Autor: Marcus Voigt
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Details
Jahr: 2002
Seiten: 75
Note: 1.7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 285 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-20944-1
Textauszug (computergeneriert)
Projektseminar: Soziale Kulturarbeit
"Söhne ohne Väter"
Männliche Sozialisation ohne väterliche Bezugsperson
Diplomarbeit zur Erlangung des Grades
eines Diplom-Sozialarbeiters
an der
Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik "Alice Salomon"
eingereicht im Wintersemester 2002/2003
am 28.10.2002
von
Marcus Voigt
Gliederung
1 Einleitung ... 5
2 Die Rolle des Vaters in der Sozialisation des Sohnes ... 7
2.1 Gemeinsame Rollen beider Elternteile ... 8
2.2 Die Rolle des Vaters ... 9
2.2.1 Theorien zur Rolle des Vaters in der geschlechtsspezifischen Sozialisation ihrer Söhne ... 14
2.2.1.1 Die klassische Psychoanalyse ... 15
2.2.1.2 Modelle der Lerntheorie ... 17
2.2.1.3 Kognitive Entwicklungstheorie ... 19
2.2.1.4 Rollentheorie ... 22
2.2.1.5 Theorieübergreifender Ansatz zur geschlechtsspezifischen Sozialisation von Nancy Chodorow ... 24
2.2.2 Die ′Neuen Väter′ ... 28
3 Auswirkungen des Vaterverlustes und des Aufwachsens ohne Vater auf den Sohn ... 32
3.1 Forschungsgeschichte ... 35
3.2 Auswirkungen der Vaterabwesenheit auf die kognitive Entwicklung des Kindes ... 37
3.2.1 Geschlechtsrollenidentifikation ... 39
3.2.2 Angstinterferenz ... 40
3.2.3 Konfluenz-Modell ... 40
3.2.4 Intelligenzdefizithypothese ... 41
3.3 Auswirkung der Vaterabwesenheit auf die moralische Entwicklung des Sohnes ... 42
3.3.1 Identifikation und Geschlechtsrollenübernahme ... 44
3.3.2 Lernen am Modell ... 45
3.3.3 veränderte Mutter-Kind-Interaktion ... 45
3.4 Vaterabwesenheit und die Geschlechtsrollenentwicklung des Sohnes ... 46
3.5 Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern die ohne Vater aufwachsen ... 51
4 Möglichkeiten der Kompensation der negativen Auswirkungen der Vaterabwesenheit ... 54
4.1 Intrafamiliäre Kompensationsmöglichkeiten am Beispiel der Mutter ... 55
4.2 Außerfamiliäre Kompensationsmöglichkeiten am Beispiel der sozialpädagogischen Jungenarbeit ... 56
4.2.1 Inhalte und Ziele der Jungenarbeit ... 57
4.2.2 Väterlichkeit in der Arbeit mit Jungen ... 61
5 Ergebnisse ... 66
6 Literaturverzeichnis ... 70
1 Einleitung
Thema dieser Diplomarbeit ist die Sozialisation von Jungen, die ohne Vater aufwachsen. Der Vater und seine Rolle innerhalb der Familie rücken immer stärker ins öffentliche Interesse - von umfassenden Studien bis zu populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen. Meine Fragestellung war, welche Bedeutung der Vater im Leben seines Sohnes hat und wie es sich auswirkt, wenn er diese Verantwortung nicht wahrnehmen kann oder will.
In der Arbeit gehe ich der These nach, dass vom Aufwachsen ohne Vater oder andere starke männliche Bezugspersonen ein Risiko für die Entwicklung von Jungen ausgeht. Besondere Beachtung schenke ich in diesem Zusammenhang der geschlechtsspezifischen Sozialisation, denn hier verfolge ich die Ansicht, dass die Findung einer eigenen männlichen Rolle, einer positiven Geschlechtsidentität, ohne Vater stark erschwert ist.
Im ersten Teil der Arbeit werde ich der Rolle des Vaters in der Sozialisation des Sohnes nachgehen und Erziehungs-funktionen, die beide Eltern geschlechtsunabhängig ausüben können, darstellen. Ein Unterabschnitt widmet sich der Gruppe der "Neuen Väter" und dem Versuch eine Typologie aufzustellen.Im letzten Teil des ersten Kapitels gehe ich auf die Rolle des Vaters in der geschlechtsspezifischen Sozialisation ein. Dargestellt wird sie anhand psychologischer, soziologischer und theorieübergreifender Modelle.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich in vier Schwerpunkten mit den Auswirkungen der Vaterabwesenheit auf den Sohn, insbesondere auf seine kognitive und moralische Entwicklung. Weiterhin stehen die Folgen für die Geschlechtsrollenentwicklung und die Untersuchungen zu Verhaltensauffälligkeiten bei Jungen, die ohne Väter aufwachsen, im Mittelpunkt.
Das Kapitel 4 zeigt Möglichkeiten der Kompensation der Vaterabwesenheit. In diesem Zusammenhang wird die Rolle der Mutter kurz beschrieben. Ausführlicher gehe ich auf die Chancen ein, durch geschlechtsorientierte Arbeit männlicher Pädagogen Einfluss zu nehmen, auf die Entwicklung von Jungen und der von ihnen gelebten Männlichkeit, durch Jungenarbeit. Schwerpunkt dieser Bearbeitung ist die Frage danach, was Väterlichkeit in der Arbeit mit Jungen ausmacht.
Es bleibt darauf hinzuweisen, dass sich diese Arbeit ausschließlich mit der Bedeutung des Vaters für den Sohn und den Folgen seiner Abwesenheit beschäftigen. Andere Konstellationen können hier leider nicht mehr nicht diskutiert werden. So stellt die Tatsache, dass der umgekehrte Fall - Verlust der Mutter und Aufwachsen beim Vater - mit seinen Chancen und Risiken nicht betrachtet wird, keinerlei Wertung dar, sondern ist allein dem Fakt geschuldet, dass zur zusätzlichen Darstellung dieses Themas keine Zeit mehr verblieb.
2 Die Rolle des Vaters in der Sozialisation des Sohnes
Eltern sind die ersten Sozialisationsinstanzen im Leben des Kindes und die Personen, die es am nachhaltigsten prägen. Kann man davon ausgehen, dass der Verlust des Vaters nicht nur eine emotionale Lücke reißt, sondern auch das Aufwachsen, Lernen und Gestalten schwieriger macht? Um diese Frage zu klären, arbeite ich seine Bedeutung für die Sozialisation des Kindes heraus. Da der Großteil der elterlichen Sorge von Vater und Mutter auch jeweils allein und ohne Einschränkungen ausgeübt werden kann, stelle ich diesen Teil am Anfang kurz dar.
Ursprünglich bis in die 70er Jahre bestand eine klare Rollenverteilung in der Familie, die gesellschaftlich anerkannt war und vom Großteil der Bevölkerung nicht hinterfragt wurde. Der Vater hatte die instrumentelle Funktion des Ernährers und Beschützers der Familie und die Mutter die expressive Funktion der Betreuerin und Versorgerin des Kindes. (vgl. FTHENAKIS 1999, S.29)
Erst mit Beginn der Student/Innenbewegung, der Frauenbewegung und der Veränderung der ökonomischen Situation, dahin gehend, dass immer mehr Frauen aufgrund veränderter ökonomischer und sozialer Verhältnisse erwerbstätig waren, gestaltete sich auch das gesellschaftliche Bild von Familie und Erziehung neu. Mehr und mehr rückte die Frage in den Vordergrund, welche erzieherische Funktion und Bedeutung der Vater hat.
Anfangs wurde größtenteils behauptet, dass seine Rolle als Erzieher und Bezugsperson seiner Kinder zu vernachlässigen sei. Der britische Psychologe John Bowlby erklärte noch in den 50er Jahren, dass ein Kind nur eine Bezugsperson - die Mutter - benötigt. Väter waren seiner Ansicht nach nur "Autoritäten am Rande". (vgl. KUCKLICK 2001, S.149)
Doch mehr und mehr gerät der Vater in den Mittelpunkt des Interesses, denn die emotionale Bindung an ihn und die kompliziertere Entwicklung von Kindern ohne männliche Bezugsperson zeigen das Ausmaß seiner Bedeutung für die Entwicklung des Kindes.
Um die Bedeutung des Vaters für den Sohn und die Auswirkungen seines Verlustes zu klären, ist es wichtig seine Rolle in der Erziehung und (insbesondere der geschlechtsspezifischen) Sozialisation des Sohnes zu veranschaulichen. Nur so lässt sich die unterschiedliche Entwicklung von Jungen, die mit beiden Eltern, und Jungen, die bei der Mutter und nur mit seltenem oder ohne Kontakt zum Vater aufwachsen, erklären.
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