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Film als Malerei mit Zeit - Entwürfe zum absoluten Film Walter Ruttmanns und Hans Richters

Termpaper, 2000, 21 Pages
Author: Astrid Lukas
Subject: Theater Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2000
Pages: 21
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V14571
ISBN (E-book): 978-3-638-19933-9

File size: 543 KB


Excerpt (computer-generated)

Humboldt - Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät III
Institut für Kultur- und Kunstwissenschaften
Seminar für Theaterwissenschaft / Kulturelle Kommunikation
Wintersemester 1999 / 2000
SE Deutschen Filmgeschichte 1895 - 1930

FILM ALS "MALEREI MIT ZEIT"
ENTWÜRFE ZUM "ABSOLUTEN FILM"
(WALTER RUTTMANN UND HANS RICHTER)

eingereicht von

Astrid Lukas

0. INHALTSVERZEICHNIS

1. Avantgarde und Film - Enstehung und Anspruch

2. Biographisches zu W. Ruttmann und H. Richter

3. Vergleich Ruttmann - Richter

4. Filmbeispiele

5. Rezeption

6. Literaturangaben

7. Anhang

 

1. AVANTGARDE UND FILM

Die erste avantgardistische Filmbewegung in Deutschland entstand Anfang der 20er Jahre mit abstrakten Filmexperimenten.

Aufgrund sich widersprechender Datierungen ist eine Bestimmung des „ersten“ Filmemachers dieser Art kaum vornehmbar. Dies resultiert zum einen aus den unterschiedlichen Datierungsmethoden der Künstler bzw. der Kunstgeschichtsschreibung auf der einen und der Filmgeschichtsschreibung auf der anderen Seite.1 Zum anderen machten die Künstler zum Teil selbst ungenaue Angaben zur Entstehung ihrer Werke bzw. nahmen im Nachhinein eine Vordatierung einzelner Filme vor, wodurch die Chronologie nicht mehr nachvollziehbar bzw. verfälscht ist.

Bereits Anfang des Jahrhunderts gab es zahlreiche Ideen und Konzepte zum abstrakten Film - jedoch kaum Realisierungen. Walter2 Ruttmann schrieb bereits zwischen 1913 und 1917:


„Denn die Kinematographie gehört unter das Kapitel der bildenden Künste und ihre Gesetze sind am nächsten mit denen der Malerei und des Tanzes verwandt. Ihre Ausdrucksmittel sind: Formen, Flächen, Helligkeiten und Dunkelheiten mit all dem ihnen innewohnenden Stimmungsgehalt, vor allem aber die Bewegung dieser optischen Phänomene, die zeitliche Entwicklung einer Form aus der anderen. Es ist bildende Kunst mit dem Novum, daß die Wurzel des Künstlerischen nicht in einem abschließbaren Resultat zu suchen ist, sondern in dem zeitlichen Werden einer Offenbarung aus der anderen (...).“3

Diese Zeilen stellen quasi das erste Manifest, die schlüssigste und vor allem früheste Beschreibung dessen dar, was Ruttmann, Eggeling und Richter mit ihren Filmen später intendierten.

Das Anliegen der Künstler des abstrakten Films, die übrigens alle von der Malerei kamen, war einerseits die Fortsetzung der Malerei mit anderen Mitteln: es ging ihnen um die Darstellung rhythmischer Vorgänge nicht nur im Raum und auf der Fläche, sondern darüber hinaus auch in der Zeit. Sie übernahmen dabei Ansätze v.a. aus Bewegungen der Avantgarde der bildenden Kunst wie Kubismus, Konstruktivismus, Expressionismus, Dadaismus, Futurismus.

Andererseits nutzten die Künstler die Dimension des Films als neue Ausdrucksform der bildenden Kunst und setzten diese kinematographische Technik dem zeitgenössischen Film entgegen. Sie übten radikale Kritik an dessen stagnierender Form, den ungenügenden Inhalten, der darin vermittelten banalen Vorstellung von Welt und lehnten selbst die Reformversuche des sogenannten Autorenfilms ab.

[...]


1 Während die Kunstgeschichtsschreibung stärker den Entstehungsprozess eines Werkes insgesamt berücksichtigt, beruht die Datierung der Filmgeschichtsschreibung auf den Uraufführungsdaten bei öffentlichen Vorführungen der endgültigen Fassung unter endgültigem Titel.

2 In der Literatur sind verschiedene Schreibweisen des Namens zu finden, sowohl „Walther“ als auch „Walter“ - der Einfachheit halber verwende ich letztere.

3 Walter Ruttmann: unveröffentlichtes Manuskript, verfaßt zwischen 1913 und 1917


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