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Gesellschaftskritik in Theodor Storms "Ein Doppelgänger"

Termpaper, 2000, 23 Pages
Author: Melanie Kehr
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2000
Pages: 23
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V18929
ISBN (E-book): 978-3-638-23177-0

File size: 240 KB


Excerpt (computer-generated)

Gesellschaftskritik in Theodor Storms
`Ein Doppelgänger´

 

 


von Melanie Maase

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung 3

1. Historischer und sozialer Kontext 5

2. Storms politische Einstellung 6

3. `Ein Doppelgänger´- Aufruf zur Gesellschaftsveränderung?  7

3.1. Soziale Ausgrenzung und unsühnbare Schuld 8
3.2. Das Refugium der Familie 11
3.3. Kritik an der Rahmenerzählung 12
3.4. Deutungsversuche 13

3.4.1. Schicksalsmotive 13
3.4.2. Gesellschaftsanklage 14
3.4.3. Mitleid und Humanismus 17

4. Ausblick 19

Literaturverzeichnis 21

 

 

 

 


Vorbemerkung

Die Novelle `Ein Doppelgänger´ , die Theodor Storm im September des Jahres 1886 vollendete und die 1887 das erste Mal in Buchform erschien, hat im Laufe ihrer Rezeptionsgeschichte verschiedene, oft scheinbar bis ins Unvereinbare divergierende Deutungen erfahren. Allerdings zählt sie bis heute noch immer zu den „weniger beachteten und untersuchten Novellen in der Storm-Forschung“1. Andererseits wird betont, dass sie „mit zu den wichtigsten Werken Storms gehört“2. Storm begibt sich erstmals in das Milieu des sogenannten `vierten Standes´ und wendet sich den Problemen der Resozialisierung eines Zuchthäuslers, der sozialen Not eines Angehörigen des Proletariats zu: ein unübliches und vor allen „unbürgerliche[s] Thema“3 für die Zeit des bürgerlichen Realismus. Storm nahm auch hier ein reales Ereignis zum Anlaß für seine Novelle, denn den Stoff lieferte eine seiner Tanten durch den Bericht über den „etwas unheimlichen Tod eines Husumer Menschen“4. So ist – ganz den Vorstellungen des Realismus entsprechend – „die Literatur [...] in der bestehenden Realität verankert“5. Im Rahmen dieser Arbeit wird die Beziehung der Novelle Storms zum Realismus indes nicht Gegenstand der Untersuchung sein.

Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, die literarische Analyse der Gesellschaftskritik in Theodor Storms `Ein Doppelgänger´ darzustellen. Im Mittelpunkt steht der Aspekt der sozialen Ausgrenzung des Protagonisten John Hansen. Weiterhin werden die unterschiedlichen Deutungsversuche aufgezeigt. Aufgrund der Fülle der Rezeptionen erhebt diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sie möchte einen Überblick über die Deutung als `soziale Anklage´ einerseits und als `Schicksalsnovelle´ andererseits bieten. Die Darstellung des sozialen und historischen Kontextes übernimmt zuerst die Aufgabe, die Einbindung der Novelle in die damalige Umwelt zu ermöglichen. Dies geschieht im weiteren durch die Illustration Storms politischer Einstellung. Die Textanalyse orientiert sich besonders an der sozialen Ausgrenzung, aber Aspekte wie das Refugium der Familie und Kritik an der Rahmenerzählung werden gleichfalls berücksichtigt. Unberücksichtigt bleiben hingegen die Zeit- und die Erzählebene sowie die Doppelgängerproblematik John Hansens, auch die Deutung der Novelle als kunstvollen, poetischen Text. Das Motiv des `unheilverkündenden Brunnens´ kann nur am Rande erwähnt werden ( im Kapitel `Schicksalsmotive´), genauso wie Storms Verhältnis als Jurist zum Geschehen innerhalb der Novelle nur marginal Erwähnung findet. Die Arbeit möchte aufzeigen, dass Deutungen, die einzig den Aspekt der Gesellschaftanklage oder den der `Schicksalsnovelle´ herausstellen, als zu einseitig empfunden werden können und der Versuch einer Verbindung mit Storms liberaler Denkweise und seinem humanistischen Idealen, die sich durch Mitleid und Anteilnahme ausdrücken, nicht fehlen sollte. Ebenso wird als Ausblick kurz die Frage erörtert, inwieweit Storms Werk eine Tendenz zum Naturalismus aufweist und von der „Aktualität eines Klassikers“6 die Rede sein kann.

1. Historischer und sozialer Kontext

[...]


1 Pastor, Eckart: Die Sprache der Erinnerung. Zu den Novellen von Theodor Storm. Frankfurt am Main 1988, S.163 (künftig zitiert als: Pastor: Erinnerung).
2 Tschorn, Wolfgang: Der Verfall der Familie. `Der Herr Etatsrat und `Ein Doppelgänger´ als Beispiele zu einem zentralen Darstellungsobjekt Storms, in: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft 29 (1980), S.44-52, hier: S.47 (künftig zitiert als: Tschorn: Verfall).
3 Grimm, Gunter: Theodor Storm: Ein Doppelgänger (1886). Soziales Stigma als >modernes Schicksal<, in: Denkler, Horst (Hg.): Romane und Erzählungen des Bürgerlichen Realismus. Neue Interpretationen. Stuttgart 1980, S.325-347, hier: S.325 (künftig zitiert als: Grimm: Stigma).
4 Storm in einem Brief an E. Schmidt vom 16.9.1886, zitiert nach: Laage, Karl Ernst: Theodor Storm. Biogra- phie. Heide 1999, S.67 (künftig zitiert als: Laage: Biographie).
5 Eisele, Ulf: Realismus–Theorie, in: Glaser, Horst Albert: Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte. Band 7: Vom Nachmärz zur Gründerzeit: Realismus 1848-1880. Reinbeck 1982, S.36-47, hier: S.39 (künftig zitiert als: Glaser: Sozialgeschichte).
6 Freund, Winfried: Theodor Storm. Stuttgart u.a. 1987, S.7.


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