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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 31 Pages
Author: Joseph Badde
Subject: American Studies - Miscellaneous
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Anglistik u. Amerikanistik)
Tags: MASKEN, MASKIERUNG, ROBERT, ALTMANS, FILM, SHORT, CUTS, Hauptseminar, Short, Cuts
Year: 2002
Pages: 31
Grade: 2,25
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-21078-2
ISBN (Book): 978-3-640-20278-2
File size: 198 KB
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Abstract
Der 1993 in den USA erstaufgeführte Film Short Cuts von Robert Altman basiert auf neun Kurzgeschichten und einem Gedicht des 1988 verstorbenen Schriftstellers Raymond Carver. Altman hatte Carvers Kurzgeschichten gewählt, weil ihn „human behavior, filled with all its mystery and inspiration“1 schon immer fasziniert hatte und er der Meinung war, dass Raymond Carver es verstanden hatte, den normalen Irrsinn des Lebens in seinen Erzählungen einzufangen. („[to] capture the wonderful idiosyncrasies of human behavior, the idiosyncrasies that exist amid the randomness of life’s experience”.)2. Um aus den Kurzgeschichten einen Film zu machen, kontaktierte Robert Altman Tess Gallagher, die Witwe des verstorbenen Schriftstellers, und fragte sie, ob sie mit seinem Projekt einverstanden sei. Nach ihrer Zustimmung lud Altman sie ein, sich aktiv an der Entstehung des Drehbuchs zu beteiligen. Auch während der Entstehungsphase des Filmes blieb er in ständigen Kontakt mit ihr. In dem Vorwort Altmans zu dem Buch Short Cuts, indem die im Film verarbeiteten Kurzgeschichten erstmalig zusammengestellt wurden, bezeichnete er sie als einen „real contributer to the film.“3 Robert Altman betrachtete die Kurzgeschichten nicht als Filmscript, sondern als „foundation“4 seines Filmes. Aus diesem Grund gab er seinen 22 Darstellern nicht nur das Filmscript zum lesen, sondern auch die neun Kurzgeschichten und das Gedicht und forderte sie auf, sich intensiv mit dem Carverprotagonisten zu beschäftigen und sich auf die Erzählwelt Carvers einzulassen, um dann aktiv zur Gestaltung des Filmes beizutragen. Tess Gallagher verglich später die Entstehung des Filmes mit der Metapher eines Sauerteigs. „He [Robert Altman] was using the stories as a kind of sourdough, a starter, like yeast. It was generative. It was very interesting to me that he broke the frames of the stories in such a way that the characters began to interact with each other and to glance off each other.”5 Altman bezeichnete seinen Film als “Carver Soup”6 und scheute sich nicht, neue Elemente und Figuren in den Film einzuführen, die in den Kurzgeschichten Carvers gar nicht vorkamen. 1 Raymond Carver, Short Cuts . With an introduction by Robert Altman , (New York, 1993) p.7. 2 Carver, p. 7. 3 Carver, p. 8. 4 Carver, p. 9. 5 Robert Stewart, Reimagining Carver on Film : A Talk with Robert Altman and Tess Gallagher . In: New York Times (Sept.12, 1993). 6 Stewart, New York Times.
Excerpt (computer-generated)
LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN
INSTITUT FÜR ANGLISTIK UND AMERIKANISTIK
HAUPTSEMINAR LITERATURWISSENSCHAFT
SHORT CUTS
SOMMERSEMESTER 2002
MASKEN UND MASKIERUNG
IN ROBERT ALTMANS FILM
SHORT CUTS
JOSEPH BADDE
INHALT
I. Vorwort S. 2
II. Herkunft und Gebrauch der Maske S. 3
III. Verwendung von Masken in Short Cuts S. 10
IV. Warum verwendete Robert Altman Masken? S. 22
V. Schlussbemerkung S. 26
Literatur S. 27
I. Vorwort
Der 1993 in den USA erstaufgeführte Film Short Cuts von Robert Altman basiert auf neun Kurzgeschichten und einem Gedicht des 1988 verstorbenen Schriftstellers Raymond Carver. Altman hatte Carvers Kurzgeschichten gewählt, weil ihn „human behavior, filled with all its mystery and inspiration“1 schon immer fasziniert hatte und er der Meinung war, dass Raymond Carver es verstanden hatte, den normalen Irrsinn des Lebens in seinen Erzählungen einzufangen. („[to] capture the wonderful idiosyncrasies of human behavior, the idiosyncrasies that exist amid the randomness of life’s experience”.)2. Um aus den Kurzgeschichten einen Film zu machen, kontaktierte Robert Altman Tess Gallagher, die Witwe des verstorbenen Schriftstellers, und fragte sie, ob sie mit seinem Projekt einverstanden sei. Nach ihrer Zustimmung lud Altman sie ein, sich aktiv an der Entstehung des Drehbuchs zu beteiligen. Auch während der Entstehungsphase des Filmes blieb er in ständigen Kontakt mit ihr. In dem Vorwort Altmans zu dem Buch Short Cuts, indem die im Film verarbeiteten Kurzgeschichten erstmalig zusammengestellt wurden, bezeichnete er sie als einen „real contributer to the film.“3
Robert Altman betrachtete die Kurzgeschichten nicht als Filmscript, sondern als „foundation“4 seines Filmes. Aus diesem Grund gab er seinen 22 Darstellern nicht nur das Filmscript zum lesen, sondern auch die neun Kurzgeschichten und das Gedicht und forderte sie auf, sich intensiv mit dem Carverprotagonisten zu beschäftigen und sich auf die Erzählwelt Carvers einzulassen, um dann aktiv zur Gestaltung des Filmes beizutragen. Tess Gallagher verglich später die Entstehung des Filmes mit der Metapher eines Sauerteigs. „He [Robert Altman] was using the stories as a kind of sourdough, a starter, like yeast. It was generative. It was very interesting to me that he broke the frames of the stories in such a way that the charac - ters began to interact with each other and to glance off each other.”5 Altman bezeichnete seinen Film als “Carver Soup”6 und scheute sich nicht, neue Elemente und Figuren in den Film einzuführen, die in den Kurzgeschichten Carvers gar nicht vorkamen. Sie brauchten seiner Ansicht nach nur konsistent mit der Welt Carvers seien.
So tauchen neue Schauspieler im Film Short Cuts auf, wie zum Beispiel Tess und Zoe Trainer, die Altman einfügte, um der Filmmusik eine reale Begründung zu geben. Genauso kommt es auch vor, dass einige der Schauspieler andere Berufe haben als Carvers Figuren oder Altman seine Schauspieler mas- kiert, was in den Kurzgeschichten nicht zu finden ist. Warum und wie Altman diese Maskierung einsetzt wird das Thema dieser Seminararbeit sein.
II. Herkunft und Gebrauch von Masken
Die Beschäftigung der Menschheit mit Masken geht bis in die Steinzeit zurück und hat geschichtliche, soziologische und wohl auch psychologische Ursprünge. Schon auf den paläolithischen Wandmalereien in den Höhlen von Altamira, Lascaux und Los Casares sind Masken, Maskentänzer und Magier zu finden. Besonders auffallend ist das Wandgemälde von Trois Frères, auf dem eine fünfundsiebzig Zentimeter große Gestalt zu sehen ist, die einen Zauberer darstellt, der sich mit den Attributen verschiedener Tiere maskiert ist. Schon in der frühen Altsteinzeit scheint die Tiermaske verwendet worden zu sein, um das zivilisatorische Gefüge der Familie oder des Stammes zu festigen. Indem ein Magier in einer Tiermaske tanzend auftrat, wurde wahrscheinlich auf diese Weise eine Art Jagdzauber initiiert, der den Steinzeitmenschen neuen Mut und Kraft für die Jagd geben sollte. Tiermasken sind auch noch heute bei den afrikanischen Bantustämmen zu finden, die den Tiertanz dazu benützen, sich mit dem bezeichneten Tier zu versöhnen und gleichzeitig auch die vorgestellte Erscheinung der Tiergottheit sichtbar werden zu lassen. So scheint die Maske wohl mit zu den Grundwerkzeugen der Menschheit zu gehören, welches aber im Gegensatz zu Hammer und Pfeil zu transzendentalen Zwecken verwendet wurde und einen stark sakralen Charakter hatte, beziehungsweise noch hat.7 Die ersten Masken, die nicht Tiere sondern Menschen abbildeten, sind die Totenmasken, die den Toten im alten Ägypten und Griechenland beigegeben wurden. Das bekannteste Beispiel hierfür, ist die Maske von Mykene, die von Heinrich Schliemann als Antlitz des Agamemnon bezeichnet wurde. Somit begegnet uns hier das erste Mal eine Austausch zwischen Antlitz und Maske. Die christlichen Totenmasken aus Fayum in Ägypten unterschieden sich durch ihre Eindimensionalität und Farbigkeit von denen dem Totenkult nahen mehrdimensionalen, einfarbigen Masken der nichtchristlichen Umgebung.
[....]
1 Raymond Carver, S h o r t C u t s . W i t h a n i n t r o d u c t i o n b y R o b e r t A l t m a n , (New York, 1993) p.7.
2 Carver, p. 7.
3 Carver, p. 8.
4 Carver, p. 9.
5 Robert Stewart, R e i m a g i n i n g C a r v e r o n F i l m : A T a l k w i t h R o b e r t A l t m a n a n d T e s s G a l l ag h e r . In: New York Times (Sept.12, 1993).
6 Stewart, New York Times.
7 Vgl. Gottfried Eisermann, R o l l e u n d M a s ke , (Tübingen 1991) p. 1.
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