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Die deutschen Gewerkschaften und das Trittbrettfahrerproblem

Scholary Paper (Seminar), 2003, 12 Pages
Author: Simone Feier
Subject: Politics - Miscellaneous

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 12
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V16285
ISBN (E-book): 978-3-638-21180-2

File size: 175 KB


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg – Universität Mainz
Institut für Politikwissenschaft
WS 02/03
Seminar: Wirtschaft und Gesellschaft

Die deutschen Gewerkschaften
und das Trittbrettfahrerproblem

Simone Feier

 

Gliederung

1. Einleitung

2. Olsons Theorie vom kollektiven Handeln

3. Die deutschen Gewerkschaften
3.1. Rechtliche Ausschließbarkeit von Zwangsmitgliedschaft
3.2. ( Un)Bedeutung selektiver Anreize ?
3.3. Nichtökonomische selektive Anreize - der Motor der Gewerkschaften

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

 

1. Einleitung

„Die Gewerkschaften haben es nicht leicht in dieser Zeit. Für nahezu alles, was hakt im deutschen Politikgetriebe werden sie verantwortliche gemacht“ (Ulrich Clauss). Ob nun zu recht oder zu unrecht ist im wesentlichen unwichtig, viel interessanter erscheint in diesem Zusammenhang die Frage, wie es den deutschen Gewerkschaften dennoch gelingt zu existieren?

Mancur Olson widmet in seinem Buch „Die Logik kollektiven Handelns“ (1968) der Analyse gewerkschaftlicher Strategien zur Lösung des Mitgliedschaftsproblems mehr als 30 Seiten. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, ausgehend von Mancur Olsons Analyse gewerkschaftliches Handeln in der Bundesrepublik Deutschland zu untersuchen und die oben aufgeworfene Frage zu beantworten.

Im ersten Teil werden die für die Arbeit wesentlichen Gesichtspunkte der Logik kollektiven Handelns vorgestellt. Anschließend werden die Aufgaben, Ziele und die Stellung der Gewerkschaft dargestellt. Innerhalb dieses Teiles soll auch die Frage geklärt werden, inwiefern die von Olson entwickelte Mitgliedschaftsproblemlösungsstrategie auf das deutsche Gewerkschaftsmodel übertragbar ist. Eine Zwangsmitgliedschaft wird mit dem Grundgesetz widerlegt werden . Daran anschließend wird gezeigt werden, dass die Bedeutung der ökonomischen selektiven Anreize überbewertet wurden und die nichtökonomischen selektiven Anreize vernachlässigt wurden, obwohl sie ausschlaggebend für eine Mitgliedschaft sind.

Eine Zusammenfassung und ein Ausblick auf den Forschungsstand und die Zukunft der Gewerkschaften bilden den Abschluß der Arbeit.

2. Olsons Theorie vom kollektiven Handeln

Dieser Abschnitt bietet zunächst einen Kurzüberblick über „ Die Logik kollektiven Handelns“ und die zentralen Begriffe, die vorab definiert werden.

  • Gruppe: Eine Anzahl von Menschen mit gemeinsamen Interessen (Olson, 7).
  • Kollektivgüter: Ein Kollektivgut wird als jedes Gut definiert, das den anderen Personen in einer Gruppe nicht vorenthalten werden kann, wenn irgendeine Person in der Gruppe es konsumiert ( Olson, 13). Von manchen Autoren auch öffentliches Gut genannt. Aus diesem Grund treten die Begriffe nebeneinander auf.
  • Trittbrettfahrer- Dilemma (Free-rider-Problem): Das einzelne Mitglied läßt sich von der Gruppe tragen, das heißt es agiert nicht, profitiert aber vom Kollektivgut von dem es nicht ausgeschlossen werden kann (Druwe, 313).
  • Selektive Anreize: Der Anreiz muß in dem Sinn selektiv sein, dass jene, die sich nicht der Organisation anschließen, anders behandelt werden als jene, die dies tun (Druwe, 316).

Bis zur Veröffentlichung von Olsons Studie in den Sechzigern wurde davon ausgegangen, dass mit steigender Gruppengröße die Macht einer Gruppe ansteigt. De facto erwies sich diese Annahme als falsch, sodass sie von Olson widerlegt wurde.

Olson fand heraus, das gerade die kleinen Gruppen besonders handlungsfähig sind und dass sie am ehesten fähig sind ein Kollektivgut in optimaler Menge bereitzustellen (Olson, 21 ff) . Grund hierfür ist die überschaubare Gruppengröße, die starke wechselseitige Beziehung, der hohe Interaktionsgrad und die hohe Transparenz. Trittbrettfahrer gibt es in dieser Gruppenart nicht, da sich ein aktives teilnehmen wirtschaftlich rechnet, darüber hinaus würde es sofort auffallen und geartet werden (Olson, 44). Mit steigender Gruppengröße nehmen jedoch all die zuvor erwähnten positiven Eigenschaften der kleinen Gruppen ab, sodass das rational handelnde Individuum vor der Frage steht, ob sich der Kostenaufwand im Vergleich zum Nutzen überhaupt rechnet und ob es nicht sinnvoller ist, sich als Trittbrettfahrer zu verhalten. Da jedoch nicht nur ein Individuum so denkt und die Position eines Trittbrettfahrers einnimmt, stehen die großen Gruppen vor einem existenziellen Problem, dem sie auf zwei Arten begegnen a) Zwang und b) selektive Anreize ( Olson, 43).

„Als typische Massenorganisationen sind die Gewerkschaften unmittelbar mit dem Freerider- Problem konfrontiert“ (Winkelhake, 1997, 198). Ähnlich wie andere Organisationen versuchen sie das Mitgliedschaftsproblem zu lösen, indem sie selektive Anreize in Form von Streikgeld und Rechtsberatung anbieten und indem sie die Zwangsmitgliedschaft in From von „closed shop“ und „union shop“ einrichten (ebenda). Will man nun die Analyse von Olson auf das deutsche Gewerkschaftsmodel übertragen, so ist äußerste Vorsicht geboten, denn Olson bezieht sich in seinem Ansatz eindeutig auf das angelsächsische, genauer gesagt das US- amerikanische System (Olson, 64),welches vom deutschen erheblich abweicht.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen dem deutschen und dem US-amerikanischen Gewerkschaften sind folgende

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