Autor: Christopher Selbach
Fach: Indologie
Details
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Seminar für Indologie)
Jahr: 1999
Seiten: 21
Note: 1.3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 248 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-21317-2
ISBN (Buch): 978-3-638-77144-3
Eine grundlegende und eine neuere Opfertheorie werden auf das vedische Agnihotra angewandt. Dabei wird das Agnihotra neu gedeutet, die Theorien werden gleichzeitig auf ihre Aussagekraft hin geprüft.
Zusammenfassung / Abstract
Das Opfer ist ein Phänomen fast aller Religionen und somit für die Religionswissenschaft innerhalb einer Theorie und Typologie von zentraler Bedeutung. In der vedischen Religion ist das Opfer ein besonders wichtiges Element; es wird in den Veden ausführlich beschrieben und in den Gesamtzusammenhang religiöser Weltvorstellungen gebracht. An seinem Beispiel ist deshalb eine Vielzahl von Theorien des Opfers entwickelt worden. Diese Arbeit möchte exemplarisch zwei religionswissenschaftliche Opfertheorien vorstellen, um sie auf eine konkrete Opferpraxis zurückzuführen. Als Opfertheorien wurde zum einen mit Hubert/Mauss´ „Essai sur la Nature et la Fonction du Sacrifice“ ein religionswissenschaftlicher Klassiker gewählt, mit Smith/Donigers Artikel „Sacrifice and Substitution“ dagegen eine neue Arbeit, die sich u.a. auf Hubert/Mauss rückbezieht. Beide Arbeiten nehmen vedische Opfer als Grundlage ihrer theoretischen Überlegungen. Der Anspruch ist nicht, die postulierte Allgemeingültigkeit der Theorien zu prüfen, auch sollen die Arbeiten nicht primär kritisch hinterfragt werden: ihre Anwendbarkeit wenigstens auf vedische Opfer ist durch ihre Orientierung an diesen gegeben. Vielmehr sollen sie helfen, die Vorgänge in einem weiteren vedischen Opfer zu erhellen: den Abschluss der Arbeit soll deshalb eine Besprechung des Agnihotra unter Anwendung der referierten Theorien bilden.
Textauszug (computergeneriert)
Die Opfertheorien von Hubert/Mauss und Smith/Doniger
und ihre Anwendung auf das Agnihotra
Inhaltsübersicht
I. Einleitung
II. Die Opfer-Theorien von Hubert/Mauss und Smith/Doniger
1. Hubert/Mauss: Essai sur la nature et la fonction du sacrifice
2. Smith/Doniger: Sacrifice and Substitution
III. Anwendung der Theorien auf das Agnihotra
1. Kurzdarstellung des Rituals
2. (De-)Sakralisation
3. Substitution
4. Krimineller Charakter des Opferns
IV. Schluss: Bewertung des Ergebnisses
Bibliographie
I. Einleitung
Das Opfer ist ein Phänomen fast aller Religionen und somit für die Religionswissenschaft innerhalb einer Theorie und Typologie von zentraler Bedeutung.1 In der vedischen Religion ist das Opfer ein besonders wichtiges Element; es wird in den Veden ausführlich beschrieben und in den Gesamtzusammenhang religiöser Weltvorstellungen gebracht. An seinem Beispiel ist deshalb eine Vielzahl von Theorien des Opfers entwickelt worden. Diese Arbeit möchte exemplarisch zwei religionswissenschaftliche Opfertheorien vorstellen, um sie auf eine konkrete Opferpraxis zurückzuführen. Als Opfertheorien wurde zum einen mit Hubert/Mauss´ „Essai sur la Nature et la Fonction du Sacrifice“ ein religionswissenschaftlicher Klassiker gewählt, mit Smith/Donigers Artikel „Sacrifice and Substitution“ dagegen eine neue Arbeit, die sich u.a. auf Hubert/Mauss rückbezieht. Beide Arbeiten nehmen vedische Opfer als Grundlage ihrer theoretischen Überlegungen. Mein Anspruch ist es nicht, die postulierte Allgemeingültigkeit der Theorien zu prüfen2, auch sollen die Arbeiten nicht primär kritisch hinterfragt werden3: ihre Anwendbarkeit wenigstens auf vedische Opfer ist durch ihre Orientierung an diesen gegeben. Vielmehr sollen sie helfen, die Vorgänge in einem weiteren vedischen Opfer zu erhellen: den Abschluss der Arbeit soll deshalb eine Besprechung des Agnihotra unter Anwendung der referierten Theorien bilden.
II. Die Opfer-Theorien von Hubert/Mauss und Smith/Doniger
1. Hubert/Mauss: Essai sur la Nature et la Fonction du Sacrifice
Der Aufsatz von Hubert/Mauss erschien zuerst 1898 in Paris in „L´Année sociologique“; 1964 gab Evans-Pritchard eine englische Übersetzung heraus4. In seinem Vorwort wertet er die Arbeit als eine der wichtigsten zum Thema1, die fast eine „Grammatik“ des Opferritus liefere2.
In ihrer Einführung3 diskutieren Hubert/Mauss die vorausgegangenen Opfertheorien von Tylor, Robertson Smith und Frazer. Sie stellen sich selbst im Gegensatz zu diesen die Aufgabe, den Austreibungsaspekt des reinen oder unreinen „sacred spirit“4 als Hauptkomponente des Opfers zu demonstrieren, nicht aber dessen Ursprung und Geschichte zu entwerfen. Als Untersuchungsobjekte dienen vedische und alttestamentarische Texte5.
[...]
1 Seiwert, S.268.
2 Seiwert sieht die verschiedenen theoretischen Ansätze als komplementär und somit den oft erhobenen Anspruch, das „Wesen“ des Opfers zu erfassen, als wenig hilfreich an: Seiwert, S.274.
3 Auf besonders an Hubert/Mauss geäußerte Kritik (zusammenfassend referiert bei Drexler, S.36-41) wird an den entsprechenden Stellen durch Fußnoten hingewiesen.
4 Erstausgabe: Hubert, H. und Mauss, M.: Essai sur la Nature et la Fonction du Sacrifice. In: L´Année sociologique. - Paris, 1898, S.29-138. Übertragung ins Englische: siehe Bibliographie unter Hubert/Mauss. Allen Zitaten und Verweisen zu Hubert/Mauss liegt in dieser Arbeit die englische Übersetzung zugrunde.
1 Dementsprechend wird sie in religionswissenschaftlichen Nachschlagewerken (EoR, ERE, HrwG, RGG) in Artikeln zum Opfer gewürdigt.
2 Hubert/Mauss, S.viii.
3 Hubert/Mauss, S.1-8.
4 Hubert/Mauss, S.6. Auf die Ambiguität des „sacré“ in der Durkheim-Schule und die sich daraus ergebende Übersetzungsproblematik weist Mürmel hin: Mürmel, S.214 u. 220.
5 Die Tatsache, dass das untersuchte Material ausschließlich hochkulturell geprägten Kulturformen entspringt hat Hubert/Mauss den Vorwurf einer „theologischen ‚Innenperspektive‘, i.e. Selbstinterpretation von Spezialisten!“ eingebracht: Drexler, S.37.
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