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Von Oktavian zu Augustus: Der Wandel eines Charakters

Seminararbeit, 1999, 18 Seiten
Autor: Rohland Schuknecht
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 1999
Seiten: 18
Note: gut
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V17088
ISBN (E-Book): 978-3-638-21746-0

Dateigröße: 214 KB


Textauszug (computergeneriert)

Von Oktavian zu Augustus:
Der Wandel eines Charakters

 

 

 

Rohland Schuknecht

Inhalt

I. Einleitung 3

II. Das Erbe Cäsars 4

III. Die Bürgerkriege

1. Von Mutina bis Philippi 6
2. Actium und das Ende des Antonius 9

IV. Der Prinzeps

1. Macht und Tradition im Prinzipat 11
2. Der Friedenskaiser 13

V. Schlussbemerkungen 14

VI. Quellen - und Literaturverzeichnis 15

Abkürzungen 17

 

 

 


I. Einleitung

Der Name Augustus ist Sinnbild für den Beginn eines neuen Abschnitts der römischen Geschichte. Als Begründer des Prinzipats steht er für den Anfang der Kaiserzeit und das Ende der Republik. Neben den Verdiensten des Prinzeps Augustus wird jedoch die skrupellose Machtgier des Triumvirn Oktavian1 sichtbar, dessen Name mit zahlreichen Verbrechen wie den Proskriptionen verbunden ist und dessen Aufstieg durch Bürgerkriege mit gewaltigen Opfern erkauft wurde. Die scheint so gar nicht zu dem Begründer des augustäischen Friedens, als der er nicht nur in der eigenen Propaganda, sondern auch in den Quellen dargestellt wurde zu passen. Das Anliegen der vorliegenden Arbeit ist es, diese scheinbaren Widersprüche in der Person des Augustus aufzuzeigen und einen Erklärungsversuch zu formulieren. Zu diesem Zweck wurden vor allem die für die Beurteilung des Augustus als Grundlage dienenden Quellen herangezogen, die Augustusvita des Sueton, Cassius Dios Geschichtswerk, die Schilderung der Bürgerkriege bei Appian und in begrenzterem Umfang das Werk des Florus über die römische Geschichte. Es wird des öfteren auf die Unterschiede eingegangen, die in den Quellen bei der Charakteristik des Augustus auftreten. Als weitere Quelle wurden die Res gestae des Augustus herangezogen, die als Rechenschaftsbericht des Kaisers natürlich ideologisch verbrämt sind, worauf im Spezialfall näher verwiesen wird. Die Arbeit besteht aus vier Teilen. Der erste Teil befaßt sich mit den politischen Anfängen des Augustus, der Frage seiner Stellung als Erbe Cäsars sowie seinen Motiven und den Mitteln im Kampf um die Macht.

Im zweiten Abschnitt werden die Bürgerkriege und die Rolle, die Oktavian darin spielte, die Frage seiner Mitwirkung an den Proskriptionen und anderen Ereignissen und die Beurteilung in den Quellen behandelt. Der dritte Teil der Arbeit dient gewissermaßen als Kontrast. Es werden kurz die Taten des Prinzeps, seine rechtliche Legitimierung und reale Macht dargestellt. Die wichtigsten Ereignisse der langen Regierung des Augustus und dessen Erscheinungsbild in den Quellen fungiert ohne nähere Erklärung als Gegengewicht zu der Zeit des politischen Aufstiegs. In den Schlußbemerkungen kehren wir zum Ausgangspunkt zurück , und es wird versucht eine Antwort auf die Frage zu formulieren: Kann man von einer „Charakterwandlung“ des Augustus sprechen, und wie ist diese zu erklären? Es soll aus den zuvor geschilderten Fakten und Differenzierungen ein logischer und konstruktiver Lösungsansatz entwickelt werden, der es ermöglicht Person und Politik des Augustus näher zu definieren. Neben den Quellen wurden die Augustusbiographien von Bengtson und Buchan herangezogen. Weitere Titel sind im Literaturverzeichnis aufgeführt. In der Hauptsache fußt die Arbeit auf den Quellen, ist sich jedoch der Tatsache bewußt, daß hier oftmals rhetorische Finessen vor historische Genauigkeit gestellt wurden, was kritischen Umgang mit dem Material erforderte.

II. Das Erbe Cäsars

Es kann nicht das Anliegen dieser Arbeit sein einen auch nur einigermaßen ausführlichen Abriß des sechsundsiebzigjährigen Lebens des Augustus zu bieten. Aus diesem Grunde sei es gestattet, die Schilderung auf die, meiner Ansicht nach wichtigsten Punkte seiner Laufbahn zu beschränken und aus den Ereignissen Rückschlüsse auf die Person und die Leistung des Triumvirs und späteren Prinzeps zu ziehen.2 Der 15. März des Jahres 44 v. Chr. war wohl ein entscheidender Wendepunkt im Leben des Mannes, der sich damals noch Gaius Octavius nannte. An jenem Tag war sein Großonkel Julius Cäsar in der Kurie des römischen Senats ermordet worden. Dieses Ereignis bewegte den damals achtzehnjährigen Oktavian die Bühne der Weltgeschichte zu betreten. Als nächster männlicher Verwandter des Diktators wurde er aufgrund seiner Ehrgeizes und aus der Motorik der Ereignisse heraus in einen Strudel hineingezogen, welcher ihn zu einem erbarmungslosen Kampf um die Macht und das eigene Überleben trieb. Als Oktavian die Nachricht von der Ermordung Cäsars erreichte, weilte er in Apollonia an der Adria und war achtzehn Jahre alt. Die Entscheidung des Jünglings sich nach Rom zu begeben und seine Ansprüche auf die Macht, die er als Großneffe des Diktators zu besitzen glaubte, geltend zu machen, bedeutete einen Abschluß mit seinem bisherigen Leben, das er größtenteils zurückgezogen auf dem Lande verbracht hatte. In Anbetracht des kühl berechnenden Vorgehens, welches Oktavian im Folgenden an den Tag legte, läßt sich dieser Entschluß nicht mit jugendlicher Naivität begründen. Oktavian muß gewußt haben, daß seine Chancen schlecht standen. Er besaß weder die notwendigen politischen Verbindungen, noch die riesigen Finanzmittel um eine bedeutende Rolle in Rom zu spielen. Hinzu kamen seine Jugend und Unerfahrenheit.

[...]


1 Der Name Oktavian wird hier und im weiteren Verlauf der Arbeit verwendet um die Zeit des politischen Aufstiegs vom Prinzipat zu trennen, obgleich er selbst diesen Namen niemals verwendete.
2 Die ereignisgeschichtliche Darstellung stützt sich primär auf die Hauptquellen zu Augustus, also Appian:Bürgerkriege, Cassius Dio: Römische Geschichte, Sueton: Leben des Augustus und die Res gestae des Augustus in den, im Literaturverzeichnis erwähnten Ausgaben. Ferner wurden herangezogen: Bengtson, Herman: Kaiser Augustus. Sein Leben und seine Zeit, München 1981 und Buchan, John (Lord Tweedsmuir): Augustus, Frankfurt/M. 1979.


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