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Die freie Schulwahl auf dem Prüfstand

Scholary Paper (Seminar), 2003, 17 Pages
Author: Marc Stickdorn
Subject: Economics / Business: Economic Policy

Details

Event: Bildung und Wettbewerb
Institution/College: University of Trier (FB IV)
Tags: Schulwahl, Prüfstand, Bildung, Wettbewerb
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 17
Grade: 1.7
Language: German
Archive No.: V14738
ISBN (E-book): 978-3-638-20053-0
ISBN (Book): 978-3-638-77471-0
File size: 214 KB

Abstract

Der Versuch Bildung unter dem ökonomischen Gesichtspunkt des Wettbewerbes zu betrachten bringt einige grundlegende Probleme mit sich, die eine marktwirtschaftliche Analyse der Bildung erschweren. Diese beginnen schon bei dem Gut Bildung selbst. Bildung ist keine Ware oder Dienstleistung mit geregelten Besitzverhältnissen und somit auch nicht handelbar. Sie entsteht durch das Zusammenwirken von Lehrern als ausführende und gestaltende Organe, den Schulträgern als Sachleistungsträger sowie den Schülern selbst. Der Gedanke eines Bildungsmarktes liegt somit vom Begriff her vorerst nicht nahe, da ein unmittelbarer Bezug zwischen Leistung und Gegenleistung fehlt Um das öffentliche Schulwesen in Deutschland unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachten zu können, müssen im wesentlichen sechs Aspekte beachtet werden, die den Gedanken eines freien Bildungsmarktes erschweren: Erstens herrscht durch die Schulpflicht ein Zwang zum Konsum von Bildung. Zweitens ergibt sich durch die Schulpflicht eine sehr gut vorhersehbare Nachfrage, die aufgrund von demographischen Daten schon auf lange Sicht hin planbar ist. Drittens ergibt sich aus der vorhersehbaren Nachfrage eine zentralisierte Planung der benötigten Schulplätze und somit der Quantität des Angebots. Viertens ist das Angebot ebenfalls unflexibel, da Lehrer grundsätzlich den Regelungen des öffentlichen Dienstes unterliegen und somit auch bei mangelhaften Leistungen oder Überangebot nicht kurzfristig kündbar sind. Fünftens hat Bildung zum einen den privaten Nutzen der Steigerung des eigenen Wohlstandes und als dessen Ergebnis weitere „Konsumgewinne“, wie z.B. Freude am Lernen oder ein bestimmter Status und Lebensstil, der durch Bildung im allgemeinen erreicht werden kann. Sechstens resultiert aus dem vorangegangenen Punkt, dass Bildung nicht nur die individuellen Erträge beeinflusst, sondern darüber hinaus auch noch Dritte betrifft. Das Bildungsniveau des Einzelnen beeinflusst sein soziales Verhalten und somit wird auch die Gesellschaft allgemein von dem allgemeinen Bildungsniveau beeinflusst. Dennoch lässt sich das öffentliche Schulwesen marktwirtschaftlich untersuchen. Eine Grundvoraussetzung für die Existenz eines Bildungsmarktes ist dabei die freie Schulwahl, die im folgenden der Schwerpunkt dieser Arbeit sein wird. Da sich die Schulbildung in der Grundschulzeit nicht maßgeblich unterscheidet, ist im folgenden lediglich die Schulwahl nach der Grundschule bestimmend.


Excerpt (computer-generated)

Die freie Schulwahl auf dem Prüfstand

 

 


Marc Stickdorn

Inhaltsverzeichnis  I

1. Das öffentliche Schulwesen 1

2. Die Schulwahl in Deutschland 3

3. Ziele einer freien Schulwahl 6

4. Probleme einer freien Schulwahl  7

5. Realisierungsansätze  10

6. Diskussion  13

Literaturverzeichnis  14

 



1. Das öffentliche Schulwesen

Der Versuch Bildung unter dem ökonomischen Gesichtspunkt des Wettbewerbes zu betrachten bringt einige grundlegende Probleme mit sich, die eine marktwirtschaftliche Analyse der Bildung erschweren. Diese beginnen schon bei dem Gut Bildung selbst. Bildung ist keine Ware oder Dienstleistung mit geregelten Besitzverhältnissen und somit auch nicht handelbar. Sie entsteht durch das Zusammenwirken von Lehrern als ausführende und gestaltende Organe, den Schulträgern als Sachleistungsträger sowie den Schülern selbst. Der Gedanke eines Bildungsmarktes liegt somit vom Begriff her vorerst nicht nahe, da ein unmittelbarer Bezug zwischen Leistung und Gegenleistung fehlt.1 Um das öffentliche Schulwesen in Deutschland unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachten zu können, müssen im wesentlichen sechs Aspekte beachtet werden, die den Gedanken eines freien Bildungsmarktes erschweren: Erstens herrscht durch die Schulpflicht ein Zwang zum Konsum von Bildung. Es ergibt sich somit eine polypole Struktur der Nachfrage auf dem Bildungsmarkt, die in Quantität der Anzahl aller schulpflichtigen Kinder entspricht. Auf der Nachfrageseite, und somit für jeden einzelnen Schüler, bzw. dessen gesetzlichen Vertreter, besteht erst gar nicht die Frage ob am Markt teilgenommen wird, sondern lediglich wie. 2

Zweitens ergibt sich durch die Schulpflicht eine sehr gut vorhersehbare Nachfrage, die aufgrund von demographischen Daten schon auf lange Sicht hin planbar ist. Die Nachfrageseite kann somit als äußerst unflexibel beschrieben werden.3

Drittens ergibt sich aus der vorhersehbaren Nachfrage eine zentralisierte Planung der benötigten Schulplätze und somit der Quantität des Angebots. Dies geschieht zum einen durch das Kultusministerium auf der Bundesebene und zum anderen durch die einzelnen Schulbehörden auf Landesebene. Ein freier und schneller Marktein- und austritt, als Vorraussetzung für die Funktion eines freien Marktes, ist somit nicht möglich und wird zusätzlich noch durch den folgenden Punkt erschwert.4

Viertens ist das Angebot ebenfalls unflexibel, da Lehrer grundsätzlich den Regelungen des öffentlichen Dienstes unterliegen und somit auch bei mangelhaften Leistungen oder Überangebot nicht kurzfristig kündbar sind.5 Fünftens hat Bildung zum einen den privaten Nutzen der Steigerung des eigenen Wohlstandes und als dessen Ergebnis weitere „Konsumgewinne“, wie z.B. Freude am Lernen oder ein bestimmter Status und Lebensstil, der durch Bildung im allgemeinen erreicht werden kann. Zum anderen auch einen nicht finanziellen Nutzen, indem sich durch ein höheres Bildungsniveau die Möglichkeit ergibt einen Beruf zu wählen mit relativ angenehmen Arbeitsbedingungen und viel Freizeit. Je höher das Bildungsniveau ist, desto weniger Leistungen müssen erkauft werden, da diese dann auch selbst in Eigenleistung erbracht werden können.6

Sechstens resultiert aus dem vorangegangenen Punkt, dass Bildung nicht nur die individuellen Erträge beeinflusst, sondern darüber hinaus auch noch Dritte betrifft. Das Bildungsniveau des Einzelnen beeinflusst sein soziales Verhalten und somit wird auch die Gesellschaft allgemein von dem allgemeinen Bildungsniveau beeinflusst. Bildung hat also neben den privaten Nutzen auch externe Effekte. So kommt eine gute Bildung zunächst direkt den Eltern und Kindern des Schülers zu Nutze. In den ersten Jahren übernimmt die Schule eine Art Beschützerrolle für das Kind, wodurch sich den Eltern die Möglichkeit bietet weiter ihrem Beruf nachzugehen. Schulen nehmen also direkt an der Erziehung des Kindes teil. Das Bildungsniveau der Eltern beeinflusst dabei stark den Schulerfolg der Kinder. Neben diesen direkten externen Bildungseffekten gibt es auch noch gesamtgesellschaftlich relevante externe Effekte. Die Gesellschaft allgemein erzielt einen Gewinn aus der Bildung eines Einzelnen, indem z.B. Erfindungen und Neuerungen vorwiegend von besser Ausgebildeten ausgehen und ein höheres allgemeines Bildungsniveau das soziale Zusammenleben erleichtert. Bildung erzielt also den positiven externen Effekt der allgemeinen Wohlfahrtserhöhung, welcher Auswirkung auf den ökonomischen Marktmechanismus hat und sogar dessen Versagen bedeuten kann, da externe Effekte nicht in das Kosten-Nutzen- Kalkül eines Einzelnen eingehen.7

Dennoch lässt sich das öffentliche Schulwesen marktwirtschaftlich untersuchen. Eine Grundvoraussetzung für die Existenz eines Bildungsmarktes ist dabei die freie Schulwahl, die im folgenden der Schwerpunkt dieser Arbeit sein wird. Da sich die Schulbildung in der Grundschulzeit nicht maßgeblich unterscheidet, ist im folgenden lediglich die Schulwahl nach der Grundschule bestimmend.

2. Die Schulwahl in Deutschland

[...]


1 Vgl. Greiwe, E. (2001) S. 69.
2 Vgl. Ebenda S. 69.
3 Vgl. OECD (1996) S. 59.
4 Vgl. Greiwe, E. (2001) S. 69.
5 Vgl. Ebenda S. 69 f.
6 Vgl. Ebenda S. 73.
7 Vgl. Greiwe, E. (2001) S. 73.


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