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Antonin Artauds "Theatre de la Cruauté" - kann es heute ein heiliges Theater geben?

Hausarbeit, 1999, 10 Seiten
Autor: M.A. Astrid Berger
Fach: Theaterwissenschaft

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 1999
Seiten: 10
Note: 2
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V18791
ISBN (E-Book): 978-3-638-23057-5

Dateigröße: 135 KB
Anmerkungen :
Artaud wollte mit seinem sog. Theater der Grausamkeit das Bewusstsein der Menschen verändern, und zwar nicht nur intellektuell, sondern als tiefgreifende Katharsis. Hier finden sich Parallelen zu den Ursprüngen des Theaters im Ritual und zu Brooks "Heiligem Theater". Ist ein solches, anti-intellektuelles, undistanziertes, ergreifendes Theater heute noch oder wieder denkbar?


Zusammenfassung / Abstract

Inhalt: 1. Die Person Artauds 2. Das “Theatre de la Cruauté” 2.1 Cruauté, Grausamkeit, rohe Kraft 2.2 Metaphysik 2.3 Eigene Sprache, Chiffren, Realisation 3. Heiliges Theater bei Artaud und heute


Textauszug (computergeneriert)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Theaterwissenschaft
SS 1998

Antonin Artauds
“Théatre de la Cruauté”
- ist heiliges Theater heute denkbar?

Astrid Berger

 

Inhalt:

1.  Die Person Artauds

2.  Das “Theatre de la Cruauté”
2. 1 Cruauté, Grausamkeit, rohe Kraft
2. 2 Metaphysik
2. 3 Eigene Sprache, Chiffren, Realisation

3.  Heiliges Theater bei Artaud und heute

 

1. Die Person Artauds

Antonin Artaud (1896-1948) veröffentlichte 1932 in Paris das erste Manifest “Le Théatre de la Cruauté”. Zusammen mit einem zweiten Manifest gleichen Titels, den Briefen über die Grausamkeit und dem Text “Schluss mit den Meisterwerken” wurde 1938 die berühmte Textsammlung “Das Theater und sein Double” herausgegeben. Artaud gilt als einer der wichtigsten Theatertheoretiker seiner Zeit- als die Antipode Bert Brechts. Seine Bezeichnung “Théatre de la Cruauté””, übersetzt mit “Theater der Grausamkeit” wurde, obwohl leicht irreführend, zu einem Schlüsselwort der Theaterästhetik des 20ten Jahrhunderts. 1 

Artaud, der wegen einer Meningitis in der Kindheit zeitlebens Opium zu sich nehmen musste, um seine Kopfschmerzen zu ertragen, arbeitete auch als Schauspieler, gab Unterricht und publizierte Zeitschriften. Ausserdem versuchte er seine Theatertheorie in die Praxis umzusetzen, was ihm jedoch nur in Ansätzen gelang. Artaud war psychisch krank und verbrachte grosse Teile seines Lebens in psychiatrischen Anstalten. Er war nichtsdestotrotz als Lyriker und Theaterschaffender angesehen und zählte zu den französischen Surrealisten um André Breton, bis er von diesen aufgrund seiner unpolitischen, aufs Metaphysische konzentrierten Auffassung des Surrealismus, verstossen wurde. Daraufhin gründete er mit Roger Vitrac und Robert Aron das Théatre Alfred Jarry, das es jedoch nur zu vier Inszenierungen brachte. 1935 gelang es ihm sein Stück “Les Cencis” aufzuführen. Er selbst spielte die Hauptrolle und führte Regie. Es war der einzige Umsetzungsversuch seiner Theatertheorie, der allerdings bei Kritik und Publikum auf Empörung und Unverständnis stiess. Danach verbrachte Artaud längere Zeit in einer Klinik, reiste nach Mexico und Irland, wo er Religion, Brauchtum und Astrologie studierte, und schliesslich starb er 1948 in einer Klinik in Ivry, nachdem er noch weitere Schriften zu seinem Theater der Grausamkeit geschrieben hatte. 2

2. Das “Théatre de la Cruauté”

2. 1 Cruauté, Grausamkeit, rohe Kraft

Die bizarren Schriften Artauds, die Theatertheorie und -kritik und gleichzeitig literarische Kunst sind, erschweren eine struktualisierte Beschreibung seiner Ideen. Artaud hatte tatsächlich ‘grausame’ Ansätze, er wollte sein Publikum mittels gewaltigen Darstellungen und Schock zum Erleben zwingen. Dies ist ein Teil seiner Theorie,bzw. seiner Überzeugung , jedoch nicht der zentrale Inhalt und Namensgeber seines Theaters. Der Begriff “Cruauté” wäre besser übersetzt mit “Rohheit” oder “roher Kraft”, denn mit “Grausamkeit”. Artaud selbst erklärt: ”Doch Theater der Grausamkeit bedeutet zunächst einmal Theater, das für mich selbst schwierig und grausam ist. Auf der Ebene der Vorführung handelt es sich nicht um jene Grausamkeit, die wir uns gegenseitig antun können, indem wir einander zerstückeln, (...) sondern um die sehr viel schrecklichere und notwendigere Grausamkeit, welche die Dinge uns gegenüber üben können. Wir sind nicht frei. ”3. In Briefen, die er auf seine Manifeste folgen liess, wird Artaud noch deutlicher: ”Das Wort Grausamkeit muss in einem weiten Sinn verstanden werden, nicht in dem stofflichen, räuberischen Sinn, der ihm gewöhnlich beigelegt wird. Vor allem ist die Grausamkeit luzid, sie ist eine Art unerbittlicher Führung, eine Unterwerfung unter die Notwendigkeit. (...) Ich gebrauche das Wort Grausamkeit im Sinne von Lebensgier, von kosmischer Unerbittlichkeit und erbarmungsloser Notwendigkeit, im gnostischen Sinne von Lebensstrudel, der die Finsternis verschlingt. ”4

 

[....]


1 vgl.  Sucher, B.  C. :Theaterlexikon (Bd. 2).  München: dtv 1995, S. 420

2 vgl.  Brauneck, M. : Theater im 20ten Jahrhundert.  Programmschriften, Stilperioden, Reformmodelle.  Reinbek 1986, S. 464-479

3 Artaud, A. : Schluss mit den Meisterwerken.  1933, zit.  in: Brauneck : Theater im 20ten Jahrhundert , S. 409

4 Artaud, A. : Briefe über die Grausamkeit.  1938, zit. in: Sucher: Theaterlexikon, S. 421


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