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Verbreitung und innere Sprachskizze französischer Kreolsprachen

Scholary Paper (Seminar), 1999, 24 Pages
Author: Nicole Füreder
Subject: Romance Languages - French Linguistics

Details

Event: Geschichte und Aktualität romanischer Kleinsprachen
Institution/College: University of Salzburg 'Paris Lodron' (Institut für Romanistik)
Tags: Verbreitung, Sprachskizze, Kreolsprachen, Geschichte, Aktualität, Kleinsprachen
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 1999
Pages: 24
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V17775
ISBN (E-book): 978-3-638-22260-0

File size: 278 KB


Excerpt (computer-generated)

P r o j e k t a r b e i t

Geschichte und Aktualität romanischer Kleinsprachen

Sommersemester 1999



Verbreitung und innere Sprachskizze französischer Kreolsprachen



N i c o l e F ü r e d e r

 

 

I N H A L T

1. Einleitung 3

2. Verbreitung 5
2.1. Zone I: Maskarenen und Seychellen 
2.1.1. Reunion 
2.1.2. Mauritius 
2.1.3. Rodrigues 
2.1.4. Seychellen 
2.2. Zone II : Lousiana, Kleine Antillen und Französisch Guyana 
2.2.1. Lousiana 
2.2.2. Haiti 
2.2.3. St. Thomas 
2.2.4. Guadeloupe 
2.2.5. Dominica 
2.2.6. Martinique 
2.2.7. Sainte-Lucie 
2.2.8. Grenada 
2.2.9. Trinidad 
2.2.10. Französisch Guyana 

3. Wortschatz 15
3.1. Wortschatz französischen Ursprungs 
3.1.1. Erbwortschatz und spätere Entlehnungen 
3.1.2. Veränderungen in Form und grammatischer Funktion der Wörter 
3.1.3. Veränderungen der Bedeutung 
3.1.4. Archaismen und Dialektalismen 
3.1.5. Neologismen 

3.2. Wortschatz nicht-französischen Ursprungs 17

4. Morphosyntax 18
4.1. Nominalsyntagmen 
4.1.1. Genusmarkierung 
4.1.2. Numerusmarkierung 

4.2. Verbalsyntagmen 
4.2.1. Verform 
4.2.2. Markierung der Person 
4.2.3. Tempus- und Aspektsystem 

5. Résumé en français 20

6. Bibliographie …22

 


1. Einleitung

Ende des 15. Jahrhunderts brachen die Europäer auf, immer mehr Länder und Gebiete zu erobern. Die autochthone Bevölkerung wurde unterworfen, versklavt und oft auch schon nach wenigen Jahren ausgerottet. Mit fortschreitender Kolonialisierung ging jedoch ein wachsender Bedarf an Arbeitskräften einher, so dass man begann, Sklaven aus Afrika zu importieren. Zwischen den schwarzen Sklaven, die in den meisten Fällen der weißen Bevölkerung schon bald um ein Vielfaches überlegen waren, und ihren weißen Herren fehlte jedoch ein gemeinsames Kommunikationsmittel; und gleiches galt in den meisten Fällen auch für die Sklaven untereinander, die bewusst ohne Rücksicht auf ihre Stammeszugehörigkeit auf die Plantagen und anderen Arbeitsplätzen verteilt wurden.
So kam es unter diesen speziellen Bedingungen bald zum Entstehen neuer Sprachen, die zu Anfang nur Zweitsprachen zur gegenseitigen Verständigung waren (Pidginsprachen), die aber schon bald zur Muttersprache und einzigen Sprache für die Sklavenbevölkerung wurden. Damit hatten diese Kreolsprachen ihren festen Platz in der Gesellschaft der Kolonien und wurden bald zur Zweitsprache für die weiße Bevölkerung, für manche auch zur Muttersprache.
Erste Zeugnisse über die Entstehung der Kreolsprachen stammen von Missionaren, die ihre Beobachtungen wie Jean Cretien 1718 aufzeichneten:

"(...) comme ceux ci (les esclaves) ne peuvent apprendre nôtre langue à moins qu′ils ne soient encore jeunes, on les laisse parler un baragouin de François, un jargon mal arrangé et mal prononcé, pire que celui d′un allemand que commence à parler nôtre langue. Encore leur faut-il du tems pour se faire entendre. Pour nous autres François, nous n′avons point de peines d′apprendre ce jargon et nous sommes dans moins de rien en état de le parler. C′est un grand avantage pour ceux que n′ont pas la mémoire aisée et pour ceux qui veulent en arrivant mettre la main à l′(?)uvre."

Jean Cretien, S.J., de Cayenne. 3°lettre d′un Missionnaire de la Compagnie de Jésus à un Père de la même Compagnie écrites de Cayenne en Amérique, l′année 1718. (in: HAZAËL-MASSIEUX, 1996. S.91)

Auch der deutsche Sprachwissenschaftler Wilhelm Mayer-Lübke nimmt 1920 zu den Varietäten der Neuen Romania Stellung (MAYER-LÜBKE, 1920. S.15f.). Er unterscheidet ganz deutlich zwischen der europäischen und der außereuropäischen Romania und beschreibt die Entwicklung von romanischen Sprachen in den Kolonien. Er sieht starke Unterschiede im Wortschatz, gefärbt von der ganz anders gearteten Kultur. Die Lautentwicklung und die Formenbildung unterliegen für ihn starken Einflüssen der Mundarten des Mutterlandes.
Er äußert sich über Mischsprachen, Sprachen entstanden aus dem Romanischen und verschiedenen Eingeborenensprachen. Das Mitschwingen einer abwertenden Konnotation ist hier wohl kaum zu übersehen. Weiters spricht Mayer-Lübke von einer rohen Anpassung an völlig anders geartetes sprachliches Denken.

Heute ist Mayer-Lübkes Sichtweise weitgehend überholt. Man sieht kreolische Sprachen nicht als eine primitive Varietät der Hochsprache, sondern hat erkannt, dass außerhalb Europas eine höchst interessante Entwicklung stattfand, auch wenn die Entstehung der Kreolsprachen auf die grausame Versklavung Tausender Menschen basiert. In Vorarbeiten für diese Projektarbeit habe ich mich bereits genügend mit den Sprachstrukturen beschäftigt, um für mich erkennen zu können, dass sich Kreolsprachen deutlich vom Französischen abgrenzen und es verdient haben, als selbständige Sprachgruppe bezeichnet zu werden. Es handelt sich um eigenständige, lediglich auf französischem Wortschatz basierende Sprachen.

Ich möchte in meiner Arbeit auf die externe sowie auf die interne Sprachgeschichte französischer Kreolsprachen eingehen. Ihr außergewöhnliches Verbreitungsgebiet findet ebenso wie ausgewählte lexikale, morphologische und syntaktische Phänomene Beachtung.

2. Verbreitung

[...]


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