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Menschenbilder als soziale Konstrukte: Wahn und Wahnsinn - die Hexenverfolgungen

Scholary Paper (Seminar), 2002, 28 Pages
Author: Alexander Kahr
Subject: Pedagogy - Science, Theory, Anthropology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 28
Grade: Sehr Gut
Language: German
Archive No.: V16049
ISBN (E-book): 978-3-638-21001-0

File size: 611 KB


Excerpt (computer-generated)

Menschenbilder als soziale Konstrukte:
Wahn und Wahnsinn - die Hexenverfolgungen

 

 

von Alexander Kahr

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG 3

1. DIE HEXENVERFOLGUNGEN IN EUROPA

1.1. Der Ursprung des Hexenwesens 4
1.2. Der teuflische Sündenbock 6
1.3. Das traditionelle Hexenbild 8
1.4. Der Hexenwahn und dessen Ende 12

2. MENSCHENBILDER IM WANDEL

2.1. Über das Entstehen und Wesen von Menschenbildern 15
2.2. Fallbeispiel: Die Hexen von Salem 19

ZUSAMMENFASSUNG 23

ANHANG 25

LITERATURVERZEICHNIS 27

BILDERNACHWEIS 27

 

 

 

 

EINLEITUNG

Wir kennen sie alle. Wer kennt sie wohl nicht? Sie begleiteten uns durch die Zeitalter hinweg, durch unsere Träume, Sehnsüchte, Überlieferungen, Traditionen, Geschichten und Märchen, letztendlich auch durch unsere innersten Ängste und eigene Imaginationskraft.

Sie reiten und fliegen auf Besen und rühren des nachts in einem riesigen Kessel eine dampfende giftige Brühe zum Unheil der Menschen. Sie bringen Hagel und Verderben über die fruchtbaren Felder und rauben neugeborene Kinder, um sie letztendlich einer dunklen Macht zu opfern. Wo sie sind, sind auch Hass und Zwietracht im Volke zu finden. Sie sind dem Teufel ergeben und verkehren mit ihm. So manch unheilvolles schwarzes Getier ist ihr steter Begleiter. Sie sind sowohl hässliche von Warzen übersäte, bucklige alte Weiber, als auch verführerische - vielleicht zu verführerische? - junge Frauen, die schamlos die Festen der Heiligen Christenkirche zu schleifen versuchen. Sie verfügen über magische Kräfte, die ein gottesfürchtiger Mensch nicht kennen kann. Sie verkörpern das Dunkle, die allgegenwärtige Versuchung, das große Unbekannte auf dieser Welt. Sie waren und sind unter uns, und werden es in Zukunft wohl immer noch sein: die Hexen. Urteile und Vorurteile, Wissen und Aberglauben, Bilder und Abbilder, Sein und Schein - ein wohl ewiges unbeherrschbares Netzwerk im Leben des Menschen, das im Menschenbildnis der satansbesessenen Hexe einen weiteren Ausdruck fand. Wie konnte es vor über 600 Jahren so weit kommen, dass tausende unschuldige Frauen, Männer, Kinder und selbst Tiere denunziert, gefoltert und letztendlich auf qualvolle Art verbrannt wurden? War in jenen Zeiten, bis herauf ins 18. Jahrhundert, die Vernunft noch nicht geboren, oder handelte es sich dabei lediglich um einen Entwicklungsprozess, der in seinem Prinzip bis heute noch seine Wirkung hat? Haben wir selbst noch in unserer scheinbar so freidenkerischen, aufgeklärten westlichen Welt eine von Vorurteilen geprägte Verhaltensweise? Diese Seminararbeit versucht anhand des Menschenbildes der Hexe eine Antwort darauf zu geben.

1. DIE HEXENVERFOLGUNGEN IN EUROPA

1.1. Der Ursprung des Hexenwesens

Schon seit jeher war es des Menschen Bestreben, das Unbenannte, das Unerkannte, die geheimnisvollen Kräfte und Mächte der Natur und des eigenen Wesens zu ergründen und zu beherrschen. Doch je mehr er glaubte, Einsicht über das wahre Wesen der Dinge zu erhalten, musste er erkennen, dass sich mit dem Anwachsen seines Wissens - frei im Sinne des französischen Philosophen Blaise Pascal - die Berührungspunkte mit dem Unbekannten gleichermaßen vermehrten. Es gab immer wieder etwas Neues, das außerhalb seines Wahrnehmungskreises beziehungsweise Wissenshorizontes stand. Dasjenige, das er nicht erkennen konnte, versuchte er durch wundersame Geschichten und Mythen in eine für ihn verständliche Sprache zu kleiden, so wie es bis heute noch, und vor allem in sämtlichen Religionen, Glaubenssystemen, Philosophien, Sekten und Ideologien der Fall ist.

Das Hexenbild hat es daher bereits schon immer gegeben. Es verbirgt sich in jedem einzelnen von uns, egal ob Mann oder Frau. Man findet und fand es immer wieder in solchen Menschen, die sich am Rande der Gesellschaft mit all ihren Werten und Normen bewegten und bewegen. Sie unterscheiden sich vom Bild der breiten Masse, denn ein Teil ihres Wesens erscheint ihr rätselhaft, fremd und unverständlich. Seit dem Altertum und noch viel früher, fand man sie zum Beispiel in den Hebammen, Tierheilern, Kräuterweiblein, Wahrsagern, Medizinfrauen und Schamanen, beziehungsweise in solchen Menschen, die ein wenig mehr Einblick in das Wesen der Natur hatten oder auch in solchen, die nur geglaubt hatten dieses Wissen zu besitzen. Jedenfalls verfügten sie über ein scheinbar oder vielleicht sogar tatsächliches Wissen, das sich die breite Masse an Menschen nicht so ohne weiteres erklären konnte, oder aufgrund strenger religiöser oder politischer Indoktrination nicht erklären durfte.

[...]


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