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Geschlechterkonstruktion und Interkulturalität in der Gegenwartskunst: Die Ausstellung "Black Male" 1994 in New York

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 36 Pages
Author: Annika Höppner
Subject: Art - Photography / Film

Details

Event: Hauptseminar: Geschlechterkonstruktion und Interkulturalität in der Gegenwartskunst
Institution/College: University of Marburg (Institut für Kunstgeschichte)
Tags: Geschlechterkonstruktion, Interkulturalität, Gegenwartskunst, Ausstellung, Black, Male, York, Hauptseminar, Geschlechterkonstruktion, Interkulturalität, Gegenwartskunst
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 36
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V18239
ISBN (E-book): 978-3-638-22628-8

File size: 3818 KB


Excerpt (computer-generated)

Geschlechterkonstruktion und Interkulturalität in der Gegenwartskunst
Die Ausstellung „Black Male“ von 1994
im Whitney-Museum in New York

 

 

 

 


Referentin Annika Höppner

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Problembeschreibung 3

2.A. Repräsentation schwarzer Männlichkeit in den USA 3
2.B. Historische Ursachen dieser Repräsentation schwarzer Männlichkeit 4

3. Die Ausstellung „Black Male“: Konzeption und Werke 5

3.A. Ziele der Ausstellung 5
3.B. Werke 6

3.B.I. Adrian Piper, "I Embody", 1975 (Abb. 1) 6
3.B.II. Carl Pope. “Some of the Greatest Hits of the New York Police 8 Department: A Celebration of Meritorious Achievement in 8 Community Service”, 1994, Installation 8
3.B.III. Robert Mapplethorpe, 9 Fotografien aus dem „Black Book“, 1980 bis1983 9
3.B.IV. Lyle Ashton Harris, „Constructs”, 1989 (Abb. 6-8) 11

3.B.IV.1. Vergleich von Mapplethorpes „Man in Polyester Suite“, 1980 (Abb. 9) und Harris „Construct # 10“, 1989 13

3.B.V. Carrie Mae Weems, “Commemorating”, 1991 (Abb. 10) 14
3.B.VI. Fred Wilson, “Guarded View”, 1991 (Abb. 12) 15

4. Die Ausstellung aus postkolonialer Perspektive 17

5. Die Rezeption 18

6. Schluss: Wurden die gesetzten Ziele erreicht? 20

7. Anhang 21

 

 

 


1. Einleitung

Das Thema dieser Arbeit ist die Ausstellung „Black Male. Representation of Masculinity in Contemporary American Art“ im Whitney Museum of American Art in New York von 1994. Ein interessanter Aspekt des Themas der Ausstellung „Black Male. Representation of Masculinity in Contemporary American Art“ ist die Betrachtung von marginalisierter Männlichkeit, denn normalerweise steht Männlichkeit für Macht und wird nicht mit Marginalisierung in Zusammenhang gebracht. Ein deutlicher Nachteil im alltäglichen Leben von afroamerikanischen Männern ist, dass schwarze Frauen in Amerika durch Quotenregelung geschützt werden, schwarze Männer hingegen nicht. Das liegt daran, dass schwarze Frauen eher eingestellt werden, um sowohl die Frauenquote als auch die Quote von Afroamerikanern gleichzeitig zu erhöhen. Schwarze Männer haben deshalb de facto keinen rechtlichen Schutz gegen eine Marginalisierung in der Arbeitswelt. Auch am Rande gemachte Vergleiche zur Situation im ebenfalls multikulturellem Deutschland machen das Thema der Repräsentation schwarzer Männlichkeit in einem von Weißen dominierten Kulturraum interessant.

In dieser Arbeit wird es um die Reflektion der Repräsentation von schwarzer Männlichkeit in der zeitgenössischen Kunst am Beispiel der Ausstellung „Black Male“ von 1994 gehen. Dabei wird zunächst das Spektrum von Repräsentationen dargestellt und ihre Entstehung beschrieben. Dann wird an Hand der Ausstellung und einer Auswahl von Werken exemplarisch diskutiert, was die Kunst hinsichtlich des Abschaffens von Stereotypen leisten kann. Dabei soll nur ein Versuch einer Einordnung in das Kunstschaffen der jeweiligen Zeit erfolgen, denn eine weitgehende Verortung der Werke in der Kunstgeschichte würde über die Fragestellungen dieser Arbeit hinaus führen. Der in der Ausstellung als gleichwertig präsentierte Teil eines Filmprogramms, wird hier nicht analysiert. Auch auf den von einem Kritiker ironisch als „Hauptteil“ der Ausstellung benannte Katalog, der sich theoretisch der Repräsentationsfrage nähert, wird hier nicht Thema sein. Im letzten Teil dieser Hausarbeit wird es darum gehen, ob die Ausstellungskonzeption bei den Kunstkritikern so angekommen ist und was zu kritisieren ist. Hierbei soll aus postkolonialer Perspektive argumentiert werden. Die Hauptfragestellungen werden Folgende sein: Welche Strategien zum Füllen der Leere zwischen Überrepräsentation und Unsichtbarkeit werden verfolgt? Wie sieht das Verhältnis von postkolonialem Ausstellungskonzept und seiner praktischen Umsetzung aus? Inwiefern ist diese Ausstellung Teil einer postkolonialen Kritik? Was leisten die Arbeiten im Einzelnen hierbei? Der Schwerpunkt wird weiter auf den einzelnen Werken liegen während die Bedeutung der Ausstellung als Ganzes an dieser Stelle nicht behandelt wird.

2. Problembeschreibung

2.A. Repräsentation schwarzer Männlichkeit in den USA

Nach Thelma Golden sei die afroamerikanische Männlichkeit eine der größten Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Es sei ein erfundener Bergriff, weil er aus einer Vielzahl von Ängsten und Projektionen bestehe. Er vermittele nichts Wirkliches über die Existenz der schwarzen Männlichkeit.“1 Kobena Mercer und Isaac Julien sprechen von einer Überrepräsentation von männlichen Afroamerikanern in den Medien als Personifikation von Drogen, Krankheiten und Kriminalität. Sie seien zum Symbol für nationale Krisis geworden, die am Bild des schwarzen Mannes dramatisiert, dämonisiert werde.2 Neben dem Bild des Kriminellen und Faulen tauchen sie als Sexsymbol und Athlet auf. Hierbei fällt auf, dass nur eine körperliche Repräsentation schwarzer Männlichkeit vertreten ist. Cose sagt, dass Problem sei nicht nur, dass afroamerikanische Männer als sterbend und mordend dargestellt werden, sondern dass sie als nichts Anderes tuend dargestellt werden. Hierbei stelle sich die Frage, inwieweit diese Repräsentation die Realität wiederum beeinflusse.3

Im Vorwort des Ausstellungskataloges zur Ausstellung „Black Male“ beschreibt Gates die Stellung, den der schwarze Körper in der amerikanischen Kultur einnehme, als bildlichen Ausdruck der historischen Nichtanerkennung seiner Bürgerrechte. Gates sieht diese rein physische Repräsentation in der Masse an stereotypen Bildern, z.B. aus der Zeit der konservativen Bewegung nach dem Bürgerkrieg, die noch heute existieren, begründet. Diese Bilder wurden geschaffen, um Propaganda gegen den freien Status von Schwarzen als Bürger zu machen.4 Gates zitiert Stern A. Brown der 7 Beispiele aus der Literatur heraus gearbeitet hat, welche Loyalität, Heiterkeit, Unterwürfigkeit, Putzigkeit, Überschwang/ Lebendigkeit, tierisch/ Wildheit, sexuelle Lust sind.5 Auch für Lee besteht nur eine rein körperliche Repräsentation. Nur als Körper, nicht als Geist dargestellt, sei der afroamerikanische Mann virtuell abwesend und unmündig.6 Die einzelne Person verschwindet so hinter der vorherrschenden stereotypen Repräsentation und wird unsichtbar. Unsichtbar wird sie aber auch in Hinblick auf die fehlenden Bilder, die Leere zwischen physischer Überrepräsentation und negativen Stereotypen. Ralph Ellisons Begriff des „unsichtbaren Mannes“ wird hiermit erläutert. Zusammenfassend kann man nach Thelma Golden sagen, schwarze Männlichkeit sei also unsichtbar und überinterpretiert.

2.B. Historische Ursachen dieser Repräsentation schwarzer Männlichkeit

[...]


1 Golden, Thelma (Hrsg.): Black Male. Representation of Masculinity in Contemporary American Art, Ausst.-Kat., Whitney Museum of American Art, New York, 1997, S. 19; im Folgendem zitiert als: Golden, Black Male, 1994
2 Kobena Mercer: Engenderd Species: Danny Tisdale and Keith Piper; in: Artforum, 30, 1992, S. 75; zitiert nach: Thelma Golden, Black Male, 1994, S. 19
3 Cose, Ellis in: Plagens, Peter und Cose, Ellis: Black Like Whom?; in: Newsweek, Vol. 124, Artikel 20, New York,14.11.1994; im Folgenden zitiert als: Plagens und Cose, Black Like Whom?, Newsweek, 14.11.1994
4 Gates, Henry Louis: Preface; in: Golden, Thelma, Black Male, 1994, S. 11/12
5 Brown, Stern A., 1937; zitiert nach: Golden, Thelma: Black Male, 1994, S. 12
6 Lee, Pamela: Eine Lektion über den schwarzen Mann als Objekt, in: Texte zur Kunst, Jg. 5, Nr. 17, Berlin, Februar 1995 S. 173/174; im Folgendem zitiert als: Lee, Eine Lektion über den schwarzen Mann als Objekt, in Texte zur Kunst, 1995


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