Autoren: Alexander Kahr, Martina Leichter
Fach: Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Details
Institution/Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (Psychiatrie)
Jahr: 2003
Seiten: 20
Note: sehr gut
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 313 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-22443-7
Textauszug (computergeneriert)
Kinder- und Jugendpsychiatrie: Essstörungen
von Alexander Kahr
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 4
1. DER KRANKHEITSBEGRIFF DER KINDER- UND JUGENDPSYCHIATRIE 4
2. VERHALTENS- UND EMOTIONALE STÖRUNGEN 6
3. ARTEN VON ESSSTÖRUNGEN 6
3.1. Anorexia nervosa (Magersucht) 8
3.2. Bulimia nervosa (Ess-/Brechsucht) 11
3.3. Adipositas (Fettsucht) 14
3.4. Latente Adipositas (latente Fettsucht) 16
4. THERAPIE VON BULIMIE UND ANOREXIE 16
ZUSAMMENFASSUNG 18
LITERATURVERZEICHNIS 19
EINLEITUNG
Eine tragende Säule des Lebens ist die Ernährung, gerät sie ins Schwanken, kommt es zur Gefährdung unseres Lebens im Kindesalter, Jugendalter und Erwachsenenalter. Essstörungen sind keine körperlichen Krankheiten, sondern werden psychisch bedingt. Meist bedeuten Essstörungen für den Patienten Kontrolle und Selbstsicherheit. In der heutigen Gesellschaft werden die Jugendlichen schon sehr früh mit dem gängigen Schönheitsideal in den Medien konfrontiert. Dies hat zur Folge, dass man sich mit dem falschen Bild identifizieren will und nach dem Schönheitsideal unserer Zeit zu streben beginnt, das man natürlich auf dem natürlichen Weg nie erfüllen kann. Die meisten vergessen den Sinn der Ernährung: Genuss und Erhaltung des Lebens. Materielle Dinge wie Attraktivität, Beruf, Ansehen und Geld haben oft einen höheren Stellenwert als eine vollwertige Ernährung und Gesundheit. In den folgenden Kapiteln befassen wir uns mit dem Krankheitsbegriff in der Kinder und Jugendpsychiatrie, den verschiedenen Arten der Essstörungen vom Kindesalter bis Erwachsenenalter und deren Therapiemöglichkeiten.
1. DER KRANKHEITSBEGRIFF IN DER KINDER- UND JUGENDPSYCHIATRIE
Ein Kinder- und Jugendpsychiater ordnet und objektiviert zuerst die ganzen subjektiven Eindrücke von Eltern, Lehrern und anderen Bezugspersonen über das Verhalten des Kindes. Dabei können die einzelnen Eindrücke sehr verschieden sein. Durch die Selbsteinschätzung und die Fremdeinschätzung und Berücksichtigung der intra- und extrafamilären Sichtweise ist es möglich, den jungen Patienten ganzheitlich zu betrachten und ihm auch gerecht zu werden. Der Krankheitsbegriff in der Kinder und Jugendpsychiatrie unterscheidet sich von dem im Erwachsenenalter durch die Einbindung der Entwicklungsvarianten. Kinder- und Jugendpsychiatrische Auffälligkeiten können Normvarianten ohne Krankheitswert darstellen, sie können aber auch Teile eines Krankheitsbildes sein. In der frühen Kindheit ist das Kind in seinem Leben durch vielerlei Faktoren beeinflusst. Diese müssen immer berücksichtigt werden, wenn psychische Symptome aufscheinen. Es kann sich ja bei dem Symptom lediglich um eine Entwicklungsphase handeln oder aber auch einen pathologischen Stellenwert haben. Dies gilt es herauszufinden.
3 Aspekte sind für die Beurteilung und Gewichtung einer Auffälligkeit zu berücksichtigen:
· Die qualitative Ausprägung
· Die quantitative Ausprägung
· Das zeitliche Auftreten (bezogen auf Häufigkeit und Dauer der Auffälligkeit)
Laut Hackenberger und Hinterhuber wird ein Symptom nach folgenden Kriterien beschrieben:
· Nach der Phänomenologie
· Nach dem Schweregrad
· Nach dem Funktionsniveau (bezogen auf die Zeitachse)
Subjektive Sichtweisen und das objektive Expertenurteil stehen in einer dialogischen Beziehung zueinander. Neben der qualitativen und quantitativen Gewichtung ist die multifaktorielle Entstehungsweise kinder- und jugendpsychiatrischer Störungen zu berücksichtigen: Für den Gesamtbereich des Faches Psychiatrie sind polyätiologische Modelle von entscheidender Bedeutung. Diese Sichtweise findet im Bereich der Kinder und Jugendpsychiatrie ihren Ausdruck in der multiaxialen Diagnostik, die neben klinisch- psychiatrischen Symptomen auch umschriebene Entwicklungsrückstände, das Intelligenzniveau, den körperlichen Befund und die aktuellen abnormen psychosozialen Bedingungen beschreibt.1
Es gibt zwei internationale anerkannte Klassifikationssysteme:
· MAS (Multiaxiales Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach ICD- 10). Es baut auf den Kategorien des ICD- 10 auf.
· DSM-IV (mehr bezogen auf das Erwachsenenalter)
2. VERHALTENS- UND EMOTIONALE STÖRUNGEN
[...]
1 Hinterhuber, Fleischhacker, 1997, S 157.
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