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Traum und Surrealismus in H. C. Artmanns Grünverschlossene Botschaft

Scholary Paper (Seminar), 2003, 26 Pages
Author: Hari Schmiderer
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 26
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V14877
ISBN (E-book): 978-3-638-20163-6

File size: 142 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Salzburg
Institut für Germanistik

Traum und Surrealismus
in
H. C. Artmanns „Grünverschlossene Botschaft“

Hari Schmiderer
WS 2002/03

 

Inhalt

1. Einleitung  3

2. Ist H.C. Artmann Surrealist?  4
2.1. Frankr 4
2.2. St. Achatz und Wien  6

3. Traum und Surrealismus in „Grünverschlossene Botschaft“  11
3.1. Traumdeutung  11
3.2. „Poetik des Einfalls“  13
3.3. Das surrealistische Bild  20

4. Zusammenfassung  23

Bibliographie  25

 


„Dem Traum folgen und immer dem Traum, für
ihn hat dieses schöne Wort gegolten. Und dieser
Traum war, wie mir scheint, ein doppelter:
zutiefst sein eigener und zugleich ein kollektiver,
den alle Menschen träumen.“
Peter Rosei, Rede für HC

1. Einleitung

Seit Jahrtausenden hat sich die Literatur der Träume angenommen und sich verschiedenartig mit ihnen auseinandergesetzt. Diese Verbindung reicht bis in die Gegenwart herein. Manchmal erscheint der Traum dabei als stilistisches Element und manchmal wird er selbst zu einem Gegenstand, der trotz Freud nicht immer leicht einzugrenzen und zu fassen ist. Auch H. C. Artmanns „Grünverschlossene Botschaft“ ist ein literarisches Traumbuch und somit Bestandteil dieser langen Tradition. Es soll hier kurz vorgestellt und unter zwei Gesichtspunkten näher betrachtet werden: Traum und Surrealismus.

Im ersten Kapitel wird der grundsätzlichen Frage nachgegangen, wie der Surrealismus von H. C. Artmann rezipiert worden ist. Das kann angemessen nur dann geschehen, wenn der französische Schriftsteller André Breton, sowie die Literatur- und Kulturszene der österreichischen Nachkriegszeit Erwähnung finden. Es wird sich erweisen, dass die Surrealität und die surrealistische Provokation von vielen Künstlern als tiefster Ausdruck ihrer Empfindung und ihres Lebensgefühls verstanden wurden. Ein Widerhall davon schlug sich auch im literarischen Schaffen H. C. Artmanns nieder.

Das zweite Kapitel ist am Text „Grünverschlossene Botschaft“ orientiert. Es soll gezeigt werden, dass das surrealistische Bild die Befreiung der Sprache und des Denkens implizierend bei H. C. Artmann fortwirkt. Wie sehr die Surrealität als Lebensgefühl in diesen Text hineinspielt, muss zudem an der abwechslungsreichen Motivik und Thematik und der zugrundeliegenden Auffassung von Poesie und Phantasie deutlich gemacht werden. Der Traum wird vor diesem Hintergrund spielerisch verfremdet. Die Objekte dieser Verfremdung reichen von der alten Tradition wahrsagender Traumbücher bis zur Freudschen Traumsymbolik und sind beinahe immer präsent.

2. Ist H.C. Artmann Surrealist?

Die Rezeption des französischen Surrealismus durch die Kulturszene der österreichischen Nachkriegszeit erfüllte eine wichtige Funktion für die damalige, neu aufkeimende Avantgardebewegung. In diesen Kontext muss nach einem kurzen Rekurs auf den französischen Surrealismus und seinen Haupttheoretiker André Breton H. C. Artmann eingeordnet werden, der für den Surrealismus vehement Partei ergriff. Es soll versucht werden, wo es möglich ist, eine Linie von Paris nach Wien zu ziehen.

2.1. Frankreich

Der französische Surrealismus formierte sich zu Beginn der 20er Jahre um den jungen Arzt und Schriftsteller André Breton. Die Surrealisten wurden in der Folgezeit wegweisend für viele Bereiche der Kunst, für Literatur, Malerei und Film. Ihre Bewegung war durchaus international und fast die gesamte Kunstproduktion umfassend. Von großer Bedeutung für den Surrealismus waren seine avantgardistischen Vorgänger in der Dada-Bewegung, denen sich ursprünglich auch André Breton angeschlossen hatte, bevor er sich loslöste, um im Surrealismus eine neue philosophische Grundlegung für das Leben und die Kunst anzustreben. Was der Surrealismus vom Dadaismus mitgenommen hat, waren vor allem die konsequente Sprachreflexion, die teilweise Auflösung von Syntax und Semantik, sowie die Gesellschaftskritik. Während jedoch der Dadaismus vor dem Hintergrund des Elends des Ersten Weltkriegs in seiner „Anti-Haltung“ gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft und der Kunst selbst dem aussichtslosen Nihilismus entgegenzudriften drohte, ging es den Surrealisten um nichts geringeres als die Schaffung einer neuen, erweiterten Realität. Sie sahen sich dabei als Vollender einer langen Tradition der Surrealität als Geistesverfassung, die zu allen Zeiten und an allen Orten zu Tage treten kann. Von E. A. Poe bis G. Nerval, von G. Apollinaire bis Ch. Baudelaire reicht daher die literarische Ahnengalerie der Surrealisten.1 Kennzeichnend für den französischen Surrealismus war dabei eine in ihren Anfängen streng wissenschaftliche Selbstauffassung, die sich als Fortsetzung und Beitrag zu den Theorien Sigmund Freuds verstand. Tatsächlich nehmen der Traum und das Unbewusste breiten Raum in der surrealistischen Theorie ein, doch begegnete Freud seinen selbsternannten Nachfolgern skeptisch und mit Unverständnis, was durch die Ansicht zu begründen sein könnte, dass die Surrealisten das Unbewusste eher kolonisierten, denn untersuchten und deuteten.2 Um das alles ein wenig näher auszuführen und für einen Vergleich mit H. C. Artmann zugänglich zu machen, hilft ein Blick in Bretons Manifeste des Surrealismus.

In seinem „Ersten Manifest des Surrealismus“ (1924) gibt Breton eine Definition der neuen Bewegung, deren Name begrifflich G. Apollinaire entlehnt ist und wörtlich etwa „über das Reale hinaus“ bedeutet:

[....]


1 Vgl. hierzu auch: Breton, André: Die Manifeste des Surrealismus, Hamburg 1986, S. 27f. Im „Ersten Manifest des Surrealismus“ (1924) nennt Breton eine Reihe von Autoren, bei denen er surrealistische Elemente erkennt.

2 Vgl. Balakian, Anna: Surrealism. The road to the absolute, Chicago 1986, S. 131.


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