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Hauptseminararbeit, 2003, 24 Seiten
Autor: Joseph Badde
Fach: Geschichte - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Details
Institution/Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte)
Tags: Genuakonferenz, Internationale, Wirtschaftsbeziehungen, Jhdt
Jahr: 2003
Seiten: 24
Note: 2-
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-21048-5
ISBN (Buch): 978-3-640-20276-8
Dateigröße: 466 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges endete in Europa die Ära des klassischen Goldstandards, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter der Führung Großbritanniens entwickelt hatte, und international durch relativ fixe Wechselkurse die Wirtschaft der meisten Industriestaaten verbunden hatte. Der erste Weltkrieg zerstörte durch unverantwortliche Kriegsfinanzierungssysteme die bis dahin hoch vernetzten internationalen Arbeits- und Kapitalmärkte innerhalb von kurzer Zeit. Der Goldstandard, der sich bis dahin dadurch auszeichnete hatte, dass es möglich war Gold freizügig und ungehindert zu ex- und importieren, sowie die Konvertibilität des inländischen Zahlungsmittel in Gold zu garantieren, wurde nun zwecks Geldmengenerhöhungen aufgehoben, um die immensen Ausgaben für den Krieg finanzieren zu können. Folglich brach das bis dato historisch gewachsene Finanzregime mit dem Hegemon England, das großteils aufgrund internationaler Zusammenarbeit und Solidarität der nationalen Notenbankchefs und nicht durch internationale Verträge oder Institutionen funktionierte hatte, zusammen. Folge der Kriegsfinanzierung waren am Ende des Krieges eine hohe Inflation, allgemeine wirtschaftliche Instabilität und hohe Wechselkursschwankungen, die den stark beschädigten internationalen Handel weiter verunsicherten. Um alle diese wirtschaftlichen Probleme einzudämmen, waren die alliierten Mächte daran interessiert den Goldstandard wieder zu installieren und auf diesem Wege wieder internationale Konvertibilität herzustellen, die zur Erholung der internationalen Wirtschaft beitragen sollte. Dies war auch das wirtschaftliche Hauptanliegen der Konferenz von Genua im April und Mai 1922. Doch dieser Versuch missglückte weitgehend und hatte zu Folge, dass die finanzpolitischen Maßnahmen der europäischen Regierungen in den 20er Jahren meist ohne internationale Abstimmung stattfanden, was die Weltwirtschaftskrise 1929 weitgehend begünstigte. Thema dieser Arbeit ist es, die Ursachen mangelnder Politikkoordination am Fall der Genua-Konferenz herauszuarbeiten und aufzuzeigen, weshalb der auf der Genua-Konferenz angedachte Golddevisenstandard in der Folgezeit nicht wie geplant implementiert werden konnte.
Textauszug (computergeneriert)
Die Genuakonferenz 1922
von Joseph Badde
INHALT
I. Vorwort S. 2
II. Politische Ausgangslange S. 3
III. Wirtschaftliche Ausgangslage S. 7
IV. Währungspolitische Vorhaben S. 11
V. Ziele der Genua-Konferenz 1922 S. 13
VI. Scheitern der Konferenz S. 15
VII. Schlussbemerkung S. 18
Literatur S. 19
I. Vorwort
Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges endete in Europa die Ära des klassischen Goldstandards, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter der Führung Großbritanniens entwickelt hatte, und international durch relativ fixe Wechselkurse die Wirtschaft der meisten Industriestaaten verbunden hatte. Der erste Weltkrieg zerstörte durch unverantwortliche Kriegsfinanzierungssysteme die bis dahin hoch vernetzten internationalen Arbeits- und Kapitalmärkte innerhalb von kurzer Zeit. Der Goldstandard, der sich bis dahin dadurch auszeichnete hatte, dass es möglich war Gold freizügig und ungehindert zu ex- und importieren, sowie die Konvertibilität des inländischen Zahlungsmittel in Gold zu garantieren, wurde nun zwecks Geldmengenerhöhungen aufgehoben, um die immensen Ausgaben für den Krieg finanzieren zu können. Folglich brach das bis dato historisch gewachsene Finanzregime mit dem Hegemon England, das großteils aufgrund internationaler Zusammenarbeit und Solidarität der nationalen Notenbankchefs und nicht durch internationale Verträge oder Institutionen funktionierte hatte, zusammen. Folge der Kriegsfinanzierung waren am Ende des Krieges eine hohe Inflation, allgemeine wirtschaftliche Instabilität und hohe Wechselkursschwankungen, die den stark beschädigten internationalen Handel weiter verunsicherten. Um alle diese wirtschaftlichen Probleme einzudämmen, waren die alliierten Mächte daran interessiert den Goldstandard wieder zu installieren und auf diesem Wege wieder internationale Konvertibilität herzustellen, die zur Erholung der internationalen Wirtschaft beitragen sollte. Dies war auch das wirtschaftliche Hauptanliegen der Konferenz von Genua im April und Mai 1922. Doch dieser Versuch missglückte weitgehend und hatte zu Folge, dass die finanzpolitischen Maßnahmen der europäischen Regierungen in den 20er Jahren meist ohne internationale Abstimmung stattfanden, was die Weltwirtschaftskrise 1929 weitgehend begünstigte. Thema dieser Arbeit ist es, die Ursachen mangelnder Politikkoordination am Fall der Genua-Konferenz herauszuarbeiten und aufzuzeigen, weshalb der auf der Genua-Konferenz angedachte Golddevisenstandard in der Folgezeit nicht wie geplant implementiert werden konnte.
II. Politische Ausgangslage
Die Konferenz, die vom 10. April bis zum 19. Mai 1922 in Genua stattfand, entstand größtenteils aus der Notwendigkeit, dass die Ergebnisse der Pariser Beschlüsse vom 29.1.19211, die ohne Anwesenheit Deutschlands, Österreich- Ungarns und Russlands, von den alliierten Mächten ausgehandelt worden waren, sich in ihrer Absicht als nicht durchführbar erwiesen und dringend überarbeitet werden mussten. Hinzu kam, dass auch die Vereinigten Staaten von Amerika mit den Pariser Beschlüssen nicht zufrieden waren und sich immer mehr aus Europa zurückzogen. Auch das Verhältnis zwischen Großbritannien und Frankreich hatte sich in Fragen der deutschen Reparationsverpflichtungen und der Beziehung zum bolschewistischen Russland immer weiter auseinander entwickelt, da beide Länder in diesen Fragen höchst unterschiedliche politische Prioritäten verfolgten. Frankreichs Hauptanliegen war es die militärische Sicherheit ihres Landes zu gewährleisten und den Status quo der Versailler Verträge nicht aufzugeben, während Großbritannien versuchte seine wirtschaftliche Vormachtstellung in Europa, die es während des ersten Weltkrieg verloren hatte, wiederzuerlangen und war deshalb gewillter den Status quo in Europa zu modifizieren.2
Der Druck die Pariser Beschlüsse zu überarbeiten baute sich außerdem durch die steigende Unzufriedenheit und innenpolitischen Schwierigkeiten in Deutschland und Österreich/Ungarn auf, doch waren sie nicht die einzigen Staaten die mit den politischen und wirtschaftlichen Ergebnissen von Versailles nicht einverstanden waren, auch die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten, Italien und Japan kritisierten Schlüsselfragen des Vertrages. England, dessen Wirtschaftskraft nach dem Krieg stark erschüttert worden war, war angesichts von 2 Millionen Arbeitslosen sowie einem Mangel an Kapital und Rohstoffen, ohne deren Beseitigung sie ihre Stärke im Weltmarkt nicht wiedererlangen würden, sehr an einer grundsätzlichen Neuordnung der politischen und wirtschaftlichen Lage interessiert. Dieses revisionistische Interesse an den Pariser Beschlüssen wurde von der englischen Regierung diplomatisch in dem Schlüsselwort „international conciliation“ zusammengefasst. Selbstverständlich muss hinzugefügt werden, dass das Interesse an einer Revision der Pariser Beschlüsse in den einzelnen Ländern auf höchst unterschiedlichen ideologischen, nationalen, sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen beruhte, die kaum zu vereinbaren waren, wie es sich auch während der Konferenz von Genua herausstellen sollte. Die Aufgabe der Koordination dieser verschiedenen Interessen hatte offiziell der Völkerbund übernommen, doch hatte dieser schon seit seiner Gründung mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass drei wichtige Natio- nen, nämlich die USA, Deutschland und Russland, ihm nicht angehörten. So waren die einflussreichsten Nationen innerhalb des Völkerbundes Frankreich und Großbritannien auch diejenigen, die auch Ende des Jahres 1921 unter Premierminister David Lloyd George und Staatspräsident Aristide Briand entschieden eine internationale Konferenz in Genua anzukündigen, an der auch die bisher ausgeschlossenen Nationen Deutschland und Russland teilnehmen sollten. Die Gründe für Großbritannien und Frankreich lagen in ihrem jeweiligen nationalen Interesse, aber auch in der Herausforderung die diplomatischen Schwierigkeiten einzudämmen und nicht zuletzt in der schwachen innenpolitischen Situation beider Staatschefs, die auf außenpolitische Erfolge angewiesen waren, um ihre innenpolitische Position zu stärken.4
[...]
1 Vgl. Pariser Beschlüsse unter der Internetadresse: http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/versailles/index.html#231
2 Vgl. Carole Fink: The Genoa Conference. Chapel Hill 1984, S. 3.
3 Ebd. S. 4.
4 Ebd. S. 5.
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