neben dem Bad (um die Ecke) befand sich die Küche. Es war eine große
Wohnküche . In der linken hinteren Ecke befand sich der Backofen
(Kohleheizung) daneben war das Spülbecken und eine Arbeitsplatte. In
der Mitte der Küche befand sich ein Kohleherd und ein Gasherd zum
Kochen.
Aus dieser Zeit erinnere ich mich noch an die Tatsache, daß ich es nie
ertragen konnte, wenn einer meiner Geschwister , aus was für einen Grund
auch immer, heulten. Dann konnte es passieren, daß ich auch heulen mußte.
Durch die etwas engere Bindung an meinen ,,kleinen" Bruder kam es, daß
ich auch mit seinem Freund, Karli, Karl Richter, etwas befreundet war und
so zogen wir oft zu dritt durch die Gegend. Im Herbst bauten wir in den
Gebüschen des Parks Laubhütten und im Winter konnten wir auf einem
kleinen Hügel Schlitten fahren. Damals kam uns der Hügel jedoch viel
größer vor. Zwischen dem Johanna Park und dem viel größeren Clara-
Zetkin Park lag der Landwehrkanal. Vom Westen kam die Elster und wurde
durch das Elsterwehr so weit aufgestaut daß die Elster mit Schiffen
befahrbar war. Es führte ein Ausflugsdampfer bis nach Schleußig und
Kleinzschocher.
Auf der anderen Seite des Wehres welches ungefähr die Elster 8-10 m hoch
staute, war der Jahn- Kanal welcher für viele Sportarten genutzt wurde. Auf
dem stadtwärts gelegenen Ufer war die Sporthochschule gebaut worden
und das Olympia Stadion.
In der Mitte des Johanna Parks war ein Teich angelegt, in welchem Fische
gehalten wurden. In jedem Jahr wurden die Fische im Herbst abgefischt, in
dem man das Wasser abließ und so leicht die lebenden Fische entnehmen
konnte. Der Johanna Park wurde durch die Griegstr. und die Karl Tauchnitz
Straße geteilt. Auf der anderen Seite befanden sich Grünanlagen um die
Lutherkirche.
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Die Karl Tauchnitz Straße war Teil der Leipziger Rennstrecke für die
Formel 1. Bei einem der letzten Autorennen fuhr Hans Stuck mit. Er führte
mit fast 2 Runden Vorsprung. Sein Pech war, daß er in der letzten Runde
einen Motorschaden hatte.( Kurz vor dem Ziel)
Als dann der Sieger seine Ehrenrunde fuhr, fuhr Hans Stuck im
Lieferwagen hinterher um sein Auto zu holen und bekam genauso
viel Beifall. Solch ein Rennen war natürlich für die ganze Stadt ein
Ereignis. Wir wohnten nicht weit von der Südkurve, und hatten wie viele
andere uns ein Platz gesichert.
An der Absperrung mit Stühlen und Bänken, dahinter provisorische Bauten
mit Leitern und Brettern. Diese Plätze wurden natürlich bewacht. Es war
eine tolle Zeit. Außerdem wurden Motorrad Rennen gefahren, Steher-
Rennen. Steher- Rennen deshalb, weil ein Radfahrer hinter einem
Motorrad fuhr und von diesem praktisch im Windschatten des Motorrades
gezogen wurde und schneller fahren konnte.
Die Schulzeit
hat auch einige Episoden aufzuweisen.
In der Schule wurden Schulspeisungen durchgeführt. Der Unterricht ging
oft bis 15 Uhr, und so wurde in der großen Pause von 12 bis 12,30 h
Mittagessen ausgegeben.
9
Nun ergab es sich das in meiner Klasse ein Junge war, dem es Spaß machte
mich in irgendeiner Form zu provozieren oder zu ärgern. Eine seiner
Lieblingstaten war, vor allem im Winter, einen Schneeball in mein Essen zu
tun.
Es war mal wieder so weit, und ein schmutzigweiser Schneeball lag in
meinem Essenstopf. Ich ließ mir manchmal etwas mehr geben und nahm es
mit nach Hause. Dieses mal war ich so wütend, daß ich den Topf drehte,
das verdorbene Essen ausleerte und den Topf (mit Stahlboden) dem Jungen
kräftig auf den Kopf schlug. Voller Erfolg. Er hatte offensichtlich ein Loch
im Kopf und rannte blutend nach Hause. Christoph, Karli und ich gingen in
Ruhe nach Hause. (10 Min. Weg) Nach etwa einer Stunde klingelte es und
eine besorgte Mutter beklagte sich bei Mutti über meine Brutalität.
Ich bekam in Ihrem Beisein ein Ohrfeige, womit diese zufrieden war. Als
die Frau wieder weg war sagte die Mutti: ,,Hans-Martin, du hast ganz
richtig gehandelt."
In der Zeit bis 1955 haben wir im Klassenverband so einige Fahrten
unternommen. Einmal fuhren wir nach Naumburg. In Naumburg ist der
Dom eines der interessantesten Bauwerke. Es ist ein gotischer Bau, dessen
Schutzpatrone ,,Uta und Eckehard" sind. Neben ihren und anderen
Grabmälern fällt dieser Bau dadurch auf daß er sogenannte Lettner hat,
welche das Kirchenschiff in drei Teile unterteilt. Ostlettner, Mittelschiff,
Westlettner.
2 Nachrichten über die Schulzeit von Eberhard Emmerich,
Emmi, wohnt zur Zeit in Nordhausen. Wir haben über ein Schulfreunde
Suchprogramm Kontakt zueinander aufgenommen.
Nachricht vom 28.12.08
Hallo Hans-Martin.
Herzlichen Dank für deine Nachricht. Natürlich kann ich mich noch an
dich erinnern. Du wohntest damals in der Lassalle Straße. An eine
Begebenheit aus dem Musikunterricht bei Herrn Luding kann ich mich
noch ganz genau entsinnen: Du musstest vorsingen, wir waren damals 9
oder 10 Jahre alt und du hattest nichts anderes zu tun, weil du nichts
vorsingen wolltest.
"Ich bin ein alter Mann, der nicht einen Ton singen kann,und wenn ich den
verlier ist´s aus mit mir." Kannst du dich eventuell daran erinnern? Wäre
toll, wenn du dich mal wieder meldest. mfg Emmi
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