Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Die Phänomene des Vergessens, Erinnerns und der Fremdheit close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Die Phänomene des Vergessens, Erinnerns und der Fremdheit

Termpaper, 2002, 20 Pages
Author: Ilsemarie Walter
Subject: Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)

Details

Event: Phänomenologie des Fremden
Institution/College: University of Vienna (Institut für Philosophie)
Tags: Phänomene, Vergessens, Erinnerns, Fremdheit, Phänomenologie, Fremden
Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 20
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V17787
ISBN (E-book): 978-3-638-22269-3
ISBN (Book): 978-3-638-78819-9
File size: 229 KB
Notes :
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand. Entspricht 27 Seiten bei normaler Formatierung.


Abstract

In dieser Arbeit geht es um die Phänomene des Vergessens, des Erinnerns und der Fremdheit sowie um die Zusammenhänge zwischen diesen Phänomenen. Im Hauptteil werden die diesbezüglichen Ausführungen Nietzsches in seiner zweiten „Unzeitgemäßen Betrachtung“ zusammengefasst und kommentiert. Dieser 1873 von Nietzsche verfasste Aufsatz stellt eine kritische Auseinandersetzung des Autors mit der Kultur seiner Zeit dar, enthält aber zugleich auch Nietzsches philosophisches Konzept des Erinnerns und Vergessens. Nietzsche nimmt diesen Phänomenen gegenüber eine pragmatische Haltung ein und fragt nach ihrem Nutzen oder Schaden. Anders als viele Philosophen, die im Vergessen nur eine negative Erscheinung sehen, ist für ihn Vergessen ein Wert; erst Vergessenkönnen mache das Glück zum Glück. Vergessen gehöre zum Leben wie der Schlaf; ohne zu vergessen könne man nicht nur nicht glücklich werden, sondern auch nichts tun, was andere glücklich macht, denn man würde dann kaum mehr zu handeln wagen. Der Geschichtswissenschaft seiner Zeit wirft Nietzsche vor, dass sie dem Leben schade, indem sie die Menschen mit Geschichte übersättige. Nur in mäßiger Dosis könnten die verschiedenen Arten der „Historie“ im Dienste des Lebens stehen, wobei Nietzsche eine monumentalische, eine antiquarische und eine kritische Historie unterscheidet. Monumentalische Historie zeige das Große, das einmal da war und deshalb auch wieder möglich sein kann. Antiquarische Historie sei mit Bewahren und Verehren verbunden und helfe dem Einzelnen zu einem Wir-Gefühl. Die kritische Historie stelle die Vergangenheit vor Gericht, zeige Ungerechtigkeit auf und mache dadurch auch Veränderung möglich. Alle drei Arten von Historie bergen nach Ansicht Nietzsches jedoch auch große Gefahren, wenn sie nicht am richtigen Platz eingesetzt werden. Neben dieser Analyse von Nietzsches Aufsatz werden auch die Gedanken anderer Philosophen zum in Frage stehenden Themenkreis aufgegriffen. Unter anderem geht es um „Erkennen als Wiedererinnerung“ oder um „Erinnern als Wiederantworten“. Hier ist auch der Zusammenhang mit dem Konzept der „Fremdheit“ zu suchen, denn Erinnern als Umgang mit unserer Vergangenheit kann auch als eine spezifische Form des Umgangs mit dem Fremden gesehen werden.


Excerpt (computer-generated)

Vergessen, Erinnern und Fremdheit

 

 

Ilsemarie Walter

Inhalt

1. Erkennen als Wiedererinnerung - Platon und Marcel Proust S. 2

2. Vergessen S. 3

2.1 Sprachliche Annäherung S. 3
2.2 Formen des Vergessens S. 4

3. Vergessen in verschiedenen philosophischen Traditionen S. 5

4. Der Nutzen des Vergessens: Nietzsches zweite „Unzeit- gemäße Betrachtung“ S. 6

4.1 Historisches, Unhistorisches und Überhistorisches S. 7
4.2 Drei Arten von Historie – ihr Nutzen und ihre Gefahren S. 8
4.3 Die Übersättigung mit Geschichte ist dem Leben schädlich S. 9
4.4 Vergessen können S. 10
4.5 Vergangenes und Fremdes S. 12

5. Einfallen und Entfallen S. 13

6. Erinnern als Wiederantworten S. 15

7. Geschichte, Erinnerung und Fremdheit – einige Fragen S. 16

Literatur S. 17

 

 

 


In dieser Arbeit soll es um die Phänomene des Vergessens, des Erinnerns und der Fremdheit gehen und um Zusammenhänge zwischen ihnen. Den mittleren Hauptteil bildet eine Darstellung der diesbezüglichen Ausführungen Nietzsches in seiner zweiten „Unzeitgemäßer Betrachtung“. In den anderen Kapiteln beziehe ich mich auf die Lehrveranstaltung „Phänomenologie des Fremden“. Zum Abschluss möchte ich noch einige Fragen aufwerfen, die sich auf Fremdheit im Zusammenhang mit Geschichte beziehen.

1. Erkennen als Wiedererinnerung - Platon und Marcel Proust

Nach Platon ist Erkennen als solches schon Erinnerung, nämlich “Wiedererinnerung“. Damit wird ein „Urvergessen“ vorausgesetzt, mit dem die menschliche Existenz beginnt. Ausgedrückt wird dies mit dem Bild: aus dem Fluss Lethe trinken. Dieses Urvergessen setzt sich dann fort – der Mensch lebt im Körper wie in einer Außenschale; je mehr wir verkörpert sind, desto mehr vergessen wir. Nach Platon hat jede menschliche Seele „ihrer Natur nach das Seiende geschaut“, und wenn er mit dem Verstand „viele Wahrnehmungen in eins zusammenfasst“, so ist dies die „Erinnerung an jenes, was einst unsere Seele erblickte“.1

Erkennen enthält immer Elemente des Fremden, doch wäre die Fremdheit, die am Anfang stünde, bei der es nicht um ein Wiedererkennen ginge, eine viel elementarere Fremdheit. Der „erste Blick“ wäre wie ein Schock; doch wenn man sagt, man habe etwas gesehen, kommt man schon auf etwas zurück. Jedes Sehen ist also ein Wiedersehen. Ein ähnlicher Gedanke wie bei Plato findet sich auch bei Marcel Proust, wenn er in „À la recherche du temps perdu“ sagt, es sei, als ob unsere schönsten Ideen Melodien glichen, die uns wieder einfallen, ohne dass wir sie jemals gehört haben. Man findet etwas wieder, was man nie gehabt hat. Und man macht die Erfahrung des Verlusts von etwas, was man nie gehabt hat und nie haben wird, also eines Verlusts, der etwas Originäres darstellt, vergleichbar dem Urvergessen bei Plato.2 Wichtig ist, dass Urvergessen und Wiedererinnerung nicht nur kognitiven Charakter haben; etwas in meinem Umfeld muss mich ansprechen. So erinnert Platon die Leier an den geliebten Knaben; bei Marcel Proust ist es die „Madeleine“ - ein bestimmtes Gebäck -, die durch ihren Geschmack Kinderheitserinnerungen wieder auftauchen lässt, oder das Anstoßen an unebene Pflastersteine, eine Empfindung, die „Bilder auslöst“, „Vergangenheit wiedererweckt“, „die „Türe zu einer anderen Welt“ öffnet .3 Platons Theorie enthält auch Elemente des Speichermodells des Gedächtnisses, wenn er die Seele mit einer Wachstafel vergleicht oder mit einem Taubenschlag, aus dem man etwas herausgreift und eine Verbindung sucht.

Erinnern kann als Gegenbewegung zum Vergessen gesehen werden. Bei Vergessen und Erinnern handelt es sich um ein dramatisches Geschehen; Parallelen wären Geburt und Tod oder Wachen und Schlafen. Es handelt sich hier um Schwellenereignisse. „Die Schwelle ist eine Grenze besonderer Art. Wer eine Schwelle überschreitet, gelangt nicht nur anderswohin, sondern wird ein anderer.“4 Schwellenerfahrungen sind dadurch charakterisiert, dass sie „Hintergründe des Außeralltäglichen im Alltäglichen öffnen, daß sie das Nächste fern-, das Fernste naherücken...“ Die Schwelle ist „der Fremdheitsort par excellence.“5 Auch in Marcel Prousts „À la recherche du temps perdu” hat – in Parallele zum Thema Vergessen/Erinnern – das Thema Einschlafen/Aufwachen Bedeutung. Einschlafen und Aufwachen sind keine willentlichen Handlungen, es geht um etwas, was uns geschieht. Proust widmet diesem Thema gleich zu Beginn seines vielbändigen Werkes einige Seiten. Der Augenblick des Einschlafens lässt sich nicht fassen: „ ... mes yeux se fermaient si vite que je n’avais pas le temps de me dire: ‚Je m’endors.’“ Im Schlaf nimmt der Erzähler verschiedene Identitäten an, nämlich jene der Dinge oder Ereignisse, von denen er vor dem Einschlafen gelesen hat: „ ... il me semblait que j’etais moi-meme ce dont parlait l’ouvrage: une église, un quatuor, la rivalité de Francois Ier et de Charles Quint.“ Beim Aufwachen befindet er sich einen Moment lang in einem Zwischenreich: „Cette croyance survivait pendant quelques secondes à mon réveil...“ Dann ist der Erzähler wach, er hat in einem gewissen Grad die Möglichkeit der freien Wahl zurückerhalten : „Puis elle commencait à me devenir inintelligible … le sujet du livre se détachait de moi, j’étais libre de m’y appliquer ou non…“6 So sehr der Übergang erlebbar und dem sensiblen Beobachter auch beschreibbar ist, so liegt doch eine Kluft zwischen den beiden Bereichen. Es gibt keine Ordnung, die beide Bereiche umschließt, keine gesicherte Identität, die nach bestimmten Regeln hin und herwandern würde.7

2. Vergessen

2.1 Sprachliche Annäherung

[...]


1 Platon, Phaidros, 248E-249C (S.47-48)
2 B. Waldenfels, Die verspätete Antwort, S.180
3 ebd., S.187 und 175
4 B. Waldenfels, Vielstimmigkeit der Rede, S.203
5 ebd., S.204
6 M. Proust, Du coté de chez Swann, S.11
7 B. Waldenfels, Ordnung im Zwielicht, S.29-30


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/17787/die-phaenomene-des-vergessens-erinnerns-und-der-fremdheit
please wait Please wait