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Eine komponentiale Analyse der Erzählung "Die Zuckererbsen" von B. Schlink

Scholary Paper (Seminar), 2000, 34 Pages
Author: Dr. Martin Giese
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 34
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V14089
ISBN (E-book): 978-3-638-19583-6

File size: 280 KB


Excerpt (computer-generated)

"Die Zuckererbsen" von Bernhard Schlink - eine komponentiale Analyse

 

 

 

von Martin Giese

I n h a l t s v e r z e i c h n i s

Einleitung

A.1. Grundlagen der Komponentialen Analyse

A.1.1. Zur Textanalyse
A.1.2. Zur Epochenbestimmung

A.2. KA Hauptmotive unserer Periode

A.2.1. Das "Teuflische"
A.2.2. Die "Geschwächtheit des Bergenden"
A.2.3. Die "Blockiertheit des Neuen"

Hauptteil

B.1. Zusammenfassungen der Handlung
B.2. Die KA Hypothese

B.2.1. Die Hypothesenbildung
B.2.2. Die Überprüfung der komponentialanalytischen Hypothese
B.2.3. Die Modifikation

B.3. KA Sinn-Interpretation
B.4. Strukturelle Einordnung

B.4.1. Periodentypus
B.4.2. Phasenzugehörigkeit

Schluss

Literaturverzeichnis

 

 

 


A.0 Einleitung

Diese Hausarbeit ist dem Andenken an Herrn Prof. Dr. Walter Falk gewidmet, der im September 2000 unerwartet verstorben ist. Die deutsche Literaturwissenschaft verliert damit einen ihrer großen, wenn auch im eigenen Land wenig beachteten "Propheten". Doch wie schon seit biblischen Zeiten bekannt, gilt der dieser Nichts im eigenen Land. Als Teilnehmer des letztes Seminars, das Prof. Falk gehalten hat, möchte ich diese Hausarbeit Prof. Falk und seiner Komponentialanalyse "widmen". Es wäre ein kaum zu verkraftender Verlust wenn diese Methode mit ihrem Begründer sterben würde - in einer wissenschaftlichen Landschaft, die mehr vom pseudo-wissenschaftlichen Mainstream geprägt ist, als von intellektueller Unabhängigkeit und Autonomie. Ich bitte den geduldigen Leser um Nachsicht, wenn ich nicht immer in der Lage bin, alle Darstellungen, Zitate und Anmerkungen genau zu dokumentieren, da sich diese Arbeit auf das Forschungsseminar "Komponentialanalyse" stützt, das Prof. Falk im Sommersemester 2000 an der Philipps-Universität Marburg gehalten hat und an dem ich teilgenommen habe. Als Quelle für einige Zitate kann ich deshalb nur meine Seminar-Mitschriften angeben. Diese Arbeit wendet die bereits erwähnte Methode der Komponentialanalyse auf eine Erzählung von Bernhard Schlink an, die dieser in seinem 2000 erschienen Sammelband "Liebesfluchten" veröffentlicht hat. Der Autor des Vorlesers, des wohl erfolgreichsten deutschsprachigen Romans der Gegenwart hat den Titel seiner Erzählung einem Gedicht von Heine entliehen: "Zuckererbsen". In der Einleitung sollen die Grundlagen der Komponentialanalyse aufgearbeitet werden, damit sich diese Arbeit nicht nur denen erschließt, die die Methode kennen. Im Hauptteil wird die Komponentialanalyse dann auf die o.a. Erzählung "Zuckererbsen" von Heinrich Heine angewandt. Dabei habe ich mich an die von Prof. Falk entwickelten Muster gehalten (vgl. Falk 1996, 2. Kapitel).

A.1. Grundlagen der Komponentialen Analyse

A.1.1. Zur Textanalyse

Die Komponentialanalyse, die von Prof. Falk entwickelt und vertreten wurde, basiert auf traditionellen texttheoretischen Thesen und orientiert sich dabei an Aristoteles. Um zu einem methodologischen Neuansatz zu gelangen, ergänzt Falk diese Thesen in dreierlei Hinsicht: in Bezug auf die Textebenen, in Bezug auf das Sinnganze und in Bezug auf die Interpretation.

A.1.1.1. Die Textebenen

Geht Aristoteles von einer binären Gliederung aller einheitlichen Phänomene aus, nimmt die Komponentialanalyse eine Dreiteilung an. Zur Klasse der einheitlichen Phänomene gehören auch die Texte, i.e., sie bestehen nach der klassischen Theorie aus zwei Ebenen: den Teilen und dem Ganzen. Die Komponentialanalyse weißt darauf hin, dass es nicht ausreicht zwei Ebenen anzunehmen, vielmehr müßte von drei Ebenen ausgegangen werden, da es neben den Teilen und dem Ganzen noch eine Zwischenebene gibt, in der die ungegenständlichen Strukturmuster enthalten sind. Diese Ebene regelt die Relation zwischen den einzelnen Elementen (vgl. Falk 1996, 50).

Falk verdeutlicht diesen Zusammenhang gerne am Beispiel des Schachspiels: In diesem Bild sind die gegenständlich faßbaren einzelnen Figuren die Teile. Das Ganze sind die beiden konkurrierenden Parteien und das Ergebnis ihrer Auseinandersetzung. Um das Spiel konstituieren zu können, sind allerdings auch die nicht-gegenständlichen Beziehungen zwischen den Einzelnen Teilen/Figuren von Bedeutung. Sie werden durch die Spielregeln in Form von Strukturmustern hervorgerufen. Aufgrund dieser Überlegung geht Falk davon aus, dass nunmehr nicht zwei, sondern drei ontologische Ebenen bei allen einheitlichen Phänomenen zu unterscheiden sind. Bei Texten stellen die einzelnen Wörter die Teile da, die strukturellen Regeln (e.g. in der Syntax) die Zwischenebene und das Sinnganze die dritte Ebene (vgl. Falk 1996, 49).

A.1.1.2. Das Sinnganze

[...]


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