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Termpaper, 2002, 24 Pages
Author: Melanie Kehr
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Nachkriegselend, Spuren, Arno, Schmidts, Umsiedler
Year: 2002
Pages: 24
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-23170-1
File size: 229 KB
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Excerpt (computer-generated)
Nachkriegselend und biographische Spuren
in Arno Schmidts „Die Umsiedler“
von Melanie Maase
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung 3
1. Historischer und sozialer Kontext 5
2. Arno Schmidt im Umfeld der Literatur der unmittelbaren Nachkriegszeit 7
Exkurs: „Die Umsiedler“ als „Fotoalbum“ 9
3. Nachkriegselend und biographische Spuren 10
3.1. Schmidts Situation zur Zeit der Entstehung 11
3.2. Allgemeines 11
3.3. Atheismus 16
3.4. Wiederaufrüstung 17
3.5. Bücherwelt 19
4.Ausblick 20
Literaturverzeichnis 22
Vorbemerkung
Obwohl die Texte des Frühwerks Arno Schmidts, zu denen auch die hier behandelte Erzählung „Die Umsiedler“ zu rechnen ist, keine großen Auflagenhöhen erreichen konnten, wurde ihnen von seiten der Literaturkritik dennoch große Aufmerksamkeit gewidmet. Seine Texte „erregten...schon gleich zu Beginn großes Aufsehen“1, und boten im Nachkriegsdeutschland Anlass zu umfangreichen Diskussionen. Die Auffassungen über Schmidts Frühwerk variieren stark, so nannte z.B. Alfred Andersch, der „Die Umsiedler“ im Rahmen der Reihe „Studio Frankfurt“ herausgab, nachdem die Erzählung zuvor vom Rowohlt-Verlag abgelehnt worden war, Arno Schmidt ein „Genie“, während andere Kritiker mit Unverständnis und Ablehnung auf Schmidts Prosa reagierten. Er ist ein „unbequemer“ und „umstrittener [...] Autor“2. So schreibt z.B. Helmut Günter über die Arno Schmidt – Rezeption: „Andersch hat Schmidt entdeckt. Voila ein Genie, rief er aus. Natürlich heftiger Widerspruch! Ein Genie? Ein Charlatan, ein Bluffer, ein Angeber. (Natürlich drückte man sich vornehmer aus, man war ja nicht Arno Schmidt!)“3 Auch diese unterschiedlichen Auffassungen über Schmidt machen eine Beschäftigung mit seinem Werk interessant. Schmidt, der „gegen die Zeit, gegen den vorherrschenden Geschmack und Zeitgeist [schrieb]“4, widmet sich mit „Die Umsiedler“ der Problematik der Flüchtlinge im Nachkriegsdeutschland. Hiermit wurde erstmals „ein Sozialproblem aufgegriffen [...], das an anspruchsvoller künstlerischer Gestaltung anderen Nachkriegserscheinungen, wie etwa dem Heimkehrerthema [...], bis dahin nachgestanden hatte“5.
Wie die meisten seiner Texte basiert auch „Die Umsiedler“ auf der Biographie Arno Schmidts. Diese Arbeit unternimmt den Versuch, biographische Spuren in „Die Umsiedler“ aufzuzeigen und mit Schmidts Schilderung des Flüchtlingselends in der Nachkriegszeit in Verbindung zu setzen. Allerdings erhebt diese Arbeit in Bezug auf die im Werk zu entdeckenden biographischen Anspielungen aufgrund der Fülle dieser keinen Anspruch auf Vollständigkeit, möchte aber die wichtigsten Themenkreise ansprechen. Die Darstellung des sozialen und historischen Kontextes übernimmt zuerst die Aufgabe, die Einbindung der Erzählung in die damalige Umwelt zu ermöglichen. Dies wird durch einen kurzen Überblick über die Literatur zur Zeit der Entstehung von „Die Umsiedler“ ergänzt. Die Schilderung der persönlichen Verhältnisse Schmidts, auf denen die Erzählung basiert, tragen weiterhin zur Einordnung in biographische und zeitgeschichtliche Aspekte bei.
Hingegen sollen formale Aspekte der Erzählung und der hiermit verbundene literaturtheoretische Ansatz Schmidts (die Konzeption eines „Fotoalbums“) nur marginal Erwähnung finden. Schmidts Ausführungen hierzu in seinen „Berechnungen“ bleiben unberücksichtigt. Diese Arbeit möchte als Ausblick weiterhin den Aspekt diskutieren, welche Intention Schmidt mit der engen Anbindung der Erzählung an sein eigenes Schicksal verfolgte. Es soll aufgezeigt werden, dass Schmidts negative Haltung gegenüber dem Staat und seinen Organen biographische Wurzeln hat. Die Frage, ob „Die Umsiedler“ den „gelungenen Versuch künstlerischer Realitätsbewältigung“6 zeigt, als „politisch-kritisch engagiert“7 anzusehen ist, oder dem Autor dazu dient, „der Nachkriegswelt seine Verachtung mit [...] intellektueller Bravour ins Gesicht [zu schleudern]“8, soll ebenso von Bedeutung sein und ihre Erörterung zeigen, dass auch hier Schmidts persönliches Schicksal nicht zu vernachlässigen ist.
1. Historischer und sozialer Kontext
[...]
1 Gerstmann, Eberhard: Arno Schmidts Nachkriegsweltbild in „LEVIATHAN“ und „DIE UMSIEDLER“, in: Michael Matthias Schardt: Arno Schmidt. Das Frühwerk I. Erzählungen. Interpretationen von `Gadir´ bis `Kosmas´. Aachen 1986, S.202-221, hier: S. 203 (künftig zitiert als: Gerstmann: Nachkrieg).
2 Memmolo, Pasquale: Die Politik des Erzählens im Frühwerk Arno Schmidts, in: Zettelkasten 16. Aufsätze und Arbeiten zum Werk Arno Schmidts. Jahrbuch der Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser. Frankfurt am Main / Wiesenbach 1997, S.43-75, hier: S.49.
3 Günter, Helmut: Die Umsiedler, in: Welt und Wort, 1954, Heft 8, S.278, zitiert nach: Bock, Hans-Michael (Hrsg.): Über Arno Schmidt. Rezensionen vom »Leviathan« bis zur »Julia«. Zürich 1984, S.32 (Über AS).
4 Vollmer, Hartmut: Das vertriebene und flüchtende Ich. Zu den Protagonisten im Frühwerk Arno Schmidts (künftig zitiert als: Vollmer: Ich), in: Schardt, Michael M./Vollmer, Hartmut (Hrsg.): Arno Schmidt. Leben -Werk-Wirkung. Reinbeck 1990, S.89-109, hier: S.90 (künftig zitiert als: Schardt: Leben).
5 Albrecht, Wolfgang: Arno Schmidt. Stuttgart/Weimar 1998, S.13 (künftig zitiert als: Albrecht: Schmidt).
6 Huerkamp, Josef: „Gekettet an Daten & Namen“. Drei Studien zum ,authentischen` Erzählen in der Prosa Arno Schmidts. München 1981, S.228 (künftig zitiert als: Huerkamp: Daten).
7 Ebd., S.22.
8 Blöcker, Günter: Im Dschungel der Worte, in: Süddeutsche Zeitung vom 5.9.1953, zitiert nach: Bock: Über AS, S.31(künftig zitiert als: Blöcker: Dschungel).
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