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Scholary Paper (Seminar), 1996, 23 Pages
Author: Michael Kleen
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: University of Münster (Historisches Seminar)
Tags: Kreuzzugsaufruf, Papst, Urbans, Zeugnissen, Erste, Kreuzzug
Year: 1996
Pages: 23
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-21207-6
File size: 108 KB
Analyse der Papst Urbans II. zum Kreuzzugsaufruf 1095 durch Robert den Mönch, Guibert von Nogent und Fulcher von Chartres. Meines Wissens sind diese Reden bis heute nicht vollständig übersetzt und liegen hier in erarbeitetet deutscher Übersetzung vor! Die Arbeit geht auf Gründe der Kreuznahme ein, worunter wirtschaftliche, religiöse und soziale Aspekte einbezogen werden.
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Einführung in die Mittlere Geschichte.
Der Erste Kreuzzug 1096-1099.
WS 1995/96
Der Kreuzzugsaufruf Urbans II.
in ausgewählten Zeugnissen
Kleen, Michael
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Aufforderung zu Kreuznahme und Kampf 5
III. Gründe für die Aufnahme des Kreuzzuges 8
IV. Belohnungen und Gewährung von Privilegien 11
V. Zusammenfassung 13
VI. Literaturverzeichnis 14
VII. Quellenverzeichnis 17
I. Einleitung
Am 27. November 1095 hielt Papst Urban II. nach dem Konzil von Clermont auf dem damaligen Champ Herm eine Rede, die den Beginn des Ersten Kreuzzuges markiert und eine Bewegung begründete, die über 270 Jahre anhalten sollte1. Die Rede wurde von verschiedenen Autoren überliefert2. Dennoch muß festgestellt werden, daß der genaue Wortlaut der Rede nicht überliefert worden ist und insofern die wahre Intention von Papst Urbans Absichten unklar ist. Unter den Darstellungen der Rede wurden die Versionen von Guibert de Nogent (in: Gesta Dei per Francos), Fulcher von Chartres (in: Historia Hierosolymitana) und Robert der Mönch (in: Historia Iherosolimitana) ausgewählt. Fulcher und Robert waren Ohrenzeugen der Rede Urbans, Guibert erhielt seine Darstellung aus zweiter Hand3. Robert der Mönch steht neben Guibert dabei stellvertretend für die Autoren, die ihre Berichte auf der Grundlage der anonymen Gesta Francorum verfaßten4. Zudem gilt er als volksnaher Berichterstatter im Gegensatz zu dem gelehrten Fulcher und dem gleichermaßen gebildeten Guibert5. Letzterer nennt als einziger zudem eschatologische Aspekte. William of Malmesbury und Wilhelm von Tyrus wurden aus zeitlichen Gründen unberücksichtigt gelassen, denn sie schrieben ihren Bericht erst dreißig bzw. neunzig Jahre nach dem Konzil6. Die anderen Autoren weisen jeweils
lediglich eine verkürzte Inhaltsangabe auf der Grundlage früherer Autoren auf7 und wurden daher ebenfalls nicht berücksichtigt. Insgesamt muß erwähnt werden, daß sämtliche Autoren erst Jahre nach der Rede mit den Aufzeichnungen begannen und insofern die Reden verfremdet und apologetisch geschrieben sein könnten. Fulcher von Chartres wurde ca. um 1059 geboren und starb 1127. Er nahm selbst am Konzil von Clermont teil und war Ohrenzeuge der Rede Urbans II. Mit seinen Aufzeichnungen begann er jedoch erst 1100 oder 11018. Er kannte Papst Urban II. persönlich und sah ihn als Vorbild für alle Christen an9. Auch gilt er als relativ vorurteilsfrei gegenüber den Türken10 und als der zuverlässigste Autor11. Robert der Mönch (auch Robert von Reims genannt) wurde wahrscheinlich um 1055 geboren und starb am 23. August 112212 und schrieb seinen Bericht nicht vor 112213. Guibert de Nogent wurde 1053 geboren und starb 112514. Er war in hohem Maße gebildet und galt zu seiner Zeit als kritische Person15. Er schrieb seine Darstellung vor 110816 in kritischerer Form und in einer stilistischen Neufassung auf der Grundlage Fulchers und der anonymen Gesta Francorum17. Die drei Darstellungen der Rede werden unter zwei Aspekten bearbeitet. Zum einen wird untersucht, mit welchen Mitteln Urban II. die Massen mobilisieren wollte. Zum zweiten werden in den Reden auffallende Aspekte des Kreuzzugsgedankens, wie er sich auch nach dem Ersten Kreuzzug manifestieren sollte, untersucht. Auf Sekundärliteratur wurde in vergleichsweise beschränktem Umfang zurückgegriffen, da sich das Thema der Hausarbeit lediglich im Rahmen umfassenderer Werke wiederfindet und relativ knapp oder auf der Grundlage anderer Quellen behandelt wird. Der Schwerpunkt der Untersuchung lag daher auf den Reden selbst und weniger auf einem Vergleich mit Darstellungen aus der Sekundärliteratur.
II. Aufforderung zu Kreuznahme und Kampf
Die Adressierung
Papst Urban II. adressierte seine Rede nach Robert konkret an das Fränkische Volk ("Ihr Volk der Franken"18). Er begründete diese Auswahl des Fränkischen Volkes, indem er sie mit Attributen von Heldentum und Kriegserfahrenheit belegt19. Außerdem stellte er eine Beziehung her zu den berühmten Vorfahren Karl dem Großen und Ludwig20, die den Zuhörern als Vorbild dienen sollen.
Als nächster Aspekt fällt auf, daß die Franken als besonders gottesfürchtig bezeichnet werden21, womit der Papst an die Frömmigkeit der Franken appelliert und sie an ihre Verpflichtung zu Gott erinnert. Sehr deutlich wird dies bei Fulcher, nach dem der Papst die Franken behauptet, daß die Franken mit dem Kreuzzug die "Stärke ihres Gottesglaubens" beweisen könnten22. Auch er kennzeichnet die Franken als auserwähltes Volk, indem er sie "Söhne Gottes"23 nennt. Diese Vorstellung der Auserwähltheit ist eine deutliche Anspielung auf das jüdische Volk im Alten Testament und seine Wanderung in das verheißene Land. Diesem Beispiel eiferten die Kreuzfahrer nach und sie glaubten sich unter dem Schutz Gottes wie das Volk Israel24. Eine ähnliche Auserwähltheit ist auch bei der Darstellung Guiberts zu entdecken, die sich allerdings auf das Abendland bezieht und nicht spezifisch auf das fränkische Volk25.
[....]
1 Zum thematischen Überblick vgl. L. Lutz (Hrsg.), Lexikon des Mittelalters, Bd. 3, Zürich 1977-1992, S. 1509-1519; Th. Schieder (Hrsg.), Handbuch zur europäischen Geschichte, Bd. 1, Stuttgart 1976 (Nachdruck 1979), S. 178-195; zum Verlauf des Ersten Kreuzzugs vgl. folgende Standardliteratur: S. Runciman, Die Geschichte der Kreuzzüge (3 Bde.), München 1957-60; A. Waas, Geschichte der Kreuzzüge (2 Bde.), Freiburg 1956; K. M. Setton (Hrsg.), A History of the Crusades (5 Bde.), Philadelphia 1969-19852; J. S. C. Riley-Smith, What were the Crusades?, London 1977; ders., The First Crusade and the Idea of Crusading, London 1986; H. E. Mayer, Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart 19856; R. Grousset, Histoire des Croisades et du Franc de Jérusalem (8 Bde.), Paris 1934 (Nachdruck 1960-1981), C. Erdmann, Die Entstehung des Kreuzzugsgedankens, Stuttgart 1935 (Nachdruck 1955).
2 Baldrich von Dol, Guibert de Nogent, Robert der Mönch, Fulcher von Chartres, William of Malmesbury, Wilhelm von Tyrus. Außerdem Bartolf von Nangeio, Bernold von St. Blasienn und Peter Tudebot.
3 Runciman, Kreuzzüge, S. 105; Brundage erwähnt die Möglichkeit, daß Guibert möglicherweise die Rede Urbans persönlich gehört hat (Brundage, Crusades, S. 338) und Duncalf ist ebenfalls dieser Ansicht (Duncalf, Crusades, S. 220).
4 Guibert de Nogent und Baldrich von Dol stützten sich ebenfalls auf die Gesta Francorum eines anonymen Autors und schrieben stellenweise Textstellen wortwörtlich ab (Boehm, Gesta, S. 50 f.).
5 Boehm, Gesta, S. 52, 60; Duncalf, Crusades, S. 220.
6 Zu William of Malmesbury vgl. Duncalf, Crusades, S. 220 f.; Wilhelm von Tyrus gilt zudem als unzuverlässiger Autor. Vgl. dazu Röhricht, Kreuzzüge, S. 235.
7 Waas, Kreuzzüge, S. 71 f.
8 Epp, Studien, S. 24 f.; Somerville, Councils, S. 101.
9 Epp, Studien, S. 169-173.
10 Epp, Studien, S. 42 f.
11 Röhricht, Erster Kreuzzug, S. 235; Runciman, Kreuzzüge, S. 60.
12 Hoefer, Biographie, S. 375.
13 Duncalf, Crusades, S. 220; Riley-Smith bemerkt, daß Robert seinen Bericht um 1107 beendete (Riley-Smith, Crusade, S. 136).
14 Riley-Smith, Crusade, S. 136.
15 Duncalf, Crusades, S. 220.
16 Waas, Kreuzzüge, S. 71.
17 Boehm, Kreuzzüge, S. 51; Riley-Smith, Crusade, S. 136.
18 Robert, S. 727, Z. 1.
19 Robert, S. 728, Z. 5-9; ders., S. 729, Z. 6-8.
20 Robert, S. 728, Z. 10, 16-17.
21 Robert, S. 727, Z. 2 f. (a Deo electa et dilecta...quam fide catholica, quam honore sanctae Ecclesiae ab universis nationibus segregata).
22 Fulcher, S. 132, 2.
23 Fulcher, S. 132, 2 (filii dei).
24 Vgl. dazu Waas, Kreuzzüge, S. 21 f.
25 Guibert, S. 139, Z. 33-37.
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