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Die Neugriechische Dichtung

Subtitle: Gedichtanalyse anhand von Textbeispielen 'Konstantinos Karyotakis'

Scholary Paper (Seminar), 2008, 22 Pages
Author: Nadine Z.
Subject: Greek / Old Greek

Details

Institution/College: University of Hamburg
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 22
Language: German
Archive No.: V136312
ISBN (E-book): 978-3-640-44482-3
ISBN (Book): 978-3-640-44489-2

Abstract

In einer sich ständig verändernden Welt, inmitten von Widersprüchen und Ungerechtigkeiten, verurteilt nach Sicherheit, Geborgenheit und Liebe zu suchen fand Konstantinos Karyotakis einen Ausweg im Schreiben von Gedichten. Er gehört zu repräsentativsten Dichtern seiner Generation, der Dichtung bis 1930. In seinem Werk sind überwältigende Sehnsucht nach dem Leben, ein starkes Gefühl für die Wirklichkeit, der Vergeblichkeit und des Verlustes wieder zu finden. Am Ende findet der Dichter sich in einer tragischen Ausweglosigkeit wieder, die schließlich zum Selbstmord führt. Die Aufgabe dieser Hauptseminararbeit ist es, die Dichtung des K. Karyotakis anhand von Textbeispielen zu untersuchen und dabei Analyseinstrumente anzuwenden. Die Gedichtbeispiele werden hinsichtlich der lyrischen Klangfiguren, der Form und Struktur, ihrer bildhaften Elemente, auf Wirklichkeitsbezug, Intertextualität und auf epische Elemente hin geprüft. Davor gehen einige Worte noch auf sein Leben und seine literarische Prägung ein. Was führt Karyotakis dazu, diesen Weg einzuschlagen, sein Innerstes auf diese Art und Weise zu offenbaren und noch dazu ein jähes Ende findet. Alle Fragen wird diese Seminararbeit nicht beantworten können, denn es bedarf einer tieferen und mehr detaillierten Analyse seines Lebens und seiner Werke.


Excerpt (computer-generated)

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 2

2

Biografisches und Werke 3

2.1

Seine Werke im Überblick 4

2.2 Karyotakismus 4

3

Gedichtanalyse anhand ausgewählter Textbeispiele 5

3.1

Allgemeine Poetische Aspekte 5

3.2 Lyrische

Klangfiguren 6

3.3

Die Form des Gedichtes 9

3.4

Bildlichkeit und Bedeutung des Gedichtes 11

3.5 Fiktionalität

und

Wirklichkeitsbezug 14

3.6 Intertextualität 16

3.7

Dichtung über die Dichtung 16

3.8 Narrativität 18

4 Fazit 19

Literaturangaben 21


1 Einleitung

In einer sich ständig verändernden Welt, inmitten von Widersprüchen und Ungerechtigkeiten,

verurteilt nach Sicherheit, Geborgenheit und Liebe zu suchen fand Konstantinos Karyotakis

einen Ausweg im Schreiben von Gedichten. Er gehört zu repräsentativsten Dichtern seiner

Generation, der Dichtung bis 1930. In seinem Werk sind überwältigende Sehnsucht nach dem

Leben, ein starkes Gefühl für die Wirklichkeit, der Vergeblichkeit und des Verlustes wieder

zu finden. Am Ende findet der Dichter sich in einer tragischen Ausweglosigkeit wieder, die

schließlich zum Selbstmord führt.

Die Aufgabe dieser Hauptseminararbeit ist es, die Dichtung des K. Karyotakis anhand von

Textbeispielen zu untersuchen und dabei Analyseinstrumente anzuwenden. Die

Gedichtbeispiele werden hinsichtlich der lyrischen Klangfiguren, der Form und Struktur, ihrer

bildhaften Elemente, auf Wirklichkeitsbezug, Intertextualität und auf epische Elemente hin

geprüft. Davor gehen einige Worte noch auf sein Leben und seine literarische Prägung ein.

Was führt Karyotakis dazu, diesen Weg einzuschlagen, sein Innerstes auf diese Art und Weise

zu offenbaren und noch dazu ein jähes Ende findet. Alle Fragen wird diese Seminararbeit

nicht beantworten können, denn es bedarf einer tieferen und mehr detaillierten Analyse seines

Lebens und seiner Werke.

2


2 Biografisches und Werke

Konstantinos Georgios Karyotakis wurde am 30. Oktober 1896 in Tripoli auf den Peloponnes

geboren.

Aus beruflichen Gründen seines Vaters Georgios Karyotakis musste die fünfköpfige Familie

sehr oft ihren Wohnsitz ändern. Deshalb kam der junge Konstantinos Karyotakis als Kind

schon nach Lefkada, Argostoli, Larissa, Patras, Kalamata, Athen und zuletzt Chania auf

Kreta.1

Seine Eltern legten sehr großen Wert auf eine gute Bildung und strenge Erziehung. Er lernte

Fremdsprachen wie Französisch, Deutsch und Englisch. Der junge Karyotakis soll schlecht

gewachsen, dick, faltig mit greisenhafter Gestalt. Einige seiner Mitschüler beschrieben als

schamhafte, bleiche und introvertierte Person. Andere wiederum sagten, dass er ein schönes

und lebensfrohes Kind war.2

Im Jahre 1913, im Alter von 17 Jahren, beendete er die Schule in Chania auf Kreta. Etwa in

diesem Zeitraum begann sein künstlerisches Schaffen. In der Zeitschrift

veröffentlichte er seine ersten Gedichte (vgl. ebd).

Ebenfalls zu dieser Zeit verliebte er sich in Anna Skordilli, welche aber, zu seinem Schmerz,

einen anderen Mann heiratete. Diese Liebe blieb für Konstantinos unerfüllt und unheilvoll.

Viele seiner Gedichte sprechen von der Beziehung zu Anna Skordilli. Zum Studium ging er

1917 nach Athen. Dort schrieb er sich in der juristischen Fakultät ein. Er widmete sich dabei

durchgängig und fortführend dem Schreiben. Im Jahre 1919 bereits, im Alter von 22 Jahren,

gab er schließlich seine erste Gedichtsammlung heraus

. Dieses Werk besteht aus 16 Seiten und enthält 120 Exemplare. Noch im gleichen

Jahr veröffentlichte Karyotakis mit einem seinem Freund Agis Leventis unter einem

Pseudonym das satirische Magazin

, welches aber nach der 6. Auflage aus

gesellschaftlichen Gründen verboten wurde. Er begann nun eine Tätigkeit als Präfektur-

Beamter wie je sein Vater und kam über Thessaloniki, Syros, Arta, Athen zuletzt nach

Preveza, wo er bis zu seinem Freitod lebte. Nur zwei Jahre später, im Jahre 1921, folgte seine

zweite Sammlung

, mit welcher Karyotakis bereits Preise und gute Kritiken ernten

konnte. Angeblich fing er in dieser Zeit an, Drogen zu konsumieren.3

Ebenfalls in diesem Zeitraum lernte er Maria Polydouri kennen, die sich ebenfalls dem

künstlerischen Schaffen des Dichtens widmete. Sie bauten eine starke langjährige Beziehung

1 Arabatjis, Konstadinos:

Konstantinos Karyotakis ­ Die wunderbaren Welt die Einsamkeit in der Poesie zu
leben!

, München 2007, S. 9.

2 , :

­ ,

/ 1988, . 27.

3 Arabatjis, Konstadinos (2007): S. 9-10.

3


auf und beeinflussten einander. Viele ihrer Gedichte schrieb sie für und über ihn. Seine letzte

Sammlung veröffentlichte er 1927

.1928 führt sein soziales Engagement

zu einer Zwangsversetzung in die griechische Provinzstadt Preveza, was einer Verbannung

gleich kommt und Karyotakis in den Selbstmord treibt. Sein Leben machte ihn müde, einsam

und melancholisch. Man sagt ihm außerdem Rauschmitteldealerei und Syphilis nach. Auch

die Entwicklungen seiner Zeit bedrückten ihn und beeinflussten seinen Gemütszustand noch

mehr. Er wurde psychisch immer labiler und verlor jegliche Hoffnung und Lebenswillen. Sein

Wunsch nach dem Tod war so groß, dass er sich am 21. Juli1928 vor einem Cafè erschoss.4

2.1 Seine Werke im Überblick

a)

.. ,

, . 1919.

b)

.. ,

, ,

. 1921.

c)

.. ,

, . 1927

Nach seinem Tod erschienen weitere Ausgaben des Dichters, welche unter anderem von G.

Savvidis veröffentlicht wurden:

a)

K.. ,

.

.. ,

. . `., 1965, .`., 1966 (, . , 1979)

b)

K.. ,

.

.. ,

, . , 1975

2.2 Karyotakismus

Wie im vorherigen Teilkapitel berichtet, nimmt sich Konstantinos (Kostas) Karyotakis das

Leben.

Er begeisterte mit seinen Gedichten, die oftmals tiefe Hoffnungslosigkeit und das Leiden

eines sensiblen Menschen unter einer unerträglichen gesellschaftlichen Situation ausdrückten,

viele junge Menschen. Um 1930 entstand unter Nachwuchsdichtern eine Bewegung der

Nachahmung und Mythifizierung Karyotakis′, die als ,,Karyotakismus" () in

die neugriechische Literaturgeschichte einging und von der Literaturkritik einhellig abgelehnt

und sogar als gefährlich gebrandmarkt wurde, da Karyotakis die Jugend in seinen Bann ziehe

und deren Gefühl für Sprache und Kunst verderbe. Sein Selbstmord trug freilich entscheidend

dazu bei, dass sich um seine Person schnell eine Aura des Mythischen und Heroischen legte,

4 , (1988): . 30-31.

4


hatte er doch durch seine Tat das erlangt, wonach sich viele sehnten: Die völlige Einheit von

Leben und Werk, bei der der Selbstmord als konsequente und unausweichliche Fortführung

der gelebten Dichtung verstanden wird. Der Karyotakismus wird schließlich zur Mode.

Tatsächlich handelte es sich bei den Nachahmern Karyotakis′ meist um poetisch wenig

wertvolle Imitationen des karyotakischen, depressiven Stils, die bald in Vergessenheit

gerieten und heutzutage im Gegensatz zu Karyotakis selbst keine nennenswerte Rolle mehr

spielen. Noch Jahrzehnte nach dem Tod Karyotakis′ wiesen zahlreiche Gedichte

unterschiedlicher Autoren direkte Bezüge auf Karyotakis und sein Leben auf ­ ein Beleg für

die tiefen Spuren, die dieser hinterlassen hat. Seine Wirkung und sein Einfluss haben den

jüngeren Dichtern den Weg zu einer neuen Sensibilität für die skeptische Heiterkeit eröffnet.5

3 Gedichtanalyse anhand ausgewählter Textbeispiele

Im folgenden Kapitel sollen nun ausgewählte Gedichte Karyotakis´ auf Merkmale wie

Lyrische Klangfiguren, Gedichtform, Bildlichkeit, Wirklichkeitsbezug, Intertextualität,

Poetologie und Narrativität untersucht werden. Die ausgewählten Texte sollen typische

Beispiele für zu untersuchenden Aspekte sein.

3.1 Allgemeine Poetische Aspekte

Karyotakis′ Dichtung ist heterogen und ambivalent: Sie schwankt zwischen leisem Lyrismus

und romantischer Rhetorik, zwischen elegischer In-sich-Gewandtheit und satirischer Schärfe.

Der Gegensatz zwischen empirischer Objektivität und einem subjektiven Erleben der Dinge

wird offen artikuliert. Lyrischer Topos ist immer die Suche nach dem Ideal, die scheitern

muss; die ersehnte Linderung des Schmerzes der Wirklichkeit, auf die nur neuer Schmerz

folgt. In den Gedichten Karyotakis′ findet man nur selten poetische Bilder. Stattdessen

überwiegt das ,,Schwindelgefühl der Leere", Gegenstände treten meist nur akustisch, nicht

stofflich und plastisch auf, und bestimmende Motive sind die des Weggehens, des Schattens,

der Finsternis und der Sehnsucht.6

Beeinflusst wurde Karyotakis in seiner Dichtung dabei stark vom französischen Symbolismus

eines Charles Baudelaire. Der Titel der zweiten Gedichtsammlung

Schmerzmittel

(

)

stammt ursprünglich von Baudelaire, der in seinem Werk

Les paradis artificiels

(1860) das

Opium als ,,pharmakon népenthès", also als schmerzstillendes Mittel, bezeichnet hatte. Die

5 Karyotakis, Kostas:

... die Tat zu verschieben,

aus dem Griech. übersetzt von Costas Gianacacos, Köln 1999,

S.192-193.

6 Agras, Tellos:

Karyotakis und die Satiren

, in: Mitsou, Marie-Elisabeth; Oikonomou, Maria (Hrsg.):

Reflexionen. Essays neugriechischer Autoren

, München 2005, S. 120.

5



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