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Scholary Paper (Seminar), 2001, 20 Pages
Author: Nicole Füreder
Subject: Romance Languages - French Literature
Details
Institution/College: University of Salzburg 'Paris Lodron' (Institut für Romanistik)
Tags: Frage, Realitätsbezug, Funktion, Hohen, Minne, Mittelalter, Metamorphosen, Sinnlichkeit, Literatur
Year: 2001
Pages: 20
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-22272-3
File size: 535 KB
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Excerpt (computer-generated)
Die Frage nach dem Realitätsbezug und der
gesellschaftlichen Funktion der Hohen Minne im Mittelalter
N i c o l e F ü r e d e r
I N H A L T
1. Einleitung
2. Das Konzept der höfischen Liebe
3. Soziokulturelle Prämissen
3.1. Die südfranzösische Gesellschaft
3.2. Das ritterliche Gesellschaftssystem
3.3. Die Neueinschätzung der Stellung der Frau in der Gesellschaft
3.4. Feudale Heiratspraxis und Eheauffassung
3.4.1. Das weltliche Modell der Ehe
3.4.2. Das kirchliche Modell der Ehe
3.4.3. Liebe und Ehe
4. Die Frage nach dem Realitätsbezug
4.1. Übertragung des Vasallitätsverhältnisses
4.2. Realisierung des Ideals
4.3. Projektion des gesellschaftlichen Unbehagens
5. Die Gesellschaftliche Funktion: Hohe Minne als Gesellschaftsspiel
5.1. Stabilisierung des Gesellschaftssystems
5.2. Erziehung zur Tugendhaftigkeit
6. Zusammenfassung
7. Bibliographie
1. Einleitung
Schon beim ersten Überfliegen der Themenliste zu Beginn des Semesters, weckte die Frage nach dem Realitätsbezug und der gesellschaftlichen Funktion der Hohen Minne meine Neugier. Für mich schien es sich dabei um das interessanteste Aufgabengebiet der gesamten Liste zu handeln. Folglich bemerkte ich bei der Kapitelvergabe mit großer Verwunderung, dass ich mich als Einzige für die Behandlung dieses Themas entschieden hatte. Der Minnegesang übte auf mich seit jeher eine große Faszination aus, nun hinter die Kulissen zu sehen, anstatt "lediglich" seinem Zauber zu unterliegen, stellt für mich eine besondere Herausforderung dar.
Die Anfänge der Hohen Minne datiert man gewöhnlich auf die Wende zum 12. Jahrhundert. Sie entwickelte sich in einer Zeit in der die rigorose augustinische Moral vorherrschte. Liebe war sündig, die Frau war immer die Eva, deren sich der Teufel zum Verderbnis des Menschen mit Vorliebe bedient. Als nun die Trobadors kamen und verkündeten, dass Liebe nicht nur keine Teufelsfalle, sondern gar eine sittliche Kraft darstellt, war dies ein absolutes Novum, das an dem Kern der augustinischen Ethik und der christlichen Moral rührte und die Hohe Minne außerhalb der christlichen Ethik positionierte.
Wie ist nun die Entstehung dieser, mit der kirchlichen Moral als auch mit dem vorherrschenden heroischen Lebensgefühl in Widerspruch stehenden Dichtung zu erklären? Aus welchen Gründen wurde die Frau plötzlich in das Zentrum des Interesses gerückt, von Rittern und Hofsängern gehuldigt und verehrt? Ist es zu verstehen, dass ein Herr, ein Krieger, ein Held seinen ganzen Stolz, sein ganzes ungestümes Wesen unterdrückt und vor einer Frau um die Gunst, seine eigene Liebe gestehen zu dürfen, bettelt und bereit ist, als Lohn für seine Ergebenheit und Treue einen gnädigen Blick, ein freundliches Wort, ein Lächeln in Empfang zu nehmen?
Nach einer kurzen Abhandlung über das Konzept der höfischen Liebe, möchte ich auf soziokulturellen Prämissen jener Zeit eingehen und so den Nährboden für die Entstehung der Minnelyrik darstellen. Nach diesen einleitenden Informationen, widme ich mich den eigentlichen Kernfragen meiner Arbeit. Ich werde mich mit dem Realitätsgehalt der Minnelyrik beschäftigen und untersuchen, ob es sich dabei um den Ausdruck wahrer Gefühle oder vielmehr um reine Fiktion handelt. Anschließend möchte ich der gesellschaftlichen Funktion der Hohen Minne nachgehen und ihre Wichtigkeit für das Sozialsystem der damaligen Zeit erläutern.
2. Das Konzept der höfischen Liebe
[...]
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