Termpaper, 2000, 21 Pages
Author: Lena Langensiepen
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Details
Tags: Mimik, Sprache
Year: 2000
Pages: 21
Grade: 1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-21712-5
File size: 84 KB
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unter sprachheilpädagogischen Aspekten
WS 1999/2000
Hausarbeit
MIMIK UND SPRACHE
Lena Langensiepen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Die Bedeutung der Mimik im kindlichen Spracherwerb Seite 4
3. Mimik als Ausdruck von Emotionen Seite 5
3.1 Die Entstehung der Mimik
3.2 Emotionaler Gesichtsausdruck – angeboren oder erlernt?
3.3 Darstellung der Mimik als Gefühlsausdruck
3.4 Das Verstehen der Mimik
3.5 Untersuchungen an hirngeschädigten und gesunden Personen
3.6 Täuschungshinweise im Gesicht
4. Mimik als Gehirnfunktion Seite 13
5. Mimik als Begleitung der Rede Seite 14
5.1 Darstellung spezifischer Mienen
5.2 Mimisches Verhalten bei Stotterern
5.3 Die Rolle der Mimik in der Gebärdensprache
6. Zwei Systeme zur Messung von Gesichtsausdrücken Seite 18
6.1 Das „Facial Action Coding System“ (FACS)
6.2 Die “Facial Affect Scoring Technique (FAST)
Literaturverzeichnis Seite 21
1. Einleitung
Die Sprache ist das wichtigste und meistgebrauchte Kommunikationsmittel der Menschen. Sie ermöglicht es, Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen und sie anderen Menschen mitzuteilen; ebenso werden durch sie die Mitteilungen anderer verstanden. Zur zwischenmenschlichen Kommunikation gehört aber auch die wesentliche, nichtsprachliche Komponente der Körpersprache, die Gestik, Phonik sowie Mimik beinhaltet. Von diesen drei Aspekten wird in der vorliegenden Arbeit die Mimik hervorgehoben und ihre Bedeutung sowie ihr Verhältnis zur Spra- che dargestellt, da sie die wichtigste und am wenigsten von der Sprache zu trennende Komponente ist.
Die Mimik bringt seelische Erlebnisse über eine körperliche Erscheinungsform, nämlich über das Gesicht, zum Ausdruck. Sie ist meist eine Begleitung des Spre- chens oder der Wörter und ist eine Verdeutlichung und/oder Wiedergabe dessen, was nicht in Worten ausgedrückt wurde oder darin nicht von dem betreffenden Sprachgebraucher (Sprecher, auch Gebraucher von konventionellen Gebärden, oder „Fingerspeller“) ausgedrückt werden kann.
Sprache und Mimik sind eng miteinander verbunden, denn nur selten kommt die lautsprachliche Äußerung für sich allein vor, (fast) immer ist sie von mimischen Vornahmen begleitet. Allein die Lippen- und Mundbewegungen, also eine Verän- derung der Gesichtsmuskulatur, die notwendige Bedingung für die (lautsprach- liche) Sprache sind, stellen schon eine gewisse Mimik dar. Des weiteren hat die Mimik eine große Bedeutung für die Sprache, da sie die „Sprache des Gesichtes“ ist und sich das Gesicht nicht so einfach verstecken lässt – wie etwa die Hände. Dem Gesicht kommt deshalb eine größere Aufmerksamkeit als dem übrigen Kör- per zu, weil es zuerst und ganzheitlich an anderen Menschen wahrgenommen und meist länger als vieles andere von ihnen im Gedächtnis behalten wird. Es ist das Hauptkriterium, anhand dessen Personen identifiziert und voneinander unterschie- den werden können.
Im Gespräch wird nach dem sprachlichen Ausdruck dem Gesicht die größte Auf- merksamkeit entgegengebracht. Es ist der primäre Schauplatz für die Darstellung von Emotionen und kann dem Zuhörer mitteilen, was der Sprecher in Bezug auf den Inhalt seiner sprachlichen Äußerungen fühlt – natürlich keineswegs immer genau, da Gesichter im Hinblick auf Gefühle lügen können.
Bei akustischen Schwierigkeiten kann es für den Zuhörer hilfreich sein, die Lippen des Sprechers zu beobachten, um Wörter, die gesprochen werden, zu erraten. Im folgenden werden verschiedene Bereiche dargestellt, in denen die Mimik eine wichtige Funktion beim Verstehen von Sprache, aber eben auch beim Verstehen von Emotionen übernimmt. Außerdem werden zwei Verfahren vorgestellt, die es ermöglichen, Gesichtsbewegungen zu messen und zu differenzieren.
2. Die Bedeutung der Mimik im kindlichen Spracherwerb
Bevor das Kind zu sinnvollen Lautäußerungen gelangt, die der Absicht und der phonetischen Beschaffenheit nach als sprachlich (im Sinne einer konventionellen Lautsprache) gelten können, fängt es an, einige der von den Erwachsenen ge- äußerten Worte zu verstehen. Das Kind kann die erste mit Bedeutungsbewusst- sein vollzogene Nachahmung eines Wortes nicht zustande bringen, ohne vorher viel Gesprochenes verstanden zu haben. Sprachverständnis stellt sich früher ein als die Fähigkeit, einen bestimmten Ausdruck sinngemäß zu gebrauchen. Vor dem Sprachverstehen steht die vorsprachliche Vorstufe der Einfühlung in den Gesamt- sinn und den Stimmungsgehalt, ein intuitives Erfassen der undifferenzierten Ganz- gestalt der Äußerung als eines Teils des Sprechers; das Verstehen des anderen mit den Mitteln einer tieferen Schicht ist genetisch älter als das Sprachverstehen. Zunächst versteht das Kind Mimik, Stimmton, Redetonfall und Gebärden. Zur Er- klärung dieser angeborenen Resonanz für affektive Äußerungen kann man auf ein primäres instinktives Wissen verweisen, das den erst wenige Monate alten Säug- ling in die Lage versetzt, die Lippen zu spitzen und sonstige Gesichtsbewegungen auszuführen, die man ihm vormacht. Sehr früh bereits wird das Kind durch ein fro- hes Gesicht anders affiziert als durch ein mürrisches, es äußert Freude im Empor- ziehen der Mundwinkel und im jauchzenden ei-Ruf, wird durch Lachen angesteckt und fängt resonanzhaft zu weinen an, sobald es andere Kinder weinen sieht. Sprachäußerungen, zu deren Verständnis ein durch Erfahrung und Lernen zu er- werbendes sekundäres Wissen um die Bedeutung der zeichenhaften Sprachlaute nötig ist, werden zunächst nur erfasst, wenn sie mimisch und modulatorisch unterstützt sind.
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